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GEJ 1.68

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 68 von 161

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GEJ 1.68.1

Nun kam auch die römische Militärdelegation bei uns an. Ihr Anführer überreichte Mir ein Bittschreiben des Oberbefehlshabers und Kommandanten dieses Forts. Darin bat dieser Mich um des Wohls aller Menschen willen, das Vorgefallene nicht weiter zu beachten und die Gesellschaft dazu zu bewegen, niemandem zu erzählen, was geschehen war, weil es ihm schaden, zugleich aber niemandem nützen würde. Es werde allen mehr nützen als schaden, wenn sie ihn als römischen Oberbefehlshaber lieber zum Freund als zum Feind machten. Auch Jairuth solle schweigen und die Zusicherung erhalten, künftig in seinem Haus Ruhe zu haben. Ausserdem bat er Mich, ihn in seiner Residenz zu besuchen, weil er mit Mir ganz geheime und wichtige Dinge zu besprechen habe.

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Darauf erwiderte Ich dem Überbringer des Schreibens: «Sage deinem Gebieter, dass ihm gewährt werden soll, worum er gebeten hat. In seine Residenz werde Ich dennoch nicht kommen. Will er aber mit Mir über geheime und wichtige Dinge sprechen, dann soll er Mich am Eingangstor dieser Ortschaft erwarten, und Ich werde ihm offenbaren, worüber er mit Mir sprechen möchte.»

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Nach diesen Worten entfernt sich der Abgesandte mit seiner Begleitung und berichtet seinem Gebieter alles, was er von Mir gehört hatte. Dieser begibt sich sofort mit seinen erlesensten Unterbefehlshabern zum Tor der Ortschaft und erwartet Mich dort.

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Jairuth fragte Mich jedoch, ob man der Einladung wohl trauen könne. Er kenne die grosse Schlauheit dieses Oberbefehlshabers, der den Rang eines Obersten habe. Dieser habe auf solche Weise schon viele Menschen in die andere Welt befördert.

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Ich sagte: «Lieber Freund, auch Ich kenne ihn, sowohl wie er war als auch wie er jetzt ist. Die Jünglinge haben ihm einen unauslöschlichen Respekt eingeflösst. Er hält sie für Genien und Mich für einen Sohn seines Gottes Jupiter und möchte nun von Mir erfahren, was es damit auf sich hat. Ich weiss aber bereits, was Ich ihm sagen werde.»

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Damit gibt sich Jairuth zufrieden, und wir kommen an das Tor, an dem uns der Oberste mit seinen Offizieren bereits erwartet. Er tritt sofort hervor, begrüsst Mich freundlich und will Mich gleich nach seinem Anliegen fragen.

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Ich komme ihm jedoch zuvor und sage zu ihm: «Freund, Meine Diener sind keine Genien, und Ich bin keineswegs ein Sohn deines Zeus. Nun weisst du alles, was du wissen und von Mir erfragen wolltest.»

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Der Oberste ist darüber höchst erstaunt, dass Ich ihm sofort offen sagen konnte, was er lediglich bei sich gedacht, jedoch niemandem mitgeteilt hatte.

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Nachdem er sich eine Weile gewundert hat, fragt er Mich noch einmal: «Wenn Du das nicht bist, dann sage mir, wer und was Du und Deine Diener eigentlich seid. Denn ihr seid in jedem Fall mehr als gewöhnliche Alltagsmenschen, und es wäre mir angenehm, euch die gebührende Ehre erweisen zu können.»

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Ich sagte: «Jeder Mensch, der redlich und ehrlich fragt, ist auch eine entsprechende Antwort wert. Du hast Mich nun ehrlich und redlich gefragt und sollst deshalb eine ebensolche Antwort erhalten. Höre also: Ich bin zunächst das und der, als den du Mich vor dir stehen siehst, nämlich ein Mensch. Es gibt zwar viele auf der Erde, die so aussehen wie Ich; Menschen sind sie deshalb aber noch nicht, sondern lediglich Menschenlarven. Je vollkommener jedoch ein wahrer Mensch ist, desto mehr Macht und Kraft liegen in seiner Erkenntnis und in seinem wirksamen Willen.»

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Der Oberste fragte: «Kann jeder Mensch so vollkommen werden wie Du?»

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Ich sagte: «O ja, wenn er zu seiner Vollendung das tut, was Ich lehre.»

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Der Oberste fragte: «Dann lass mich Deine Lehre hören, und ich will danach handeln und leben.»

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Ich sagte: «Meine Lehre könnte Ich dir wohl geben, doch sie würde dir wenig nützen, weil du nicht danach leben würdest. Solange du das bist, wozu du hier von Rom eingesetzt wurdest, kann dir Meine Lehre nichts nützen. Du müsstest alles verlassen und Mir nachfolgen; sonst wäre es dir unmöglich, nach Meiner Lehre zu leben.»

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Der Oberste sagte: «Ja, das wäre wohl sehr schwierig. Trotzdem könntest Du mir doch einige Hauptgrundsätze Deiner Lehre mitteilen. Ich besitze bereits vielfältige Kenntnisse in verschiedenen Dingen und kenne mich darin gut aus. Warum sollte ich nicht auch eine gewisse Kenntnis Deiner Lehre erhalten? Vielleicht kann ich sie doch irgendwie in die Praxis umsetzen.»

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Ich sagte: «Mein Freund, wenn Meine Lehre gerade darin besteht, dass Mir jemand nachfolgt, weil er sonst nicht in das Reich Meiner Vollendung eingehen kann, wie willst du sie dann bei dir anwenden?»

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Der Oberste sagte: «Das klingt zwar sehr seltsam, doch es mag etwas daran sein. Lass mich ein wenig darüber nachdenken.»

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Der Oberste denkt eine Weile nach und fragt dann: «Meinst Du eine persönliche Nachfolge oder im tiefsten Grunde lediglich eine moralische?»

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Ich sagte: «Wo sie möglich ist, ist die persönliche Nachfolge in ständiger Verbindung mit der moralischen ganz natürlich die weitaus vorzüglichere. Wenn die persönliche Nachfolge jedoch aufgrund einer ebenfalls notwendigen Amtsstellung unmöglich ist, dann genügt eine gewissenhafte moralische Nachfolge. Das Gewissen muss aber Mich in der Liebe zu Mir und zu allen Menschen und die daraus hervorgehende reinste Wahrheit als seinen tiefsten Grund haben; sonst wäre die rein moralische Nachfolge geistig tot. Verstehst du das?»

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Der Oberste sagte: «Das ist schwer verständlich. Wenn es aber so ist, was soll ich dann mit all meinen schönen Göttern machen? Meine Vorfahren haben an sie geglaubt. Ist es richtig, dass ich dem Glauben meiner Vorfahren treu bleibe, oder soll ich anfangen, an den Gott der Juden zu glauben?»

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