Joh. 3,27. Johannes antwortete: «Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben wird.»
Johannes fasste sich und sagte zu seinen Schülern: «Hört: Mir scheint es so zu sein. Ein Mensch kann nichts nehmen, besonders in geistigen Dingen, wenn es ihm nicht zuvor aus den Himmeln gegeben wird. Der aussergewöhnliche Mensch, der Sich jenseits des Jordans von mir taufen liess, über Dem ich den Geist Gottes sanft wie eine Taube in Gestalt eines Lichtwölkchens aus den Himmeln herabkommen sah und Dem ich Zeugnis gab, hätte Sich als blosser Mensch nicht nehmen können, was Er hat. Er ist aber mehr als ein blosser Mensch und scheint die Macht zu besitzen, Sich Selbst aus den Himmeln zu nehmen, das Empfangene zu behalten oder es zu geben, wem Er will. Ich meine, dass wir alles, was wir haben, aus Seiner Gnade empfangen haben; deshalb können wir Ihm unmöglich vorschreiben, was und wie Er handeln soll. Er gibt, und wir sind diejenigen, die von Ihm nehmen. Er hat Seine Wurfschaufel in der Hand; Er wird Seine Tenne fegen, wie Er will, den Weizen in Seine Scheune sammeln, die Spreu im ewigen Feuer verbrennen und aus der Asche machen, was Er will.»
Joh. 3,28. Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht Christus, sondern nur vor Ihm hergesandt.
«Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich vor den Priestern und Leviten aus Jerusalem gesagt habe: Ich bin nicht Christus, sondern vor Ihm hergesandt. Wie könnte ich mich über das aufhalten, was Derjenige tut, der die eigene Wurfschaufel in der Hand hat? Wenn Er Seine Tenne fegt, wie Er will, dürfen wir Ihm kein Gesetz geben. Denn der Acker – die Welt – gehört Ihm, ebenso der Weizen – die Kinder Gottes – und die Spreu – die Kinder der Welt oder des Teufels. Sein sind die Scheune – der Himmel – und das Feuer – die Hölle –, das niemals erlischt.»
Joh. 3,29. Wer die Braut hat, ist der Bräutigam, der Herr. Der Freund des Bräutigams steht dabei, hört ihm zu und freut sich sehr über seine Stimme. Diese meine Freude ist nun erfüllt.
«Wer die Braut – die Weisheit der Himmel – hat, ist ein wahrer Bräutigam. Der Freund des Bräutigams aber steht dabei, hört Ihm zu und freut sich sehr über Seine Stimme. Seht, diese Freude hat sich nun an mir erfüllt. Wenn der Herr Selbst kommt, ist das Amt des Boten beendet. Denn der Bote hat nichts anderes zu tun, als die Ankunft des Herrn zu verkünden; ist der Herr da, wird der Bote nicht mehr gebraucht.»
Joh. 3,30. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.
«Deshalb muss ich nun abnehmen; Er als der Herr aber muss bei den Menschen dieser Erde wachsen. Ihr wart stets meine Jünger, seit ich als gesandter Bote zu euch kam; doch wer von euch hat je aus meinem Mund gehört, dass ich mich dessen gerühmt hätte? Den gerechten Ruhm bewahrte ich immer Dem auf, Dem er gebührt. Wenn ich bezeugte, dass ich nicht wert sei, die Riemen Seiner Schuhe zu lösen, erhöhte ich mich gewiss nicht, sondern gab Ihm allein die Ehre, die mir die Blindheit der Menschen erweisen wollte. Deshalb sage ich nochmals: Mein Amt ist nun zu Ende. Wenn der Herr Selbst kommt, hat der Vorläufer keinen Nutzen mehr. Darum muss der Bote – das Fleisch – abnehmen, und Er als der Herr – der Geist – muss über alles Fleisch hinaus wachsen. Zwischen dem Boten und Dem, der ihn aus ureigener Macht sendet, wohin Er will, besteht ein grosser Unterschied.»
Joh. 3,31. Der von oben kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, gehört zur Erde. Der aber vom Himmel kommt, ist über allen.
«Wer die Macht hat, Gesetze zu geben, ist oben; wer gehorchen muss, ist unten. Niemand kann auf angemessene Weise oben sein, wenn er nicht von oben gekommen ist. Wer wahrhaft von oben kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, kann niemals von oben sein, sondern bleibt von der Erde. Wer aber vom Himmel kommt, ist über allen, denn Er ist der Herr und kann tun, was Er will; Er kann mit Wasser, Feuer und Geist taufen, denn alles ist Sein.
Ich meine jedoch, dass Er Selbst nicht viel mit Wasser tauft, sondern nur mit dem Feuer des Geistes. Seine Jünger werden aber zuvor nach meiner Art die Menschen taufen, nämlich alle, die die Wassertaufe noch nicht von mir empfangen haben. Die Wassertaufe nützt dem Menschen jedoch nichts, wenn er danach nicht mit dem Geist Gottes getauft wird.»
Joh. 3,32. Er bezeugt, was Er gesehen und gehört hat; dennoch will fast niemand Sein Zeugnis annehmen.
«Das Wasser bezeugt nur das Wasser und reinigt die Haut vom Schmutz der Erde. Der Geist Gottes aber, mit dem allein der Herr taufen kann, weil der Gottesgeist Sein Geist ist, zeugt von Gott und von dem, was Er allein jederzeit in Gott schaut und vernimmt.
Doch leider nimmt jetzt fast niemand dieses heilige Zeugnis an. Denn was Kot ist, bleibt Kot und kann den Geist nicht aufnehmen, es sei denn, der Kot geht zuvor durch das Feuer und wird dort selbst zum Geist. Ein wahres Feuer verzehrt alles bis auf den Geist, der selbst ein gewaltiges Feuer ist. Darum wird die Geistestaufe des Herrn auch viele zerstören, und viele werden sich davor scheuen, sie anzunehmen.»
Joh. 3,33. Wer es annimmt, versiegelt in sich, dass Gott wahrhaftig ist – natürlich in Dem, der ihm durch die Taufe mit dem Geist Gottes das Zeugnis gab.
«Wer diese Taufe und in ihr das heilige Zeugnis annimmt, wird vor der Welt in sich versiegeln, dass Derjenige, der ihn mit dem Geist getauft hat, Selbst der wahrhaftigste Gott ist und allein das ewige Leben geben kann. Ihr fragt euch dennoch: Warum soll das Zeugnis der Himmel von Gott durch Gott in sich versiegelt werden? Ich sagte es euch: Kot bleibt Kot, und Geist bleibt Geist. Wenn aber der Erdenmensch, der von Grund auf Kot ist, den Geist in seinen Kot aufnimmt, wird ihm dieser Geist bleiben, wenn er ihn nicht gut in sich, das heisst in seinem Herzen, verwahrt?
Gibt es etwa ein bestimmtes Mass, nach dem der Geist verteilt wird, damit jeder weiss, wie viel Geist er empfangen hat? Wenn kein solches Mass festgelegt ist, muss der irdische Kotmensch dem empfangenen Geist in seinem Herzen ein Mass eröffnen. Erst wenn der Geist in diesem Mass zur bleibenden Ruhe gekommen und das neue Mass in dieser Ruhe erfüllt hat, erkennt der Kotmensch in sich selbst, wie viel Geist er empfangen hat.
Was würde es euch nützen, wenn ihr am Meer Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpft? Könntet ihr jemals sagen und erkennen, wie viel Wasser ihr aus dem für euch unermesslichen Meer geschöpft habt? Ist das Fass jedoch gut gebunden, könnt ihr messen, wie viel Meerwasser es enthält. Das Wasser des Meeres ist überall gleich; ob viel oder wenig, bleibt einerlei. Das Meer ist durch und durch Meer, und wer irgendwo daraus schöpft, viel oder wenig, schöpft echtes Meerwasser und erkennt erst danach das Mass.»
Joh. 3,34. Der von Gott Gesandte redet Gottes Wort. Gott gibt Seinen Geist dem Gesandten nicht nach Mass wie einem Menschen, sondern in Seiner ganzen Fülle.
«Ebenso verhält es sich mit Dem, der von Gott gekommen ist, um von Gott zu zeugen und das reine Gotteswort zu sprechen. Er Selbst ist das unermessliche Meer, der Geist Gottes. Wenn Er jemandem Seinen Geist gibt, gibt Er ihn nicht nach dem unendlichen Mass, das nur in Gott allein in seiner ganzen unendlichen Fülle vorhanden sein kann, sondern nach dem Mass, das im Menschen ist. Will der Mensch den Geist empfangen, darf sein eigenes Mass weder schadhaft sein noch offen bleiben, sondern muss gut gebunden und versiegelt sein.
Derjenige aber, bei dem ihr wart und den ihr gefragt habt, ob Er Christus sei, hat – äusserlich ebenfalls ein Menschensohn – den Geist Gottes nicht nach dem Mass eines Menschen, sondern schon von Ewigkeit her nach dem unendlichen Mass Gottes Selbst empfangen. Denn Er Selbst ist das unermessliche Meer des Geistes Gottes in Sich. Seine Liebe ist von Ewigkeit her Sein Vater; und diese Liebe ist nicht ausserhalb des sichtbaren Menschensohnes, sondern in Ihm Selbst, der das Feuer, die Flamme und das Licht von Ewigkeit in und aus dem Vater ist.»
Joh. 3,35. Der Vater liebt den Sohn und hat Ihm alles in Seine Hand gegeben.
«Dieser liebe Vater liebt Seinen eigenen Sohn über alles. Alle Macht und Gewalt liegen in den Händen des Sohnes, und alles, was wir nach gerechtem Mass besitzen, haben wir aus Seiner unermesslichen Fülle geschöpft. Er Selbst ist aus Seinem eigenen Wort nun ein Mensch aus Fleisch unter uns; und Sein Wort ist Gott, Geist und Fleisch, das wir den Sohn nennen. Der Sohn ist daher auch in Sich ewig das Leben allen Lebens.
Joh. 3,36. Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen; vielmehr bleibt der Zorn Gottes über ihm.
«Wer den Sohn annimmt und an Ihn glaubt, hat das ewige Leben bereits in sich. Denn wie Gott Selbst in jedem Wort Sein eigenes, vollkommenstes ewiges Leben ist, so ist Er es auch in jedem Menschen, der Sein lebensvollstes Wort in sich aufnimmt und bewahrt. Wer dagegen das Gotteswort aus dem Mund des Sohnes nicht annimmt und dem Sohn nicht glaubt, kann das Leben weder empfangen noch in sich sehen und fühlen. Der Zorn Gottes – das Gericht der Dinge, die kein anderes Leben haben als das des ewig unveränderlichen Mussgesetzes – wird über ihm bleiben, solange er nicht an den Sohn glaubt.
Ich, Johannes, habe dies nun zu euch gesprochen und euch allen ein vollgültiges Zeugnis gegeben. Mit meinen eigenen Händen habe ich euch vom Schmutz der Erde gereinigt. Geht nun hin und nehmt Sein Wort an, damit euch die Taufe Seines Geistes zuteilwird; denn ohne sie sind alle meine Mühen um euch nutz- und wertlos. Auch ich selbst würde gern zu Ihm gehen, doch Er will es nicht und offenbart mir durch meinen Geist, dass ich bleiben soll, weil ich im Geist bereits empfangen habe, was euch noch fehlt.»
Dies ist das letzte und grösste Zeugnis des Johannes über Mich und bedarf keiner weiteren Erklärung, weil es sich in und aus sich selbst erklärt.
Der Grund, weshalb es im Evangelium nicht so vollständig wiedergegeben ist, bleibt derselbe. Erstens war damals die notwendige Art des Schreibens so beschaffen, dass nur die Hauptpunkte aufgezeichnet und alle übrigen Dinge weggelassen wurden, die ein erweckter Geist ohnehin leicht selbst finden kann. Zweitens sollte das lebendig Heilige im Wort nicht verunreinigt und entheiligt werden. Daher ist jeder solche Vers ein kräftiges Samenkorn mit fester Schale, in dem der Keim zu einem endlosen Leben und zu dessen niemals ermessbarer Weisheitsfülle verborgen ruht.