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GEJ 1.147

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 147 von 161

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GEJ 1.147.1

Nach dieser Rede des Zweiten trennten sich die Erzpharisäer und Erzjuden von dem Zweiten und seinem vernünftigeren Anhang. Schon ziemlich spät am Abend machten sie sich auf dem Landweg nach Kapernaum, denn das Meer war stark bewegt. Sie trauten den Schiffern nicht, obwohl diese ihnen versicherten, die Fahrt sei ungefährlich.

GEJ 1.147.2

Die ganze Karawane von etwa hundertfünfzig Menschen kannte den richtigen Weg nicht und kam daher nicht weit. Sie gelangte an eine Stelle, wo ein unübersteigbarer hoher Felsen ins Meer hinausragte und eine überaus starke Brandung verursachte. Gleich über dem Felsen erhob sich ein hohes, steiles Gebirge, über das von dieser Stelle am Meer kein Weg führte. Der Karawane blieb somit nichts anderes übrig, als den ziemlich langen Rückweg anzutreten. Erst gegen Mitternacht kam sie bei stockfinsterer Nacht, während es heftig stürmte, regnete, blitzte und donnerte, zum Gehöft des Zöllners Kisjonah zurück und suchte dort Schutz und Unterkunft. Die ganze Karawane war bis auf die Haut durchnässt und bis zum Umfallen müde. Der Zöllner und seine Leute nahmen die Erschöpften gut auf und verschafften ihnen ein trockenes Lager, was den Durchnässten sehr zustattenkam.

GEJ 1.147.3

Am folgenden Tag kamen die Durchnässten und noch etwas Müden erst ziemlich spät aus ihrem Lager hervor und trockneten ihre Kleider in den Strahlen der Sonne.

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Es war jedoch Sabbat, und Kisjonah und seine Leute arbeiteten und verrichteten ihren Dienst wie an jedem anderen Tag. Als es Mittag wurde, deckte man die Tische und stellte allerlei gut zubereitete Speisen darauf.

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Kisjonah lud auch die Durchnässten und Müden zum Mittagsmahl ein. Sie nahmen die Einladung jedoch nicht nur nicht an, sondern begannen zu murren und heftige Verwünschungen gegen solche Sabbatschänder und Sabbatbrecher auszusprechen. Ein rechter Jude dürfe vor Sonnenuntergang weder etwas berühren noch etwas essen; nur dreimal zu trinken sei ihm erlaubt.

GEJ 1.147.6

Da die Eingeladenen die Freundschaft des Zöllners auf diese Weise vergolten, wandte sich dieser an Mich und fragte: »Herr, was soll denn mit diesen Narren geschehen? Ich will ihnen Gutes erweisen, und sie verfluchen mich dafür! Sage mir doch, ob Gott den Fluch solcher Narren hört und er den von ihnen Verfluchten schadet.«

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Ich sage: »O ja, aber nicht zum Nachteil der von ihnen Verfluchten, sondern zum ganz eigenen Nachteil der Fluchenden. (Matthäus 11,15) Wer Ohren hat zu hören, der höre! Denn Ich will euch sagen, wie es in Wahrheit um diese Menschen steht: Meint ihr, sie hielten den Sabbat, weil Mose ihn geboten hat? Oder meint ihr, sie fasteten deshalb?

GEJ 1.147.8

Ich sage euch: Mose und alle Propheten sind in ihren Herzen keine drei Stater wert. Ihnen geht es vielmehr darum, von den Leuten, die ihnen den Zehnten und gutes Geld geben, als würdige Nachfolger Aarons angesehen zu werden.

GEJ 1.147.9

Womit aber soll Ich dieses elende Geschlecht vergleichen? (Matthäus 11,16) Gleicht es nicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen, ihren Gefährten zurufen und schreien: »Wir haben euch ein Klagelied gesungen, und ihr wolltet nicht weinen!« (Matthäus 11,17) Ich meine hier jedoch nicht, diese Pharisäer und Erzjuden, die vor uns stehen, seien solche Kinder, sondern diejenigen, die an unserer Seite stehen. Denn diese wollten gestern diese Narren und vollkommenen Gottesleugner aus ihrem Herzen heraus hierbehalten, doch die Narren verspotteten sie und Mich. Die Schiffer wollten sie bei gutem Wind über das Meer nach Kapernaum bringen; diese Narren aber trauten ihnen nicht. Sie gingen zu Fuss, und ein heftiger Sturm trieb sie wieder hierher. Nun habt ihr sie zum Mittagsmahl eingeladen, und sie verfluchen euch!

GEJ 1.147.10

Ihr lieben Kinder, die ihr hier vor Mir auf dem wahren Markt des Lebens sitzt, Ich sage euch: Spielt diesen Narren nichts mehr vor, denn sie sind im Geist gelähmt und können deshalb nicht tanzen. Lasst ebenso das Klagen sein, denn ihre Gemüter sind Steine ohne jede Feuchtigkeit!

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(Matthäus 11,18) Johannes, über den gestern viel gesprochen wurde und dem Ich ein gerechtes Zeugnis gab, ist gekommen und führte ein so strenges Leben, dass er ausser Heuschrecken und wildem Honig, den er sich mühsam aus Erdlöchern holte, fast nichts ass und trank. Diese und andere ihresgleichen sagten ihm ins Gesicht, er habe den Teufel, der ihn nachts ernähre und erhalte!

GEJ 1.147.12

Johannes hat wie keiner vor ihm mehr als genug gepfiffen und geklagt, und seht: Diese und viele ihresgleichen wollten weder tanzen noch weinen!

GEJ 1.147.13

(Matthäus 11,19) Nun ist in Mir der lange verheissene Menschensohn in die Welt gekommen. Dieser isst und trinkt. Was sagen sie jetzt? Ihr habt gestern selbst gehört, wie sie über Mich urteilten und schrien: »Seht, dieser Mensch ist ein Fresser und ein Weinsäufer, dazu ein Gefährte der Zöllner und Sünder!«

GEJ 1.147.14

Ich aber sage euch: Eine solche Weisheit muss sich von ihren Kindern rechtfertigen lassen! Das heisst: Ihre eigenen Kinder erklären sie zu Narren. So ist in ihren Kindern die Weisheit gerechtfertigt, die sie uns vorgesetzt haben; ebenso aber auch die Meine, weil ihre Kinder sie erkennen und annehmen. Dadurch ist jede Art von Weisheit — die falsche wie die echte — hinreichend gerechtfertigt.«

GEJ 1.147.15

Da erhoben sich die Pharisäer und Erzjuden und sagten zu Mir: »Nimm dich in Acht! Noch bist Du ein Jude. Wir haben das Gesetz und das Recht, Dich als Erzketzer zu vernichten, denn Du willst Mose verderben und die Propheten untergraben. Wehe Dir, wenn Du von solchen Gelüsten nicht ablässt! Der Kaiser hat uns die gewichtige Zusage gegeben, im Notfall das römische Gericht in Anspruch nehmen zu dürfen, und jeder Statthalter muss unserem Verlangen Folge leisten!«

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