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GEJ 1.44

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 44 von 161

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GEJ 1.44.1

Der Oberpriester, der dieser Rede mit grosser Aufmerksamkeit zugehört hatte, sagte: «Nun ist alles wohl und gut, und nach meinem Dafürhalten verstehe ich jetzt beinahe alles. Nur eines muss ich dir noch sagen: Der Meister sprach eigentlich nur davon, das rechte Auge auszureissen und die rechte Hand abzuhauen. In meinem forschenden Eifer nahm ich dann ganz allgemein auch die Füsse hinzu. Doch sieh: Du hast mir das Abhauen der Füsse genauso erklärt wie das Auge und die Hand, von denen allein der Herr meines Wissens gesprochen hat. Du sagtest aber, Entsprechung bestehe nur im Wort des Herrn, das zum Geist des Menschen spricht. Wie kommt es dann, dass du auch in meinem Zusatz eine Entsprechung gefunden hast?»

GEJ 1.44.2

Nathanael sagte: «Du irrst dich! Der Herr sprach auch vom rechten Fuss. Nur den Schreibern gab Er einen Hinweis, das mit dem Fuss wegzulassen. Denn wenn Menschen einmal ihre innere Sicht dem Himmel zugewandt und ihren Liebeswillen — der in der Entsprechung unter dem linken Arm als der Hand des Herzens verstanden wird — nach Gottes Willen tätig gemacht haben, nachdem sie den rechten Arm oder die rechte Hand — worunter der rein weltliche Handlungstrieb verstanden wird — von sich entfernt haben, dann ist es nicht mehr nötig, auch den rechten Fuss eigens von sich zu entfernen. Denn sobald sich das Auge im rechten Licht und die Hand, oder besser gesagt der Wille, im rechten Handeln befinden, ist der Fortschritt in die Bereiche des ewigen Lebens schon von selbst vorhanden. Damit ist der rechte Fuss, der den Fortschritt in der Welt bezeichnet, von selbst abgelöst, und es bedarf keiner besonderen Mühe mehr.

GEJ 1.44.3

Ihr Samaritaner könntet jedoch zweckmässigerweise beim Fuss anfangen. Denn obwohl eure Sicht nun dem Göttlichen zugewandt ist und eure Hände eine rechte Tat vollbringen, ist euer Fuss oder euer Drang nach Fortschritt dennoch ganz auf die Welt ausgerichtet. Vom Messias erwartet ihr nämlich etwas völlig anderes, als ihr nach der Voraussage aller Propheten von Ihm erwarten sollt. Geistig betrachtet ist das euer rechter Fuss, den ihr abhauen sollt, um den rechten Weg zum Reich Gottes einschlagen zu können. Darum hatte der Herr allein euretwegen zu euch vom rechten Fuss gesprochen, dies aber nicht niederschreiben lassen. Denn die späteren Anhänger der Lehre des Herrn werden wohl wissen, wo und worin das Reich des Messias besteht und was man tun muss, um dorthin zu gelangen. Hast du nun noch irgendeinen Einwand?»

GEJ 1.44.4

Der Oberpriester sagte: «Nun ist mir wohl alles so weit klar, wie es mir überhaupt klar sein kann. Trotz meines jetzigen Verständnisses muss ich jedoch hinzufügen, dass eure Lehre in der Art, wie sie gegeben wird, hart und schwer verständlich ist. Ihr werdet erleben, dass sehr viele an ihr Anstoss nehmen werden.

GEJ 1.44.5

Ich will euch zwar kein Unheilsprophet sein, aber dennoch sage ich euch: Bei den hochmütig auftretenden Juden werdet ihr damit nicht das bewirken, was ihr bei uns trotz unserer vielfältigen Torheit bewirkt habt. Wir glauben nun, wenn auch noch wie in einem Traum; die grossen Juden aber werden euch nicht auf diese Weise glauben. Sie werden Zeichen verlangen und euch am Ende sogar wegen der Zeichen verfolgen. Wir dagegen verlangten keine Zeichen von euch, und dennoch habt ihr sie freiwillig gewirkt.

GEJ 1.44.6

Wir glauben euch nun aber nicht wegen der Zeichen, die zum Teil auch Menschen vollbringen können, sondern allein wegen der Lehre, weil ihr sie uns erklärt habt. Daher sollt ihr auch bei uns bleiben, denn bei den hohen Juden und Griechen werdet ihr schlechte Geschäfte machen.»

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