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GEJ 1.20

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 20 von 161

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GEJ 1.20.1

Joh. 3,13–15. Niemand fährt zum Himmel auf ausser Dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich dem Menschensohn, der fortwährend im Himmel ist. Wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hatte, so muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Der Herr sagte: «Sieh, niemand fährt zum Himmel auf ausser Dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich dem Menschensohn, der fortwährend im Himmel ist. Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hatte, so muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Sage Mir: Verstehst du das?»

GEJ 1.20.2

Nikodemus sagte: «Lieber Meister, wie sollte oder könnte ich das verstehen? In Dir ist eine eigentümliche Art von Weisheit. Wie ich Dir schon einmal sagte, könnte ich leichter die alte ägyptische Bilderschrift lesen als Deine Weisheit verstehen. Ich muss Dir nun offen bekennen: Wenn mich Deine gewaltigen Taten nicht an Dich bänden, müsste ich Dich für einen Narren und einen Spassmacher halten, denn auf Deine Weise hat noch nie ein vernünftiger Mensch gesprochen. Deine Taten zeigen jedoch, dass in Dir eine Fülle göttlicher Macht und Weisheit vorhanden sein muss, ohne die niemand solche Taten vollbringen kann.

GEJ 1.20.3

Wo das Eine rein göttlich ist, muss auch das Zweite göttlich sein. Deine Taten, lieber Meister, sind göttlich; daher muss auch Deine Lehre vom Reich Gottes auf Erden göttlich sein, ob ich sie verstehe oder nicht. Betrachte ich aber die These «Niemand fährt zum Himmel auf ausser Dem, der vom Himmel herabgekommen ist» nur ein wenig weltlich, bin ich völlig verloren. Lieber Meister, seit Henoch und Elia ist wohl keinem Menschen der Erde mehr das Glück zuteilgeworden, sichtbar in die Himmel aufzufahren. Vielleicht kannst Du der Dritte werden. Aber selbst wenn Du der Dritte würdest, welchen Nutzen hätte das für alle anderen Menschen, die niemals in die Himmel gelangen können, weil sie nicht aus ihnen herabgekommen sind?

GEJ 1.20.4

Ausserdem sagtest Du, dass Der, der vom Himmel herabgekommen ist, Sich eigentlich nur zum Schein auf der Erde befindet, in Wahrheit aber weiterhin in den Himmeln ist. Demnach hätten am kommenden Reich Gottes vorerst nur Henoch und Elia Anteil, später vielleicht auch Du. Alle übrigen millionenmal Millionen könnten sich dagegen für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten in das feuchte, finstere Grab legen und aus Gottes Gnade und Barmherzigkeit wieder zu Erde und schliesslich zu nichts werden.

GEJ 1.20.5

Lieber Meister, für ein solches Reich Gottes auf Erden bedanken sich die armen Erdenwürmer, die lächerlicherweise in jeder Hinsicht Menschen heissen. Wer weiss nicht, dass es so ist und immer so war? Eine oder auch drei Schwalben machen noch keinen Sommer. Was hatten Henoch und Elia getan, damit sie von der Erde in den Himmel aufgenommen wurden? Im Grunde nichts anderes als das, was ihrer himmlischen Natur entsprach. Somit hatten sie kein Verdienst und wurden nach Deiner jetzigen Erklärung nur deshalb von der Erde in die Himmel aufgenommen, weil sie zugleich aus den Himmeln auf die Erde herabgekommen waren.

GEJ 1.20.6

Darin liegt erschreckend wenig Hoffnung und fast gar kein Trost für die arme Menschheit dieser harten Erde. Doch wie ich Dir schon früher sagte, bleibt es dabei, dass ich Deine Lehre trotzdem für göttlich und überaus weise halte, obwohl sie, wie ich an einer Deiner Thesen zeigte, mit dem natürlichen Verstand betrachtet der reinste Unsinn ist und sein muss, was Du ebenso gut erkennen wirst wie ich.

GEJ 1.20.7

Was Du aber mit der Erhöhung des Menschensohnes meinst, die der Erhöhung der ehernen Schlange des Mose in der Wüste gleichen soll, und wie und warum alle das ewige Leben erhalten sollen, die an diesen wie eine Schlange erhöhten Menschensohn glauben, geht bereits in das Gleichnishafte über, also in etwas, das in sich der reinste Unsinn ist. Wer ist dieser Menschensohn? Wo ist er jetzt? Was tut er? Kommt auch er wie Henoch und Elia aus den Himmeln? Muss er erst geboren werden? Was sollen die Menschen, die ihn ebenso wenig wie ich jemals gesehen haben, von diesem Menschensohn glauben? Wie kann er auf diese Erde kommen, wenn er fortwährend im Himmel ist? Wo und wann wird er erhöht werden? Wird er dadurch zu einem unüberwindlich mächtigen König der Juden?

GEJ 1.20.8

Sieh, lieber Meister, das klingt aus dem Mund eines Mannes, der durch seine Taten zeigt, dass er voller göttlicher Kraft und Macht sein muss, gewiss sehr seltsam. Doch wie gesagt: Ich will mich von all dem nicht irreführen lassen und halte Dich weiterhin für einen grossen, von Gott erweckten Propheten.

GEJ 1.20.9

Du erkennst daraus, dass ich nicht zu denen gehöre, die eine Lehre sofort verwerfen, wenn sie sie nicht verstehen. Deshalb bitte ich Dich, mir wenigstens ein wenig Erklärung hinzuzufügen, denn in dieser Form kann ich Dich unmöglich verstehen. Sieh, im Land der Juden hängt sehr viel von mir ab, besonders in der Stadt Salomos, wo ich der Oberste aller Juden bin. Wenn ich Dich und Deine Lehre einführe, wird sie angenommen und eingeführt sein; wenn ich sie aber fallen lasse, wird sie ebenfalls fallen und keine Annahme finden. Sei daher so gut und gib mir ein wenig Licht.»

GEJ 1.20.10

Ich sage: «Du hast nun viele Worte gemacht und wie ein Mensch gesprochen, der von himmlischen Dingen keine Ahnung hat. Es kann aber auch nicht anders sein, denn du befindest dich in der Nacht der Welt und kannst das Licht nicht sehen, das aus den Himmeln gekommen ist, um die Finsternis der Nacht dieser Welt zu erleuchten. Einen Dämmerungsschimmer hast du zwar, doch trotzdem siehst du nicht, was dir sozusagen direkt vor der Nase liegt.»

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