Offenbarungen durch Jakob Lorber

Samuel Surazal Offenbarungen aus dem Gottesgeist

Über diese Ausgabe
Autor / Quelle
Samuel Surazal
Verwendete Ausgabe
1. Auflage April 2023 ▪ Samuel E. Surazal
Originalsprache
Deutsch
Diese Fassung
Originaltext
Hinweis zu dieser Ausgabe

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Deutsche Originalausgabe

1. Auflage April 2023 ▪ Samuel E. Surazal

Edition AVRA bei BuchWerkstatt Berlin

Rheinstr. 46 - 12161 Berlin

Eine Marke der Frieling & Hufmann GmbH & Co. KG

mailto:lektorat@edition-avra.de

Printed by Amazon Fulfillment

Verantwortlich für Inhalt, Korrektorat und Satz: Der Autor

Email: info@samuel-surazal.com

Website: www.samuel-surazal.de

ISBN 978-3-946467-98-4

Jesus Christus:

„Gott ist die ewige Liebe und die Wahrheit selbst!

Nichts in der Welt kann euch frei machen

als allein nur die Wahrheit.

Wer Sünde tut, welche allzeit eine Lüge war,

der ist auch der Sünde Knecht

und ein Sklave der andern noch größeren Sünder,

die kein Gewissen und keine Liebe haben

als allein nur für ihr schmähliches Ich.

Wer aber die Wahrheit in sich hat,

der ist ein mächtiger Feind der Lüge und ist frei;

denn niemand kann ihn einer Sünde überführen.

Darum erwählet die Wahrheit und fürchtet die nicht,

die wohl euren Leib töten,

aber eurer Seele weiter nichts tun können.“

Die Zukunft und Reinerhaltung der Lehre des Herrn – GEJ 5.120

(Mathael:) „Ich glaube nun mit einer festen Überzeugung, dass wir mit der Ausbreitung dieser Deiner rein göttlichen Lehre eben keine gar zu große Mühe haben werden, und wir Gebieter und irdischen Machthaber schon gar nicht; aber eine ganz andere und mir höchst wichtig vorkommende Frage besteht darin, wie diese Lehre für die Menschheit rein und ohne irgend von den Menschen gemachte Zusätze oder Wegnahmen zu erhalten sein wird. Denn wir sind unser nun viele, die wir diese neue Lehre nicht nur für uns, sondern auch für unsere gar vielen Brüder und Schwestern erhalten haben und sie auch mit allem Eifer auszubreiten suchen! Aber schon wir werden vielleicht in manchen Stücken ganz verschieden den Menschen dies wahrste und reinste Evangelium verkünden, was da schon in der Natur der Sache liegt.

Denn man wird mit dem Juden anders, mit dem Griechen und Römer anders und mit dem Perser, Inder, Ägypter und gar mit dem Skythen sehr anders reden müssen, weil ein jeder von ganz anderen Vorbegriffen beseelt ist. Es werden dadurch offenbar allerlei Mischungen geschehen und auch allerlei Färbungen entstehen. Wenn dann etwa nach ein paar Jahrhunderten die Menschen von den verschiedensten Nationen ihre von uns empfangenen Lehren, die offenbar von vielen werden aufgezeichnet werden, miteinander vergleichen werden, – werden sie sich wohl noch so ziemlich gleichschauen?! Oder werden nicht bald die Juden sagen: ,Wir allein haben die ganz reine und wahre Lehre!‘?! Und die Griechen werden erwidern: ,Nein, wir haben die allein wahre Lehre, wie sie aus dem Munde des Herrn geflossen ist!‘ Und werden die Römer nicht dasselbe behaupten und die Armenier wiederum dasselbe?! Ich will hoffen, dass sie im Wesentlichen wohl alle nicht zu weit auseinander sein werden; aber im Speziellen dürften hie und da denn doch bei dem vollkommen freien Willen der Menschen gar gewaltige Varianten, Klüfte und Falten vorkommen!

Wenn das etwa doch mit einiger Sicherheit zu erwarten wäre, so wäre meiner freilich unmaßgeblichen Meinung nach nun wohl dafür irgendeine Fürsorge zu treffen, auf dass am Ende aus dieser herrlichen Lehre nicht ein wahres Chaos werde, aus dem fürder niemand leichtlich klug würde. Was wäre, o Herr, da Deine Meinung?“

Sage Ich (Jesus Christus): „Mein lieber Freund, obwohl deine Sorge deinem ganz redlichen, bekümmerten Herzen entstammt, so muss Ich dir aber dennoch die Bemerkung machen, dass diese deine Fürsorge ein wenig verfrüht ist! Dass diese Lehre bei allen Nationen in den späteren Zeiten nicht so rein verbleiben wird, wie sie nun aus Meinem Munde zu euch gekommen ist, kann als etwas ganz Bestimmtes schon zum Voraus angenommen werden.

Es werden auch gar bald nach uns eine Menge geschriebener Evangelien zum Vorscheine kommen, von denen ein jedes behaupten wird, die reine Wahrheit zu enthalten, und von denen ein jedes einem andern, dasselbe behauptenden geschriebenen Evangelium gar nicht gleichsehen wird. Ja, es wird noch ein viel Widrigeres geschehen: Der wider Mich zeugende Fürst der Lüge wird auch noch dazukommen und wird sogar große, wenn auch nur falsche Zeichen tun! Er wird in den Acker, darein Ich nun den reinsten Samen gestreut habe, den argen Samen von allerlei Unkraut legen, um zu ersticken den edlen Weizen. Aber es wird das alles Meiner wahren und reinsten Lehre an und für sich gar keinen Eintrag machen; denn das hier von Mir zu euch gesprochene Wort wird von euch auch wieder weitergesprochen und -besprochen werden, und ihr selbst werdet euch nicht buchstäblich genau mehr Meiner Worte bedienen, was auch durchaus nicht mehr nötig ist. Aber der innere Geist wird dennoch verbleiben.

Wer an Mich glauben und in Meinem Namen aus dem Wasser und aus dem Geiste getauft wird, der wird auch Meinen Geist überkommen und dann wandeln im Lichte der reinsten Wahrheit für zeitlich und ewig. Bei dem wird dann auch diese Lehre sich in aller ihrer Reinheit wie von neuem wieder finden. Wer aber zu solcher Gnade nicht vordringen wird, der wird das reine Licht der ewigen Wahrheit Meiner Lehre ohnehin nie fassen und begreifen, und es wird da einerlei sein, mit welcher Kost er seinen geistigen Magen vollstopfen wird.

Glaube du es Mir! Und so da jemand jedes Wort buchstäblich innehätte gerade also, wie Ich es ausgesprochen habe, hätte aber den Geist dazu nicht empfangen, um durch ihn dann erst in die Tiefen zu dringen, allwo in Meinen Worten Licht, Kraft und Leben walten, so nützeten ihm Meine Worte ebenso wenig, als jemandem die langen Gebete der Pharisäer etwas nützen!

Hat aber jemand den Geist Meiner Worte in sich, so benötigt er des Buchstabens nimmer. Wer aber den Geist hat, der hat auch die Lehre rein. Ich aber werde im Geiste verbleiben bei Meinen stets nur wenigen, aber wahren Bekennern bis ans Ende der Zeiten dieser Erde. Und so, Freund Mathael, wird schon dafür gesorgt sein, dass Meine Lehre auch stets ganz rein erhalten wird!“

* * *

Eine Verheißung für Hilfesuchende – GEJ 5.169

Tritt zu Mir Ebahl, der Vater Jarahs, und spricht: „Es gibt nun wohl nichts, worüber man Dich noch fragen könnte; denn wir haben der Wahrheiten und der Wunderdinge hier in den etlich sieben Tagen in solcher Menge erlebt, dass, auf siebentausend Jahre verteilt, auf ein jedes Jahr ein tüchtiger Teil käme und die Menschheit denn auch in jedem Jahre genug zu staunen und darüber nachzudenken bekäme. Wir sind nun an den allergrößtwertesten Schätzen des Geistes überreich geworden; es hängt nun nur davon ab, diese Schätze auch tatsächlich ins Leben zu übertragen, denn sonst sind sie wertlos für unsere Seelen, um deren Heil es sich da in diesem Leben einzig und allein handelt. Hier allein fragt es sich: Werden wir sonst nur schwachen Menschen stets die hierzu hinreichende Willenskraft besitzen? Was werden wir tun, wenn uns mit der Zeit Schwächen aller Art überfallen werden, die selbst den oft Bestwilligen nicht verschonen?“

Sage Ich: „Ich werde jedes ernsten Strebens Hilfe, Kraft und Stütze sein! In der Zeit der Not werde Ich niemanden verlassen, der sonst stets treugläubig und Mich liebend auf Meinen Wegen gewandelt ist. Ist er aber durch allerlei Lockungen der Welt von Meinen Wegen abgewichen, da muss er es sich dann schon selbst zuschreiben, so für ihn Meine Hilfe zur Zeit der Not unterm Wege verbleiben wird, und das so lange, als der Gefallene nicht voll Ernstes und reuig und vollgläubig sich an Mich wenden wird! Ich werde zwar ewig ein und derselbe treue Hirte verbleiben und nachgehen den Schafen, die sich irgend verloren haben; aber das Schaf muss irgend zu blöken anfangen und sich finden lassen nach dem ihm eigenen und unantastbaren freien Willen.

Wer da irgend belastet ist mit einer für seine Kraft zu großen Lebensbürde, der komme im Herzen zu Mir, und Ich werde ihn stärken und erquicken! Denn Ich gebe eben darum manchem eine größere Bürde zu tragen, auf dass er fühle seine Schwäche und zu Mir käme dann im Herzen und Mich bäte um hinreichende Kraft zur leichteren Ertragung seiner größeren Lebensbürde; und Ich werde ihn stärken in jeglicher Not seines Lebens und ihm ein rechtes Licht geben, zu durchwandeln die finsteren Wege des Lebens dieser Welt. Wer aber diese zu große Bürde wohl fühlt, aber nicht zu Mir kommt im Herzen, der muss sich’s selbst zuschreiben, so er erliegt unter der zu großen Last des Erdenlebens.

* * *

Vom Gebet und Gottesdienst – GEJ 6.123

Sagte die Priesterin der Minerva: „O Herr, zu fragen gäbe es eine Ewigkeit hindurch in einem fort; aber was nützet uns das, da wir Deine Antworten in unserem jetzigen Zustande ja doch nie fassen könnten! Aber sende Du uns nur ehestens Deinen verheißenen Geist, der uns in alle Wahrheit leiten wird, so sind wir schon mit allem dem mehr als vollends zufrieden, was uns bis jetzt von Dir zuteil geworden ist. Nur eines wäre da noch einer Erwähnung wert, und es wäre gut, dass wir auch in dieser Hinsicht aus Deinem Munde eine rechte Anweisung bekämen.

Siehe, wohl in allen Gotteslehren ist an die Menschen die ganz löbliche Anforderung gestellt, dass ein Gottwesen von uns Menschen anzubeten ist! Nun, für unsere falschen Götter haben wir eine ganze Legion von gutgeheißenen und auch nicht gutgeheißenen Gebeten gehabt. Die gutgeheißenen und somit auch wirksamen Gebete waren von den Priestern – natürlich höchsten Ranges – gemacht und durften auch nur von den Priestern während einer gewissen Zeremonie und nur zu einer bestimmten Zeit des Tages gebetet werden und gehörten zum mysteriösen sogenannten Götterdienst. Ein solches Gebet durfte der Laie und Ungeweihte bei strengster Strafe niemals selbst beten, sondern er musste da zu einem Priester gehen und ihm ein bestimmtes und für alle Fälle fest taxiertes Opfer bringen, damit der Priester dann für ihn irgendein solches gutgeheißenes Gebet in einem Tempel mit der dazu bestimmten Zeremonie ganz monoton und völlig gedankenlos herabmurmelte. Die nicht gutgeheißenen und daher auch wirkungslosen Gebete aber durfte auch der Laie beten, aus dem alleinigen Grunde, damit er sich übe in der Beschauung der Götter und daraus die Wirkungen der gutgeheißenen heiligen Gebete der Priester kennenlerne.

Nun, dass derlei vor Deinen Augen und Ohren ein Gräuel ist, das braucht mir niemand weiterhin zu erklären und zu beweisen; aber dessen ungeachtet sollte der Mensch einen wahren Gott um so mehr in gewissen gewählten und gotteswürdigeren Worten anbeten und anrufen, als in welchen er mit seinen Nebenmenschen spricht und redet. Und in dieser Hinsicht möchten wir denn auch von Dir Selbst ein Wort zu unserer Richtschnur haben.“

Sagte Ich: „Meine Jünger haben euch ja ohnehin Mein sie gelehrtes Gebet gegeben, das ein jeder Mensch in seinem Herzen gleich wirkend beten kann; jedes andere Gebet mit den Lippen ist vor Mir ein Gräuel.

Ich bin im Geiste von Ewigkeit her immer der völlig Gleiche, habe Mich nie verändert und werde Mich auch ewig nie verändern in Meinem Sein, Wirken und Wollen. Ich bin nun bei drei Tage lang bei euch und habe euch gelehrt, was ihr zu wissen, zu glauben und zu tun habet – ein jeglicher für sich -, um zu erlangen das ewige Leben der Seele. Habe Ich euch da von irgendwelchen Gebeten oder von irgendeinem wirksamen mysteriösen, Mir allein wohlgefälligen Gottesdienst etwas gesagt, oder von einem gewissen Feiertage, wie allenfalls von einem Sabbate der Juden, den sie einen Tag des Herrn Jehova nennen, und an dem die Priester den Menschen alle Arbeit verbieten, während sie selbst als Priester aber eben an dem Tage des Herrn die größten und schändlichsten Betrügereien verüben und dabei noch der gewissenlos argen Meinung sind, Gott damit einen guten Dienst zu erweisen? Nein, von allem dem habt ihr aus Meinem Munde nichts vernommen, und Ich sage es euch als vollwahr:

Hinweg mit allen Gebeten (Jesus meint hier die Formgebete und Gebetsformeln), hinweg mit allen Feiertagen, da ein jeder Tag ein wahrer Tag des Herrn ist, und hinweg mit allem Priestertume! Denn ein jeder Mensch, der Gott erkennt und Ihn über alles liebt und Seinen Willen tut, ist ein wahrer und rechter Priester und ist dadurch auch ein rechter Lehrer, so er seinen Nebenmenschen eben diese Lehre gibt, die er von Mir empfangen hat.

Wer also Meinen Willen tut, spricht nun der Herr, der betet wahrhaft und betet allzeit ohne Unterlass; und ein jeder Tag, an dem ein Mensch seinem Nebenmenschen in Meinem Namen eine Wohltat erweist, ist ein rechter und Mir allein wohlgefälliger Tag des Herrn.

Wenn aber jemand seinem Nächsten eine Wohltat erweist, so tue er das im Stillen und mache darum nicht reden von sich und brüste sich nicht damit vor den Menschen! Denn wer das tut, der hat seinen geistigen Lohn bei Mir schon dahin genommen, dass er für seine edle Tat einen weltlichen Ruhm erhielt; dieser aber stärkt die Seele niemals, sondern verdirbt sie nur, weil er sie eitel und selbstgefällig macht.

Also ist es auch mit dem Bitten um irgendeine Gnade von Mir. Wer da durch seine Bitte etwas von Mir erhalten will, der bitte ganz still in seinem von der Liebe zu Mir erfüllten Herzen, und es wird ihm gegeben, um was er gebeten hat, so es sich mit dem Lebensheile seiner Seele verträgt.

Desgleichen können sich auch ganz im Stillen zwei, drei oder auch mehrere vereinen und für sich und die ganze Gemeinde bitten – aber nicht also, dass es gleichfort erfahre die Gemeinde -, und Ich werde solche Bitten sicher erhören. Aber so da gingen etwa zwei, drei oder auch mehrere und würden es der Gemeinde verlautbaren, dass sie das an diesem oder jenem Tage oder in dieser und jener Tageszeit tun werden, auf dass sie dann die Gemeinde ansähe und lobte, ja am Ende gar ein solch frommes Bittwerk bezahlte, wahrlich, da wird solch ein Gebet niemals erhört werden und somit auch der Gemeinde wie denen, die da gebetet haben, nichts nützen! Denn alles das und derlei haben auch die Heiden getan und tun es noch, dass sie bei großen Gefahren in großen Scharen von einem Götzentempel zum andern zogen, dabei allerlei dümmstes Schnitzwerk, Fahnen, Gefäße und noch eine Menge anderer Sachen trugen und ein großes Geheul machten, in die Hörner stießen, gewaltig die Zimbeln schlugen und mit den Schilden klirrten. Sie veranstalteten auch weite Wallfahrten zu den außerordentlichen und besonderen Götzengnadenbildern, und so sie dort ankamen, verrichteten sie allerlei dümmstes Bußwerk und spendeten dem Götzen große und oft ganz ansehnliche Opfer; damit war freilich den Götzenpriestern sehr geholfen, nur den dummen Wallfahrern niemals. Also derartige allgemeine Gebete und Bitten werden von Mir aus niemals erhört!

Wer also bei Mir eine gute Bitte erhört haben will, der wallfahre in sein Herz und trage Mir also ganz im Stillen seine Bitte mit ganz natürlichen und ungeschmückten Worten vor, und Ich werde ihn erhören. Aber Ich sage euch noch hinzu, dass Mir dabei ja niemand mit irgendeiner fromm aussehenden Gebärde und Miene kommt! Denn wo bei einer Bitte an Mich die gewissen heuchlerisch frommen Gesichterdrückereien vorkommen werden, da wird auch keine Bitte erhört werden; denn wer Mir nicht kommen wird so natürlich, wie er ist, und nicht bitten wird im rechten Geiste der vollsten Wahrheit, der wird nicht erhört werden, sondern nur der, der Mich wahrhaft liebt, Meinen Willen tut und zu Mir ganz ohne allen Prunk und Zwang kommt, wie er ist, der wird von Mir aber auch allzeit erhört werden.

Also ist es auch eine alte Sitte, sogar bei den Juden, dass die blinden und dummen Menschen bei ihren Bitten und Gebeten auch eigene (besondere), mehr feine und bessere Kleider anziehen, weil sie meinen, dass der Mensch zur sogenannten größeren Ehre Gottes nicht genug tun könne. Aber das bedenkt so ein Narr nicht, dass es gar viele Arme gibt, die kaum zur größten Notdurft ihres Leibes Blöße bedecken können. Wie muss es dem Armen zumute sein, so er den Reichen also geschmückt in einem Bethause ersieht und sieht, welch eine Ehre dieser Gott gibt, während der Arme das nicht tun kann und sich dabei denken muss, dass er mit seinem Gebete in seinen Lumpen seinen Gott nur beleidigen muss!

Wahrlich, sage Ich euch: Wer immer mit gewissen besseren Kleidern angetan Mich um etwas bitten wird, der wird auch niemals erhört werden – und noch weniger irgendein Priester in seinen dummen, verbrämten Zaubermänteln und Röcken!

Also gibt es auch eine alte Unart bei den Gebeten zu Gott, dass man nur irgendeine gewisse fremde Sprache dafür gebraucht und hält diese für die Verehrung Gottes am würdigsten. Wo solch ein Unsinn je in der Folge bestehen wird, da wird die Bitte auch niemals erhört werden.

Der Mensch schmücke vor Mir sich allein nur im Herzen und rede die Sprache, die die seine ist, und rede die Mir wohlverständliche Sprache seines Herzens, und Ich werde seine Bitte erhören!

Ich will, dass da alle die alten Narrheiten ganz abkommen und die Menschen ganz neue, wahrhaftige, reine Menschen werden sollen. Und wo sie also sein werden, da werde Ich auch stets mitten unter ihnen sein; aber die blinden Weltnarren sollen fortan gezüchtigt werden durch das, dass ihre Bitten nicht erhört werden!

Gott hat den Menschen erschaffen ohne Kleid und erschuf ihn nach Seinem Ebenmaße, und Gott gefiel also die Gestalt des Menschen, weil sie Sein Ebenmaß war. Gott aber zeigte dem Menschen auch, sich ein Gewand zu machen, damit er vor Kälte schützen konnte seine Haut; aber darum lehrte Gott die ersten Menschen nicht, sich Kleider zu machen, dass sie dieselben als eine hoffärtige Zierde ihrer Glieder tragen sollen. Und noch weniger lehrte Gott den Menschen, sich darum ein verbrämtes Kleid zu machen, dass er im selben allein nur Gott würdig anbeten solle.

Darum kleidet euch zwar nun nach eurem Stande, aber einfach, und leget auf den Rock und Mantel keinen andern Wert als allein den, dass er bedecke den Leib; was darüber ist, das ist schon vom Übel und trägt keine guten Früchte.

Und so wisset ihr nun auch in dieser Hinsicht, was da zu tun ist, und Ich meine nun, da es schon nahe um die Mitte der Nacht geworden ist, dass wir uns zur Ruhe begeben könnten!“

* * *

Die Voraussage des großen Gerichtes der Jetztzeit – GEJ 6.174

(Der Herr:) „Wie es aber gehen wird mit dem Gerichte Jerusalems, so wird es auch gehen mit einem künftigen, großen Weltgerichte, wenn Ich der großen Hure Babels ein völliges Ende machen werde. Es wird aber das sein ein Gericht wie zu der Zeit Noahs und wie zu der Zeit Sodoms und Gomorras.

Es werden dann auch geschehen große Zeichen auf der Erde, auf dem Meere und am Himmel, und Ich werde Knechte erwecken, die aus Meinem Worte weissagen und mehrfach verkünden werden das kommende Gericht. Aber der Hochmut der Menschen wird sie nicht anhören, und so er sie auch anhören wird, da wird er ihren Worten doch nicht glauben, sondern sie als Narren verlachen. Aber eben das wird ein sicherstes Zeichen sein, dass das große Gericht sicher und ganz gewiss eintreffen wird, das durchs Feuer verzehren wird alle Täter des Übels.

Also werden in derselben Zeit auch so manche Jünglinge Gesichte bekommen und so manche Mägde weissagen von den Dingen, die da kommen werden. Wohl denen, die sich dadurch bessern und wahrhaft bekehren werden!

Es wird aber das also leicht zu erkennen sein, wie man an einem Feigenbaume erkennt, dass das Frühjahr nahe ist, wenn seine Triebe saftig werden und aufzubrechen anfangen.

Es werden dann sein große Kriege vereinzelt unter den Völkern, und es wird ziehen ein Volk wider das andere; auch wird dann eine große Teuerung sein, und es werden entstehen allerlei pestilenzartige Krankheiten, wie sie unter den Menschen bis jetzt noch nie bestanden. Auch werden vorangehen große Erdbeben, auf dass sich die Menschen dadurch zur Buße und zur Liebetätigkeit ermahnen sollen. Wohl denen, die sich danach kehren werden!

Aber gar viele werden sich nicht daran kehren und werden das alles den blinden Kräften der Natur zuschreiben, und die Weissager werden Betrüger gescholten werden, und viele wird man um Meines Namens willen in die Kerker werfen und ihnen unter großen Strafandrohungen verbieten, in Meinem Namen zu reden und zu verkünden ein kommendes Gericht. Wer da nicht nach dem Willen der großen Hure Babels tun wird, der wird seine große Not haben.

Aber es muss solches alles zum Voraus geschehen, nahe um siebenhundert Jahre vor dem Gerichte, damit am Ende niemand sagen kann, er sei nicht hinreichend ermahnt worden. Von jetzt an aber werden nicht volle 2000 Jahre vergehen, bis das große Gericht auf der Erde vor sich gehen wird; und das wird dann ein offenbar jüngstes, aber zugleich auch letztes Gericht auf dieser Erde sein.

Von da an erst wird das Paradies auf die Erde gesetzt, und ein Wolf und ein Lamm werden friedsam in einem Stalle wohnen und miteinander aus einer Schüssel essen.

Es wird gegen die Nähe des Gerichtes aber auch zu sehen sein das Zeichen des Menschensohnes am Himmel, das heißt der Himmel im Menschen wird Mich als den alleinigen Herrn Himmels und der Erde anerkennen, und des Menschen Seele wird Mich preisen und sehr loben.

Aber das ist dann noch nicht die Vollendung des Menschen. Aber wenn Ich dann licht und helle in den Wolken der Himmel mit allen Himmelsmächten unter dem Schalle wie von vielen Kriegs- und Gerichtsposaunen im lebendigen Worte vor allen Menschen auftreten werde im wahren Himmel, der im Herzen der Menschen ist, dann ist das Gericht der Welt da.

Der rechte Mensch wird dann eingehen in Meine Herrlichkeit, und die Täter des Übels werden verzehrt werden vom Feuer Meines gerechten Zornes und eingehen in das Reich ihrer bösen Werke, das da bereitet ist für alle unverbesserlichen Teufel. Denn wer aus sich freiwillig die Hölle erwählt, der sei denn auch verflucht in ihr, wie sie in sich selbst verflucht ist. Wie aber das Gute ewig gut bleiben wird, so wird auch das Böse in sich ewig böse bleiben und die ewige, gerichtete Unterlage sein, die Mir ewig als Fußschemel zu dienen haben wird.

Ich Selbst aus Meiner urgöttlichen Persönlichkeit aber werde niemanden richten, sondern das alles wird tun Mein Wort, das Ich zu euch geredet habe. Denn wenn Ich einmal aufgefahren sein werde in Mein Reich, dann werde Ich nimmer im Fleische auf diese Erde wiederkommen, sondern nur im Geiste, im Worte, und es wird also sein, wie es war im Anfange, da es hieß: Im Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Das Wort aber hat Fleisch angenommen und hat unter den Menschen gewohnt. Er, das heißt Ich kam in Mein Eigentum, und die Meinen haben Mich nicht erkannt; denn die Welt und ihr Fleisch hatten sie alle blind und taub gemacht.

Ich bin nun im Fleische bei euch als ein Mensch; aber Ich kann euch darum nicht alle die Kraft Meines Geistes erteilen. Wenn Ich aber später nicht mehr im Fleische so wie jetzt, sondern nur im Geiste unter euch sein werde, so werde Ich euch auch erteilen können alle Kraft und Macht Meines Geistes, der Ich natürlich von Ewigkeit Selbst bin. Im Geiste und seiner Kraft aber werde Ich bei euch bleiben bis ans Ende der Zeit, die diese Erde noch bestehen wird, und bis sie den letzten gerichteten Geist ausgereift haben wird. Mit dieser Erde aber wird dann auch für ewig die Wiege der Gotteskinder erlöschen. Von da an wird alles geistig gerichtet werden.

Ich habe es euch aber schon zu öfteren Malen gesagt und gezeigt, wie es auf dieser Erde wird. Darum harret mit Geduld der sicheren Erlösung, die nicht unterm Wege bleiben wird, und wünschet ein Weltgericht nicht zu eilig vor der Zeit! Denn wenn es kommen wird, dann wird es noch zu früh da sein für euch selbst und noch mehr für die, welche da gerichtet werden; denn im Gerichte sind Liebe und Erbarmung ferne, und jede Seele wird da ihrer Selbsthilfe übergeben werden, auf dass sie bitter erfahre, wie zu gar nichts nütze ihr die eitle, zeitliche Hilfe der puren Weltmenschen war. Und jetzt saget Mir, ob ihr das alles wohl verstanden habt!“

* * *

Selbständigkeit und Willensfreiheit des Menschen – GEJ 6.225

Jesus Christus: Wenn Ich vermöge Meiner Allmacht wollte, dass kein Mensch je eine Sünde begehen solle, so würde auch kein Mensch je mehr sündigen; denn er würde sich nicht um eine Linie über Meinen Willen hinauswagen und -bewegen können, gleichwie da auch niemand seinen Leib anders gestalten kann, als wie er von dem Willen Gottes gestaltet ist, und auch sein Leibesleben nicht nach seinem Belieben verlängern kann, weil das alles von dem allmächtigen Willen Gottes abhängt. So nun Gott es nicht zuließe, daß ein Mensch je eine Sünde begehen könnte, wer hätte dann da ganz allein für sich das Verdienst ob des ganz sündenfreien Lebens eines Menschen, den allein Gottes Allmacht also leitete, wie sie das Wachstum der Bäume und aller andern Früchte leitet und die Welten leitet und führt durch den endlosen führt? Doch sicher niemand anders als Gott allein, weil der Mensch da nichts als eine Spielpuppe in den Händen Gottes wäre! Es wäre das für Gott auch um vieles bequemer, wie es für Ihn auch bequemer ist, die verschiedensten Tiere mit ihren mannigfaltigsten und seltsamsten Eigenschaften zu erschaffen und sie dann zu leiten und jegliches in seiner Art tätig sein zu lassen.

Aber die Menschen dieser Erde sind bestimmt, freie und völlig selbständige Kinder Gottes zu werden, und so müssen sie auch also geleitet werden, dass dabei ihr notwendig freiester Wille ja nicht die geringste Nötigung von einer mächtigeren Seite eines Geistes erfahre, sondern allein durch Offenbarung und Lehre und durch äußere Gesetze dahin geleitet werde, aus sich selbst das Wahre und Gute, das sie gelehrt wird, mit ihrem freien Willen zu ergreifen und aus eigener Selbstbestimmung danach tätig zu werden.

Sieh, die Achtung des freien Willens der Menschen dieser Erde geht von Gott aus sogar so weit, dass Er nicht einmal stets darauf sieht, was ein oder auch mehrere Menschen denken, wollen und tun. Nur wenn sie zu weit von Gott abgewichen sind, dann erst sieht Gott sie an und erweckt wieder Seher, Lehrer und Propheten, damit sie den Menschen wieder den Willen Gottes und Seine Absichten mit ihnen von neuem verkünden sollen. Kehren sich die Menschen daran, so geht es dann schon wieder ganz gut; kehren sie sich aber nicht daran, und verspotten und verfolgen sie die für sie von Gott erweckten Seher, Lehrer und Propheten, so muss Gott dann notwendig ein äußeres Strafgericht über die Menschen und oft über ein ganzes Volk kommen lassen. Aber selbst ein solches Gericht geht niemals unmittelbar von dem allmächtigen Willen Gottes aus, sondern ein solches Gericht kommt stets von der blinden und böswilligen Verkehrtheit der Menschen.

Die mächtigen Hanochiten sind mehr denn hundert Jahre hindurch gewarnt worden, daß sie nicht des Goldes und der Edelsteine wegen und auch wegen leichterer Führung ihrer Kriege ganze Berge zerstören und bis auf den Grund völlig abgraben sollten, da sie dadurch die unterirdischen großen Wasserschleusen öffnen und sie alle ersäuft werden würden. Aber es nützte alles nichts; sie taten, was sie wollten, stachen noch tiefer in die Berge und öffneten die Wasserschleusen. Siehe, das hat also Gott nicht unmittelbar durch Seine Allmacht, sondern nur durch Seine Zulassung geschehen lassen, was notwendig daraus folgen musste, dass die Menschen Seinen rechtzeitigen Ermahnungen kein Gehör mehr leihen wollten!

. Gott hätte die Menschen ja durch Seine Allmacht bannen können, dass sie nimmer die Berge weiter hätten zerstören können! Ja, das wäre Gott ein ganz leichtes gewesen; aber die Menschen hätten dann aufgehört, Menschen zu sein, und wären hernach auch im Geisterreiche nicht mehr auf den freimenschlichen Fuß zu stellen gewesen. Gott aber ließ eher zu, dass ein ganzes Menschengeschlecht durch seinen eigensinnigen Willen dem Fleische nach zugrunde ging, als dass es an seiner Seele nur im geringsten etwas darin einbüßen solle, was da betrifft deren freien Willen und volle Selbständigkeit.

Ebenso ist ein Volksstamm noch von dem König zu Salem mehrere Male gewarnt worden, die Landschaft von Sodom und Gomorra zu bewohnen, weil sie unter sich viele Schwefellager und teilweise Erdpech enthielt. Es wurde dem Volke auch klar und verständlich gezeigt, wie sich solchen Lagern in einem fort unreine Naturgeister entwinden und die Fleischmenschen zur Unzucht reizen; denn wie im Weine die Geister der Unzucht daheim sind und das Fleisch dazu antreiben, so ein Mensch im Übermaß davon genossen hat, ebenso sind sie auch im Schwefel und im Erdpech. Es ward dem Volke auch gesagt, dass sich in einer solchen Landschaft häufig Erdbeben, Bergbrände und viele böse Gewitter einstellen und oft vielen und großen Schaden anrichten, worauf leicht Hungersnot und Pest entstehen; aber es half all solcher guter Rat sogar aus dem Munde Jehovas nichts. Weil die Landschaft sonst sehr üppig und fruchtbar war, so siedelten sich dennoch die Menschen an, und bevor zweihundert Jahre vergingen, waren allda schon nächst Sodom und Gomorra noch zehn Städte erbaut. Die Menschen wurden ganz sinnlich und trieben allerlei unbeschreibbare Unzucht und die allergrässlichste Hurerei sogar mit den Tieren.

Sie wurden abermals zu Nahors und wieder zu Tharahs Zeiten gewarnt, und es ward ihnen geraten, die böse Landschaft zu verlassen; doch niemand kehrte sich daran. Tharahs Söhne waren Abraham, Nahor – der also hieß wie sein Großvater – und Haran, der den Lot gezeugt hat. Haran zog selbst hin und predigte auf Gottes Geheiß, richtete aber auch nichts aus. Lot, sein Sohn, tat dasselbe mehrere Jahre hindurch, hielt sich wechselweise bald in der einen und bald in der andern Stadt auf und wurde dabei nahe selbst ein Opfer des Geistes der Unzucht.

Da kamen sichtbare Engel, die zuvor Abraham besuchten, und Jehova war mitten unter ihnen und gab dem Abraham treulich kund, wie es Sodom und den anderen Städten ergehen werde. Und es wurden die beiden Engel in Gestalt von zwei kräftigen Jünglingen dahin abgesandt, um noch den Lot zu retten. Das Volk hörte die Jünglinge gar nicht an, sondern wollte noch mit ihnen die unnatürlichste Unzucht treiben. Da entkam Lot auf die Warnung der beiden Jünglinge. Nur sein Weib ward ein Opfer ihrer säumigen Neugier; es ward zur Salzsäule dem Leibe nach, nach der Voraussage der Jünglinge. Denn diese sagten: ,Wir müssen nun schnell fliehen und uns nicht einmal die Zeit zum Umsehen nehmen; denn das unterirdische Feuer greift schnell um sich, und seine überall ausbrechenden Dämpfe ersticken schnell alles Naturleben und verwandeln alles schnell in ein steiniges Salz!‘ Lots Weib aber blieb dennoch einige Augenblicke stehen und ward von den Dämpfen ereilt und dadurch ein Opfer.

Siehe, da hatte abermals nicht Gottes allmächtiger Wille so ganz eigentlich den vollen Untergang der bösen Landschaft verursacht; denn es wäre diesem unreifen Flecke das auch durch seine Natur widerfahren, was ihm nachher unter Abraham widerfahren ist. Aber dass dabei so viele Menschen zugrunde gegangen sind, daran war niemand schuld als der Ungehorsam ihres freien Willens.

Gott hätte diese Menschen freilich wohl mit Seinem allmächtigen Willen herausziehen und in ein anderes, gesundes Land versetzen können; aber das wäre offenbar wider ihren Willen geschehen. Da aber dieser von Gott am allermeisten geachtet wird und auch geachtet werden muss, so ließ Er es lieber zu, dass diese Menschen dem Leibe nach alle zugrunde gingen, als dass nur ein Atom an der Freiheit des Willens ihrer Seelen verwüstet wurde. Denn selbst für Gott ist das das größte Meisterwerk Seiner Liebe, Weisheit und Macht, Menschen zu erschaffen, die Ihm in allem vollkommen ähnlich werden.

Um aber das zu bewirken, muss der Mensch nahezu ohne Kraft in der diesweltlich größten Verlassenheit geboren werden und seinen Unterricht nach und nach von der äußersten Welt nehmen. Wenn er sich so einige Kenntnisse und Fertigkeiten gesammelt hat, dann erst wirken die ihn umgebenden guten und auch schlechten Geister ganz unvermerkt auf ihn ein, – die guten auf sein Gemüt und die schlechten auf seine physische Natur, auf dass die Seele stets in der vollkommensten Freischwebe erhalten werde.

Hat ein Mensch den guten äußeren Lehren und Ermahnungen freiwillig gegen manche Anfechtungen seiner Sinne Gehör gegeben und sein Leben danach eingerichtet, so wird der stille Einfluss der guten Geister auch stets mächtiger, den aber kein Mensch anders fühlt und fühlen darf, als dass er sein freies Werk ist. Wird aber der Einfluss des Guten aus den Himmeln durch des Menschen eigenen Willen einmal so gekräftigt, dass die Seele ganz in denselben übergegangen ist, so wird der wahre, göttliche Geist der Liebe in ihr wach, durchdringt die Seele ganz, und dann erst ist die Seele in die erste Stufe ihrer Vollendung getreten, ist dann schon unverwüstbar frei und kann, so sie auch noch im Fleische ist, Gesichte und Offenbarungen von Geistern und selbst von den höchsten Engeln empfangen.

Und da geschieht es eben häufig, dass solche Menschen Gesichte haben, mit Seelen im Jenseits sprechen und sich von ihnen wie persönlich belehren lassen und davon auch anderen, noch ganz naturmäßigen Menschen treue und wahre Kunde geben können. Wer ihnen glaubt, tut sicher ganz wohl daran, – nur muss er nicht auch gleich verlangen, dasselbe selbst zu erfahren; denn das kann nicht eher geschehen, als bis er die vorbeschriebene geistige Seelenreife erlangt hat.

Es soll sich aber ein jeder Mensch zuerst gläubig nach den empfangenen guten Lehren richten und dann acht haben auf sein Gemüt, aber auch auf die in seinem Fleische oft schlummernden bösen Leidenschaften, die sich in Trägheit, Arbeitsscheu, Wollust, Eigenliebe, Starrsinn, Hochmut, Neid, Geiz und Herrschsucht nur zu klar kundgeben. Diesen letzteren soll er durch die Macht der Liebe zu Gott und durch die Liebe zum Nächsten, durch Geduld, Demut und Sanftmut begegnen, so wird er gar nicht lange dahin haben, wo sich die guten Geister ihm fühlbarer und ersichtlicher offenbaren werden.

* * *

Von den Arbeitern im Weinberge. Zweck, Wesen und Wirkung der Offenbarungen – GEJ 6.176-177

Sagte Ich zu Lazarus und auch zu den andern Jüngern, da auch sie der etwas erhitzten Meinung des Lazarus waren: „Gebet acht, Ich werde euch hier ein Bild geben; das soll euch die Antwort auf die Frage des Lazarus geben!

Es war ein Herr, der Arbeiter in seinen Weinberg dingte. Diese kamen am Morgen, und der Herr wurde mit ihnen um einen Groschen Taglohn einig. Und um die Mittagszeit ging er hin, wo er noch müßige Leute fand, und sagte: ,Was stehet ihr hier müßig? Gehet hin in meinen Weinberg, und ich will euch geben, was da recht ist!‘ Und sie gingen hin und arbeiteten. Aber gen Abend hin sah der Weinbergsherr noch eine Menge Arbeitsleute müßig stehen. Und er ging hin und sagte zu ihnen: ,Warum stehet denn ihr den ganzen Tag müßig da?‘ Und sie antworteten: ,Herr, es hat uns niemand gedungen!‘ Da sagte der Herr zu ihnen: ,Nun, so gehet auch ihr hin in meinen Weinberg und arbeitet diese eine und letzte Tagesstunde, und ich werde euch auch noch geben, was recht ist!‘ Da gingen sie hin und arbeiteten emsig noch die letzte Stunde des Tages.

Am Abend aber berief der Herr zuerst die Arbeiter, die vom Morgen an gearbeitet hatten, und gab einem jeden den bedungenen Groschen. Dann berief er die, welche nur einen halben Tag gearbeitet hatten, und gab auch einem jeden einen Groschen. Darauf berief er die, welche nur eine Stunde gearbeitet hatten, und gab auch jeglichem einen Groschen.

Da sagten die, die den ganzen Tag gearbeitet hatten: ,Herr, wie magst du auch denen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, auch das gleiche geben wie uns, die wir doch des ganzen Tages Last und Hitze trugen?‘ Da sagte der Herr: ,Was geht denn euch das an, so ich gut und barmherzig bin? Bin ich darum ungerecht, so ich aus meinem guten Willen auch den letzten soviel gebe wie euch? Bin ich mit euch denn nicht um einen Groschen einig geworden? Ihr selbst habt nicht mehr verlangt! Und so ich euch nun das gebe, was ihr verlangt habt, was wollt ihr nun noch mehr von mir? Bin ich denn nicht der Herr meines Vermögens, mit dem ich tun kann, was mir wohlgefällt?!‘ Darauf konnten die ersten Arbeiter dann nichts mehr sagen und waren mit ihrem Tagwerkslohne zufrieden.

Und Ich sage euch allen aber auch, dass Mein Vater, der in Mir ist, euch dasselbe tun wird, und da werden dann auch die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein.

Der Weinberg aber sind die eigentlichen Menschen dieser Erde als Reben, die zu bearbeiten sind. Diese stehen in keinem Kontrakte mit Mir, sondern sie sind da zur Bearbeitung, auf dass sie Gott dem Herrn brächten eine gute Frucht.

Alle die Propheten aber sind, so wie nun ihr, der Seele nach nicht von dieser Erde, sondern sie sind von oben her gedungene Arbeiter und haben zuvor mit Mir einen festen Kontrakt abgeschlossen wegen der Erreichung der Kindschaft Gottes, die nur auf dieser Erde möglich ist.

Alle die großen Propheten von Anfang an bis jetzt, euch mitgerechnet, die eine große Offenbarung empfingen, sind die zuerst gedungenen Arbeiter im Weinberge des Herrn.

Die kleinen Propheten, die nur den halben Dienst zu verrichten haben, nämlich die Aufrechterhaltung der einmal gegebenen großen Offenbarung, sind jene, die in Meinem Namen nach euch kommen werden, wohl auch selbst gewisse kleine Offenbarungen habend und daraus weissagend, aber jene Kraft und Macht, die Ich euch geben werde, nicht besitzen werden. Diese werden mit euch den gleichen Lohn haben, weil ihr Glaube ein kräftigerer wird sein müssen; denn weil sie das nicht sehen, was ihr nun alles sehet und erfahret, so wird ihr freiwilligerer Glaube ihnen auch zu einem höheren Lebensverdienste angerechnet werden. So sie dann aber mit euch den gleichen Lohn bekommen werden, so denket, dass sie es schwerer hatten zu glauben, was nun zum Heile aller Kreatur geschieht, da sie nicht gleich euch Zeugen von alldem waren.

Endlich in gar später Zeit werden abermals knapp vor einem großen Gerichte Seher erweckt und zugelassen werden, welche die kurze, schwere Mühe haben, die sehr unrein gewordene Lehre zu reinigen, auf dass sie behalten und nicht von der heller denkenden Menschheit als ein alter Priestertrug verworfen werde. Diese dritten Arbeiter in Meinem Weinberge werden nicht durch große Wundertaten, sondern allein durch das reine Wort und durch die Schrift wirken, ohne eine andere auffallende Offenbarung zu bekommen als nur die des inneren, lebendigen Wortes im Gefühl und in den Gedanken in ihrem Herzen, und sie werden voll des klaren und vernunftvollen Glaubens sein und werden sonach ohne Wunderwerke die verdorrten Menschenreben Meines Weinberges aufrichten und werden von Mir denn auch denselben Lohn bekommen, den ihr als die Arbeiter des ganzen Tages bekommen werdet; denn sie werden es um sehr vieles schwerer haben, fest und ungezweifelt an das zu glauben, was über tausend Jahre vor ihnen hier geschah.

Wenn sonach die großen Offenbarungen denn auch hübsch ferne voneinander abstehen, so wird von Gott aus aber dennoch stets dahin gesorgt, dass allzeit und alsogleich wieder neu erweckte Seher unter die Menschen kommen, sobald die Lehren der großen Offenbarung irgend anfangen, unrein zu werden, und das also, dass dabei keines Menschen freier Wille irgendeinen Zwang erleidet. Denn eben darum werden die großen Offenbarungen der Zeit nach stets weit auseinander getrennt, damit die Menschen sich mit ihrem freien Willen desto ungezwungener bewegen können.

Wenn am Ende die Welt die Menschen wieder gar zu weit von ihrer geistigen Bahn abgelenkt hat, so bleibt dann freilich wohl nichts anderes übrig, als zu einer großen Offenbarung zu schreiten, die freilich stets ein Gericht hinter sich hat, weil sie selbst ein leidiges Gericht für die Menschen ist. Denn solange du an das tote Holz kein Feuer legst, wird es nicht brennen; aber das Feuer entzündet es. Und siehe, was das Feuer dem Holze ist, das ist eine große Offenbarung den Menschen. Verstehet ihr nun das?“

Sagte Lazarus: „Ja, ich verstehe wohl, was Du damit hast sagen wollen; aber es ist bei mir dennoch ein Hintergedanke, von dem ich noch nicht so recht weiß, wo aus und wo ein mit ihm. Sind sonach alle jene Menschen, zu denen unmittelbar eine große Offenbarung kommt, als Gerichtete anzusehen und zu betrachten? Und haben bloß diejenigen den Segen der großen Offenbarung zu gewärtigen, die nur einen mittelbaren, also puren Glaubensanteil an ihr haben?

Die Träger der Offenbarung aber sind dann ja doch in einem großen Nachteil und das darum, weil sie schon von ihrem Ursprung an bessere und reinere Menschen waren, auf dass sie zur Aufnahme und zum rechten Verstehen einer hohen und großen Offenbarung fähig waren. Denn die eigentlichen puren Weltmenschen würden aus sich die Großoffenbarung ja gar nie begriffen haben, weil sie auch eine kleinste Offenbarung nicht begreifen können, sondern dabei so dastehen wie die Hühner, wenn sie einen Blitz aus einer Wolke zucken sehen.“

Sagte Ich: „Wer sagt denn das, dass die Träger einer großen Offenbarung als Gerichtete zu betrachten sein sollen? Ich werde es doch wohl kennen (wissen), wen Ich zu einem Hauptträger einer großen Offenbarung zu erwählen habe, damit sie ihm selbst nicht schadet!

Moses war gewiss der Träger einer gar großen Offenbarung; aber es waren unter ihm viele, die an der Offenbarung nur mittelbar teil hatten und am Ende dennoch um vieles fester im Glauben waren als Moses selbst, der bei sich selbst nicht der Verheißung traute, dass Ich den Israeliten das Gelobte Land, wo Milch und Honig fließt, geben werde. Weil aber Moses solcher Verheißung nicht völlig traute, so durfte er das Gelobte Land wohl von einem hohen Berge aus sehen, aber selbst nicht in dasselbe kommen.

Das beweist aber mehr als hinreichend, dass kein Träger irgendeiner Offenbarung für sich je gebunden war und von nun an noch weniger je gebunden sein wird, sondern für sich stets vollkommen frei bleibt im Glauben und im Handeln, aus dem allein er auch selig wird; denn darum, dass jemand der Träger einer Offenbarung ist, wird er nicht selig, sondern nur, so er der Offenbarung selbst traut und danach lebt.

Dasselbe ist denn auch mit euch allen der Fall. Ihr seid nun durch Meine Taten freilich wohl mehr genötigt, zu glauben, dass Ich der Christ bin, und dass Meine Worte Gottes Worte sind, als jene das zu glauben genötigt sein werden, die das Evangelium von euch bloß durch den Mund überkommen werden; aber dafür werdet ihr für euch der Zweifel über Mich noch in die schwere Menge überkommen und dadurch die Gelegenheit haben, euch selbst im Glauben zu stärken. Denn so der Hirte geschlagen sein wird, werden die Schafe fliehen und sich sehr zerstreuen; aber zur rechten Zeit werde Ich sie schon wieder versammeln und im Glauben stärken.

Also ist darum kein Träger irgendeiner wahren Offenbarung gerichtet. Denn erstens ist ein solcher Mensch stets von oben her, und es kann ihm schon darum keine Offenbarung einen besonderen Zwang antun, weil seine Seele schon eine Fleischlebensvorprobe auf einer andern Erde durchgemacht hat und daher auch sicher um vieles gediegener und kompakter ist als eine sich erst zusammengeklaubt habende Seele dieser Erde; und zweitens werden einer solchen Prophetenseele auch größere Glaubensproben auferlegt als einer diesirdischen, oft nur zu leichtgläubigen Seele. Eine diesirdische Seele hat am Worte genug und bedarf eines Zeichens kaum. Aber Seelen, die von oben her sind, brauchen mehr; denn sie sind schwergläubig und bedürfen also auch stärkerer und größerer Beweise, bis sie voll Glauben und aus demselben voll Tat werden.

Ja, würde Ich nun hinziehen etwa nach Persien, nach Indien oder nach Athen oder auch nach Rom und wirkte dort solche Zeichen, wie Ich sie schon bei euch gewirkt habe, so würde sich dort kein Mensch je etwas anderes zu tun getrauen, als was Ich geboten hätte. Solche rein irdischen Seelen wären da offenbar im höchsten Grade gefangen, und mit der Probe ihres freien Willens wäre es dann für lange rein aus. Aber euch schaden Meine Zeichen nicht im geringsten, weil ihr durchaus nicht leichtgläubig seid; denn bis man euch zum festen Glauben bewegt, muss man auch schon vieles vor euren Augen gewirkt haben, und selbst dann seid ihr noch voll allerlei Zweifel und fraget bald um eins und bald wieder ums andere. Wer aber das tut vor Mir, der hat keinen Notglauben, sondern einen freien; denn er verlangt, völlig einzusehen und zu verstehen, was er glaubt, und was er nicht einsieht und versteht, das glaubt er auch nicht.

Der beste Beweis dafür ist, dass Ich in einem Atem das zu erklären und zu erörtern habe, was ihr von Mir vernehmet. Ihr wisset es ja, wer Ich bin, und könntet Mir auch ohne die stets besonderen Erklärungen glauben, was Ich euch lehre. Aber das tut ihr nicht und habt Mir schon einige Male gezeigt, dass ihr auch Mir oft wegen einer ganz geheimen Lehre nicht geglaubt habt, und ihr sagtet Mir ins Gesicht, dass dies eine harte Lehre sei; und es sind noch nicht sieben Tage her, dass ihr Mich alle verlassen habt, und das auch wegen Lehren, die ihr nicht verstanden habt.

Aus dem aber geht hervor, dass eure Seelen kräftiger sind denn die Seelen der eigentlichen Kinder dieser Welt. Solche Menschen aber, wie ihr nun seid, wird es auf dieser Erde immer geben, und Ich werde sie erwecken und auch ihnen, so wie euch, geben das innere Wort des Geistes aus Mir, und sie werden die eigentlichen Kinder dieser Erde belehren, wodurch ihr Wille völlig frei gehalten wird. Aber die Lehrer dürfen sich darum nicht einbilden, dass sie eben als Lehrer und Weise bei Mir höher stehen denn die Kinder dieser Erde; denn bei Mir wird es stets heißen und gelten: Lasset diese Kleinen zu Mir kommen und wehret es ihnen nicht! Denn wer da nicht wird wie diese Kindlein, der wird nicht eingehen in Mein Reich; denn ihnen gehört es, und ihretwegen ist es gemacht. Wer aber da ein Weiser ist und darum ein Lehrer und dabei von ganzem Herzen demütig und sanftmütig, der wird dereinst auch dort sein, wo Ich sein werde ein rechter Vater unter Meinen Kindern von Ewigkeit zu Ewigkeit!“

* * *

Diese Seite teilen
WhatsApp Telegram E-Mail
Öffnet in einem neuen Tab.