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GEJ 1.108

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 108 von 161

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GEJ 1.108.1

Wir gehen nun weiter. Viele, die uns begegneten, grüssten uns zwar; aber niemand fragt uns, wo wir waren und wohin wir gingen.

GEJ 1.108.2

Unterwegs begegnet uns auch Judas Ischariot und fragt uns, wo wir gewesen seien und wohin wir nun gingen. Er war nicht in der Synagoge gewesen, denn er hatte mit seinen Fischen und Töpferwaren Markt gehalten und viel Geld eingenommen, was ihn sehr froh machte. Dennoch ging er mit uns in Mein Haus und liess es sich dort schmecken, weil es ihn nichts kostete. Nach dem Mahl kehrte er aber sofort zu seiner Marktbude zurück und betrieb dort seine Geldgeschäfte; denn der Markt dauerte drei Tage. Allerlei Kaufleute machten viele Geschäfte und liessen sich ihre Waren gut bezahlen.

GEJ 1.108.3

Am anderen Tag fragte Mich die Mutter Maria, ob Ich hier nicht wieder öffentlich etwas tun werde, wie lange Ich Mich diesmal im Haus aufhalten und ob noch jemand hinzukommen werde. Sie wollte sich nämlich um einen ausreichenden Mundvorrat kümmern, denn der vorhandene sei beinahe aufgebraucht.

GEJ 1.108.4

Ich sage: »Frau, sorge dich nicht um Mich, um Meine Gesellschaft und um einen ausreichenden Mundvorrat. Denn sieh: Dem, der die ganze grosse Erde ernährt und die Sonne, den Mond und alle Sterne mit Seiner Liebe sättigt, ist dieses kleine Haus nicht fremd; und Er weiss ganz genau, was diesem Haus nötig ist. Darum kümmere dich nicht und sorge dich nicht; denn für das, worum du dich jetzt sorgst, ist von oben bereits gesorgt.

GEJ 1.108.5

Der Vater im Himmel lässt Seine Kinder nicht hungern, ausser wenn es zu ihrem Heil nötig ist.

GEJ 1.108.6

Du hast doch in Sichar mehr als ausreichend gesehen, wie der Vater im Himmel für Seine Kinder gesorgt hatte. Meinst du, Er sei seit einigen Tagen härter geworden? Geh in die Speisekammer, und du wirst sehen, dass du dich umsonst gesorgt hast!«

GEJ 1.108.7

Maria eilt in die Speisekammer und findet sie angefüllt mit Brot, Mehl, Früchten, geräucherten und frischen Fischen, Milch, Käse, Butter und Honig. Als die Mutter diesen grossen Vorrat in der Speisekammer erblickt, wird ihr ganz beklommen. Sie eilt zu Mir zurück, fällt vor Mir auf die Knie und dankt Mir kniend für die reiche Versorgung ihrer Speisekammer. Ich beuge Mich schnell zur Erde, hebe die Mutter empor und sage zu ihr: »Was tust du an Mir, was allein dem Vater gebührt? Steh auf! Wir beide kennen uns doch schon seit dreissig Jahren, und Ich bin stets Derselbe und der Gleiche.«

GEJ 1.108.8

Maria weint vor Freude, begrüsst alle Meine Jünger und geht dann schnell hinaus, um uns ein gutes Mittagsmahl zuzubereiten.

GEJ 1.108.9

Die Jünger treten zu Mir und sagen: »Sieh, was für eine liebe Frau und was für eine überaus zärtliche Mutter! Sie ist bereits fünfundvierzig Jahre alt und sieht aus, als hätte sie kaum ihr zwanzigstes Lebensjahr vollendet. Wie ausserordentlich zärtlich und fürsorglich sie ist, und wie mächtig die reinste Mutterliebe ihre wahrhaft heilige und reine Brust erfüllt! Wahrlich, eine Frau unter den Frauen der ganzen Erde!«

GEJ 1.108.10

Ich sage: »Ja, ja, Sie ist die Erste, und niemals wird es wieder eine wie Sie geben. Aber es wird auch dazu kommen, dass man Ihr mehr Tempel errichten wird als Mir, dass man Sie zehnmal mehr ehren wird als Mich und glauben wird, nur durch Sie selig werden zu können.

GEJ 1.108.11

Darum will Ich nun auch, dass man Sie nicht zu sehr erhebt. Sie weiss wohl, dass Sie die Mutter Meines Leibes ist, und Sie weiss auch, Wer sich hinter diesem Leib verbirgt, den Sie geboren hat.

GEJ 1.108.12

Deshalb seid überaus gut und freundlich zu Ihr; hütet euch jedoch davor, Ihr irgendeine göttliche Verehrung zukommen zu lassen.

GEJ 1.108.13

Denn trotz all Ihrer über alle Massen hervorragenden Eigenschaften ist Sie dennoch nur eine Frau; und selbst von der besten Frau bis zur Eitelkeit ist und bleibt nur ein sehr kleiner Zwischenraum.

GEJ 1.108.14

Jede Eitelkeit ist der Same des Hochmuts, aus dem alles Übel in die Welt gekommen ist, jetzt kommt und jederzeit kommen wird. Beachtet deshalb auch gegenüber der Mutter, was Ich euch nun gesagt habe.«

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