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GEJ 1.127

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 127 von 161

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GEJ 1.127.1

Nun wollte auch Judas, den der Wein etwas stärker als angemessen erwärmt hatte, seine Stimme erheben und seinen Nachbarn, nämlich den Jüngern des Johannes, etwas sagen. Aber Thomas, sein weiterhin beständiger Gegner, kam ihm zuvor und sagte: »Freund, wenn die Meister reden, müssen die Jünger schweigen und nur zuhören, aber keinesfalls reden. Denn hier wäre jedes Wort aus unserem Mund eine grosse und grobe Torheit. Wenn es dich aber zum Reden drängt, dann geh hinaus ins Freie und schreie, so viel du kannst und willst; und wenn dein Mund auf diese Weise müde geworden ist, dann komm wieder.«

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Judas sagte: »Was hast du denn gegen mich? Ich habe dir doch nichts zuleide getan. Werde ich denn niemals reden dürfen?«

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Thomas sagte: »Deine Weisheit kennen wir seit Jahren durch und durch. Neben der Weisheit unseres grossen Meisters sind wir wahrlich nicht dazu aufgelegt, sie hier zum tausendsten Mal anhören zu müssen; und von Haus aus sind wir alle ebenso weise wie du. Du kannst also keine weiterführende und bessere Lehre geben als die, die wir ohnehin haben, und wirst hoffentlich einsehen, dass es hier überhaupt nicht nötig ist, dass auch du redest. Wir Jünger sollen nur dann reden, wenn wir um etwas gefragt werden. Wir können zwar auch selbst fragen, müssen uns dann aber sehr zusammennehmen, damit unsere Frage auf einem echten und wirklichen Bedürfnis beruht. Fragen wir dagegen nur aus Neugier, um unserer redelustigen Zunge Luft zu verschaffen, dann verdienen wir eine Züchtigung; denn ein wahnsinniger Tor sollte jederzeit mit Ruten gezüchtigt werden.«

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Judas sagte: »Schon gut, schon gut. Ich bin ja bereits still, denn ich weiss, dass ich in deiner Gegenwart nichts sagen kann und darf. Du bist schliesslich die Weisheit des Propheten Elia selbst. Schade nur, dass du nicht vor Salomo gelebt hast. Wie weit hätte Salomo es in deiner Schule noch in der Weisheit bringen können. Aber nun nichts weiter; ich bin schon still.«

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Thomas hätte Judas gern noch etwas erwidert, aber Ich gab ihm zu verstehen, dass es genug sei, und Thomas schwieg.

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Einer der Jünger des Johannes konnte es noch immer nicht mit seinem Gemüt in Einklang bringen, dass Ich ihn und seine Gefährten mit einem alten, zerrissenen Kleid verglichen hatte, das man mit neuen Flicken ausstopft, und mit alten, morschen Schläuchen, die sich nicht zur Aufnahme des Mostes eignen. Deshalb wandte er sich mit einer etwas plumpen Frage an Mich und sagte: »Nun sehe auch ich wohl, dass Du ein Prophet sein magst. Wie ich jedoch merke, schmeckt dir der Wein aus alten Schläuchen besser als der junge Most aus neuen Schläuchen. Ausserdem kommt es mir vor, dass auch dein Rock nicht gerade neu ist. Sollte er bald mehrere Flicken benötigen, kann ich Dir damit dienen, denn ich besitze eine Menge alter Lumpen. Wenn ich Dir behilflich sein kann, wende Dich einfach an mich.«

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Wegen dieser plumpen Frage wollten seine Gefährten ihn hinauswerfen. Ich aber nahm Mich seiner an, erklärte ihm diesen Vergleich verständlicher, und er beruhigte sich.

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Zu den anderen sagte Ich: »Wenn ihr einen Blinden seht, der über einen Graben stolpert und fällt und dabei das hochgewachsene Gras an einem kleinen Wassergraben niederdrückt und ein wenig beschädigt, würdet ihr dann weise handeln, wenn ihr den Blinden dafür zur Verantwortung ziehen und bestrafen wolltet? Seht, dieser euer Bruder sieht zwar wie ihr mit seinen leiblichen Augen; an den Augen seiner Seele ist er jedoch noch schwer blind. Da wir das wissen, wäre es doch überaus hart, einen blinden Bruder dafür zu bestrafen, dass er vor uns ein wenig gestolpert ist.«

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Nach diesen Worten riefen Mir alle ein begeistertes »Er lebe hoch!« und »Heil Dir!« zu und sagten: »Das ist eine rechte Rede. Wer so handelt, wie Er gut und weise redet, ist würdig, Mensch der Menschen genannt und gekrönt zu werden.«

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Diese Worte waren kaum zu Ende, und Ich erklärte ihnen noch einiges über die alten Kleider, als in grosser Eile einer der Obersten aus Kapernaum kam — es war der römische Oberste Cornelius —, förmlich auf Mich zustürmte, vor Mir niederfiel und nahezu ausser Atem sagte: »Herr, Freund, Du göttlicher Meister und Heiland! Meine liebste Tochter, die meinen Namen trägt, meine herrliche, gute und schönste Tochter, ist mir gestorben!« Hier weinte der Oberste und konnte lange vor Weinen nicht sprechen. Erst nachdem er sich eine Weile etwas erholt hatte, fuhr er fort:

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»Herr, Dem nichts unmöglich ist, komm mit mir in mein Haus und lege Deine Wunderhand auf sie; dann wird sie gewiss wieder lebendig werden, ebenso wie die kleine Tochter des Synagogenvorstehers Jairus, die ebenfalls völlig tot war und wieder lebendig wurde. Ich bitte Dich als meinen erhabensten Freund: Komm und erweise mir diese Gnade!«

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Ich sagte: »Sei getrost. Ich komme und werde für dich tun, worum du Mich gebeten hast. Die Tochter ist zwar völlig tot und bereits kalt, doch Ich werde sie dennoch erwecken, damit sie danach den armen Menschen die Herrlichkeit Gottes verkünden kann. Und so gehen wir.«

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Meine Jünger fragten, ob sie hier auf Mich warten oder ebenfalls mitgehen sollten. Ich aber sagte: »Ihr alle, die ihr Meine Jünger seid, folgt Mir; und auch du, Matthäus, der du ein Zöllner warst, folge Mir. Für dein irdisches Haus habe Ich gesorgt und werde weiterhin dafür sorgen; du aber sollst dafür ebenso wie diese hier Mein Jünger sein.«

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Matthäus legte sofort sein Wirtsgewand ab, zog seinen guten Rock an und folgte Mir, ohne vorher zu Hause die üblichen Anordnungen des Hausherrn darüber zu treffen, was die Seinen während seiner Abwesenheit tun sollten.

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Nota bene: Ebenso muss es jeder tun, der Mir folgen will. Er muss dem irdischen Sach- und Berufsleben vollständig absterben und darf nicht an seine irdischen Lebensverhältnisse denken; sonst taugt er nicht für Mein Reich und nicht in ihm. Denn wer die Hand an den Pflug legt und seine Augen rückwärts richtet, ist für das Reich Gottes nicht geeignet.

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