Urtext.
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Erklärung.
Dieser Vers hat bereits zu einer grossen Zahl vielfältiger Fehldeutungen und Auslegungen geführt. Selbst die entschiedensten Gottesleugner benutzten gerade diesen Text, um Meine Gottheit umso sicherer zu bestreiten, weil sie die Gottheit überhaupt verwarfen. Wir wollen solche Kunstgriffe nicht nochmals vorführen, denn dadurch würde die Verwirrung nur grösser statt kleiner. Vielmehr wollen wir sofort die möglichst kurze Erklärung ans Licht bringen. Da sie selbst Licht im Licht des Lichtes ist, wird sie die Irrtümer von selbst bekämpfen und besiegen.
Ein Hauptgrund für das Unverständnis solcher Texte liegt leider in der sehr mangelhaften und falschen Übersetzung der Schrift aus der Ursprache in die heutigen Sprachen. Doch es ist gut, dass es so ist. Wäre der Geist solcher Texte nicht so gut verborgen, wäre das Heiligste darin schon längst zutiefst entheiligt worden, was für die ganze Erde ein sehr grosses Übel wäre. So aber hat man nur an der Rinde genagt und konnte nicht zum lebendigen Heiligtum gelangen.
Nun ist jedoch die Zeit gekommen, allen, die würdig sind, daran teilzuhaben, den wahren inneren Sinn solcher Texte zu zeigen. Wer unwürdig ist, wird dafür teuer bezahlen; denn bei einer solchen Gelegenheit dulde Ich keinerlei Scherz mit Mir und werde niemals auf einen Handel eingehen.
Nach dieser notwendigen Vorbemerkung folgt nun die Erläuterung. Ich füge nur noch hinzu, dass hier allein der innere, seelisch-geistige Sinn gemeint ist, nicht aber auch der allerinnerste und reinste Himmelssinn. Dieser ist zu heilig und kann ohne Schaden für die Welt nur solchen Menschen erteilt werden, die ihn durch einen Lebenswandel nach dem Wort des Evangeliums suchen. Der bloss innere, seelisch-geistige Sinn lässt sich dagegen leicht finden, manchmal schon durch eine richtige, zeitgemässe und entsprechende Übersetzung, wie sich gleich bei der Erklärung des ersten Verses zeigen wird.
Der Ausdruck «Am Anfang» ist sehr unrichtig und verhüllt den inneren Sinn stark. Dadurch könnte sogar das ewige Dasein der Gottheit bestritten und angezweifelt werden, wie es einige ältere Philosophen getan haben, aus deren Schule die Gottesleugner der heutigen Zeit eigentlich hervorgegangen sind. Wenn wir den Text nun richtig wiedergeben, wird die Hülle sehr dünn erscheinen, und es wird nicht schwer sein, den inneren Sinn durch diese leichte Hülle gut und manchmal sehr genau zu erkennen.
Die richtige Übersetzung soll daher lauten: Im Urgrund oder auch in der Grundursache alles Seins war das Licht, also der grosse heilige Schöpfungsgedanke, die wesenhafte Idee. Dieses Licht war nicht nur in Gott, sondern auch bei Gott. Das heisst: Das Licht trat als wesenhaft wahrnehmbar aus Gott hervor und war damit nicht nur in, sondern auch bei Gott; es umgab gewissermassen das urgöttliche Sein. Darin erscheint bereits der Grund für die spätere Menschwerdung Gottes gelegt, was im unmittelbar folgenden Text von selbst ganz deutlich sichtbar wird.
Wer oder was war denn eigentlich dieses Licht, dieser grosse Gedanke, diese heiligste Grundidee alles künftigen wesenhaften freiesten Seins? – Es war unmöglich etwas Anderes, als eben Gott Selbst, weil in Gott, durch Gott und aus Gott unmöglich etwas Anderes als Gott Selbst nur Sich in Seinem ewig vollkommensten Sein darstellte; und so mag dieser Text auch also lauten:
In Gott war das Licht, das Licht durchfloss und umfloss Gott, und Gott Selbst war das Licht. —
Dasselbe war am Anfang bei Gott.
So nun der erste Vers zur Genüge erleuchtet von Jedermann einigen Lichtes leicht begriffen werden kann, so erklärt sich der zweite Vers von selbst, und besagt nur zeugnisweise, dass das obbeschriebene Wort oder Licht, oder der grosse Schöpfungsgedanke nicht ein in der Folge des Urgottseins entstandener, sondern ein mit Gott als selbst Gott gleich ewiger ist, und somit niemals irgend einen einstigen Entstehungsprozess in sich birgt; darum es gewissermassen zeugnisweise erklärend heisst: Dasselbe war am Anfang oder im Urgrunde alles Seins und alles späteren Werdens, als Urgrund selbst bei, in und aus Gott, also Selbst durch und durch Gott. —
Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In diesem Verse bezeugt sich das nur gewissermassen betätigt und greifbar, was da schon im ersten Verse sich als das Wort oder Licht im Urgrunde alles Seins und Werdens völlig gegenwärtig, aber noch nicht als schon ausgegangen bewerkstelligt klar dargestellt hat.
Es soll demnach dieser dritte Vers rein gegeben auch also lauten: Alles Sein wurde aus diesem Ursein, welches in sich selbst ist der ewige Urgrund Seines Seins durch und durch. Dieses Seins Licht, Wort und Wille stellte Sein höchst eigen Licht, Seine urewige Schöpfungsidee aus Sich selbst ins feste beschauliche Dasein, und nichts gibt es in der ganzen ewigen Unendlichkeit, was nicht aus demselben Urgrunde und auf demselben Wege ins erscheinliche und beschauliche Dasein getreten wäre. —
Wer nun diese ganz klar erläuterten Verse vollends aufgefasst hat, dem ist Vers 4 schon von selbst notwendig einleuchtend klar.
In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Es versteht sich ja schon beiweitem von selbst, dass ein Urgrundsein alles Seins, das Licht alles Lichtes, der Urgedanke aller Gedanken und Ideen, die Urform als der ewige Urgrund aller Formen fürs Erste nicht formlos, und fürs Zweite nicht todt sein konnte, da dieser den vollsten Gegensatz alles wie immer gearteten Seins im Grunde des Grundes bezeichnet. In diesem Worte oder Lichte, oder in diesem grossen Gedanken Gottes in Gott und im Grunde des Grundes Gott Selbst – war demnach ein vollkommenstes Leben; – Gott war also das urewigste vollkommenste Grundleben in und aus Sich Selbst durch und durch, und dieses Licht oder Leben rief aus Sich die Wesen, und dieses Licht oder dieses Leben war das Licht und also auch das Leben in den Wesen, in den aus Ihm hervorgegangenen Menschen, und diese Wesen und Menschen waren demnach völlig ein Ebenmass des Urlichtes, das in ihnen das Sein, Licht und also auch ein dem ewigen Ursein völlig ähnliches Leben bedingte.
Da aber das Urleben Gottes ein ganz vollkommen freies ist und sein muss, da es sonst so gut als gar kein Leben wäre; dieses gleiche Leben aber in den geschaffenen Wesen ein und dasselbe Leben sein muss, ansonst es auch kein Leben, und als demnach Nichtleben auch kein Sein wäre, so ist es ja nur zu greifbar klar, dass den geschaffenen Wesen, Menschen, nur ein vollkommen allerfreiestes Leben gegeben werden konnte, das sich selbst als ein vollständiges fühlen, aber aus eben diesem Gefühle auch ersehen musste, dass es kein aus sich selbst hervorgehendes, sondern nur als ein völlig ebenmässiges aus Gott nach Dessen ewig allmächtigem Willen hervorgegangen ist.
Diese Wahrnehmung musste in allen geschaffenen Wesen vorhanden sein, gleich der, dass ihr Leben und Sein ein völlig Gottebenmässiges sein muss, ansonst sie wieder weder ein Leben, noch irgend ein Sein hätten.
So wir aber diesen Umstand näher betrachten, so ergibt es sich, dass sich in den geschaffenen Wesen notwendig zwei Gefühle begegnen müssen, und zwar erstens und zunächst das Gefühl der göttlichen Ebenmässigkeit oder des Urlichtes Gottes in ihnen, und zweitens aus eben diesem Lichte aber dann auch notwendig das Gefühl des zeitgemässen Werdens durch den Urwillen des Schöpfers.
Das erste Gefühl stellt das Geschöpf dem Schöpfer unbedingt gleich und lässt es erscheinen, als sei es aus sich selbst hervorgegangen, vom ewigen Urgrund völlig unabhängig und als würde es diesen Urgrund gleichsam in sich selbst erfassen und bergen. Das zweite Lebensgefühl dagegen, das notwendig aus dem ersten hervorgeht, muss sich dennoch als etwas ansehen und betrachten, das vom eigentlichen Urgrund aus sich hervorgerufen worden ist, sich erst im Verlauf der Zeit in sich selbst als frei manifestiert hat und somit vom Haupturgrund sehr abhängig ist.
Dieses demütigende Gefühl aber macht das erste Hoheitsgefühl ebenfalls zu einem Demutsgefühl, was fürs Hoheitsgefühl freilich wohl eine höchst- und unumgänglich nöthige Sache ist, wie es in der Folge ganz klar gezeigt wird.
Das Hoheitsgefühl wehrt sich heftig gegen eine solche Erniedrigung und will das zweite Gefühl unterdrücken.
Durch einen solchen Kampf entstehen dann Groll und schliesslich Hass gegen den Urgrund allen Seins und daraus auch gegen das niedrigere Demuts- oder Abhängigkeitsgefühl. Dadurch verliert das Hoheitsgefühl seine Kraft und verdunkelt sich; das Urlicht im geschaffenen Wesen wird zu Nacht und Finsternis. Diese Nacht und diese Finsternis erkennen das Urlicht in sich kaum noch; blind und dennoch selbstständig entfernen sie sich vom Urgrund ihres Seins und Werdens und erkennen ihn in ihrer Verblendung nicht.
Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis begreift es nicht.
Daher mag denn dieses Urlicht leuchten in solcher Nacht, wie immer es auch mag; da aber die Nacht, die wohl auch aus dem Lichte entstanden ist, keine ordentliche Sehe mehr hat, so erkennt sie das Licht nicht, das da kommt in eine solche Nacht, um selbige wieder ins rechte Urlicht zu umstalten.
Auf diese Weise kam denn auch Ich als das ewige Ursein alles Seins, und als das Urlicht alles Lichtes und Lebens in die Welt der Finsternis zu Denen, die aus Mir waren; aber sie erkannten Mich nicht in der Nacht ihres ermatteten Hoheitsgefühles! —
Denn dieser 5. Vers deutet eben darauf hin, wie nach und in den ursprünglichen Massen und Verhältnissen Ich als ganz Derselbe, der Ich von Ewigkeit war, in diese von Mir und aus Mir geschaffene Welt komme, und diese Mich nicht erkennt als ihr eigenstes Grundsein. —
Aber musste Ich als der Urgrund alles Seins nicht aus Meinem urewigen Alllicht sehen, wie das Hoheitsgefühl als Urlicht im Menschen durch den fortwährenden Kampf immer matter und schwächer und dadurch als Lebenslicht auch dunkler und schliesslich ganz finster wurde; dass die Menschen Mich folglich nicht erkennen würden, wenn Ich in der von Mir gegebenen Ähnlichkeit zu ihnen käme – wenigstens nicht allzu viele –, besonders wenn Ich wie ein reiner Deus ex machina völlig unerwartet, ohne jede Vorbereitung und in begrenzter menschlicher Gestalt zu ihnen käme; und dass Ich es Mir dann selbst zuschreiben müsste, dass die Menschen Mich unmöglich erkennen könnten, weil sie auf eine solche Ankunft von Mir nicht vorbereitet wären?
Ja wohl sah ich das von Ewigkeit ein, und liess daher den Menschen schon von ihrem ersten aus Mir geschiedenen Entstehen angefangen bis zu Meiner wirklichen Ankunft durch viele tausend Seher, die im Kampfe das Licht nicht verloren, eben solche Meine Ankunft vorhersagen, und die Art und Weise und sogar den Ort und die Zeit Meiner Ankunft treulich bezeichnen; auch liess Ich bei Meiner wirklich erfolgten Ankunft grosse Zeichen geschehen und erweckte einen Mann, in dem ein hoher Urgeist Wohnung nahm, dass er den Blinden verkündige Meine Ankunft und volle Gegenwart auf der Erde.