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GEJ 1.130

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 130 von 161

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In Kapernaum lebten zwei Bettler, die von Geburt an völlig blind waren und weder das Tageslicht noch den Glanz der Sterne bei Nacht je gesehen hatten. Auch sie hörten von Mir und von dem, was Ich getan habe. Als Ich von Kapernaum nach Nazareth zurückkehrte und der Oberste Mich mit seiner Frau, all seinen Kindern und vielen Freunden begleitete, zogen wir ganz langsam an der Stelle vorbei, an der sich mehrere Wege kreuzten. Dort sassen die beiden Blinden gewöhnlich und bettelten. Sie hörten, dass viele Menschen vorüberzogen, darunter sogar die höchsten Machthaber Galiläas, und dass sich unter ihnen der Heiland Jesus aus Nazareth befand, von dem und dessen Vater es hiess, sie stammten in gerader Linie von David ab. Als die beiden dies von den Vorübergehenden erfahren hatten, standen sie rasch vom Boden auf, folgten Mir, so gut sie konnten, und riefen: »Jesus, ach, Du Sohn Davids, erbarme Dich unser!« Sie gaben Mir diesen Titel, weil sie meinten, Ich legte Wert darauf und würde Mich, so geschmeichelt, umso eher ihrer erbarmen.

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Gerade deshalb liess Ich sie Mir bis nach Nazareth folgen, um ihnen zu zeigen, dass Ich auf solche weltlichen Titulierungen und völlig leeren Schmeicheleien überhaupt keinen Wert lege.

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Als Ich nach einigen Stunden zu Hause ankam und die beiden dies wohl bald erfahren hatten, baten sie die Menschen, die sie in ihrer Nähe wahrnahmen, sie zu Mir zu bringen.

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Als die beiden bei Mir waren, also in Meiner Nähe, kamen sie ganz bis zu Mir und wollten Mich bitten, sie sehend zu machen. Ich kam ihnen jedoch zuvor und fragte, obwohl Ich sehr wohl wusste, was sie wollten: »Glaubt ihr, dass Ich das für euch tun kann?« Sie antworteten kurz: »Ja, Herr!« Da berührte Ich ihre Augen mit Meinen Fingern und sagte: »Es geschehe euch nach eurem Glauben.«

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Ihre Augen wurden geöffnet, sodass sie alle Dinge ebenso gut sahen wie jeder Mensch mit vollkommen gesunden Augen. Als sie die Wohltat des Augenlichts empfanden und mit grossem Staunen die Schöpfung zu betrachten begannen, dachten sie in ihren Herzen daran, dass sie Mir den höchsten und niemals endenden Dank schuldeten. Sie wollten Mir alles geben, was sie je durch Betteln erworben hatten. Künftig würden sie nicht mehr betteln, sondern ihren Lebensunterhalt mit der Kraft ihrer gesunden Hände erwerben.

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Ich aber sagte zu ihnen: »Dass ihr nun euren Brüdern dienen und euch mit der Kraft eurer Hände den Lebensunterhalt verschaffen wollt, ist richtig und gut. Denn wer sehen und arbeiten kann, soll nicht untätig umhergehen und seinen Brüdern zur Last fallen, sondern ihnen dienen und ihnen in diesem und jenem helfen, damit die Liebe unter den Menschen wächst.

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Dieser euer Vorsatz ist also vollkommen richtig und gut. Dass ihr Mir aber aus reiner Dankbarkeit eure Ersparnisse geben wollt, ist zwar lobenswert und schön von euch; doch weder Ich noch Meine wahren Jünger brauchen sie, und deshalb könnt ihr sie für euch behalten.

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Was Ich dafür verlange, dass Ich eure Augen für das Licht geöffnet habe, besteht erstens darin, dass ihr Gottes Gebote haltet, Gott über alles und eure Nächsten wie euch selbst liebt und ihnen in allen Dingen, in denen ihr dienen könnt, gern und unermüdlich helft. Zweitens gebiete Ich euch um Meinetwillen, dass ihr dies niemandem sagt, sondern dafür sorgt, dass es sonst niemand erfährt.«

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Sie sagten jedoch: »Herr, das wird wohl kaum möglich sein. Jeder Mensch in der ganzen Umgebung weiss nur zu gut, dass wir blind waren. Wenn uns jemand fragt, wie wir, die wir blind waren, sehend geworden sind, was sollen wir ihm antworten?« Ich sage: »Eine Antwort, deren Grundlage Schweigen heisst.« Sie versprachen, dies zu beachten; doch sie hielten ihr Versprechen nicht, sondern gingen bald darauf in alle nahe gelegenen Ortschaften und machten Mich überall bekannt.

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