Hier tritt Matthäus zu Mir und fragt Mich, ob er auch dieses Zeichen sowie manche Lehren und Reden aufschreiben solle, die Ich während einiger Tage im Haus des Obersten gegeben habe.
Ich sage: »Das Zeichen mit dem Hauptmann vor Kapernaum und das, was Ich dort gesprochen habe, sollst du aufschreiben; ebenso dieses Zeichen im Haus des Petrus, jedoch unter Auslassung der gesprochenen Worte, die nicht zur öffentlichen Lehre gehören. Die Besprechungen im Haus des Obersten und den Umstand, dass Ich Mich zwei Tage bei ihm aufhielt, lass ganz weg.
Wir werden schon bald wieder in das Haus dieses Obersten kommen, und zwar zu der Zeit, da seine liebste Tochter sterben wird. Ich werde sie dann auferwecken und ihm zurückgeben. Danach kannst du ihn und das Zeichen so erwähnen, dass du weder ihn noch den Ort näher zu bestimmen brauchst; sonst würden wir ihm in weltlicher Hinsicht schaden, weil die Priesterschaft auch auf ihn ein wachsames Auge geworfen hat. Das wollen und werden wir keinesfalls tun.
Bis zum nächsten Fest in Jerusalem werde Ich nun in dieser Seegegend, die Mir am besten gefällt, noch viele Zeichen vollbringen und viele Lehren geben. Du musst sie jedoch alle vollständig aufzeichnen.
Matthäus richtet sich nun zum Schreiben ein. Johannes aber wird bei dieser Gelegenheit traurig und sagt: »Aber Herr, Du meine Liebe aller Liebe! Werde ich denn gar nichts mehr zum Schreiben erhalten?«
Ich sage: »Mein liebster Bruder, sei deswegen nicht traurig. Du wirst noch sehr viel zum Schreiben erhalten; denn dich habe Ich für die wichtigsten und tiefsten Dinge bestimmt.«
Johannes sagt: »Aber das Zeichen zu Kana, das Du am Sohn des königlichen Beamten vollbracht hast, erscheint mir keineswegs grösser und wichtiger als das, welches Du vor Kapernaum für den Hauptmann gewirkt hast.«
Ich sage: »Du irrst dich sehr, wenn du dieser Meinung bist. Unter dem Sohn des königlichen Beamten wird die ganze überaus verdorbene Welt verstanden und die Art, wie ihr nun aus der Ferne durch Meine Lehre und Mein geistiges Einfliessen Hilfe zuteilwird. Unter dem Knecht des Hauptmanns wird zunächst nur der gelähmte Knecht verstanden, den Ich geheilt habe; später aber auch irgendeine Gemeinde oder irgendeine Vereinigung in Meinem Namen, der aufgrund allerlei politischer Bedenken die Tätigkeit nach Meiner Lehre in dem einen oder anderen Punkt völlig fehlt. Dadurch geht sie nach und nach auch in die Untätigkeit hinsichtlich der übrigen Punkte Meiner Lehre über. Das ist dann eine Lähmung der Seele, der nur durch festen Glauben an Mein Wort wieder geholfen werden kann.
Sieh nun, Mein lieber Bruder Johannes, darin liegt ein sehr grosser Unterschied zwischen den beiden Zeichen. Das erste stellt den geistigen Krankheitszustand der ganzen Welt dar und, wie Ich dir sage, noch tiefer betrachtet auch den der ganzen Unendlichkeit. Das zweite Zeichen stellt hingegen nur das dar, was Ich dir soeben erklärt habe. Damit weisst du nun auch, was du und was Matthäus zu beschreiben habt.
Nun haben die junge Frau und die übrige Dienerschaft des Petrus das Mittagsmahl bereits fertig. Darum wollen wir uns sofort zum Essen setzen und Petrus am Nachmittag noch ein wenig helfen, einige gute Fische zu fangen. Gegen Abend werden wir jedoch noch genug Weiteres zu tun bekommen.«
Wir nahmen nun ein reichliches Mahl ein, das für die ganze grosse Gesellschaft ausreichte, und begaben uns danach zum See, der auch das Meer von Galiläa genannt wurde. Dort fingen wir in wenigen Stunden eine grosse Menge der besten Fische, sodass sie kaum in den Fischbehältern untergebracht werden konnten.
Petrus wurde bange, sodass er in einer Art frommer Betäubung ausrief: »Herr, ich bitte Dich, verlass mich; denn nun spüre ich nur zu deutlich, dass ich ein sündiger Mensch bin. Schon einmal hast Du mich erschreckt, als Du, mir damals noch völlig unbekannt, von irgendwoher kamst und mich und meine Gehilfen hier beim Fischen antrafst. Bereits damals erkannte ich sofort Deine Göttlichkeit; nun aber wird mir noch banger, weil ich jetzt nur zu klar erkenne, was und wer Du im tiefsten Grund bist. Damals wie jetzt wurde die ganze Nacht gefischt und sozusagen nichts gefangen; auf Dein Wort und in Deiner Gegenwart aber rissen die Netze wegen der übergrossen Menge der gefangenen Fische. Nun wird mir ganz ernstlich bange vor Dir; denn Du bist —«
Ich sage: »Sei still und verrate Mich nicht. Du kennst den einen unter uns; dieser aber ist und bleibt ein Verräter.«
Petrus schweigt nun und trifft Vorkehrungen, um die Fische unterzubringen. Als es Abend wird, gehen wir nach Hause, wo uns dank dem Fleiss der gesund gewordenen Schwiegermutter des Petrus ein gutes und reichliches Abendmahl erwartet. Alle sind nun voller Freude und Heiterkeit. Petrus stimmt den Lobgesang an, und alle antworten ihm einstimmig im Wechselgesang.