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GEJ 1.58

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 58 von 161

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GEJ 1.58.1

Der Kaufmann sagte: «Ich kenne sie. Es sind hartnäckige Sichariten, die in ihrem Glauben und Denken eher Heiden als Kinder Israels sind. Die Elendesten unter ihnen kommen aus der Gegend des Galiläischen Meeres. Sie sind reine Diener der Materie und haben überhaupt keinen Sinn mehr für etwas Höheres und Göttliches; sie sind blosse Schaulustige. Ein Magier aus Persien ist ihnen lieber als Mose und alle Propheten, und eine üppige Hure aus Oberasien lieber als Gold und Edelsteine. Ich kenne sie nur zu gut. Doch um ihr loses Maul zu stopfen, will ich sie in meinem grossen Gartensaal bewirten lassen; denn wenn sie nichts bekämen, wäre alles aus.»

GEJ 1.58.2

Ich sagte: «Tue, was du willst und kannst; denn Geben ist seliger als Nehmen. Künftig sollst du aber nur den Bedürftigen und Armen geben. Wenn jemand von dir Geld leihen will, obwohl er reich ist und du erkennen kannst, dass er es dir reichlich zurückzahlen wird, dann leihe ihm nicht. Sobald du ihm geliehen hast, wird er dir im Verborgenen zum Feind werden, und du wirst grosse Mühe haben, dein Geld samt den Zinsen zurückzuerhalten.

GEJ 1.58.3

Kommt aber ein Armer zu dir, bei dem du erkennst, dass er dir dein Geld niemals zurückzahlen kann, dann leihe ihm. Der Vater im Himmel wird es dir schon auf Erden auf anderen Wegen hundertfach ersetzen und das dem Armen geliehene Geld im Himmel zu einem grossen Schatz machen, der dich nach diesem Erdenleben jenseits, hoch über dem Grab, erwarten wird.

GEJ 1.58.4

Ich sage dir: Was die Liebe auf Erden tut, ist auch im Himmel getan und bleibt ewig bestehen. Was jedoch die blosse Weltklugheit tut, verschlingt der Boden der Erde, und für den ewigen Himmel bleibt nichts übrig. Was kann all das irdische Schatzwerk einem Menschen nützen, wenn seine Seele dabei Schaden nimmt?

GEJ 1.58.5

Wer für die Erde und das Fleisch sorgt, ist ein Tor. Denn wie das Fleisch des Menschen sein Ende hat, so wird auch die Erde ihr Ende haben. Wenn einst das Ende der Erde sicher kommen wird, auf welchem Boden soll sich die arme Seele dann eine Wohnung nehmen?

GEJ 1.58.6

Ich sage dir: Jeder Mensch verliert gleichzeitig für ewig die Erde, wenn ihm der Leib genommen wird. Hat er sich in seinem Herzen durch die Liebe keine neue Erde geschaffen, muss sich seine Seele den Winden, Wolken und Nebeln preisgeben. Sie wird in der ewigen Unendlichkeit umhergetrieben und niemals Rast und Ruhe finden, ausser im falschen und nichtigen Gebilde der eigenen Fantasie. Je länger dieses Gebilde besteht, desto schwächer und finsterer wird es, bis es zur dichtesten Nacht und Finsternis wird, aus der die Seele aus eigener Kraft kaum je einen Ausweg finden kann. Handle daher künftig so, wie Ich es dir nun gezeigt habe; für jetzt aber tue, was du willst und kannst.»

GEJ 1.58.7

Der Kaufmann sagte: «Du bist überaus weise und magst in allen Dingen recht haben, doch mit dem Geldverleihen bin ich nicht ganz einverstanden. Wenn man viel Geld erworben hat und es nicht gern ungenutzt liegen lässt, verleiht man es besser gegen mässige Zinsen, als es zu vergraben, damit Diebe es nicht nehmen können, wenn sie nachts kommen und Schränke und Kästen aufbrechen. Daneben kann man von seinem Überfluss den Armen immer noch geben, was ihnen nach Recht und Billigkeit zukommt. Denn wenn ich alles auf einmal weggebe und mein Vermögen nicht gut verwalte, werde ich bald nichts mehr haben und den vielen Armen nichts mehr geben können.»

GEJ 1.58.8

Ich sagte: «Überlass die richtige Verwaltung Gott dem Herrn und gib dem, den der Herr dir zuführen wird; dann wirst du an deinem Vermögen keinen Verlust erleiden. Hast du nicht viele grosse Äcker, Wiesen und Gärten voller Obst und Trauben? Sind deine ausgedehnten Stallungen nicht voller Ochsen, Kühe, Kälber und Schafe? Der Handel damit wird dir unter Gottes Segen stets in vollem Mass ersetzen, was du im Laufe des Jahres an die wahrhaft Armen verteilt hast. Was du aber in die Zinskasse der Reichen gibst, wird dir von oben niemals ersetzt werden. Du wirst viele Sorgen haben und dich ständig fragen, ob die Zinskassen dein Geld ordentlich verwalten. Handle daher, wie Ich es dir gesagt habe; dann wirst du ein gutes und sorgenfreies Leben haben. Alle Armen werden dich lieben, dir nach Möglichkeit dienen und dich segnen, und der Vater im Himmel wird dein ganzes Tun und Lassen reichlich segnen. Das wird besser sein, als dich um immer grössere Zinskassen zu kümmern.»

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