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GEJ 1.69

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 69 von 161

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GEJ 1.69.1

Ich sagte: «Lieber Freund, auf all deine Vorfahren kommt es nicht an und noch weniger auf ihre Götter, die sie verehrten. Denn deine Vorfahren sind längst tot, und ihre Götter haben ausser in der Fantasie dichterisch veranlagter Menschen niemals existiert. Hinter ihren Namen und Bildern verbarg sich nie eine wirkliche Realität. Wenn du deshalb den völlig leeren Glauben an deine Götter aufgibst, geht dabei wahrlich nichts verloren; denn sie können deine Seele ebenso wenig stärken, wie gemalte Speisen deinen Körper sättigen können. Auf all das kommt es also überhaupt nicht an; alles kommt vielmehr auf die eine reine Wahrheit an.

GEJ 1.69.2

Denn wenn du aus der Lüge lebst, ist dein Leben in sich selbst nichts als Lüge und kann niemals zur Realität gelangen. Wenn dein Leben aber aus der Wahrheit hervorgeht und in sich selbst Wahrheit ist, dann ist auch alles Realität und Wirklichkeit, was dein Leben aus sich hervorbringt. Niemand kann jedoch aus der Lüge die Wahrheit sehen oder erkennen; denn für die Lüge ist alles Lüge. Nur wer aus dem Geist der Wahrheit neu geboren und selbst in sich zur Wahrheit, ja zur vollen Wahrheit wird, für den wird sogar die Lüge zur Wahrheit.

GEJ 1.69.3

Denn wer die Lüge als Lüge erkennen kann, der ist in allem selbst Wahrheit, weil er die Lüge sofort als das erkennt, was sie ist; und auch das ist Wahrheit. Begreifst du dies?»

GEJ 1.69.4

Der Oberste sagte: «Freund, Du sprichst richtig, und in Dir ist eine tiefe Weisheit. Aber wo ist die grosse, herrliche Wahrheit, und was ist sie? Sind die Dinge wirklich so, wie wir sie sehen, oder sieht sie das Auge eines schwarzen Menschen vielleicht anders als wir? Dem einen schmeckt eine Frucht süss und angenehm, einem anderen dieselbe Frucht bitter und widerlich. Ebenso sprechen verschiedene Völker verschiedene Sprachen; welche von ihnen ist wahr und gut? Für jedes einzelne Individuum betrachtet mag vieles wahr sein. Eine allgemeine, alles umfassende Wahrheit kann es nach meiner Auffassung jedoch niemals geben. Wenn es sie dennoch gibt, dann zeige mir, wo und was sie ist und worin sie besteht.»

GEJ 1.69.5

Ich sagte: «Mein Freund, sieh, darin liegt der alte, dir bekannte gordische Knoten, den niemand lösen konnte, bis auf den dir bekannten Helden aus Mazedonien.

GEJ 1.69.6

Was du mit den Mitteln des Fleisches siehst und empfindest, ist dem Fleisch und seinen Mitteln gleich. Wie das Fleisch ist es unbeständig und vergänglich. Wie könnte dir aber etwas Unbeständiges und Vergängliches den Stoff für die ewig gleichbleibende und unvergängliche Wahrheit bieten?

GEJ 1.69.7

Nur eines ist im Menschen, und dieses grosse und heilige Eine ist die Liebe. Sie ist ein wahres Feuer aus Gott und wohnt im Herzen. Nirgendwo anders als in dieser Liebe ist Wahrheit, weil die Liebe selbst der Urgrund aller Wahrheit in Gott und aus Gott in jedem Menschen ist.

GEJ 1.69.8

Willst du die Dinge ebenso wie dich selbst in der vollen Wahrheit schauen und erkennen, dann musst du sie aus diesem allein wahren Urgrund deines Seins betrachten und erkennen. Alles andere ist Täuschung. Der Kopf jedes Menschen und alles, was darin ist, gehört in den Bereich des dir bekannten gordischen Knotens, den niemand durch noch so sorgfältiges Nachdenken lösen kann.

GEJ 1.69.9

Nur mit schneidender Gewalt kann der Mensch diesen Knoten durch den Geist der Liebe im eigenen Herzen zerhauen. Danach kann er beginnen, im Herzen zu denken, zu schauen und zu erkennen; erst auf diesem neuen Weg wird er zur Wahrheit seines eigenen wie auch jedes anderen Seins und Lebens gelangen.

GEJ 1.69.10

Dein Kopf kann dir zahllose Götter schaffen; doch was sind sie? Ich sage dir: nichts als eitle, leblose Gebilde, die durch den lockeren Mechanismus des Gehirns erzeugt wurden. In deinem Herzen hingegen wirst du nur einen Gott finden, und dieser ist wahr, weil die Liebe, in der du den allein wahren Gott gefunden hast, selbst Wahrheit ist.

GEJ 1.69.11

Die Wahrheit lässt sich demnach nur in der Wahrheit suchen und finden. Der Kopf hat genug getan, wenn er dir den Schlüssel zur Wahrheit geliefert hat. Alles, was dich zur Liebe ermahnt und hinzieht, kann jedoch ein Schlüssel sein. Folge deshalb einem solchen Zug und einer solchen Mahnung und geh in die Liebe deines Herzens ein. Dann wirst du die Wahrheit finden, die dich von jedem Trug befreien wird.

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