Auch der Schreiber Matthäus trat zu Mir. Er war Mir in einiger Entfernung gefolgt, um zu sehen, was dort geschah, damit er es danach aufzeichnen könne. Er fragte Mich, ob er diese Begebenheiten niederschreiben solle.
Ich sagte: »Lass das, damit später keine Verwechslung entsteht. Übermorgen werden wir wieder an den See gehen; dort wird uns eine bis ins Einzelne gleiche Geschichte begegnen, die du dann vollständig beschreiben sollst. Überhaupt kannst du von morgen an alles Aussergewöhnliche aufzeichnen, was sich ereignen wird.«
Matthäus ist damit vollkommen zufrieden. Doch auch Johannes, dem diese Tat sehr wunderbar erschien, fragt Mich, ob er sie sich nicht wenigstens mit wenigen Zeichen vormerken dürfe.
Ich sage zu ihm: »Das kannst du tun, aber schreibe es nicht unmittelbar zu dem hinzu, was du bisher niedergeschrieben hast, sondern erst später. Denn in einem halben Jahr werden wir noch einen völlig gleichen Fall zu behandeln bekommen. Dann kannst du jenen anstelle dieses Falls oder diesen anstelle jenes Falls aufzeichnen.
Es kommt nicht sehr darauf an, ob dieses oder jenes Zeichen aufgezeichnet wird, wenn es einem früheren Zeichen sehr ähnlich ist. Denn dadurch könnten bei den späteren Nachfolgern Meiner Lehre leicht Verwechslungen entstehen und aus diesen schliesslich allerlei Grübeleien und Zweifel. Diese würden der Hauptsache, die allein in Meiner Lehre besteht, weit mehr schaden als nützen.
Solange Ich, ihr und diejenigen auf dieser Erde leben, die auf verschiedene Weise von der vollen Wahrheit der vielen Zeichen zeugen können, lassen sich alle Zweifel leicht verhindern. In späteren Zeiten aber, wenn allein das Geschriebene von Mir zeugen soll – um der Freiheit des menschlichen Willens willen –, muss die Schrift rein und wohlgeordnet sein; sonst schadet sie mehr, als sie nützt.«
Johannes sagt: »Herr, Du meine Liebe! Was Du eben gesagt hast, ist gewiss im höchsten Mass wahr. Aber wäre es gerade deshalb nicht sehr vorteilhaft, wenn ich ebenso wie Bruder Matthäus alles ganz genau aufzeichnen würde, was Du tust und lehrst?
Wenn die Menschen später meine Schrift mit der des Matthäus vergleichen und in meiner nicht finden, was in seiner steht, werden sie dann nicht zu grübeln beginnen, an der Echtheit des ganzen Evangeliums zweifeln und sagen: ›Hat es nicht nur einen Jesus gegeben, der dasselbe gelehrt und gewiss auch dasselbe getan hat? Warum schrieb Matthäus dieses und Johannes jenes, obwohl beides nicht übereinstimmt und doch beide ständig bei Ihm gewesen sein sollen?‹ Ich meine, ein solches Urteil der Nachkommen wird unter diesen Umständen nicht ausbleiben, wenn ich etwas ganz anderes schreibe als Bruder Matthäus.«
Ich sage: »Du hast ganz recht, liebster Bruder. Doch der Grund, weshalb Ich dies so geschehen lasse, ist für dich jetzt noch unfassbar; später wird er dir jedoch klar werden.
Was Matthäus schreibt, kommt besonders dieser Erde zugute; was du aber schreibst, gilt für die ganze ewige Unendlichkeit. Denn in allem, was du schreibst, ist das rein göttliche Wirken von Ewigkeiten zu Ewigkeiten verhüllt: durch alle bereits bestehenden Schöpfungen und auch durch diejenigen, die in künftigen Ewigkeiten an die Stelle der heutigen Schöpfungen treten werden. Selbst wenn du das, was Ich dir und euch allen darüber noch bekannt geben werde, in viele tausend Bücher schreiben würdest, könnte die Welt solche Bücher niemals begreifen; deshalb würden sie ihr auch nichts nützen.
Wer aber nach der überlieferten Lehre lebt und an den Sohn glaubt, wird ohnehin im Geist wiedergeboren, und der Geist wird ihn in alle Tiefen der ewigen Wahrheit führen.
Nun kennst du den Grund, weshalb Ich dich nicht alles schreiben lasse; frage Mich künftig nicht mehr danach. Denn der Welt darf es niemals zu deutlich gemacht werden, damit sie nicht in ein noch grösseres Gericht verfällt als das alte notwendige Gericht, in dem sie sich ohnehin schon befindet.
Ich will Meine Lehre so gestalten, dass niemand allein durch das Lesen oder Hören des Evangeliums zum Grund der lebendigen Wahrheit gelangen soll, sondern nur durch das Handeln nach Meiner Lehre. Erst das Handeln wird jedem zu einer Leuchte werden.«