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GEJ 1.21

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 21 von 161

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GEJ 1.21.1

Joh. 3,16. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Der Herr sagte: «Ich sage dir: Gott ist die Liebe, und der Sohn ist Dessen Weisheit. So sehr liebte Gott die Welt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn – das heisst Seine von Ewigkeit her aus Ihm Selbst hervorgehende Weisheit – in diese Welt gab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Sage Mir, verstehst du auch das nicht?»

GEJ 1.21.2

Nikodemus sagte: «Es scheint mir zwar, als müsste ich es verstehen, doch im Grunde verstehe ich es nicht. Wenn ich nur wüsste, wie ich den Menschensohn einordnen soll, wäre ich schon ziemlich im Reinen. Du sprachst nun auch vom eingeborenen Sohn Gottes, den die Liebe Gottes in die Welt gab. Sind der Menschensohn und der Eingeborene Gottes ein und dieselbe Person?»

GEJ 1.21.3

Ich sage: «Sieh her! Ich habe einen Kopf, einen Leib, Hände und Füsse. Kopf, Leib, Hände und Füsse sind Fleisch, und dieses Fleisch ist ein Sohn des Menschen; denn was Fleisch ist, kommt vom Fleisch. In diesem Menschensohn, der Fleisch ist, wohnt jedoch Gottes Weisheit, und diese ist der eingeborene Sohn Gottes. Aber nicht der eingeborene Sohn Gottes, sondern nur der Menschensohn wird wie die Schlange des Mose in der Wüste erhöht werden, woran viele Anstoss nehmen werden. Denen aber, die keinen Anstoss nehmen, sondern glauben und sich an Seinen Namen halten, wird Er die Macht geben, Kinder Gottes zu heissen; und ihr Leben und ihr Reich werden ewig kein Ende haben.

GEJ 1.21.4

Joh. 3,17. Gott hat Seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit Er sie richte, sondern damit sie durch Ihn gerettet werde.

«Du darfst nun kein Gericht dieser Welt erwarten, etwa Kriege, eine Wasserflut oder gar ein Feuer aus den Himmeln, das alle Heiden verzehrt. Denn sieh: Gott hat Seinen eingeborenen Sohn – die göttliche Weisheit – nicht in die Welt, also in dieses Menschenfleisch, gesandt, damit Er diese Welt richte und verderbe, sondern damit sie durch Ihn völlig gerettet werde. Das heisst, auch alles Fleisch soll nicht verderben, sondern mit dem Geist zum ewigen Leben auferstehen. Unter Fleisch wird hier weniger das eigentliche Körperfleisch verstanden als vielmehr die fleischlichen Begierden der Seele. Um dies zu erreichen, muss der Glaube im Fleisch die materiellen Gefühle eigener Grösse zunichtemachen: der Glaube an den Menschensohn, dass Dieser von Ewigkeit her aus Gott geboren in diese Welt gekommen ist, damit alle das ewige Leben haben, die an Seinen Namen glauben und sich an Ihn halten.»

GEJ 1.21.5

Joh. 3,18. Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes glaubt.

«Jeder, ob Jude oder Heide, der an Ihn glaubt, wird niemals gerichtet und dadurch verdorben werden. Wer aber am Menschensohn Anstoss nimmt und nicht an Ihn glaubt, ist bereits gerichtet. Denn gerade dass er nicht glauben will und kann, weil er infolge seines Gefühls eigener Grösse am Namen und Wesen des Menschensohnes Anstoss nimmt, ist schon das Gericht eines solchen Menschen. Verstehst du nun, was Ich dir so überaus klar vor Augen gestellt habe?»

GEJ 1.21.6

Nikodemus sagte: «Ja, ich verstehe den Sinn Deiner höchst mystisch gehaltenen Rede ungefähr zur Hälfte. Doch solange der von Dir so hochgestellte Menschensohn, in dem die Fülle der göttlichen Weisheit wohnt, nicht da ist und Du weder Zeit noch Ort Seines Kommens genauer bestimmen kannst oder willst, erscheint mir Deine Rede wie in die Luft gesprochen.

GEJ 1.21.7

Auch Dein Gericht, das Du allein in den Unglauben setzt, klingt sehr rätselhaft. Wenn das Gericht weder eine Flut noch Krieg oder Pest und ebenso wenig ein verzehrendes Feuer ist, sondern nur der Unglaube an und in sich selbst, muss ich Dir, lieber Meister, offen gestehen, dass ich den Sinn Deiner Rede noch immer nicht verstehe. Denn wer einen oder zwei Begriffe einer Rede nicht versteht, versteht im tiefsten Grund die ganze Rede nicht. Was genau ist also Dein Gericht? Welchen neuen Sinn verbindest Du mit diesem Begriff?»

GEJ 1.21.8

Ich sage: «Mein Freund, bald könnte auch Ich zu dir sagen: Ich kann kaum noch begreifen, woran es liegen mag, dass du den völlig klaren Sinn Meiner Rede nicht erfassen kannst. Den Begriff des Gerichts willst du nicht verstehen, obwohl Ich ihn dir klar dargelegt und vollständig erläutert habe.»

GEJ 1.21.9

Joh. 3,19. Darin besteht das Gericht: Das Licht ist in die Welt gekommen, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren und sind böse.

«Sieh, das ist das Gericht: Nun ist das Licht Gottes aus den Himmeln in die Welt gekommen. Obwohl die Menschen aus der Finsternis herausgenommen und ins Licht gestellt worden sind, lieben sie die Finsternis noch immer weit mehr als das volle Gotteslicht vor ihren Augen. Dass die Menschen das Licht nicht wollen, beweisen ihre durch und durch bösen Werke.

GEJ 1.21.10

Wo findest du den ersten vollen Glauben, wo die rechte Gottesfurcht? Wo liebt einer den anderen, ausser wenn er weiss, dass er etwas von ihm gewinnen kann? Wo sind jene, die ihre Frau um der lebendigen Fruchtbarkeit willen liebten? Sie liebten die jungen Dirnen um der Lust willen und trieben mit ihnen Unzucht und regelrechte Hurerei. Denn wer mit dem anderen Geschlecht wegen Wollust und Unzucht förmlichen Götzendienst treibt, begeht wahre Hurerei, und diese ist ein Übel der Übel. Welcher Dieb würde sich ein Licht nehmen und offen stehlen?»

GEJ 1.21.11

Joh. 3,20. Wer Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine bösen Werke nicht bestraft werden.

«Sieh, alle, die so gesinnt sind und Böses tun, sind diejenigen, deren Werke böse sind. Wer solche Werke liebt und tut, ist ein Feind des Lichtes, hasst es und wird gewiss alles daransetzen, dass seine Angelegenheit nicht ans Licht kommt, damit seine bösen Werke – von denen er weiss, dass das Licht sie verwirft und richtet – nicht im Licht in ihrer Hässlichkeit erkannt und bestraft werden.

GEJ 1.21.12

Sieh, darin besteht das eigentliche Gericht. Was du dagegen unter Gericht verstehst, ist nicht das Gericht selbst, sondern nur eine Strafe, die ihm folgt.

GEJ 1.21.13

Wenn du gern in der Nacht umhergehst, ist es bereits ein Gericht deiner Seele, dass du die Nacht mehr liebst als den Tag. Wenn du deshalb leicht anstösst, dich schwer verletzt oder sogar in eine Grube oder einen tiefen Graben fällst, dann sind dieser Anstoss oder Fall nicht das Gericht, sondern nur eine Folge des Gerichts in dir, weil du die Nacht liebst und den Tag hasst.»

GEJ 1.21.14

Joh. 3,21. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan.

«Wenn du aber ein Freund des Lichtes, des Tages und der Wahrheit aus Gott bist, wirst du der göttlichen Wahrheit gemäss handeln und gewiss sehnlich wünschen, dass deine Werke vor aller Augen ans Licht kommen und jedermann offenbar werden. Denn du weisst, dass deine Werke gut und gerecht sind, weil sie im Licht der Wahrheit aus Gott getan wurden, und deshalb Anerkennung und öffentliche Belohnung verdienen.

GEJ 1.21.15

Wer also ein Freund des Lichtes ist, wird nicht in der Nacht, sondern am Tag wandeln und das Licht sofort erkennen, weil er aus dem Licht ist. Dieses Licht heisst der Glaube des Herzens.

GEJ 1.21.16

Wer daher an den Menschensohn glaubt, dass Dieser ein Licht aus Gott ist, hat das Leben bereits in sich. Wer jedoch nicht glaubt, trägt das Gericht schon in sich, und dieses Gericht ist der Unglaube selbst.

GEJ 1.21.17

Ich meine, dass du Mich nun wohl verstanden haben wirst.»

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