Die Nachfolge Christi

Samuel Surazal Ein Crash mit Höchstgeschwindigkeit gegen eine Wand aus Licht und Liebe

Über diese Ausgabe
Autor / Quelle
Samuel Surazal

“Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater denn durch mich.”

Die Nachfolge Christi führt den Menschen aus dem Labyrinth seiner gottlosen Gedankengänge und schenkt ihm wahrhaftige Freiheit. Die Nachfolge Christi gibt ihm seine göttliche Identität zurück und ermöglicht ihm die personale Gottesliebe. Das ist der Weg, den wir nicht nur gehen können, sondern gehen müssen, wollen wir einkehren ins Vaterhaus, um vom Tod ins Leben überzugehen.

Dieser Weg beginnt mit der Annahme unserer Lebenssituation im Vertrauen auf Gottes Fürsorge und Beistand. Er beinhaltet die schrittweise Ablegung irdischer Begierden in der Liebe zu Jesus Christus. Ihn zu gehen bedeutet das Loslassen all dessen, was die Seele an die Welt vergänglicher Sinnesfreuden bindet – mit dem gleichzeitigen Ergreifen der göttlichen Vaterhand. Will man tatsächlich erneuert im Geiste wiedergeboren werden, muss man diesen Pfad der Entsagung und Hingabe beschreiten.

Was für den Ungläubigen als törichte Weltfremdheit, als Gang in die Ungewissheit erscheint, wird indes für den Christen bald sichtbar als Geschenk der Liebe. Er wird gewahr, dass Jesus Christus allzeit mitgeht an seiner Seite und ihm sein göttlich Herz offenbart. Im gemeinsamen Vorwärtsschreiten entpuppt sich der schmale Pfad abseits der breiten Straßen der Welt, das Nadelöhr, durch das man in der Nachfolge gehen muss, als unbezahlbarer Schatz, der im Grunde jedes Menschenherzens vergraben ist und den es im Verlauf des Erdenlebens zu heben und zu öffnen gilt.


Lebt man in der Welt, muss man der Welt gerecht werden. Das Beschreiten des geistigen Pfades befreit nicht von irdischen Pflichten, eine Inkarnation bedingt auch die Annahme und Befolgung angeordneter Gesetzgebung. “Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist.”

In der Verantwortung für das eigene und das Leben seiner Familie ist es notwendig, einen rechtschaffenen Beruf auszuüben. Zuweilen muss man gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen und entsprechende Gespräche sind nie ganz auszuschließen. Es kommt immer darauf an, wie man etwas tut und nicht so sehr, welche Tätigkeit man ausübt und wo man sein Dasein zeitigt.

So kann ein wahrer Christ nach außen hin ein ganz gewöhnliches Leben führen, in seinem Seelenreich ist er jedoch bereits Bewohner der geistigen Welt. Er besitzt irdische Güter, aber er hängt nicht an diesen, denn er betrachtet sie als Leihgabe des himmlischen Vaters. In seinem Herzen trägt er eine innige Liebe zu Jesus Christus, darin und daraus er seine Mitmenschen liebt. Im Laufe seines Erdenlebens wächst er immer tiefer hinein ins Geistesleben.


Die meisten sogenannten Christen denken, dass sie ganz passabel leben und die paar Schwächen so schlimm auch wieder nicht sind. Doch was im Allgemeinen unter dem Deckmantel weltlicher oder spiritueller Selbsterkenntnis schlummert, ist im Licht der Wahrheit betrachtet zumeist ein verwahrloster Zustand. Selten kennt sich jemand in seiner eigentlichen Beschaffenheit; in der Regel sieht man sich in seiner eingebildeten Verfassung.

Der verstandesträchtige Egoismus ist ein Meister der Tarnung und der hintergründigen Falschheit; er kann sich in verschiedensten, scheinbar rechten und gerechten, ja sogar selbstlosen Verkleidungen vorstellen, ohne dass man es merkt.

Ist ein Mensch bereit für Veränderung und öffnet sich in Demut für die göttliche Einstrahlung, lüftet sich der Seelenvorhang allmählich, wodurch ihm sein tatsächlicher Zustand ersichtlich wird. Nun ist er über alle Maßen erstaunt, aber auch schockiert, was sich für Abgründe in ihm auftun.

Steht er aufrichtig zu seinen Verirrungen und stülpt nicht Scheinheiligkeit über seine Mängel, schenkt er himmlischen Mächten die Möglichkeit, fortwährend auf seine Seele einzuwirken, so dass ein baldiges Freiwerden von den Hemmnissen vonstatten gehen kann. Vor allem ruft es den Vater auf den Plan, der sein liebebereites Kind auf dem weiteren Weg persönlich begleitet und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.


Da man durch das Auf- und Abgeben egoistischer Gewohnheiten und materieller Vorlieben am Beginn des Glaubensweges einen scheinbaren Verlust erleidet, erfordern die ersten Schritte auf dem noch nicht einsehbaren Pfad bereits ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit. Doch sollte man aufgrund des Verzichts nicht sofortige und andauernde Gemeinschaft mit Gott erwarten, denn die weitere Entwicklung besteht hauptsächlich im Ausbrennen seelischer Missstände durch Glaubensprüfungen. Die unlauteren Gedanken der vorangegangenen Lebensweise haben sich förmlich in die Seele und in die Gehirnzellen eingebrannt (feste Konditionierungen); diese Verunreinigungen müssen nun beseitigt werden. “Man füllt neuen Wein nicht in alte Schläuche.”

In diesem Licht- und Schattenspiel, im Auf und Ab des geistigen Erwachens darf man nicht verzagen, sondern muss sein Herz immer wieder aufs Neue dem Vater anheimgeben und auf dessen Liebe und Barmherzigkeit vertrauen. Im aufrichtigen und gewissenhaften Handeln geschieht schließlich das Wunder der Verwandlung.


Immer wieder hört man: „Wie kann man andere lieben, wenn man sich selbst nicht liebt?!“ Dieser Grundsatz ist in der Esoterik sehr populär, in der Psychologie ist er wissenschaftlich unterlegt. Doch diese Art des Selbstverständnisses birgt eine große Gefahr, denn sich mit all seinen Fehlern und Schwächen anzunehmen und wertzuschätzen, um fähig zu sein für Liebe, nimmt dem Gottesgeist jeglichen Raum – seine Wirksamkeit wird dadurch bereits im Keim erstickt.

Erst in der demütigen Einsicht und dem Eingeständnis, dass allein Gott gut ist und der Mensch gemäß seiner Hingabe an Gott Anteil am Wahren und Guten hat, können göttliche Lebendigkeit und Liebe in der Seele erstehen und sich in der Tat manifestieren. In der innigen Herzensgemeinschaft mit Jesus Christus ruht die Gewissheit, dass jeder Mensch in seiner geschaffenen Personalität fürwahr ein Kind Gottes ist und von ihm bedingungslos geliebt wird. Diese Erkenntnis schenkt wahrhaftiges (Selbst-)Bewusstsein und göttliche (Selbst-)Verwirklichung, darin der einzig gültige Wert, Sinn und Zweck allen Lebens in Zeit und Ewigkeit liegt.

Richtig muss es heißen: “Wie kann man andere wahrhaft lieben, wenn man Gott nicht liebt?!”


Jesus nachzufolgen und das Kreuz der Selbstverleugnung zu schultern bedeutet nicht, sich widerspruchs- und reaktionslos jedem falschen und lügenhaften Treiben auszusetzen – das wäre falsch verstandene Nächstenliebe. Nachfolge kann auch das Aufzeigen verkehrten Verhaltens beinhalten, solange es zum Wohl des Nächsten geschieht. Doch dem sollen allezeit Langmut und Sanftmut vorangehen, denn vor allem duldende Liebe hat die Kraft der Erlösung. Hier muss man allerdings darauf achten, dass man Feigheit und Mutlosigkeit nicht in das Gewand geduldiger Nächstenliebe kleidet und sich dabei ständig heimlich ärgert.

Wie man sich in verschiedenen Situationen verhalten kann und soll, erkennt man in der Liebe zu Gott fortschrittsgemäß. Ist man zu Beginn noch unsicher im Glaubensleben, eröffnet das göttliche Liebelicht im weiteren Verlauf mehr und mehr das richtige Sprechen und Handeln in den alltäglichen Begegnungen und Angelegenheiten.

Die Selbstbeschau, um in die Seelenbereiche vorzudringen, die uns die Komplexität unserer Lebensumstände eröffnen, braucht unbedingt Jesu Christi Licht. Keine Meditationstechnik, keine Anleitung zur Selbsterkenntnis, keine Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft beleuchtet unsere Seele wahrheitsgetreu.

Allein die unvoreingenommene Liebe zu Jesus Christus schenkt göttliche Einsicht, die Voraussetzung ist für die Befreiung von den unsichtbaren Kräften, die die Seele an den geistigen Tod binden.


Die Bereitschaft, den göttlichen Willen über die Ansichten, Meinungen und das Verlangen der Mitmenschen zu stellen, bringt eine große Herausforderung mit sich. Hier muss man sehr behutsam vorgehen und achtgeben, dass man Eigenwille nicht mit Gotteswille und Eigenliebe nicht mit Liebe zu Gott `verwechselt´, ansonsten man zum religiösen Diktator und Richter mutiert, der in Gottes Namen seine Umwelt für seine egoistischen Belange benützt.

Sanftmut und Geduld, Mitgefühl und Verständnis mit dem Unverständnis oder gar der Abkehr der Mitmenschen, ohne Ärger, ohne Anklage, doch mit Bestimmtheit in der Erfüllung göttlicher Anordnung -das ist der Weg, den der Christ in der Nachfolge gehen kann.


Zurückgezogenheit in Stille für Gebet und Besinnung, zur Selbstbeschau und inneren Einkehr ist wichtig und notwendig. Doch erst in der Überwindung der Fehler und Schwächen im alltäglichen Lebenskampf stellt sich bleibender und unzerstörbarer Friede ein. In dieser Auseinandersetzung mit sich selbst stolpert man immer wieder über seine Unzulänglichkeiten, darin man seine Mitmenschen verurteilt, die oft nicht so handeln, wie man es sich wünscht oder für richtig hält. Das ist eine grundlegende Problematik, an der man sich unweigerlich stößt und in der man Tag für Tag herausgefordert ist.

Bleibt man beständig auf dem vorgegebenen Pfad, wird bald ersichtlich, dass der Vater allzeit mit hineingeht in die Selbstgerechtigkeit seines Kindes, um dort Licht und Liebe zu spenden. Selbst wenn es fällt und Schwachheit es umklammert, bleibt er bei ihm und bietet seine helfende Hand. Unter der väterlichen Führung kommt das Gotteskind immer öfter mit den herausfordernden Situationen zurecht und macht gute Fortschritte.

Schließlich eröffnet ihm der Vater Einblick in die Seelen, die es richtet oder belächelt, die es in Schubladen steckt, über die es sich insgeheim in seinem Standesdünkel stellt. In dieser Einsicht wird ihm die Geschwisterschaft aller Menschen ersichtlich. Das geschwisterliche Band ist die göttliche Liebe, erfüllend die Herzen mit inniger Zuneigung und Verbundenheit.


Der verweltlichte Verstand kann nicht nachvollziehen, dass gottloses Gedankengut und die daraus hervorgehenden Handlungen für einen Christen unweigerlich zum Stolperstein werden. Der Wanderer auf dem Wahrheitspfad kennt jedoch die `unwichtigen´ Kleinigkeiten, er sieht die verborgenen Hindernisse, die das Bewusstsein an materielle Begierden und vergängliche Leidenschaften binden und so die Freiwerdung der Seele verhindern. In der Achtsamkeit göttlicher Gegenwärtigkeit spürt er genau, was er tun und lassen kann, um nicht vom geraden Weg abzukommen und sich wieder im Labyrinth konditionierter Denk- und Verhaltensmuster zu verirren.

In der Folge eröffnet der geistige Fortschritt Einsicht in die Notwendigkeit des Freiwerdens von irdischen Abhängigkeiten und befreit die zu Beginn auf blindem Gehorsam basierende Entsagung. Bald steigert sich das Verlangen, weitere Weltengewichte abzulegen, die die Seele auf dem Weg ins Vaterherz beschweren.

Wenn man den Erfordernissen, die zur geistigen Wiedergeburt führen, nachkommen möchte, muss man jedoch aufpassen, dass man Verzicht und Opferbereitschaft nicht in den Mittelpunkt stellt, denn dann verliert man schnell die Liebe aus den Augen. Schließlich wird Selbstgerechtigkeit zur `christlichen´ Motivation, was ein beständiges, oft unterschwelliges Verurteilen der Fehler seiner Mitmenschen bedingt.

Ein spezielles Opfer allerdings muss jedes Gotteskind dem Vater darbringen. In jedem Menschen ist je nach Veranlagung und Berufung mindestens eine ihm scheinbar unüberwindbare Schwäche angelegt, die ihm des Öfteren schwere Kämpfe bereitet, ihn immer wieder zu Fall bringt und in seiner Unzulänglichkeit demütigt.

Dieser Schwachpunkt stellt die Umkleidung des Samenkorns dar, das im Seelenerdreich absterben muss, auf dass Gottesleben darin und daraus erstehen kann. Demut lockert die Seele und schafft die Voraussetzung für kräftiges Wachstum. Überwindet und verlässt der Christ im ernsthaften Wollen das über alles geliebte irdische Begehren oder das sein Fortschreiten hemmende Laster, kann der Vater im freien Herzensraum seine Wohnstatt errichten – ein großer Schritt in Richtung geistige Wiedergeburt ist getan. Hier bewahrheitet sich, dass in der schwersten Last der größte Schatz verborgen ist.


Im materiellen Dasein ist Zeit ein wertvolles Gut. Sie ist die Währung, um sich das ewige Leben zu erkaufen. Jeder Augenblick ist kostbar. Jede Stunde zählt und ist unwiederbringlich. Doch der Mensch verschleudert dieses Kapital und bezahlt damit den Preis der Vergänglichkeit und des Todes.

Überkommt einen das Licht dieser Erkenntnis, macht es wenig Sinn, sich ständig zu geistiger Beschäftigung zu zwingen, um dem Geschenk der Zeit gerecht zu werden. Dann wären Unruhe, Ungeduld und Furcht die treibende Motivation, wodurch der Verstand das Regiment behielte. Sinnvoll ist ein schrittweises Vorgehen einerseits durch das Studium von Büchern mit geistigen Inhalten, zum anderen mittels zeitweisem Rückzug in das Seelen-Bewusstsein, um in kindlichen Herzensgebeten einen Kontakt mit Jesus Christus herzustellen. Diese Begegnungen ermöglichen wirkungsvolle Selbstbeschau, gemäß Hingabe und Treue erwacht die Liebe zum Vater beständig.

In der neugewonnenen Lebendigkeit wandelt sich schließlich die Zeit vom alles verschlingenden Feind zum lebenspendenden Freund des Menschen. Gemeinsam gestalten und vollbringen sie den Tag. Da das Herz der Zeit ein Kind der Gegenwart ist, entfalten sich innere Ruhe und Geduld praktisch von selbst. Der Erwachte erkennt, dass Vergänglichkeit ihn nicht länger regiert. Mithilfe der Zeit ist er zur Ewigkeit vorgedrungen. Nun hat die Zeit ihre Aufgabe erfüllt, denn in der Ewigkeit ist diese Währung ohne Wert.


Jeder Mensch trägt Anteile satanischer Eigenschaften in sich, die er zur Erlösung bringen soll. Im täglichen Ringen um deren Befreiung werden göttliche Kräfte entbunden, die im widerstandslosen Leben verborgen blieben. So dient das Böse stets dem Guten auf dem Weg zur geistigen Wiedergeburt.

Überwindet jemand in Gottes Gnaden eine Schwäche, wird er oder sie zum Bahnbrecher und Wegbereiter für Geschwister, die ebenfalls in einem derartigen Unvermögen gefangen sind. Sie können sich dann leichter davon lösen, da die erkrankten Bewusstseinsfelder im Licht des erwachten Gotteskindes geklärt werden. Je mehr Christen Jesus Christus nachfolgen, umso gelöster und freier wird die kollektive Weltenseele. Somit schenkt die individuelle Befreiung nicht nur eigenes Heil, sondern ist globales, ja universelles Erlösungsinstrument.

Nur mithilfe seiner Kinder möchte der himmlische Vater die gefallene Schöpfung befreien. Den Grundstein dafür hat er selbst vor 2000 Jahren gelegt. Durch sein irdisches Wirken in Jesus Christus wurde für alles Leben der Pfad der Errettung aus den Fängen des geistigen Todes eröffnet.


Ist es einem Gläubigen wirklich Ernst mit der Nachfolge und zeigt er im täglichen Bemühen, dass er den christlichen Weg in der Tat verwirklichen möchte, macht auch der Vater Ernst und tritt mit ganzer Macht in das Geschehen der Befreiung seines Kindes. Jetzt ist es dringend notwendig, dass man seinen geistigen Vorhaben und Vorgaben treu bleibt und nicht ständig zurückblickt. Ansonsten erfährt man die göttliche Strenge, die einen die ganze Macht früherer Gewohnheiten spüren lässt, was in dieser Phase sehr schmerzlich ist.

Bleibt man beharrlich im Vertrauen und in der Hingabe, kann der Vater seinen Geist im Menschen ausgießen. Wie fließendes Wasser sich in freien Raum ergießt, so erfüllt der Gottesgeist den in der wahren Demut von Eigensinn und Selbstgerechtigkeit entleerten Seelenraum. Das gottliebende Herz ist der Magnet, der diesen Geist sanft aber bestimmt festhält.

Jesus spricht: “Ich bin bei dir gemäß deiner Hingabe. Jede Sekunde des Tages, die du Mir schenkst, bringt dich Mir näher. So bestimmst du dein Fortschreiten selbst. Ich bin immer da und warte auf dich.”


Der Vater zeigt mir die Entwicklung von den ersten Glaubensschritten bis zum göttlichen Leben:

Man beginnt im übertragenen Sinn wie ein Kleinkind im Kindergarten, das mit Bauklötzen spielt. In diesem Stadium hantiert man bereits mit geistigem Gut, dies ist aber noch Spielerei ohne Verantwortung.

Jesus kommt zu Besuch und hat viele Gaben dabei, die er gerne verteilt. Die Kinder haschen und greifen danach, es sind wunderschöne Geschenke und mehr als genug für alle. Doch wie man das von Kindern halt so kennt, verlieren sie an ihrem Spielzeug bald das Interesse, weil sie lieber das des anderen Kindes möchten, oder machen ihres kaputt und schreien und weinen, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Dann wenden sie sich wieder `wichtigeren´ Dingen zu und beschmieren sich von oben bis unten mit Dreck und vergessen die Geschenke.

Im geistigen Unterricht, der parallel zur praktischen Ausbildung verläuft wie irdisch Lehre und Berufsschule, steht der Zögling bereits in größerer Verantwortung des Gotteslebens und ist sich darin Rechenschaft schuldig. Die göttlichen Gaben sind keine Spielsachen, sondern Werkzeuge und Waffen, die nur mit Ernsthaftigkeit gehandhabt werden dürfen. Freude und Zufriedenheit entstehen nicht mehr vorrangig in der Selbst-Befriedigung an geistigem Gut, sondern gründen sich in der hingebungsvollen Liebe zum himmlischen Vater und in den daraus hervorgehenden Taten der Nächstenliebe. Die darin enthaltene Wonne führt den Schüler stetig tiefer in das sich verschenkende Herz Gottes.

Nun bekommt der Zögling spezielle Aufgaben zugewiesen, nein, vielmehr öffnen sich jetzt die Aufgaben-Samen, die der Vater einst zusammen mit ihm in sein Seelenerdreich legte. In dieser seiner Berufung ist der Christ vollkommen glücklich. Er erkennt, dass der in ihn gelegte Same eigentlich Gott selbst ist, und genau in der zu erfüllenden Lebensaufgabe die Vereinigung von Gottvater und Menschenkind stattfinden kann.


Auch wenn man phasenweise von Gottes Gegenwart erfüllt ist und seine Liebe erleben darf, ist man noch in der Ausbildung. Jeder Tag ist ein Tag des Lernens und Überwindens. Man sollte nicht zu weit nach vorne schauen, sondern sich immer nur diesem einen Tag widmen. Am Morgen im Gebet Jesus um seinen Segen bitten, auf dass sein Licht und seine Liebe einen begleiten mögen:

“Lieber Vater, wie kann ich Dir heute näher kommen? Du und ich, wir gehen gemeinsam durch diesen Tag. Du bist mein Lehrer, mein Meister. In jeder Situation zeigst Du mir das richtige Handeln, zeigst mir die rechte Lebensweise. So eine Freude, mit Dir zu gehen, von Dir zu lernen, Dir in Liebe zu dienen.”

Jeder Augenblick des Tages ist so in Gottes Liebewillen gebettet. Jederzeit in Mitgefühl und Geduld zu handeln und das Schicksal des Tages anzunehmen ist oberstes Gebot der Nachfolge Christi. An Jesu Seite sieht man bereits zu Beginn des Weges das Ziel in sich, im ständigen Blick darauf steht und geht man auf festem Grund und Boden. Stets ist es ein Handeln Hand in Hand und Herz in Herz von Meister und Schüler, von Vater und Kind.

Wenn der Lehrling eigensinnig agiert, bleibt der Meister geduldig dabei und zeigt ihm das Ergebnis, das bei göttlicher Handlungsweise entstanden wäre. Gelegentlich kommt der Schüler in Situationen, in denen der Lehrer ihn scheinbar alleine lässt – so lernt er, selbstständig im Geist zu agieren. Im täglichen Gebrauch werden die göttlichen Attribute zunehmend Eigentum des Gotteskindes, mit jeder freien Willensentscheidung für die Liebe geht es mehr und mehr ein in seinen Herzensgeist. Übung macht auch hier den Meister.

Im Gebet am Abend den vergangenen Tag zusammen mit Jesus anschauen und mit ihm besprechen. So kann er uns heilen. Er allein ist unser geliebter Heiland.


Lebt man unvollkommen, spricht sich in und aus der erlebten irdischen Unvollkommenheit das eigene seelische Befinden aus. Das Verhalten der Umwelt ist ein Spiegel, und nötigenfalls ein Vergrößerungsglas, in dem man zuweilen ablesen kann, wie es um einen bestellt ist. Das kann man manchmal gar nicht glauben, doch die Seele ist vielschichtig; in der Regel kennt man nur ihre Oberfläche, ihre tatsächliche Beschaffenheit ist unsichtbar.

Der Welt Verhältnis zu uns zeigt aber auch und vor allem das eigene Verhalten Gott gegenüber auf. Die irdische Spiegelung offenbart uns also nicht nur zu heilende Seelenstrukturen im zwischenmenschlichen Bereich, sondern in erster Linie zu Gott – was im Grunde freilich ein und dasselbe ist.

Es kann mitunter hilfreich sein, das Gesetz des Seelenspiegels anzuwenden. Dies funktioniert jedoch nur, wenn Liebe zu Gott das Bewusstsein erhellt. Ohne sie wird diese Praxis bald zur untragbaren Last, da sich das Erkennen der entsprechenden Reflexionen nahezu unmerklich auf die egozentrische Ebene verlagert und dadurch die jeweiligen Prozesse als Widerstände und persönliche Angriffe empfunden werden. Dies verhindert eine vorbehaltlose Demütigung der aus dem Unbewussten sich entfaltenden und zu erlösenden Seelenanteile. Grundsätzlich ist es nicht ratsam, jede Situation zu analysieren. Schnell gewinnt der Verstand die Oberhand und man macht sich verrückt im Gedankenstrom des ständigen Hinterfragens.

Lebt man in bewusster Gemeinschaft mit Jesus Christus und den begleitenden Engeln, werden die kleinen und großen Lebensumstände ohnehin zu Werkzeugen, die geistiges Wachstum bedingen. Im steten Vertrauen in die göttliche Führung öffnen sich die verschlossenen Zufallstüren und führen das Gotteskind aus der Dunkelheit von Schicksal, Schuld und Sühne ins Licht der alles erhellenden Liebe seines himmlischen Vaters.


In der Welt zeitlicher Erfahrung und Entwicklung ist Motivation notwendig, um eine vernünftige Existenz zu gewährleisten. Positiv motiviert bereitet einem jede Tätigkeit Freude, darin man gute Leistungen erbringt. Motivation ist der Antrieb in Schule und Beruf, im Sport, in der Kunst sowie in vielen anderen Bereichen des irdischen Daseins. Oft dient Motivation dazu, einen weltlichen Status zu erlangen, um das ehrgeizige Bedürfnis nach Selbstbestätigung und Anerkennung zu befriedigen und/oder Macht und Reichtum zu besitzen. Hier zeigt sich häufig ihre dunkle Seite, die über jede Form von Menschlichkeit hinausgeht. Der eigennützige Verstand benützt die Kraft der Motivation, um andere zu besiegen, zu verdrängen oder ihnen zu schaden.

Auch die ersten Schritte auf dem geistigen Pfad sind positiv motiviert, denn man will Gutes tun und seinen Glauben an die Liebe und in der Liebe verwirklichen. Man möchte Not und Elend lindern und seinem Leben dadurch ein Gefühl von Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit verleihen. Das ist aller Ehren wert und das ist zumeist die erste Wegstrecke im Glaubensleben.

Der Nachfolger Christi erreicht jedoch einmal einen Standpunkt, auf dem jede Form der Motivation zum unüberwindbaren Hindernis wird. Der egozentrische Motor des Eigenwillens mit all seinen Facetten und Auswirkungen verursacht zu viel Lärm und Unruhe in der Seele und beansprucht so den für das göttliche Leben benötigten Freiraum. Dies ist die Phase, in der die gut gemeinte Motivation des Kindes in das Motiv Gottes eingeht. Der Mensch steht jetzt an einer alles entscheidenden Weggabelung.

Hier spricht der Vater: “Wenn du Mir dein Wollen schenkst, schenke Ich dir Mein Wollen.” Er fordert nun allen Ernstes das Meinungs- und Scheinleben seines Kindes. Er fordert die Herausgabe der blinden Liebe. Er fordert das “Dein Wille geschehe!” in seiner ganzen und unausweichlichen Konsequenz. Hier endet jedes Verstandes- und Vernunftdenken. Hier werden die Weichen für den weiteren Lebensweg gestellt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Spricht der Christ das Ja, ändert sich sein Leben radikal. Jetzt geht es ans Eingemachte, wie man so schön sagt. Die folgenden Prüfungen fordern ihm alles ab, sie können nur in der demutsvollen Anheimgabe an die göttliche Liebe bestanden werden. Die übernimmt nun mehr und mehr das Wollen des inneren und äußeren Menschen und realisiert damit dessen Hingabe.

Dann wird es noch einmal Nacht: Der Lebensabschnitt Gethsemane. Der Vater zieht sich zurück. Gleichzeitig drängen die Wunden der Vergangenheit sowie die noch vorhandenen Schwächen, Sorgen und Begierden ins Bewusstsein des Gotteskindes. Aber auch seine Zukunft ist ihm offenbar, denn es lebt bereits in der Vorausschau seiner unerkannten oder öffentlichen Berufung. Eindringlich ist ihm der geistige Tod der Menschheit vor Augen gestellt und es weiß: Gibt es sein Leben seinem himmlischen Vater anheim, kann dieser wirksam ins Weltgeschehen eingreifen. Hier schließt sich der Kreis der Motivation, denn noch einmal ist sie Antrieb zum Durchhalten in dieser Phase weitreichender Entscheidung.

Doch nun tut sich ein Geheimnis auf, ein Geschenk der barmherzigen Liebe: Das mit sich ringende Gotteskind hat die Möglichkeit, Jesus in dessen Gethsemane-Nacht zu besuchen und zusammen mit ihm den Versuchungen Satans zu widerstehen. In der Zweisamkeit und Vertrautheit mit der kämpfenden Jesu-Seele bekommt es Einblicke in das Wesen der Liebe, die zu diesem Zeitpunkt sonst nicht möglich wären – wodurch eine tiefgreifende Vereinigung von Vater und Kind stattfindet.

Wie kann das vonstatten gehen, dass man Jesus Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung in Gethsemane aufsuchen kann? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Einmal kann man sich gedanklich vorstellend dorthin versetzen – je mehr Gefühl, also Seelenkraft dabei mitwirkt, umso intensiver und klarer wird die Begegnung. Steht man bereits mit seinem Herzensgeist in engem Verband, stellt die Liebe eine anschauliche Zusammenkunft her und schenkt den Eindruck tatsächlichen Beisammenseins – was es im Grunde ist, denn im erwachten Seelenleben steht geistiges Schauen auf dem Fundament göttlicher Realität. Je inniger die Liebe zu Jesus Christus, desto stärker die Kraft zur tatsächlichen Zusammenführung.

Ist schließlich die Eingeburt in den Gottesgeist erfolgt, ist man immer und überall mit Jesus vereint. Eine Trennung kann es nicht mehr geben. Der wiedergeborene Mensch liebt und lebt in Ewigkeit im Geiste Jesu Christi.


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