Als Petrus den Gesang beendet hat, sagt er in sehr feierlichem Ton: »Meine Freunde und Brüder! Welch ein Unterschied besteht zwischen uns jetzt und David damals, als er dem Volk diesen herrlichen Lobgesang gab. Als er sang, erhob er seine Augen über die Sterne hinaus; denn nach den damaligen menschlichen Vorstellungen wohnte Jehova im unzugänglichen Licht über allen Sternen. Was würde David aber nun hier tun, da Der, zu Dem er seine Augen über alle Sterne hinaus erhob —« Ich sage: »Halt, Freund Petrus! Nun ist es wieder gut; bedenke nur, wer sich alles unter uns befindet.«
Petrus besinnt sich sofort und ruft alle Gäste zur Einnahme des Abendmahls, das hauptsächlich aus Brot und gut zubereiteten Fischen besteht.
Judas fragt Petrus, ob in der Nähe nirgendwo Wein gegen Bezahlung zu bekommen sei. Petrus antwortet: »Einige Feldwege entfernt liegt eine Herberge; dort wird Wein gegen Geld ausgeschenkt.« Als Judas dies hört, fragt er Petrus erneut, ob er niemanden habe, den er schicken könne, um einen ganzen Schlauch voll Wein zu holen.
Petrus sagt: »Du kennst und siehst doch meinen ganzen Haushalt; ich habe niemanden, den ich schicken könnte. Willst du aber Wein, dann geh selbst hin, handle mit dem Wirt einen Preis aus, und so wirst du am besten zurechtkommen.« Judas sagt: »Ach, bevor ich selbst hingehe, verzichte ich lieber auf den Wein.« Petrus sagt: »Tu, was du willst; ich kann dir keine Diener geben. Meine Fischerknechte haben am See noch alle Hände voll zu tun; meine Frau, meine Kinder und meine Schwiegermutter sind, wie du selbst sehen kannst, ebenfalls völlig beschäftigt. Von mir selbst wirst du doch wohl nicht verlangen, dass ich nun am Abend einen ganzen Schlauch Wein für dich hierherholen gehe.« Etwas ärgerlich sagt Judas: »Nun, nun, ich habe es doch nur gut mit dir gemeint, weil ich sehe, dass du keinen Wein hast. Bezahlt hätte ohnehin ich allein, was auch immer der Schlauch gekostet hätte.«
Petrus sagt: »Es ist Einer unter uns, der zu Kana auf der Hochzeit des Simon, der ebenfalls hier bei uns ist, Wasser in Wein verwandelt hat. Dieser Eine könnte auch jetzt dasselbe tun, wenn es nötig wäre. Da es nun aber gewiss nicht nötig ist, können wir uns mit dem besonders guten Wasser behelfen, das uns mein sauberer Hausbrunnen bietet.«
Judas sagt: »Ganz gut, ganz gut; ich bin damit auch zufrieden, da ich selbst gutes Wasser sehr schätze. Aber gerade bei einer solchen Gelegenheit wäre Wein ebenfalls nicht zu verachten. Wenn der gewisse Eine, den auch ich nun zu kennen glaube, schon Wasser in Wein verwandeln kann, dann könnte Er dir jetzt doch wohl einen solchen Gefallen erweisen.«
Ich sage: »Dann geh hinunter zum Brunnen und trink. Dir soll der Brunnen Wein geben, allen anderen aber nur Wasser.«
Da ging Judas sofort zum Brunnen und schöpfte Wasser. Als er davon trank, war es Wein von der besten Art. Er betrank sich, blieb am Brunnen liegen und lief Gefahr, in den tiefen Brunnen zu fallen, wenn ihn nicht einige Knechte des Petrus bemerkt und ins Haus gebracht hätten. Es war jedoch gut so; denn an diesem Abend heilte Ich viele Menschen, die mit allerlei Krankheiten und Seuchen behaftet waren, und trieb bei vielen die bösen Geister aus. Bei diesen Zeichen hätte uns Judas übel mitgespielt.