← Jakob Lorber

GEJ 1.43

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 43 von 161

Español English
GEJ 1.43.1

Hier stutzten der Oberpriester und auch viele andere ganz gewaltig. Nach einer Weile sagte er: «Ja, ja, nun verstehe ich es. Aber warum sprach der Herr nicht sogleich so verständlich, wie du jetzt gesprochen hast? Dann hätte ich mich gewiss nicht an Ihm versündigt.»

GEJ 1.43.2

Nathanael sagte: «Wenn mich ein siebenjähriger Knabe so fragen würde, würde es mich nicht wundern, weil ein siebenjähriges Kind nun einmal so fragt. Bei dir aber wundert es mich sehr, da du doch einer der bedeutendsten Weisen dieses Ortes bist.

GEJ 1.43.3

Möchtest du dem Herrn nicht auch die weise Preisfrage stellen, warum Er in die Samenkörner, die doch überhaupt nichts gleichen, bis ins Endlose die Fähigkeit zur Gestaltung und Entwicklung des daraus hervorgehenden Baumes gelegt hat? Hätte Er nicht lieber sogleich alle Früchte reif aus der Luft in den Schoss der Menschen regnen lassen sollen? Wozu die langwierige Entwicklung eines Baumes aus dem Samenkorn und danach noch das lange Warten auf die reife Frucht? Sieh nur, wie töricht du noch bist!

GEJ 1.43.4

Das Wort und die Lehre des Herrn sind wie alle Seine Werke. Er gibt uns Seine Lehre in Samenkapseln. Diese müssen wir zuerst in den Boden unseres Geistes säen, und dieser Boden heisst Liebe. Dann wird der Same aufgehen und zu einem Baum der wahren Erkenntnis Gottes und unserer selbst werden. Von diesem Baum werden wir zur rechten Zeit vollreife Früchte für das ewige Leben sammeln können.

GEJ 1.43.5

Die Liebe aber ist das Erste; ohne sie gedeiht keine Frucht des Geistes. Säe den Weizen in die Luft und sieh, ob er wachsen und dir Frucht bringen wird. Wenn du das Weizenkorn dagegen in guten Boden legst, wird es wachsen und dir vielfache Frucht bringen. Die rechte Liebe ist der richtige Boden für das geistige Weizenkorn, das uns aus dem Mund des Herrn gegeben wird.

GEJ 1.43.6

Deshalb hob der Herr nun vor euch allen das harte mosaische Strafgesetz auf, damit ihr sehr bald reicher an gutem Boden in euren Herzen werdet. Denn wer nach dem Gesetz bestraft, hat wenig, oft sogar überhaupt keine Liebe; deshalb wird der göttliche Wortsame bei ihm sehr schlecht gedeihen. Wer aber bestraft wird, befindet sich ohnehin im Gericht, in dem keine Liebe ist, denn das Gericht ist der Tod der Liebe.

GEJ 1.43.7

Darum sollt ihr die Fehler eurer Nächsten lieber nicht sogleich wahrnehmen, sondern nachsichtig und geduldig mit ihnen sein. Wenn sie in ihrer Schwäche etwas von euch verlangen, sollt ihr ihnen nichts vorenthalten, damit die Liebe in euch selbst und ebenso in euren schwachen Brüdern zunimmt. Ist die Liebe einmal in euch und euren Brüdern reichlich vorhanden, wird der göttliche Same in euch gut gedeihen. Der Schwache wird euch dann aus seiner Stärke heraus ansehen und euch vielfach vergelten, was ihr ihm in seiner Schwäche erwiesen habt.

GEJ 1.43.8

Wenn ihr aber geizig und hart gegen eure schwachen Brüder seid, werdet ihr selbst niemals zu einer Gottesfrucht in euch gelangen, und das Gericht der Schwachen wird am Ende auch euch ins Verderben ziehen.

GEJ 1.43.9

Als der Herr sagte: «Wer von dir den Rock verlangt, dem gib auch den Mantel dazu», wollte Er nur andeuten, dass ihr, die ihr reich seid und viel besitzt, den Armen, wenn sie zu euch kommen, reichlich und viel geben sollt. Dadurch werdet ihr bald viel Boden in euren Herzen gewinnen und im Besitz dieses wahren Bodens selig sein. Die Armen werden euch wahrhaft segnen, denn aus euren Herzen werden sie die tatkräftigste Predigt des wahren Evangeliums Gottes vernehmen und durch sie selbst stark werden, um euch zur ewigen Stütze zu sein. Wenn ihr aber geizig gebt und berechnet, wann und wie viel ihr gebt, nützt ihr damit weder euch noch den armen Brüdern; deshalb werden sie euch niemals zur Stütze werden.»

Diese Seite teilen
WhatsApp Telegram E-Mail
Öffnet in einem neuen Tab.