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GEJ 1.131

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 131 von 161

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Kaum hatten die beiden das Haus verlassen, da brachten andere, die gerade angekommen waren, einen Menschen, der stumm und zugleich besessen war. Auch mehrere Pharisäer und Schriftgelehrte, die wir vor zwei Tagen im Haus des Matthäus zurückgelassen hatten, waren nachgekommen, um zu sehen, was Ich zu Hause tun und wohin Ich Mich wenden würde. Vor dem Haus begegneten sie den beiden Blinden. Diese erzählten ihnen sofort, dass nun ein Stummer und Besessener geheilt werden würde, sagten jedoch nichts über sich selbst, denn in ihren Herzen war noch viel Furcht.

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Auf diese Nachricht hin beeilten sich die Pharisäer, um nicht zu spät zu kommen. Als sie das Zimmer betraten, erkannten sie den stummen Besessenen und sagten: »Oh, den kennen wir schon lange! Gegen ihn vermag keine Macht etwas. Wenn sein Teufel wild wird, reisst er Bäume aus, und keine Mauer und keine Kette ist stark genug für ihn. Im Feuer verbrennt er nicht, und wehe den Fischen, wenn er ins Wasser geht. Das Beste an ihm ist, dass er stumm und taub ist; könnte er hören und sprechen, wäre kein Wesen auf der Erde vor ihm sicher. Oh, das ist ein schrecklicher Mensch! Vor ihm flieht alles; selbst die wildesten Tiere fliehen seine Nähe. Und den will Er heilen?«

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Ich sage: »Und dennoch werde Ich ihn heilen, damit ihr endlich einmal einseht, dass alle Wesen der Macht Gottes gehorchen müssen.«

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Darauf streckte Ich Meine Hand über den Besessenen aus und sagte: »Fahre aus diesem Menschen aus, du unreiner, böser Geist!« Der Geist schrie: »Wohin soll ich gehen?« Ich sagte: »Dort, wo das Meer am tiefsten ist, wartet ein Ungeheuer auf dich.« Der böse Geist schrie nochmals und fuhr sogleich aus dem Menschen aus.

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Der Mensch erhielt sogleich ein sehr freundliches Aussehen, begann voller Dankbarkeit zu sprechen und antwortete jedem mit ausgesuchter Höflichkeit und den sanftesten Worten. Alle überzeugten sich davon, dass er seine Taubheit und Stummheit vollständig verloren hatte.

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Die Jünger und alle anwesenden Menschen begannen sich über alle Massen zu wundern und sagten: »Wahrlich, das übertrifft alles! So etwas ist in Israel noch nie gehört worden. Wind und Sturm sind bereits vertrieben worden, wenn auch in geringerem Grad; Scheintote wurden wieder lebendig gemacht, Felsen mussten Wasser geben, und auf die Bitte des Mose kam Manna aus den Himmeln — freilich alles nicht in diesem hohen Grad der Vollendung.

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Als Salomo den Tempel baute und einen Monat lang kein Tagelöhner seine Hände für den Bau zur Verfügung stellen wollte, bat er Gott um Arbeiter. Sogleich kam eine grosse Menge junger Männer und bot dem König ihre Hände zur Arbeit an. Salomo nahm sie auf und arbeitete einen Monat lang mit ihnen, wie es uns die Überlieferung berichtet.

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Kurz gesagt: Seit Abraham bis zu unserer Zeit haben sich manche wunderbaren Dinge ereignet; aber dieser Wundertat kommt — so wahr ein Gott lebt und über Himmel und Erde herrscht — keine gleich.«

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Dieses Staunen ärgerte die Pharisäer gewaltig. Sie konnten ihren Grimm nicht länger unterdrücken und sagten zum Volk: »Wie könnt ihr nur so blinde Toren sein! Haben wir euch nicht gleich bei unserem Eintritt in dieses Zimmer laut erklärt, wer über einen solchen Besessenen Macht haben könnte, da so etwas allein der Oberste aller Teufel tun kann? Er hat den Besessenen zwar geheilt, aber wie? Durch den Obersten der Teufel hat Er diesen Teufel von diesem Menschen ausgetrieben!«

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Als die grimmigen Pharisäer Mir vor dem Volk und nun auch in Gegenwart des römischen Obersten Cornelius ein solches Zeugnis gaben, war es um sie geschehen. Der Oberste, über diese Äusserung völlig empört, donnerte das Urteil über die Pharisäer und Schriftgelehrten: »Noch heute soll das Kreuz euer Los sein! Ich werde euch den Unterschied zwischen Gott und Teufel schon erkennen lassen.«

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Als die Pharisäer diesen Donner hörten, begannen sie entsetzlich zu heulen und zu verzagen. Das Volk aber jubelte und sagte: »Ah, nun habt ihr endlich den Richtigen gefunden, der eure alten Teufel austreiben wird! Es geschieht euch vollkommen recht. Ihr selbst seid ja dem Obersten aller Teufel völlig gleich. Wie er einst mit dem Erzengel Michael um den Leib des Mose kämpfte, so kämpft ihr noch um die tote Materie seiner Lehre und verfolgt mit Fluch, Feuer und Schwert alles, was auch nur nach etwas Geistigem riecht. Deshalb seid ihr es, die stets mit der Hilfe des Teufels wirken und dem alten Lügengeist ins Handwerk greifen. Darum ist das Gericht des Obersten über euch Satansknechte völlig gerecht, und in unseren Herzen regt sich kein Mitleid mit euch.«

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Da tritt Matthäus der Zöllner zu den Pharisäern und sagt: »Es ist etwa vier Tage her, dass der Meister Jesus gerade am vergangenen Sabbat den alten Bruder meiner Mutter von der Gicht befreit hat. Was wurde euch damals nicht alles in der tiefsten Tiefe der vollkommensten Wahrheit gesagt! Kinder konnten es beinahe mit den Händen greifen und zeigten mit den Fingern auf euch, sodass ihr euch sehr wundern und fragen musstet, woher Ihm solche Weisheit komme. Doch weder Seine überaus geistreichen und lehrreichen Antworten noch Seine unerhörten Taten vermochten eure Augen hell zu machen.

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Wenn solche Taten und Lehren nicht imstande sind, euch die Augen zu öffnen, und ihr dabei in euren bösen Herzen immer erbitterter und rachedurstiger werdet, dann sagt: Was fehlt euch noch zum vollkommenen Teufel? Ja, ich sage euch, wie ich es euch bereits gesagt habe, dass ihr schlimmer seid als alle Teufel zusammen. Darum ist es vor Gott und allen besseren Menschen recht und billig, dass man euch wie reissende Bestien ausrottet.

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Ich bin gewiss ein tief empfindender und überaus gutmütiger Mensch. Aus lauter Zartgefühl kann ich nicht einmal eine Fliege töten oder einen Wurm zertreten; euch aber könnte ich selbst die Köpfe abschlagen, ohne dabei Angst zu bekommen. Darum lobe ich auch den Obersten Cornelius dafür, dass er euch zum Galgen — das heisst zum Kreuz — verurteilt hat.«

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Als die Pharisäer in ihrer grossen Angst sahen, dass niemand Mitleid mit ihnen hatte und beim Obersten für sie eintreten wollte — der das gewöhnlich unerbittliche römische Jus Gladii über ganz Galiläa ausübte —, fielen sie, etwa dreissig an der Zahl, vor ihm nieder. Sie versicherten, ihre Worte über Jesus seien nicht so böse gemeint gewesen, wie man sie aufgenommen habe. Sie hätten nur besonders nachdrücklich ausdrücken wollen, dass die offenkundige Kraft Gottes in Jesus, dem Meister der Meister, sich sogar den Obersten aller Teufel dienstbar machen könne und müsse, wenn es notwendig sei. Denn, so fuhren sie fort, es wäre sehr traurig für die Menschen, wenn Gott keine Macht über die Teufel hätte. Da aber in Jesus unbezweifelbar die Macht und Kraft des allerhöchsten Gottes wirke, müsse diese über alle Teufel ebenso wie über alle Engel gebieten und sie unausweichlich zum strengsten Gehorsam zwingen können. Mit dem Ausruf, Er treibe solche Teufel durch ihren Obersten aus, hätten sie nur andeuten wollen, dass Seine Gotteskraft über alles gehe, was im Himmel, auf Erden und unter der Erde sei. Wenn sie unter dem Ausruf nur dies und unmöglich etwas anderes hätten verstehen können, weshalb habe der hohe römische Gebieter sie dann zum Tod verurteilt? Sie baten ihn daher im Namen des göttlichen Meisters Jesus, sein ausgesprochenes Urteil gnädigst zurückzunehmen.

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Der Oberste sagt: »Wenn Jesus, der Meister, ein Wort für euch spricht, nehme ich mein Wort zurück. Schweigt Er, dann sterbt ihr ohne Weiteres noch heute. Euren Worten glaube ich nicht, denn der Sinn eurer Herzen ist ein anderer als der, den ihr mit dem Mund aussprecht.«

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Auf diese Worte des Obersten stürzen alle zu Mir und rufen: »O Jesus, Du guter Meister, wir bitten Dich: Rette und erlöse uns! Verlange Geiseln von uns, falls Du uns nicht mehr zutrauen willst, dass wir Dir künftig keine Hindernisse mehr in den Weg legen. Denn wir sind nun alle mehr als überzeugt, dass Du ein vollkommen reiner Bote Gottes an uns, Seine leider vielfach schlecht gewordenen Kinder, bist. O Jesus, lass unsere Bitte nicht unerhört!«

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Ich sage: »Dann geht in Frieden nach Hause. Gebt aber acht, dass ihr nichts Schlimmeres unternehmt; denn sonst würde Ich nicht mehr zu euch sagen: Geht in Frieden nach Hause!«

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Sie gelobten Mir alles, und der Oberste sagte: »Weil Er euch Frieden gegeben hat, gebe auch ich ihn euch und nehme das Urteil vorerst zurück. Aber wehe euch, wenn ich auch nur das Geringste über euch erfahre!«

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Die Pharisäer dankten, gingen dann eilig nach Hause und schwiegen äusserst sorgfältig, denn sie alle fürchteten Cornelius sehr. In ihren Herzen grübelten sie jedoch umso unablässiger darüber, wie sie Mich verderben und sich am Obersten rächen könnten. Da sich ihnen keine Gelegenheit bot, mussten sie zu dem für sie bösen Spiel gute Miene machen, denn davon hing nun ihr Sein und Nichtsein ab. Für Meine Sache war dies dennoch gut, denn Ich konnte nun eine längere Zeit, beinahe bis zum Spätherbst, in den Städten und Märkten ganz Galiläas ungestört das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen und daneben allerlei Seuchen und Krankheiten des Volkes heilen.

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