“Wenn jemand dürstet, so komme er zu Mir,
Ich werde ihm das Wasser des Lebens geben.”
Lichtkreuz
Bereits zu Beginn meines Erwachens begann ich, gedanklich Lichtkreuze in Räume und vor Häuser zu setzen. Weit in die geistige Welt strahlende Zeichen der Macht der Liebe, der Erlösung und des Sieges.
Manchmal beobachte ich die verstorbenen Seelen in unserem Garten, die vom Licht des dortigen Kreuzes angezogen werden. Einige nähern sich neugierig und begutachten es, andere entfernen sich schnell wieder. Bisweilen versammelt sich eine Schar Verstorbener, die sich angeregt bespricht und diskutiert. Springt ein Funke Licht über, nähern sich Himmelsgeister. Sie erfüllen die Sehnsucht der Suchenden mit Liebe und geleiten sie in hellere Gefilde.
Ist es angebracht, spreche ich zu den Geistern, die uns besuchen. Es sind die Worte, die ich auch auf Friedhöfen an die Toten richte. Dabei erfüllt mich göttliche Autorität und die Gewissheit der Erlösung. Voller Mitgefühl darf ich sie auf ihren jeweiligen Stand hinweisen und auf die Begegnung mit Engeln vorbereiten.
Meinen irdischen Beruf übe ich in der Pflege schwerbehinderter Personen aus, die Betreuung verstorbener Seelen entspricht dieser Aufgabe im Geistigen. Unerkannt von der Welt bin ich ein Arbeiter im Weinberg des Herrn.
Wenn ich mit Geschwistern geistige Gespräche führe, nehme ich mitunter jenseitige Besucher wahr, die interessiert zuhören. Je länger die Ausführungen dauern, umso mehr Geister `drängen´ in den Raum. Sie sind hungrig und lassen die Worte tief in ihr Herz sinken, daraus sie großen Nutzen ziehen. Doch nicht nur Verstorbene sind anwesend. Auch Wesenheiten anderer Welten sind geistig präsent, wodurch sie Einblick in irdische Verhältnisse sowie in die göttliche Vater-Kind-Liebe auf Erden bekommen. Für einige ist ein Besuch Anreiz zu einer baldigen Inkarnation.
So wachsen nicht nur wir Diesseitigen, die ganze illustre Gesellschaft lernt in dieser Runde. Und es ist so eine Freude, in dieser gemischten Gruppe dabei zu sein mit Jesus Christus in unserer Mitte.
Jeder Mensch, der aufrichtig den christlichen Liebeweg beschreitet, zieht gute Energien herbei und ist stets von hilfreichen Geistern umringt.
Beim sommerlichen Lauf durch goldgelbe Weizenfelder und leuchtend grüne Wälder hatte ich meinen Trinkvorrat aufgebraucht. In einem Dorf kam ein Friedhof gerade recht, um die Wasserflasche aufzufüllen. Beim Gang zum Brunnen nahm ich die verstorbenen Seelen wahr, die bei ihren Gräbern weilten. Mein Schutzgeist trug mir auf, für sie zu beten und zu ihnen zu sprechen. Ich wurde von Bestimmtheit und Wahrhaftigkeit erfüllt und sagte zu den Verstorbenen, sie sollten Jesus Christus in ihren Herzen anrufen, denn nur er könnte ihnen helfen. Sie müssten jetzt endlich ihre Grabstätte verlassen, und gleich würden Engel kommen und sie ihrer Bestimmung zuführen. Stets geschieht das, sobald ich die Örtlichkeit verlassen habe.
Einer stellte sich aber sogleich auf und sagte erbost zu den anderen: “Was will denn der Trottel hier? Glaubt ihm kein Wort, dem Wichtigmacher!” Und zu mir: “Verschwinde! Was willst du hier!?”
Da erwiderte ich: “Glaubt mir, es geht allein um eure Erlösung. Nur Liebe bestimmt mein Sprechen und Handeln, denn alles ist Gottes und nicht mein. Verlasst diesen Ort, hier ist nicht euer Zuhause. Folgt den Engeln und lasst euch in eure wahre Heimat führen.”
Diese Worte, und auch weil ich sie sah, brachte einige zum Nachdenken, worauf sie sich abwandten von der Seele, die diesen Ort, der ihre tote Vergangenheit beherbergt, nicht verlassen und deshalb die anderen an sich binden wollte. Sodann lief ich mit freudigem Herzen weiter im Bewusstsein, dass hier Erlösung geschieht und dankte Gott für diese Gnade.
Urlaub in Österreich
Beim nachmittäglichen Stadtrundgang im Urlaubsort passierten wir vereinzelt nicht mehr bewohnbare Häuser. Plötzlich breitete sich Dunkelheit um mich aus, ich konnte fast nicht mehr atmen, ein tonnenschweres Gewicht lag auf meiner Seele.
Mit den Augen des Geistes schaute ich in die düsteren Behausungen. Verstorbene aus alter und neuer Zeit bewohnten diese toten Gemäuer. Es war die traurigste Erscheinung, die ich seit langem gesehen hatte. Was für ein Elend! Lebendig begraben hausten sie in ihren erbärmlichen Vergangenheiten, verfallen in Lethargie vegetierten sie ohne Hoffnung dahin.
Erst als wir diese Örtlichkeit verlassen hatten, legte sich die Bedrückung und ich war auch körperlich wieder aufgerichtet. Jetzt konnte ich für die armen Seelen beten, indem ich den Vater bat, dass er seine Engel aussenden möge, um diese Toten zu erwecken. Er bejahte dies – dankbar und erleichtert besichtigten wir anschließend die Stadt.
(Anmerkung: Gott kann man nicht zu Barmherzigkeit bewegen, denn er ist alle Barmherzigkeit selbst. Es ist immer der Vater, der das Kind mit fürsorglicher und mitfühlender Liebe erfüllt. Er bringt das Menschenherz dazu, sich zu ihm hin zu sprechen – wodurch er sich seinem Kind sowohl in der Bitte als auch in der Erfüllung schenkt. Es ist seine größte Freude, das Erlösungswerk gemeinsam mit seinen Kindern zu bewerkstelligen.)
Ein Freund ist gestorben. Ich durfte seinen Leichnam waschen und anziehen. Dabei redete ich mit der noch anwesenden Seele und entschuldigte mich für ein Fehlverhalten, denn in meiner Selbstgerechtigkeit tat ich ihm einmal sehr weh. Für diese Möglichkeit der Wiedergutmachung bin ich von ganzem Herzen dankbar.
Zuweilen geschieht es, dass jemand stirbt, mit dem man nicht im Reinen ist; dann grämt man sich vielleicht, dass man sich zu Lebzeiten nicht ausgesprochen hat. Das kann sowohl in einer auseinandergelebten Familie zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Geschwistern der Fall sein als auch in einer nachbarlichen oder beruflichen Feindschaft. Dass Verstorbene sich länger im Dunstkreis ihres ehemaligen Umfeldes aufhalten, kann durchaus an einer unerlösten Bindung oder Rivalität liegen.
Nicht selten ist es der Fall, dass ein Jenseitsbewohner in Ärger oder Rachsucht einem ehemals irdischen Feind arg zusetzt und durch Beeinflussung der Lebensumstände Schaden zufügt.
Gerät man in eine solche Situation, kann man seine Notlage dem Vater ans Herz legen mit der Bitte, er möge der verstorbenen Person ein Verzeihen oder das Ansuchen um Vergebung übermitteln. Wenn sie nicht ganz verhärtet ist, wird sie diese und die damit verbundene Liebe früher oder später in sich finden. Auch einen unüberwindbaren Kummer angesichts des Todes eines geliebten Menschen kann man dem Vater anheimgeben.
Es ist wichtig zu wissen, dass anhaltender Sehnsuchtsschmerz die Verstorbenen an die irdische Sphäre binden kann. Wenn Gott hier Befreiung bewirkt, ist es also eine beidseitige, sowohl für die Hinübergegangenen als auch für die Zurückgebliebenen.
Ein Arbeitskollege hatte Selbstmord begangen. Eines Nachts kam er mich im Traum besuchen, beschimpfte mich und gab mir eine schallende Ohrfeige – warum dies zugelassen war, weiß ich nicht. Gelegentlich kam mir dieses Erlebnis in den Sinn und gerne betete ich dann für Hans. Nach Jahren besuchte er mich wieder. Seine Liebe berührte mich tief. Offensichtlich war er aufgestiegen und bewohnt jetzt eine lichtere Sphäre. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.
Einst wird es viele Zusammenkünfte in der geistigen Heimat geben und große Freude wird sein in den Herzen. Doch alle diese Begegnungen verblassen in der Gegenwart Jesu. Er überstrahlt alles Geschehen in Zeit und Ewigkeit. Erst in der gemeinsamen Liebe zu und in ihm werden jede Begegnung und jedes Wiedersehen zu einem Fest himmlischer Glückseligkeit.
Besuch bei einer Freundin. Im Garten begegnete mir ihr Opa, der vor einigen Jahren gestorben war. Er war mit Gartenarbeit beschäftigt, die er auch Zeit seines irdischen Daseins stets getan hatte. Er schaute beiläufig zu mir her, während er weiter geschäftig im Schuppen hantierte, um den Eindruck von Wichtigkeit zu erwecken. Eindringlich legte ich ihm nahe: Er sei tot und müsse diesen Ort verlassen, um den Weg in die geistige Heimat antreten zu können. Gott werde sich um seine Frau und um sein Haus kümmern, und einst, wenn auch sie die jenseitigen Gefilde betritt, werde er sie wiedersehen. Doch er müsse vorangehen, um bereit dafür zu sein. Ganz wichtig sei, dass er sich an Jesus Christus wende, denn dann gingen Gesundung und Heimkehr zügig vonstatten.
Nach etwa einem Jahr war ich wieder zu Besuch. Während der Unterhaltung betrat plötzlich eine aggressive und bösartige Energie den Raum. Es war der Großvater, der nun noch verhärteter und boshafter geworden war. Ich konnte nicht in seine Sphäre dringen, jeder lichte Gedanke wurde von ihm angegriffen und blockiert. Wenn sich eine Seele einmal den finsteren Mächten anheimgegeben hat, bleibt sie oft lange Zeit gefangen in Verbitterung und Hass.
Meinen Onkel nach einer Geburtstagsfeier zurück ins Altenheim gebracht. Ich half ihm aus dem Anzug und zog ihm Jogginghose und T-Shirt an. Dabei unterhielten wir uns über dies und jenes. Als die Rede auf seine verstorbene Frau kam, nahm ich plötzlich ihre Anwesenheit wahr. Ich spürte ihre Freude und Zuneigung aufgrund meiner Hilfsbereitschaft für ihren Mann.
Da ich seine Anzughose zwar ordentlich, aber nicht exakt gefaltet auf den Kleiderbügel hängte, reagierte sie jedoch verärgert, maßregelte mich und sagte, ich solle die Hose sorgfältiger aufhängen. Ich war verblüfft und irritiert, dass eine seit Jahren Verstorbene bei einer solchen Begegnung derlei materielle Kleinigkeiten in den Vordergrund und über die zuvor erbrachte Herzlichkeit stellte.
Dies Erlebnis zeigt, wie schwer es ist, ins Jenseits mitgebrachte egoistische Ansichten und gebieterische Verhaltensweisen loszulassen. Erst wenn ein Mensch Sehnsucht nach seiner wahren Heimat in der Liebe zum himmlischen Vater in sich erweckt hat, löst er sich von allen negativen Eigenschaften, und erst dann findet er in die Freiheit des Geistes.
(Anmerkung: Mein Onkel, zu dem ich aufgrund unseres gemeinsamen Glaubens eine innige Herzensverbindung habe, ist mittlerweile gestorben. In der Nacht nach seinem Tod wurde ich im Geiste durch seinen Geburts- und Wohnort geführt, allerdings in den 60er Jahren, die ihn offensichtlich sehr geprägt haben. Am nächsten Tag besuchte er mich. Seine Zuneigung und Liebe berührten mich tief. Er wird mich auf meinem weiteren Lebensweg oftmals besuchen, denn einst war er ein geliebter Bruder in Jesus Christus – und ist es jetzt wieder.)
Bei einem gemeinsamen Abendessen war die verstorbene Mutter der Gastgeberin anwesend. Die Liebessehnsucht nach ihrer Tochter und der damit verbundene Schmerz füllten mich vollständig aus, worauf ich weinen musste. Auf die Frage, warum ich denn weine und was los wäre, wollte ich keine Antwort geben und wollte auch die Anwesenheit der Mutter nicht erwähnen. Die bedrängte mich jedoch sehr, dass ich ihrer Tochter die Worte mitteilen solle. Das versprach ich schließlich, verschob das aber auf später, da mir das Sprechen schwerfiel. Nach dem Essen teilte ich der Bekannten dann die mütterliche Botschaft mit. Sie weiß, dass ich geistig sehend bin und hatte deshalb keine Probleme, mir zu glauben.
Tritt man mit geliebten Verstorbenen in Kontakt, wird es sehr emotional, die Gefühlswellen schlagen hoch. Unter Tränen umarmten wir uns und lange saßen wir noch schweigend, um das Geschehene zu betrachten. Der Mutter teilte ich aber insgeheim mit, dass sie ihr Kind loslassen müsse, vor allem Jesus Christus in ihr Herz lassen solle, um frei zu werden von den irdischen Gewichten, auf dass sie in der jenseitigen Heimat Erfüllung nach der schweren Erdenzeit finde.
Als ich wieder einmal zu Besuch war, kamen wir auf die früheren Familienverhältnisse zu sprechen. Da erschien die Mutter erneut. Sie war inzwischen geistig fortgeschritten, jede Bewegung ihres Herzens war Anmut und Sanftmut, voller Verzeihen und Verständnis. Darin und daraus erwuchs ein unbeschreiblicher Friede. Sie hatte ihre Berufung angetreten und betreut nun die früh verstorbenen Seelchen. Den Beruf der Kinderbetreuung hatte sie auf Erden auch schon ausgeübt, Kinder waren stets ihr Lebens- und Liebeselixier. Vor allem aber erfreute mich ihre Liebe zu Gott, darin sie ihr Zuhause gefunden hat. Diesmal musste ich nicht weinen, sondern war erfüllt von Wonne und Dankbarkeit.
New York Marathon
Bei großen Laufveranstaltungen kann man immer wieder diesen kollektiven Geist der Läufergemeinschaft erleben. Am Start herrscht eine überwältigende Aufbruchsstimmung. Und hier waren es über 45000 Laufbegeisterte, die dieses Signal aussendeten.
Die ersten Meilen durch Brooklyn ging es im gemäßigten Tempo voran und ich sog die Atmosphäre dieses Stadtteils auf. Vor mir lief ein Mann mit einem aufgeklebtem Foto einer sehr hübschen jungen Frau auf dem Rücken und dem Text, dass sie im Alter von 20 Jahren gestorben ist. Als ich beschloss, neben dem Mann zu laufen, überkam mich ein herzzerreißender Schmerz. Ich konnte kaum noch atmen, alles zog sich in mir zusammen, noch nie hatte ich fremdes Herzeleid so tief erlebt. Ich weinte und versuchte das während des Laufens so gut es ging zu verbergen. Als ich mich wieder beruhigt hatte, sprach ich den Mann an:
“Hello, I´m from Germany. Do you run this Marathon in memory of your daughter?” “Yes!” vernahm ich, und fragte weiter: “Why did she die?” “She had cancer.” bekam ich zur Antwort. Wir schauten uns an, nun sah ich den Schmerz in seinen Augen und darin verborgen die namenlose Liebe zu seiner Tochter.
Jetzt war sie da. Sie drängte mich, zu ihrem Vater sprechen zu können; doch es war mir peinlich, mich hier als Medium vorzustellen. Wir rannten weiter nebeneinander her, bis ich mich etwa eine Viertelmeile später überwinden konnte:
“Do you believe, your daughter is still alive?” “Yes, I do!” – Sein Blick drückte erst Verwunderung aus und war schließlich voller Erwartung ob dieser Frage. Es schien, als habe er diesen Moment unbewusst herbei gesehnt, und ich spürte, dass seine Seele auf dieses Treffen vorbereitet worden war. Nun konnte ich nicht mehr zurückhalten, die Gegenwart seiner Tochter durchdrang mich so sehr, dass ich sie sprechen ließ:
“Hello Daddy! Oh, I love you so much! … Please think always about me, oh Daddy … I will never forget you … Oh Daddy, I love you … Today you will lose your pain … I am with you …!”
Die Worte sprudelten nur so aus ihr/mir heraus und sie teilte ihm so innig ihre Liebe mit und dass es ihr gut gehe und alles gut werde, dass ich schließlich nur noch mit brüchiger Stimme sprechen konnte, zu tief waren die Gefühle und die unbeschreibliche Freude des Wiedertreffens. Immer wieder stöhnte der Vater auf mit einem “Yes!” oder “Oh!”, bis schließlich die Verbindung abbrach. Er hatte offensichtlich keine Zweifel, ein Gespräch mit seiner verstorbenen Tochter zu führen.
Ich weiß nicht mehr, welche Strecke wir inzwischen zurückgelegt hatten, und auch nicht, ob jemand unsere `Unterhaltung´ mitbekommen hatte. Mein Bewusstsein hatte sich in der medialen Instrumentalisierung ganz vom Körper gelöst, doch der lief wie in Trance einfach weiter. Ähnliches kannte ich schon von anderen Erlebnissen.
Noch einmal trafen sich unsere nassen Augen. In diesem Blick sah ich Gottes Liebe meinen neugewonnenen Bruder umarmen. Und da mir nichts Besseres einfiel, ballte ich die Faust als ein Zeichen des Durchhaltens auf jeder Ebene – wir liefen schließlich einen Marathon – und zog das Tempo an, um eine Trennung herbei zu führen.
Bei der Beisetzungsfeier des Mannes einer Freundin meiner Frau. Von der Empore aus sah ich den Verstorbenen bei seinem Sarg stehen. Ich wusste nicht, ob er gläubig gewesen war, doch offensichtlich stand er unter großer Gnade, denn Jesus wohnte der Trauerfeierlichkeit bei. Er zeigte dem Hinübergegangenen absolutes Angenommen-sein in göttlicher Umarmung. Dann nahm er ihn an der Hand und geleitete ihn hinaus, während der Gottesdienst noch in vollem Gange war. Im Herzen sah ich, dass der Vater ihn auf dem Weg in die geistige Heimat begleiten und ihm helfen würde, die darauf befindlichen Hindernisse beiseite zu räumen, auf dass er sicher ans Ziel komme.
Mit irdischen Augen betrachtet war diese Beerdigung eine traurige und kummervolle. Mit den Augen des Geistes besehen war sie voll lichter Schönheit. Wenn Jesus anwesend ist, ist der Himmel geöffnet und viele seiner Bewohner machen die Trauerfeier zu einer wahren Jubelfeier. Es herrschten Freude und Frohsinn über die Gnade der Heimführung, die Herzen der anwesenden Geister waren erfüllt von Dankbarkeit über dieses Gottesgeschenk.
Eher trist gestalten sich aus jenseitiger Sicht die prunkvollen Beisetzungen hochgestellter und prominenter Persönlichkeiten, die von den Massen(medien) bereits zu Lebzeiten und noch mehr im Tode quasi heilig gesprochen werden. Während im Diesseits landes- oder gar weltweite Anteilnahme und kilometerlange Trauerzüge die Feierlichkeiten begleiten (bei denen man geneigt ist zu glauben, Gott selbst werde hier beerdigt – was im Sinne der Gottlosigkeit ja auch wieder stimmt), halten sich die Geister des Lichts fern von Hochmut und Selbstbeweihräucherung, denn die hochgelobte Prominenz führt zumeist ein verblendetes Materieleben in übersteigertem Egoismus. Die gerne verkündete Aussage: “Ich liebe euch alle!” resultiert allein aus Eigenliebe, die sich in Verehrung sonnt. Wenn Glaube öffentlich zur Schau gestellt wird, ist dieser zumeist bloßes Lippenbekenntnis, oder dient dazu, sich marktstrategisch neu zu positionieren.
Drüben angekommen, wollen die Toten ihren Macht-, Anerkennungs- und Reichen-Status beibehalten. Sie werden auch im Jenseits von Hochmut, Habgier und Herrschsucht regiert und wandern verblendet in die falsche Richtung, wo sie aber nur auf Ihresgleichen treffen. Oft erkennen sie erst nach Jahrhunderten ihren Irrtum und beginnen frühestens dann, um Befreiung aus dem selbstgeschaffenen Gefängnis zu bitten.
Im Jenseits gibt es keine Prominenz – hier gibt es einen Vater und viele Kinder. Allein selbstlose Liebe, das ist die Liebe Gottes im demutsvollen Herzen, schenkt graduelle Glückseligkeitszustände, die in der geistigen Welt nach außen hin sichtbar sind und die Nähe zu Jesus Christus bezeugen. Dies stellt jedoch kein Höhergestellt-sein dar, sondern einen liebelichtvolleren Grad im Dienst am Nächsten.
Bei Beerdigungen erlebt man verschiedenste Zustände Verstorbener. So mancher grämt sich, dass er sich nicht bereits in seinem Erdendasein um ein Leben nach dem Tod gekümmert hat. Erst jetzt, nachdem alles Irdische vom Abgrund des Todes verschlungen wurde, tun sich Erkenntnisräume auf, in denen sich Nutz-und Sinnlosigkeit allein materieller Lebensweise offenbaren. Doch ist dies nur bei Personen der Fall, bei denen ein grundsätzliches Bedürfnis zum Guten vorhanden ist. In ihnen erwacht bald der Hunger nach geistiger Nahrung. Nach einer kürzeren oder längeren Phase der Selbstfindung und Orientierung werden sie in entsprechende Schulungsräume geführt, wo sie bei gutem Willen das im Erdenleben Versäumte nachholen können, um schließlich den Weg in die Ewigkeit anzutreten.
Leider werden viele Hinübergegangene aufgrund ihres auf Erden erzeugten sündhaften Verlangens, das so sehr von ihnen Besitz ergriffen hat, dass es ihr Denken und Handeln völlig bestimmt, von den destruktiven Energien ganz vereinnahmt. Sie sind darin dermaßen bewusstlos, dass sie sich mehr oder weniger reaktionslos ins nachtödliche Geschehen fügen – sie bleiben der Erde noch lange verhaftet. Andere verzweifeln schier in der scheinbaren Ausweglosigkeit ihres selbstgeschaffenen Gefängnisses. Da habe ich schon bitteres Wehklagen vernommen. Im Namen des Vaters bete ich inständig für sie. Bisweilen legt sich dann Friede über das Geschehen – die Seele wird mit einem `Tuch´ aus Licht und Liebe bedeckt. Jetzt ist sie ansprechbar und erfährt, was sie tun muss, um frei zu werden.
In einigen Verstorbenen ist aufgrund ihrer maßlosen Eigenliebe jegliches Unterscheidungs-Vermögen für Gut und Böse erloschen. In ihren Herzen ist es abgrundtief finster. Ihr Sterben in den jenseitigen Wahnwelten dauert Jahrzehnte und Jahrhunderte. Sie lieben ihre Dunkelheit und verteidigen diese mit allen Mitteln. Erst nach einem lang andauernden Läuterungs-Prozess verblassen die höllischen Ausgeburten, dann können behutsame Bekehrungsversuche Abgesandter des Himmels vielleicht eine Umkehr bewirken.
Eine Schau begleitet mich seit Jahren. Eine große Schar Jenseitiger, allesamt abgemagert und in zerlumpten Kleidern, wandert ziellos durch eine trostlose Wüste. Ihre Blicke sind leer und hoffnungslos, roboterhaft trotten sie dahin – nicht einmal Tränen haben sie noch, um ihrer Hilflosigkeit Ausdruck zu verleihen. Es sind Tausende, die Karawane des Todes nimmt kein Ende. Verlorene Seelen, die hungrig und durstig durch ihre Jenseitswüsten irren. Da sie in ihrem Erdenleben keine geistige Nahrung zu sich genommen haben, wissen sie nicht, wie sie das jetzt tun sollen, und sie wissen auch nicht wohin sie sich wenden können, um Speise oder Trank zu erbitten. Nie haben sie einen Funken Gottes- oder Nächstenliebe erlaubt, nur Liebe zu sich selbst und daraus zur Materie bestimmte ihr Dasein. Da sich die Lichtbeschaffenheit der jenseitigen Sphären allein in der Liebe zu Gott und zum Nächsten gestaltet, finden sie keinen Ausweg aus ihrer Trostlosigkeit.
Diese tote Seelenschar, die es tatsächlich gibt, symbolisiert auch den Zustand der diesseitigen Menschheit, denn der Großteil ist allein sich selbst und der Materie dienlich – eine geistige Welt ist ihnen so fremd wie einem Polypen in den Tiefen des Meeres die Sonne. Genauso wie die jenseitigen, hungern und dürsten die im Fleisch befindlichen Seelen in den Wüsten ihrer Gottlosigkeit nach geistiger Nahrung. Sie sehen und spüren ihre Armseligkeit jedoch nicht, da sie diese mit weltlichem Lärmen und Treiben verdecken. Ihre Verwahrlosung wird ihnen erst sichtbar im Schmerz und in der Einsamkeit, die die Liebe zur Welt kurzzeitig aus der Seele verbannen. Doch kaum geht es wieder besser, fällt der Mensch zurück in egoistische Gewohnheiten und erstarrt erneut in seiner materiellen Verfallenheit.
Aber nicht mehr lange wird es dauern und es ist schon soweit, dass die Wahrheit die Erde durchdringt und alle Falschheit bloßstellt. Dieses Geschehen wird den Gotteskindern zur Freude und Erlösung, den Kindern der Welt zum Gericht, wenn sie sich nicht ändern in ihrer Verblendung und gewissenlosen Umtriebigkeit.
Noch drei Erklärungen zu den Zuständen und Aufenthaltsorten der geistig blind Verstorbenen:
– Nicht jede und jeder Hinübergegangene weiß um ihren/seinen Tod. Vor allem jene, die unerwartet aus dem Erdendasein scheiden, meinen nach dem Erwachen aus der Todes-Ohnmacht, sie befänden sich noch im Körper, da sie sich vorrangig in der Einbildung der vorangegangenen Inkarnation wahrnehmen. Gemäß ihres Entwicklungszustandes werden sie früher oder später mit ihrem tatsächlichen Schicksal konfrontiert.
– Obwohl sie weiter in ihren früheren Behausungen, Umgebungen oder bei ihren Gräbern verweilen, leben die Toten in einer projizierten Scheinwelt. Sie fristen ihr Dasein quasi in einer Welt in der Welt, oder anders ausgedrückt: Sie wesen in einer traumhaften Projektion, die gebildet und erhalten wird von ihrer Bewusstseinsprägung. Diese kann die frühere Örtlichkeit beinhalten, kann aber auch eine völlig andere Welt darstellen, darin sich die Seele am Ort oder in der Nähe des früheren Erdendaseins befindet. Ähnlich wie bei einem Schlafenden, der sich in einer fernen Traumwelt aufhält, tatsächlich aber in der realen Welt körperlich gegenwärtig ist.
– Aus der Sicht des Jenseitsbewohners betritt ein Besucher dessen Sphärenwelt, also dessen Einbildungswelt, die der oder die Verstorbene für Realität halten. Beim Medium ist die Sichtweise abhängig vom Standpunkt: Manche sehen die sphärischen Projektionen, andere den tatsächlichen Aufenthaltsort des Verstorbenen. Ist das Medium fortgeschritten, sieht es beide Welten – oder im besten Fall deren drei: Die Traum-Sphäre des Verstorbenen, dessen realen kosmischen Aufenthaltsort, sowie die Schöpfung mit all ihren Inhalten in deren geistiger Wirklichkeit. Ausführlicheres dazu im Kapitel `Jenseits´.