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GEJ 1.8

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 8 von 161

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GEJ 1.8.1

Joh. 1,38. Jesus aber wandte Sich um, sah die beiden nachfolgen und sprach zu ihnen: «Was sucht ihr?» Sie aber sagten zu Ihm: «Rabbi (das heisst übersetzt: Meister), wo wohnst Du?»

Auch dieser Text erscheint als Folge der vorhergehenden und ist mehr historisch als geistig. Denn damit beginnt vorerst die bekannte, ihrer Art nach noch ganz materielle Aufnahme der Apostel, und zwar in derselben Gegend, in der Johannes wirkte: in Bethabara, einem äusserst armseligen Flecken, den arme Fischer bewohnten. Aus diesem Grund erkundigen sich die beiden Jünger sogleich nach der Herberge und fragen gewissermassen, welche Hütte Ich bewohne.

GEJ 1.8.2

Denn da Ich Mich Selbst vor der Taufe vierzig Tage in dieser Gegend aufgehalten und Mein menschliches Wesen durch Fasten und andere Übungen auf das beginnende Lehramt vorbereitet hatte, ist es auch historisch klar und gewiss, dass Ich zu diesem Zweck in jenem Flecken irgendeine Herberge haben musste. Diese lag in derselben wüsten und höchst unwirtlichen Gegend, die Ich für Mein Vorhaben als die geeignetste erkannt hatte.

GEJ 1.8.3

Die beiden Jünger wussten sehr wohl, dass Ich schon einige Zeit in dieser Gegend zu Hause war. Sie hatten Mich dort wohl schon einige Male gesehen und wussten, wer Ich sei. Deshalb erkundigten sie sich sogleich nicht nach Meinem eigentlichen Geburtsort, sondern nur nach der Herberge im Ort Bethabara. Dieser bestand überwiegend aus den allerärmsten Fischerhütten, die aus Lehm und Schilf erbaut waren und oft kaum so hoch waren, dass ein Mann darin aufrecht stehen konnte.

GEJ 1.8.4

Auch Ich bewohnte eine ähnliche Hütte ziemlich tief in der Wüste; sie war ein Werk Meiner Hände. Davon leiten sich noch heute die Einsiedeleien her, die in fast allen christlichen Ländern vorkommen.

GEJ 1.8.5

Joh. 1,39. Er sprach zu ihnen: «Kommt und seht es euch an!» Sie gingen mit Ihm, sahen es und blieben an diesem Tag bei Ihm. Es war um die zehnte Stunde.

Diese Herberge war demnach nicht weit von dem Ort entfernt, an dem Johannes wirkte. Daher sagte Ich zu den beiden Jüngern: «Kommt und seht!» Darauf folgten Mir beide ohne Weiteres, erreichten mit Mir bald Meine Herberge und wunderten sich dort sehr, dass der Gesalbte Gottes beinahe die unscheinbarste Hütte von allen bewohnte, die sich zudem in einer der unwirtlichsten Gegenden dieser Wüste befand.

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Dies geschah nicht etwa in der Zeit, in der die christlichen Gemeinden heute gewöhnlich das vierzigtägige Fasten halten, sondern zwei Monate später. Als wir die Herberge erreichten, war es nach der damaligen Tageszeit die zehnte Stunde, nach heutiger Zeitrechnung also ungefähr drei Uhr nachmittags; denn damals bestimmte der Sonnenaufgang die erste Stunde des Tages. Da dieser nicht immer zur gleichen Zeit erfolgt, können die damaligen, «Stunden» genannten Tageszeiten mit der heutigen Tageseinteilung nicht genau, sondern nur annähernd in Übereinstimmung gebracht werden. Darum sagte Ich oben: Es war ungefähr drei Uhr nachmittags, als Ich mit den beiden Jüngern … [Der Satz bricht in der Ausgabe von 1871 hier syntaktisch ab.] Die beiden verbrachten diesen Tag bis zum Sonnenuntergang bei Mir. So wird im Gemüt jedes forschenden Lesers gewiss die Frage entstehen, was wir drei von drei bis gegen acht Uhr in und bei Meiner Herberge getan haben. Denn darüber steht nirgends etwas geschrieben. Die Sache versteht sich gewissermassen ganz von selbst: Ich unterwies die beiden über ihre künftige Bestimmung und zeigte ihnen auch, wie und wo Ich Mein Lehramt zuerst beginnen und wie Ich in dieser Gegend noch mehrere Menschen ihres Geistes und Willens als Meine Jünger annehmen werde. Zugleich gab Ich ihnen den Auftrag, sich unter ihren Kollegen, die meistens ebenfalls Fischer waren, umzuhören und zu beraten, ob einige geneigt wären, sich Mir anzuschliessen. Darin bestand während dieser Zeit unsere Unterhaltung. Als der Abend kam, entliess Ich die beiden, und sie kehrten teilweise, aber auch sehr nachdenklich zu den Ihrigen zurück; denn sie hatten Frauen und Kinder und wussten nicht, was sie mit ihnen tun sollten.

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Joh. 1,40. Einer von den beiden, die Johannes so (über Jesus) reden hörten und darauf Jesus nachfolgten, war Andreas, ein Bruder des Simon Petrus.

Einer der beiden, mit Namen Andreas, ist mit seinem Entschluss bald fertig und will Mir um jeden Preis folgen. Daher sucht er sogleich seinen Bruder Simon, der irgendwo noch mit seinen Fischernetzen zu tun hatte.

GEJ 1.8.8

Joh. 1,41. Dieser findet zuerst seinen Bruder Simon und sagt zu ihm: «Wir haben den Messias gefunden!» (Messias bedeutet: der Gesalbte.)

Als er ihn nach einigem Suchen findet, hat er nichts Wichtigeres zu tun, als Simon Hals über Kopf zu erzählen, er habe zusammen mit einem weiteren Jünger den verheissenen Messias gefunden. Der Entschluss dieses anderen Jüngers, Mir zu folgen, war nicht so fest.

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Joh. 1,42. (Simon wünscht Jesus zu sehen), und Andreas führt ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach Er: «Du bist Simon, der Sohn des Jonas; von nun an sollst du Kephas heissen» (das heisst übersetzt: ein Fels).

Als Simon Mich so sprechen hört, äussert er lebhaft den Wunsch, Mich so bald wie möglich zu sehen; denn er war bei der Taufe nicht zugegen gewesen. Andreas sagt: «Heute lässt es sich nicht mehr gut einrichten, aber morgen sollst du bei Tagesanbruch bei Ihm sein.»

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Darauf sagt Simon, der bei allem Tun ständig vom Messias träumte und meinte, der Messias werde der Armut helfen und die hartherzigen Reichen völlig vernichten: «Bruder, da ist kein Augenblick zu verlieren! Ich verlasse augenblicklich alles und folge Ihm bis ans Ende der Welt, wenn Er es verlangt. Führe mich daher sogleich zu Ihm; denn es drängt mich gewaltig, und ich muss Ihn noch heute sprechen. Die Nacht ist hell, und bis zu Seiner Hütte ist es nicht weit; darum machen wir uns sofort auf den Weg zu Ihm! Wer weiss denn, ob wir Ihn morgen noch antreffen würden?»

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Auf dieses Drängen hin führt Andreas ihn zu Mir. Als sich beide schon ziemlich spät in der Nacht Meiner Herberge nähern, bleibt Petrus vor süssem Entzücken etwa dreissig Schritte davor stehen und sagt zu Andreas: «Mir wird sonderbar zumute! Mich ergreift ein erhabenes, süsses Bangen. Ich traue mich kaum, noch einen Schritt weiterzugehen, und doch ist in mir ein so heisses Verlangen, Ihn zu sehen!»

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Hier komme Ich aus Meiner Hütte den beiden Brüdern entgegen. Das wird damit gesagt und gezeigt, dass Ich ihn sah. Es versteht sich von selbst, dass mit dem Von-Mir-Gesehen-Werden Mein Entgegenkommen bezeichnet ist, wenn jemand wie Simon vor allem im Herzen zu Mir kommt. Deshalb wird er von Mir auch sogleich erkannt, das heisst angenommen, und ein neuer Name ist für ihn der erste Anteil an Meinem Reich. Simon erhält hier sofort den Namen Kephas oder «ein Fels im Glauben an Mich»; denn Ich sah schon lange, mit welchem Geist Petrus beklebt ist und war.

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Für Petrus oder Simon war diese Meine Anrede ein hinreichender Beweis dafür, dass Ich unfehlbar der verheissene Messias bin. Von da an gab er in seinem Herzen keinem Zweifel an Mir mehr Raum und fragte Mich auch niemals mit nur einer Silbe, ob Ich wirklich der Richtige sei; denn sein Herz war ihm der einzig sichere und gültige Bürge. Beide blieben nun bis zum Morgen bei Mir und verliessen Mich nicht mehr.

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