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GEJ 1.104

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 104 von 161

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GEJ 1.104.1

Das kleine Land, in das wir gekommen sind — oder vielmehr die Gegend —, war von einem Völkchen bewohnt, den Gergesenern, die auch Gadarener genannt wurden. Es lag dem Meer von Galiläa seiner ganzen Länge nach genau gegenüber.

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Als wir dort allesamt an Land gelangt sind (Matthäus 8,28) und uns in die kleine Stadt Gadara begeben wollten, die oberhalb des Meeres auf einer Anhöhe etwa sechstausend Schritte von unserem Landungsplatz entfernt liegt, liefen uns von einem kleinen Berg zwei nackte Menschen mit schrecklich verzerrtem Aussehen entgegen. Der Berg lag der Stadt gegenüber am See und trug auf seiner Höhe die Begräbnisstätte der Bewohner dieser Gegend und Stadt. Die beiden waren von einer ganzen Legion böser Geister besessen und so grimmig, dass ihretwegen beinahe niemand diese Strasse benutzen konnte. Ihre Wohnung waren die Gräber des am Berg gelegenen Friedhofs. Niemand konnte sie fangen oder mit Ketten binden. Wenn sich bisweilen eine grosse Zahl der stärksten Männer ihrer bemächtigte, sie mit starken Ketten band und ihnen die stärksten Fesseln anlegte, wurden die Ketten augenblicklich zerrissen und die Fesseln zu Staub zerrieben. Tag und Nacht hielten sie sich auf dem Berg und dort in den Gräbern auf, schrien furchtbar und schlugen sich mit aller Gewalt mit Steinen.

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Als diese beiden Mich inmitten der Jünger erblickten, liefen sie schnurgerade auf Mich zu, fielen vor Mir nieder und schrien: »Was haben wir mit Dir zu tun, Du Sohn des Allerhöchsten? (Matthäus 8,29.) Bist Du gekommen, um uns vor der Zeit zu quälen? Wir beschwören Dich bei Gott, dem Allerhöchsten, uns nicht zu quälen!«

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Ich bedrohte sie und sagte: »Wie heisst du, böser Geist, der du diese beiden plagst, als wären sie ein einziger Mensch?«

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Da schrie der Böse: »Mein Name ist Legion; denn wir sind viele!«

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Ich gebot dem Bösen, aus diesen beiden auszufahren. Im selben Augenblick fuhr eine grosse Menge böser Geister in der sichtbaren Gestalt grosser schwarzer Fliegen aus den beiden. Sie baten Mich jedoch inständig, sie nicht aus dieser Gegend zu vertreiben.

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(Matthäus 8,30.) An den kleinen Bergen entlang, die sich am Meer hinzogen, befand sich gegen Abend eine grosse Herde Schweine, die den Gadarenern gehörte. Dieses Völkchen bestand grösstenteils aus Griechen, ass das Fleisch dieser Tiere und betrieb damit Handel, hauptsächlich nach Griechenland.

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Als die bösen Geister diese Schweineherde erblickten (Matthäus 8,31), baten sie Mich erneut, ihnen zu gestatten, in diese Herde zu fahren. (Matthäus 8,32.)

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Als Ich ihnen dies aus freilich völlig geheimen, der Welt verborgenen Gründen gestattete, fuhren die Teufel augenblicklich in die Schweine, deren Zahl etwa zweitausend betrug.

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Nachdem die Teufel in die Schweine gefahren sind, rannten die Tiere auf einen Berg, dessen Felsen stark und weit ins Meer vorsprang. Von diesem dreihundert Ellen hohen Felsen stürzten sich alle zweitausend Schweine in einem wahren Ansturm ins Meer, wo es gerade sehr tief war.

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Als die Hirten, welche die Schweine beaufsichtigten (Matthäus 8,33), sahen, was mit den Besessenen geschehen war, entsetzten sie sich, flohen davon, eilten in die Stadt und berichteten insbesondere ihren Dienstgebern, was sich unten am Meer zugetragen hatte.

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Die Bewohner dieser kleinen Stadt erschraken. Einer von ihnen, der wie viele andere noch Heide war und Jupiter sowie alle übrigen Götter des Heidentums hoch verehrte, sagte: »Habe ich euch heute Morgen nicht gesagt: Wenn die beiden von den Furien Gequälten einmal still werden, das Meer sich aber bei völlig heiterem Himmel übermässig stürmisch erhebt, dann kommt ein Gott von oben herab, und ein Gericht wird über uns ergehen; denn ohne Rute und Schwert steigen die Götter niemals von den Sternen zur Erde herab. Nun haben wir es vor Augen: Die Furien, die diese beiden Sünder quälten, wühlten zuvor das Meer auf, weil sie sicher wussten, dass ein Gott von oben herabkommen und sie aus den beiden Sündern vertreiben werde. Dass sie sich danach in Gestalt schwarzer Bremsen auf unsere Schweine warfen und diese Tiere in einem Ansturm ins Meer trieben, ist mir nun so klar wie die Sonne am hellen Mittag. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns in grosser Zahl mit aller Demut und Zerknirschung unseres Gemüts zu diesem Gott hinabzubegeben — wahrscheinlich zu Neptun oder Merkur (?) — und ihn inständigst zu bitten, diese Gegend möglichst bald wieder zu verlassen. Denn solange sich ein Gott sichtbar in einer Gegend der Erde aufhält, ist an nichts als an Unglück über Unglück zu denken. Wie bereits gesagt: Ein Gott kommt niemals ohne Rute, Schwert und Gericht von den Sternen zur Erde herab.

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Niemand darf Ihm wegen des Schadens, den Er uns zugefügt hat, auch nur im geheimsten Gedanken irgendeinen Vorwurf machen; denn dann wäre es völlig aus mit uns. Wir haben den alten Göttern schon lange kein angemessenes Opfer mehr dargebracht. Daran haben uns freilich vor allem die törichten Juden gehindert, die alles besser wissen wollen als wir. Darum hat Sich ein beleidigter Gott Sein Opfer selbst genommen. So ist es. Wir dürfen deshalb keinen unzufriedenen Gedanken darüber in uns aufkommen lassen. Aber wir müssen zu Ihm hinabziehen, Ihn begrüssen und Ihn danach über alles inständigst bitten, diese Gegend sofort wieder zu verlassen.«

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Auch mehrere Juden hörten diese Belehrung und sagten: »Ihr haltet uns zwar für dumm, aber darin kennen wir uns dennoch besser aus als ihr. Seht, dieser vermeintliche Gott von euch ist entweder ein Magier aus Persien oder der berühmte Jesus aus Nazareth, von dem wir schon grosse Dinge gehört haben. Im Übrigen stimmen wir euch völlig darin zu, dass wir Ihn mit grösster Eindringlichkeit bitten sollen, diese Gegend zu verlassen. Denn solche Menschen sind niemals ein Glück für ein Land; das wissen wir aus der Zeit unserer Propheten. Wenn unser Gott in einem Land bestimmte Menschen zu Propheten erweckt, dann ist das Unglück dieses Landes bereits besiegelt.«

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Daraufhin versammelten sich alle in der Stadt und begaben sich hinaus und hinab zu Mir, sodass nur wenige Kranke zu Hause blieben. Als die aus der Stadt Gekommenen Mich erblickten und sahen, dass Ich ein ganz natürliches menschliches Aussehen hatte, fassten sie etwas mehr Mut, sich Mir zu nähern (Matthäus 8,34). Obwohl sie noch immer grosse Furcht hatten, traten sie zu Mir und baten Mich, ihre Grenzen möglichst bald zu verlassen.

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Einige betrachteten die beiden, die sie sehr wohl als die früher Besessenen kannten. Diese waren nun bekleidet, sprachen ganz vernünftig mit ihnen und erzählten, wie Ich sie von ihrer Plage befreit hatte und wie sie darauf von denen, die mit Mir angekommen waren, sofort bekleidet worden waren. Doch all dies vermochte die Furcht, besonders die der Heiden, nicht zu vermindern. Sie baten um nichts anderes, als dass Ich ihre Gegend verlassen und niemals wiederkehren möge.

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Ich gab ihren Bitten nach und sagte zu Petrus: »Freund, mach das Schiff sofort wieder bereit, damit wir uns möglichst bald aus dieser Gegend entfernen können.«

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Petrus und seine Knechte machten das Schiff sofort bereit. Als Ich in das Schiff trat, eilten Mir die beiden Geheilten nach und baten Mich, ebenfalls mitkommen zu dürfen. Denn sie würden in dieser Stadt weder Beschäftigung noch Lebensunterhalt finden, und ihre Angehörigen würden sie zu Hause gewiss nie wieder aufnehmen wollen, weil sie zu grosse Angst vor ihnen hätten. Ich wies sie jedoch mit liebevollem Ernst zurück und sagte: »Kehrt nur getrost zu den Eurigen in euer Haus zurück; sie werden euch mit Freude aufnehmen. Geht und verkündet ihnen wie auch der ganzen Gegend, welch grosse Dinge der Herr an euch getan und welche Barmherzigkeit Er euch erwiesen hat. Damit werdet ihr besser handeln, als wenn ihr Mir jetzt folgen würdet. Denn ihr sollt Mir nun in dieser Gegend, wo man euch überall sehr gut kennt, ein tüchtiges Zeugnis geben und dadurch den Menschen nützlich werden. Die Menschen werden euch, da ihr ihnen früher ein Schrecken wart, nun gewiss nicht verhungern lassen.«

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Darauf entfernten sich die beiden Geheilten wie ein einziger Mann und taten mit grösstem Eifer, was Ich ihnen aufgetragen hatte.

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In kurzer Zeit machten Mich die beiden nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch in allen zehn Städten bekannt, die am oberen Teil des Meeres lagen. Überall verkündeten sie mit grossem Eifer, welch grosse Dinge Ich an ihnen getan und welche grosse Barmherzigkeit Ich ihnen erwiesen hatte. Dadurch glaubten viele an Meinen Namen und bekamen eine grosse Sehnsucht nach Mir — Juden und Griechen gleichermassen.

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