Gefahren für erwachende Gotteskinder

Samuel Surazal Ein Crash mit Höchstgeschwindigkeit gegen eine Wand aus Licht und Liebe

Über diese Ausgabe
Autor / Quelle
Samuel Surazal

“Den Preis für den Eintritt in den Himmel
bezahlst du mit dem Schein deines Lebens.”

Die Seele ist wie ein Acker, der voller Unrat und Steine ist. Diese symbolisieren ihre Fehler und Schwächen, ihre materiellen Begierden und gottlosen Gedanken. All der Müll sowie die großen und kleinen Steine müssen vom Acker getragen werden. Hat ein Mensch ernsthaft begonnen, auf seinem Seelenfeld zu arbeiten und die Hindernisse wegzuschaffen, gesellt sich Jesus dazu und hilft kräftig mit.

Wo gesäubert ist, fängt der ins Seelen-Erdreich gelegte göttliche Same bald an zu keimen und zu wachsen. Sind alle Hemmnisse entfernt, beginnt das Feld zu erblühen, um schließlich im Licht der geistigen Sonne frei und unbelastet wohlschmeckende Frucht zu tragen.

Liegen Unrat und Steine zu lange auf dem Acker, erstickt der Same – der Acker stirbt. Dann muss die Seele erneut einen kalten Winter über sich ergehen lassen (ohne die wärmende Gottesliebe), und ihr Seelenreich wird ihr für lange Zeit zum dunklen Grab (ohne das göttliche Licht zur geistigen Erkenntnis).


Im Erwachen berührt einen in Abständen die göttliche Liebe und ihr Segen hallt zuweilen in der Seele nach, doch noch verebbt dieses Geschenk in den vorhandenen irdischen Leidenschaften und Begehrlichkeiten wieder – der Mensch ist neuerlich auf sich gestellt. Hier kommt er an einen Punkt, wo er nicht aus der Demut treten darf. Verlässt er Grund und Boden, auf dem er fähig ist Gottes Liebe zu tragen, schleicht sich unmerklich ein gewisses Hoheitsgefühl ein. Dann kommen (heimliche) Gedanken wie: “Als Berufener bin ich ja besser als andere und stehe geistig höher …”, und schon beschreitet man den Pfad mit Namen Hochmut und Falschheit. Denn in Wahrheit ist man ohne Gott zu nichts Gutem fähig. Allein von und aus ihm empfängt die Seele ihre geistigen Talente und nur er macht sie zum Träger liebevoller Eigenschaften, die einen wahrhaftigen Dienst am Nächsten erlauben. Lüge und Falschheit jedoch machen den Menschen zu ihrem Diener. Da fragt man sich am besten: “Was wäre ich ohne Gottes Segen? Wo stünde ich ohne seine Gnade?”

Eine weitere Gefahr besteht darin, in schwärmerischer Spiritualität vom wahren Geistesleben abzukommen oder dieses erst gar nicht zu erreichen. Mittelpunkt einer solchen Pseudoreligiosität ist stets der Mensch und nicht Gott. In seiner Egozentrik ist ihm spirituelle Selbstbefriedigung zur Sucht geworden, darin er die hilfebedürftige Umwelt weitestgehend ausblendet. Wird er darin gestört oder aufgrund eines bedürftigen Nächsten daran gehindert, ist von Liebe nicht mehr viel zu sehen – er reagiert richterlich-aggressiv oder zieht heilig-beleidigt von dannen.

Diese Art des geistigen Todes unterscheidet sich in keinster Weise von einer gottlosen Lebensart. Im Gegenteil: Das geistige Bessersein birgt in seiner Wurzel bereits den Fanatismus, darin der verblendete Gläubige diejenigen, die ihn auf sein verkehrtes Verhalten aufmerksam machen, aufs Schärfste verurteilt und wenn möglich durch Diffamierung bestraft.


Das Erwachen berufener Seelen in der stetig intensiver werdenden Einstrahlung aus den liebelichten Sphären wird begleitet von einem Gefühl der Erleichterung und Befreiung. Am liebsten möchte man sein neugewonnenes Lebensgefühl und die damit einhergehenden Erkenntnisse aller Welt mitteilen. Obwohl jede anfängliche Erweckung gemäß der individuellen seelischen Beschaffenheit meistens nur einen kleinen Aspekt göttlichen Lebens offenbart, ist es leider so, dass viele Erwachende ihre weitere Entwicklung nicht abzuwarten bereit sind, darin sich ihre zunächst noch eingeschränkte Sichtweise vergrößern würde. In ihrer Euphorie vermischen sie weltliche Ansichten und Meinungen mit göttlichen Eindrücken, wodurch Wahrheit nur verfälscht wiedergegeben werden kann.

Manche geistig Strebende meinen, sie seien gleich hellhörig und empfangen kosmische oder jenseitige Botschaften oder sogar göttliche Offenbarungen. Doch nehmen sie ihre eigenen, aus dem Unterbewusstsein auftauchenden Gedankenströme wahr. Das Ergebnis ist ein Konglomerat aus angelesener Esoterik und persönlichen Ansichten und Wünschen.

Oftmals werden Einsichten in übernatürliche Gegebenheiten im spirituellen Übereifer in unrechtmäßige Zusammenhänge gestellt, wodurch der Glaubenspfad unweigerlich in einem geistigen Gefängnis endet. Mit Inhalten wie: “Alles ist gut! Ihr macht keine Fehler, ihr seid nur auf der Suche. Eigentlich gibt es keine Sünde und kein Böses …” wird Fehlverhalten legalisiert, ja gerechtfertigt und in dieser missverständlichen Sichtweise scheinbar von Gott gutgeheißen.

Macht man sich als geistiger Eleve solche Botschaften zu eigen, kann dies schnell zu Missverständnissen führen, da man versucht ist, den zehnten Schritt vor dem ersten zu machen. Das Gute in allem offenbart sich erst auf einer hohen Geistes-Stufe. Die erreicht man, wenn die Seele im Feuer der Liebe geläutert und vergöttlicht ist. Allein darin und daraus offenbart sich die lebendige Erkenntnis in Zusammenspiel und Wirkungsweise von Gut und Böse im Dienst der alles durchdringenden Vollkommenheit. Ist dies Licht nicht vorhanden, wird Wahrheit zum Instrument satanischer Verblendung. Viele Suchende sind in diesem Netz gefangen und können sich nicht daraus befreien, oder besser: … wollen dieses bequeme spirituelle Bett nicht verlassen.


So mancher Religionsführer oder spirituelle Lehrer hat bereits in seinem Erdenleben seine zum Teil selbstgebastelten Lehren verbreitet und hungrigen Schülern eine Mixtur aus Wahrheit und Irrtum oder Wahrheit und Lüge serviert. Nur zu gerne möchten diese fehlgegangenen Meister ihr Amt als Botschafter aus den jenseitigen Welten fortführen. Dazu bedienen sie sich medialer Menschen, deren geistiges Fundament nicht in wahrhaftiger Liebe zu Jesus Christus errichtet ist, denn auf diesem können Verirrung, Hochmut und Lüge nicht bestehen.

Einige dieser Hinübergegangenen meinen es gut. Sie wirken auf unbedarfte hellsichtige / hellhörige Personen ein – zum Teil sind dies auch Kinder, die in einer Mixtur esoterischer Ansichten erzogen werden, wodurch ihnen wahrhaftiges Unterscheidungs- und Erkenntnis-Vermögen fehlt -, verkündend ihr Wissen gemäß ihrer jenseitigen Erfahrungen.

Diese selbsttätigen Geister haben keine Einsicht, ob ihre Botschaften im Sinne Gottes sind. Sie stellen geordnete Erkenntnisebenen in unordentliche Verhältnisse oder vermischen sie mit allerlei phantastischen Inhalten. Hier wird mit Außerirdischen, diversen Dimensionen, Parallelinkarnationen, Zeit- und Astralreisen u.v.m. gespielt, dass es nur so eine Freude ist. Dieser spirituelle Cocktail mundet dem Zeitgeist hervorragend.

Andere Verstorbene geben sich für erleuchtete Autoritäten oder gar Heilige aus. Das Spektrum reicht vom Botschafter ferner Galaxien bis zum `aufgestiegenen Meister´, vom Erzengel und Apostel über die `Gottesmutter´ Maria bis hin zu Gott selbst. Diese Geister betrügen nicht nur mit falscher Identität, sie täuschen Wahrheit vor mit einer Mixtur aus Lügen und schmeichelhaften Weisheitsformeln.

Hier wird zumeist eine Kuschelreligion proklamiert, getragen von Engelsgesängen und den wohlklingenden Worten: “Ihr alle seid wunderbare vollkommene Wesen. Es gibt keine Schuld, ihr macht keine Fehler, ihr seid nur auf der Suche. Sünde ist eine Erfindung der Menschen, genießt das Leben in vollen Zügen! Diese Inkarnation ist bloß eine Erfahrung von vielen … alles ist gut, im Jenseits wartet das Licht!”

Derlei Botschaften liest der `Wahrheitssucher´ gerne – die Abteilung Esoterik in den Buchläden zeugt davon. Im Laufe der Zeit entstand hier ein Jahrmarkt geistiger Eitelkeiten, welcher hauptsächlich der spirituellen Lust- und Gewissensbefriedigung dienlich ist. Im breit gefächerten und gut sortierten Sammelsurium esoterischer und religiöser Literatur in Form jenseitiger und außerirdischer Mitteilungen, Erleuchtungs-Anleitungen und zeitgemäßer Bibelauslegung kann man sich bequem an Gott vorbei befriedigen.

Jesus Christus spielt dann nur noch eine Nebenrolle als verheirateter Religionslehrer oder wird gleich gänzlich aus dem Programm gestrichen, da er nicht mehr ins spirituelle Zeitgeistschema passt. Dabei wäre gerade die Vermittlung des Gottes Jesus Christus ein gültiger Maßstab für den Wahrheitsgehalt einer jenseitigen oder kosmischen Offenbarung.

Warum lässt der Vater derartige Verfälschungen zu? Zuoberst steht hier der freie Wille, der auch im Jenseits unangetastet bleiben muss. Die freie Selbstbestimmung ermöglicht dem Guten sowie dem Bösen uneingeschränkte Tätigkeit in allen Daseinsbereichen. Auch suchen die jenseitigen Willensprägungen, seien sie wahrer oder falscher Natur, eine irdische Manifestation – und drücken sich daher in Wort und Schrift entsprechend aus.

Doch wie in allen Geschehnissen in Ewigkeit und Unendlichkeit muss auch hier zuletzt das Böse dem Guten dienen: Der Vater nützt die geistigen Irrtums- und Lügenwelten als Sammelbecken, um diejenigen, die sich in verkehrten Ansichten verfangen haben, einst von dort abzuholen und heimzuführen – wenn sie dies wollen.

(Anmerkung: Gewiss sind nicht alle Kundgaben von fernen Sternen oder aus dem Jenseits Erzeugnisse verirrter Seelen. Viele im Geiste Gottes lebende kosmische Völkerschaften und jenseitige Geschwister möchten uns in dieser besonderen Phase der Erneuerung beistehen. Einige von ihnen teilen sich durch mediale Personen mit, wobei sie allerdings lediglich gemäß ihres eigenen, als auch des Standpunkts des Mediums unterstützen können. Die meisten jedoch segnen und beten im Herzen für die Menschheit – so auch die Himmelsbewohner.)


Die Gefahr heutiger Musik

Wie in den verschiedensten spirituellen und religiösen Lehren vermischen sich in den Texten und Tönen der Musik gleichermaßen lichte und dunkle Strömungen. Vor allem in heutiger Zeit wird Musik aus den niederen Sphären inspiriert. Die extreme Lautstärke, die hemmungslose Hingabe an die brachialen Rhythmen und das Aggressionspotential vieler Kompositionen wirken zerstörend auf die in den energetischen Schwingungen geöffnete Seele und führen sie hinterrücks in Gottlosigkeit.

Auch der gesteuerte Erfolg von Rock- und Popstars, die Kindern und Jugendlichen als Vorbilder dienen, trägt zur geistigen Erblindung bei. Mit ihrem extrovertierten und exzessiven Privatleben sowie ihren aggressiven und obszönen Vorführungen reißen sie die letzten natürlichen Schamgrenzen und Hemmschwellen unserer Gesellschaft nieder – und leisten somit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Verwahrlosung dieser Erde.

Warum schreibe ich dies? Gerade in der heutigen jungen Generation befinden sich vermehrt Sternen- und Himmelsgeister, die einer göttlichen Berufung folgen sollen. Die dämonische Welt möchte diese Gotteskinder mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln vom Erwachen abhalten. Und die Musik heutiger Zeit ist, wie auch die Sexualität, ein tödliches Instrument in Satans Hand – derart raffiniert getarnt, dass der geistige Tod der den blinden Leidenschaften verfallenen Seele eine unverzichtbare Lust ist.


Gefahren für Berufene und Auftrags-Seelen im geistigen Kampf

Die Jahre des Wandels

Manche geistigen Veranlagungen und Talente können sich nur in gewissen Lebensabschnitten bleibend entfalten. In diesen existenziellen Zeiten ist der Christ besonders gefordert. Die Prüfungen nehmen zu; es scheint, dass sich jetzt alles gegen ihn stellt. Abläufe, die bisher im Alltagsleben reibungslos verliefen, geraten ins Stocken. Er gerät vermehrt in Situationen mit schwierigen Mitmenschen und ist verstärkt Ungerechtigkeiten ausgesetzt. Vielleicht stirbt auch noch unerwartet ein naher Verwandter oder guter Freund – oder eine Krankheit verbreitet Leid und Seelenschmerz.

Es ist dies eine Phase der Notwendigkeit. Der Vater setzt alles daran, dass sein Kind das gesetzte Ziel erreicht. Eine Schar hilfreicher Geister begleitet es jetzt, betet und beschützt, ihre ganze Aufmerksamkeit gehört dem mit den schicksalshaften Gegebenheiten ringenden Gotteskind.

Gelingt der Fortschritt nicht und der Christ überwindet die Herausforderungen zur Entmachtung seiner Schwächen nicht bis zum gebotenen Zeitpunkt, ist eine große Chance im `Näher mein Gott zu Dir!´ vorerst vertan. In Abständen werden diese Prüfungen wiederholt, um ihm weiterhin die Möglichkeit zu bieten, seiner Bestimmung gerecht zu werden.

Doch einmal kommt die Zeit, da er nicht mehr in den geistigen Kampf findet, weil er aufgrund mangelnder Ernsthaftigkeit seinen Willen zu sehr geschwächt hat. Er weiß meist nicht um die vertanen Möglichkeiten oder will sie nicht wahrhaben; er lebt in der Einbildung, er mache weiterhin Fortschritte, tritt aber auf der Stelle. Des Lebens Widerstände bleiben auch jetzt nicht aus, doch sind sie abgemildert, denn die Kräfte vergangener Jahre stehen nicht mehr im vollen Umfang zur Verfügung – im Alter ist man auch seelisch nicht mehr so belastbar. Das Christentum ist dann oft ein substanzloses, der Glaube hat keine Festigkeit.

Hat jemand viele Möglichkeiten vertan, findet aber in den späten Jahren zur wahren Herzensdemut, gibt es ein barmherziges Geschenk des himmlischen Vaters: Sieht er in seinem Kind den aufrichtigen Willen Versäumtes nachzuholen, schenkt er erneut die erforderliche Kraft. Allerdings sind dann oft schwere, kurz aufeinanderfolgende Prüfungen vonnöten. Doch sobald das Kind des Vaters Liebe in den misslichen Umständen findet, ist es auch schon vorbei mit der Not. Nun kann er es in seine Arme nehmen und in die ewige Heimat führen.


Erwacht ein Mensch in Gottes Gnaden, steckt jedoch zu diesem Zeitpunkt noch tief im Weltensumpf, beginnt bisweilen ein langwieriger Kampf, darin er seine Berufung zu verwirklichen sucht. Gottesbegegnungen und Glücksmomente wechseln sich ab mit Phasen der Mutlosigkeit oder gar Verzweiflung. Kommt es aufgrund der eigenen Unzulänglichkeit zu Selbstanklagen oder Selbstmitleid, schleichen sich leicht Unzufriedenheit und unterschwelliger Trotz gegen Gottes Erziehungsmethoden ein. Stolz und Hochmut verdrängen die anfängliche Demutshaltung und manifestieren sich als dunkle Wolken in der Seele – und füllen sie mit der Zeit unmerklich aus, so dass der Christ einmal nicht mehr in der Lage ist, sich von ganzem Herzen zu freuen und das Leben zu lieben. In diesem Zustand kann er Göttliches nicht länger fassen und ertragen, sein geöffnetes Herz schließt sich wieder. Da er diesen Umstand nicht wahrhaben will, lebt er in der Einbildung geistigen Fortschritts – seine Religion wird zur Illusion.

Deshalb ist es wichtig, sich Selbstmitleid, Unmut und Selbstanklage nicht zu unterwerfen. Vergeistigung ist ein Prozess. Gerade in dieser gottlosen Zeit ist es kein leichtes Unterfangen, sich von der Welt zu lösen. Vertrauen auf unseres himmlischen Vaters Geduld, Erbarmung und uneingeschränkte Liebe verhelfen dazu, wieder aufzustehen und den Blick nach vorne zu richten. Dazu gehört Mut. Dies ist der Mut, den man in der wahren Demut findet.


Das ist eine große Gefahr der Erweckung: Der mit der Welt verhaftete Mensch wurde von Gott angerührt, die Stricke irdischer Gebundenheit entknotet, er kann seine geöffneten Fesseln aber nicht loslassen -beharrlich hält er an seinen Verkehrtheiten fest. Hier erscheint es manchmal so, dass die Erweckung unzeitgemäß oder unter falschen Voraussetzungen erfolgt ist, doch ist sie in diesem Lebensabschnitt notwendig, auf dass dem Angerührten genügend Zeit bleibt, um in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die gültige Bestimmung im Sinne seines Auftrags zu verwirklichen.

In dieser Phase kommt es zwar immer wieder zu Gottesbegegnungen, dominiert wird die Seele aber weiterhin von den in ihr vorhandenen Schwächen und materiellen Begierden. Viele Erwachende durchleben so schwere Kämpfe und düstere Lebensabschnitte, die sie zeitweise in Hoffnungs- und Mutlosigkeit treiben. Da sie den entscheidenden Schritt in die Freiheit des Geistes nicht wagen, versinken sie immer tiefer im Weltensumpf. Herausziehen kann der Vater seine Kinder aber nicht, da er unter allen Umständen ihren freien Willen achtet.

So werden sie in ihrem Zwiespalt hin und her gerissen; sie möchten zwei Herren dienen und bringen sich so fast zu Tode. Erst wenn sie durch Gottes Geduld und unaufhörliche Liebesbeweise wachgeküsst sind, kann Befreiung erfolgen.

Das kann Jahrzehnte nach dem ersten Erwachen der Fall sein. Dann wendet sich doch noch alles zum Guten und der Christ erkennt, dass seine Erweckung das Legen der Liebe-Samen in sein Seelenerdreich darstellte, und der Kampf mit den irdischen Gegenkräften das Werkzeug war, das die Pflanzen der göttlichen Liebe stark und fest auf dem Seelenacker wachsen ließ, so dass ihnen fürder kein Weltensturm etwas anhaben kann.


Der Wille des Menschen bleibt immer frei und ist deshalb allerlei Gefahren ausgesetzt, solange nicht die gänzliche Vereinigung mit dem Gottesgeist stattgefunden hat. Selbst wenn es nicht mehr möglich ist, nicht an Gott zu glauben und seine Existenz zu verneinen, kann es der Fall sein, dass man sich eigensinnig von ihm abwendet oder ihn aus Furcht verleugnet, wie es Petrus widerfahren ist. Das kann nach Jahren göttlicher Gemeinschaft geschehen, wenn man unerwarteten Prüfungen ausgesetzt ist. Diese sind jedoch notwendig, denn hier erweisen sich Treue und Standhaftigkeit, die das Fundament für das weitere Vorwärtsschreiten bilden. Hält das Gotteskind nicht stand und fällt, kann es sich im darauffolgenden Leid der Reue wieder in des Vaters Barmherzigkeit finden.

Besteht die Gefahr, dass ein Kind seine Lebensaufgabe gänzlich verwirkt, setzt der Vater unter Umständen Not ein, um eine Korrektur herbei zu führen. Hilft das nicht, wird es durch Abberufung aus dem es zu verschlingen drohenden Sumpf gezogen. Dadurch werden vertane Zeit abgewendet und einstige quälende Schuldgefühle größtenteils neutralisiert. Die nicht verwirklichte Bestimmung wird ihm erst eröffnet, wenn es dies weitestgehend schadlos erkennen kann. Auch hier steht die väterliche Liebe über aller Gerechtigkeit.

Bleibt der Christ treu in den Prüfungen, wird er schließlich Gott in sich und sich in Gott verwirklichen. In dieser Liebesvereinigung lebt nicht mehr er, sondern Jesus Christus in ihm. Jetzt kann es keine Trennung mehr geben und demnach auch keine Abkehr von Gott.


Im Leben eines jeden Berufenen und Erwählten kommt einmal der Zeitpunkt, wo er den alten Menschen ablegen und sein weltgebundenes Dasein verlassen muss. Schon lange hat er geahnt, dass er diesen Schritt einmal tun muss, so richtig wahrhaben wollte er das aber nicht. Doch jetzt steht er tatsächlich vor dieser Entscheidung. Er spürt unfehlbar, dass es seinem himmlischen Vater Ernst ist, und dieser teilt ihm das unmissverständlich mit. Mit Wollen und “Eigentlich möchte ich ja …” ist es nicht mehr getan, nun müssen Taten folgen.

Noch einmal ist das Gotteskind vor die Entscheidung gestellt: Der Welt oder Gott zu dienen. Dafür schenkt ihm der Vater Zeit und Möglichkeit zum Rückzug zur Selbstbeschau. Kann es darin seine Berufung nicht bejahen oder möchte diese abgeben, wird sich sein Dasein wieder mehr in weltlichen Bahnen bewegen. Daraufhin wird es eine Zeitlang vielleicht eine innere Leere und unterschwellige Traurigkeit empfinden, die es aber an seiner Seelenoberfläche, in die es bald zurückfällt, nicht mehr eindringlich wahrnimmt – oder große Erleichterung, wenn es seine Berufung nur verstandesmäßig erfassen konnte und diese aufgrund der dadurch verursachten Zweifel und Widerstände als Zwang empfand.

War die Zusage Selbstbetrug ohne tatsächliches Loslassen der bindenden Strukturen, wird eine anfängliche Not darauf hinweisen, dass eine gültige Entscheidung getroffen werden muss. Wollen und nur gelegentlich tun geht auf die Dauer nicht. Das weiß man dann auch – vorausgesetzt man ist ehrlich in Gott und daraus zu sich selbst.

Belügt sich der Christ weiterhin mit Scheingläubigkeit, zieht sich der himmlische Vater mitsamt der geistigen Arbeiterschaft vorerst zurück. Es hat wenig Sinn, jemandem volle Unterstützung angedeihen zu lassen, der ständig beteuert, Gott dienen zu wollen, aber sein Dasein nicht wirklich danach ausrichtet. Ernsthaftigkeit und Treue sind Voraussetzung zur wahrhaftigen Nachfolge. Im seelischen Zwiespalt des Selbstbetrugs wird sich das `Wollen-aber-nicht-tun´ schließlich auf den Körper übertragen – eine Krankheit kann die Folge sein.

Folgen Taten und zeigt der Mensch Bereitschaft, den Willen des Vaters tätig umzusetzen, betritt er eine völlig neue Dimension des Glaubens. Bislang verborgene Seelenbereiche öffnen sich – was zuvor verschwommen war, steht ihm nun klar und deutlich vor Augen. Im göttlichen Licht erkennt er Grund und Ursache seiner vorherigen Eigensinnigkeit und der daraus hervorgehenden Niederlagen. Immer tiefer und öfter wird er erfüllt von Gottes Gegenwart; er fühlt eine ungeahnte Lebenskraft in sich, die durchdrungen ist von Freude und Geborgenheit, von Liebe und Barmherzigkeit. Auch der allgemeine geistige Tod wird ihm in ganzer Tragweite ersichtlich, was ihm zusätzlich Ansporn verleiht, den göttlichen Pfad beharrlich und mutig weiter zu beschreiten. In dieser Hingabe kann jetzt alles ganz schnell gehen und eine Eingeburt in den Gottesgeist bald erfolgen.

Liebe Geschwister, viele von uns streben nach geistiger Verwirklichung, wagen aber nicht die endgültigen Schritte in die Freiheit. Hiermit bittet euch der Vater, dass ihr diese jetzt tun sollt. Jeder wahrhaftige Christ muss sich einmal seinen Dämonen stellen, muss der scheinbar übermächtigen Schlange den Kopf zertreten, muss über seine Sünden und Schwächen ein entschiedenes NEIN sprechen. Zugleich bezeuge ich und stehe mit meinem gotterfüllten Herzen dafür, dass sich hier Wahrheit kundtut und dass zumindest eine teilweise Eingeburt in den Geist Gottes für alle, die den Vater in Jesus Christus erkannt haben und in der Tat lieben, noch in diesem Erdenleben Realität werden kann. Denn es ist eine besondere Zeit, in der wir leben. Der Vater schenkt Gnade wie nie zuvor, das Himmelstor ist weit geöffnet. Erkennt die Wiederkunft Jesu Christi!


Zum Abschluss

Der letzte Abschnitt dieses Kapitels zeigt Gefahren auf, denen vor allem Personen ausgesetzt sind, die einer göttlichen Berufung beziehungsweise einem göttlichen Auftrag nachkommen sollen – das betrifft viele Leser dieses Buches. Die irdischen Herausforderungen und geistigen Anforderungen richten sich nach individueller geistiger Begabung und Bestimmung. Je gewichtiger die Aufgabe, umso tiefer muss man in die Demut gehen, denn umso außergewöhnlicher sind auch die Prüfungen. Dementsprechend groß ist die Gefahr, im Kampf zu scheitern; umso weitreichender sind wiederum Gnade und Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters.

Demütigende Seelen-Korrekturen mittels Krankheit und Not sind keine Strafe für ein Fehlgehen oder gar göttliche Willkür. Vielmehr ist es erbarmende Liebe, die das Gotteskind vor Schlimmerem bewahren und alles Leben seiner Befreiung zuführen möchte. Niemals handelt der Vater aus einem anderen Grund, auch wenn es an der materiellen Oberfläche so aussieht.

Angst vor Versagen und Strafe entspringt nicht dem Geist vertrauter Liebe. Richtende Gesetzgebung und gebotene Gottesfurcht gelten allein der gefallenen Schöpfung, die einen himmlischen Vater nicht kennt oder anerkennt. In seiner Gegenwart wandelt sich göttliche Strenge zu Barmherzigkeit und unsagbarer Liebe. Allein auf das Herz Gottes soll unser Herz gerichtet sein.

Glaube und Gottvertrauen kann man theoretisch oder lebendig innehaben. In der theoretischen Hingabe werden die Prüfungen des Lebens zu oft unüberwindbaren Hürden, die zu und in Aggression, Resignation oder Verzweiflung führen können. Gibt man sich in den Herausforderungen des irdischen Daseins vorbehaltlos der gottväterlichen Liebe anheim, führen sie die Seele in die Lebendigkeit des Glaubens, bereitend wunderbare Geborgenheit und Glückseligkeit.


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