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GEJ 1.30

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 30 von 161

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GEJ 1.30.1

Joh. 4,31. Inzwischen baten Ihn die Jünger: «Meister, iss nun!»

Während sich die grosse Schar aus der Stadt zum Brunnen bewegte, baten Mich Meine Jünger, zuvor zu essen. Obwohl sie wussten, dass Ich Christus bin, hielten sie Meinen Leib weiterhin für schwach und gebrechlich und drängten Mich deshalb zum Essen.

GEJ 1.30.2

Joh. 4,32. Er sagte zu ihnen: «Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nichts wisst.»

Ich sah sie mit liebevollem Ernst an und sagte: «Meine lieben Freunde, Ich habe jetzt eine Speise zu essen, von der ihr nichts wisst.»

GEJ 1.30.3

Joh. 4,33. Da fragten sich die Jünger untereinander: «Hat Ihm schon jemand etwas zu essen gebracht?»

Die Jünger sahen einander an und fragten: «Hat Ihm jemand von irgendwoher etwas zu essen gebracht? Was für eine Speise könnte Er haben, und hat Er sie schon gegessen? Nirgends ist etwas zu sehen, ausser dem noch ganz mit Wasser gefüllten Krug. Vielleicht hat Er das Wasser in Wein verwandelt?»

GEJ 1.30.4

Joh. 4,34. Jesus sagte zu ihnen: «Ratet nicht so unsinnig! Meine Speise ist, den Willen Dessen zu tun, Der Mich gesandt hat, und Sein Werk zu vollenden.»

Ich sagte: «Ratet nicht so unsinnig darüber, was Ich gegessen oder nicht gegessen habe. Ihr habt schon oft gesehen, dass Ich Mich bei euch nie eigens bedienen liess. Ich spreche nicht von körperlicher Speise, sondern von einer viel höheren und würdigeren Speise des Geistes: den Willen Dessen zu tun, Der Mich gesandt hat, und Sein grosses Werk zu vollenden. Der Mich gesandt hat, ist der Vater, Den ihr euren Gott nennt, ohne Ihn je erkannt zu haben. Ich kenne Ihn, tue deshalb Sein Wort, und das ist Meine wahre Speise, die ihr nicht kennt. Nicht nur Brot, sondern jede gute Tat und Arbeit ist Speise – zwar nicht für den Leib, aber umso mehr für den Geist.»

GEJ 1.30.5

Joh. 4,35. Sagt ihr nicht selbst: «Noch vier Monate, dann kommt die Ernte»? Ich aber sage euch: Hebt eure Augen und schaut auf die Felder; sie sind jetzt schon weiss zur Ernte.

«Viele von euch haben zu Hause Äcker und sagen: Noch vier Monate bis zur vollen Ernte; dann müssen wir heimkehren und ernten. Ich aber sage: Hebt eure Augen besser auf! Schon jetzt sind alle Felder weiss zur Ernte. Ich meine nicht diese natürlichen Felder, sondern das grosse Feld der ganzen Welt, auf dem die Menschen wie reifer Weizen stehen, der in Gottes Scheuern eingebracht werden soll.»

GEJ 1.30.6

Joh. 4,36. Wer schneidet, empfängt den Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit der Sämann und der Schnitter sich gemeinsam freuen.

«Diese Ernte ist eine wirkliche Arbeit, und diese Arbeit eine wahre Speise, von der Ich wie auch ihr reichlich essen werdet. Wer auf diesem Feld ein wahrer Schnitter ist, sammelt die echte Frucht zum ewigen Leben, damit sich am Ende Der, Der gesät hat, und ebenso der, der geschnitten hat, gemeinsam freuen.»

GEJ 1.30.7

Joh. 4,37. Hier wird der Spruch wahr: Einer sät, und ein anderer erntet.

«Nach der Ernte werden der Sämann und der Schnitter von derselben Frucht essen, von ein und demselben Brot des Lebens. Dann wird der alte Spruch vollständig wahr: Der eine sät und ein anderer erntet; doch beide leben gleichermassen von ihrer Arbeit und essen dieselbe Speise.

GEJ 1.30.8

Seht die grosse Menge an, die aus der Stadt gekommen ist, um in Mir den Verheissenen zu sehen, und wie immer noch weitere Menschen hinzukommen. Das sind lauter vollreife Weizenähren, die schon längst hätten geschnitten werden sollen. Mit grosser Freude sage Ich euch: Die Ernte ist gross, doch es gibt zu wenige Schnitter; bittet deshalb den Herrn der Ernte, mehr Schnitter in Seine Ernte zu senden.»

GEJ 1.30.9

Joh. 4,38. Ich habe euch gesandt, das zu ernten, was ihr nicht gesät habt; andere haben gesät, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.

«Ich habe euch aufgenommen und damit schon im Geist ausgesandt, das zu ernten, was ihr nicht gesät habt. Andere haben gesät, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten; darüber dürft ihr euch sehr glücklich nennen. Wer sät, ist noch weit von der Ernte entfernt; wer aber schneidet, erntet zugleich und hat bereits das neue Brot des Lebens vor sich. Darum seid eifrige Schnitter, denn eure Mühe ist seliger als die des Sämanns.»

GEJ 1.30.10

Die meisten Jünger verstanden diese Lehre und begannen sofort, den Samaritern Mein Wort von der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu verkünden und ihnen zu sagen, dass Ich wahrhaft Christus sei.

GEJ 1.30.11

Einige wenige, die im Verständnis des Herzens noch ziemlich schwerfällig waren, kamen heimlich und vertraulich zu Mir und fragten: «Herr, woher sollen wir Sicheln nehmen? Ausserdem ist heute Sabbat!»

GEJ 1.30.12

Ich erwiderte: «Habe Ich denn gesagt, dass ihr die natürlichen Gerstenfelder vor uns schneiden sollt? O ihr Unverständigen, wie lange muss Ich euch noch so ertragen? Versteht ihr noch immer nichts? Hört nun und begreift es:

GEJ 1.30.13

Mein Wort vom Reich Gottes, das zuerst in euren eigenen Herzen ist und von dort über eure Zungen zu den Ohren und Herzen eurer Mitmenschen und Brüder gelangt, ist die geistige Sichel, die Ich euch gebe. Mit ihr sollt ihr die Menschen, eure Brüder, in das Reich Gottes einbringen, in das Reich der wahren Erkenntnis Gottes und des ewigen Lebens in Gott.

GEJ 1.30.14

Heute ist zwar Sabbat, aber der Sabbat ist ebenso dumm und unsinnig wie euer Herz. Ihr achtet auf ihn, weil es in euren Herzen noch stark sabbatmässig aussieht. Ich aber sage euch, da Ich auch Herr über den Sabbat bin: Verbannt ihn so bald wie möglich aus euren Herzen, wenn ihr Meine wahren Jünger sein und bleiben wollt.

GEJ 1.30.15

Wir sind an jedem Tag gleichermassen zur Arbeit da. Wo der Herr des Sabbats arbeitet, sollen Seine Knechte nicht die Hände in die Taschen stecken. Muss die Sonne am Sabbat nicht ebenso auf- und untergehen wie an einem Werktag? Wenn der Herr der Sonne und des Sabbats am Sabbat ruhte, wärt ihr dann mit einem stockfinsteren Sabbat zufrieden? Seht, wie unverständig ihr noch seid!

GEJ 1.30.16

Darum öffnet euch und tut, was Ich jetzt tue und was eure Brüder tun; dann werdet ihr eine Mir wohlgefällige, wahrhaft lebendige Sabbatfeier begehen.»

GEJ 1.30.17

Nach diesen Worten gingen auch die schwächeren Jünger zu den Samaritern, die inzwischen in grosser Zahl aus der Stadt zu Mir gekommen waren, und lehrten sie, was sie von Mir wussten.

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