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GEJ 1.146

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 146 von 161

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Als Ich diese Rede beendet hatte, trat ein Zöllner aus der Volksmenge zu Mir. Sein Herz glühte schon lange für Mich, obwohl er sich mancher Sünde bewusst war. Er fiel vor Mir auf sein Angesicht und sprach:

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»O Herr! Hier im Staub liegt einer vor Dir, der zwar ein grosser Sünder ist, Dich aber dennoch über alle Massen zu lieben wagt. Siehe, Herr, es ist bereits hohe Mittagszeit. Gerne möchte ich Dich und alle Deine Jünger zu Tisch bitten, wenn ich würdig wäre, dass Du unter das Dach meines Hauses eingehst. Ich und mein Haus sind zu unrein und sündhaft für Dich; aber in meiner Küche sind reine Speisen und Getränke bereitet. O erweise mir armem Sünder die Gnade, die Speisen durch reine Hände für Dich hierherbringen zu dürfen!«

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Ich sage: »Kisjonah, steh auf! Ich werde mit dir in dein Haus gehen und bei dir zu Mittag essen. Deinem Haus widerfahre ein grosses Heil — nicht wegen deiner Sünden; darum sind dir auch alle Sünden so vergeben, als hättest du niemals gesündigt!«

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Darauf erhob sich der Zöllner Kisjonah, und Ich ging mit ihm und vielen Jüngern in sein Haus. Über hundert Personen wurden dort reichlich bewirtet, und auch am besten Wein fehlte es nicht.

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Ausser Meinen Jüngern war dort noch eine grosse Volksmenge aus allen Orten Galiläas und auch Judäas versammelt, die Mich bis zum Haus Kisjonahs begleitete. Weil sie im Haus keinen Platz fand, liess Kisjonah ihr draussen Brot und Wein reichen, da sie bei Mir war.

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Natürlich fehlten bei solchen Gelegenheiten nie die Pharisäer, die Mir von Kapernaum aus überallhin folgten. Als sie Mich wieder sehr heiter und fröhlich essen und trinken sahen und bemerkten, wie Ich den reuigen Zöllnern — die aus Sicht der Juden als hartnäckige Sünder galten — bei Tisch in aller Freundlichkeit die Hände reichte und sie sogar Meine lieben Freunde nannte, war es bei den Pharisäern und anderen strenggläubigen Juden schon wieder mit aller Ruhe vorbei.

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Besonders ärgerte es die Pharisäer und die strenggläubigen Juden, als Ich nach dem Essen Arm in Arm mit den Zöllnern in einem schönen grossen Garten am See spazieren ging und Mich auch gegenüber den fünf sehr liebenswürdigen Töchtern Kisjonahs herzlich gut und freundlich verhielt, weil sie wirklich von innigster Liebe zu Mir erfüllt waren. Ich nannte sie sogar in liebevoller Freundlichkeit »Meine lieben Bräute«, was den Pharisäern entsetzlich sündhaft erschien.

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Als Ich Kisjonah gegen Abend schliesslich freiwillig zusagte, mindestens drei Tage und vielleicht noch länger bei ihm zu bleiben, war es bei den Pharisäern und strenggläubigen Juden endgültig ganz vorbei. »So!«, sagten sie. »Mit solchem Gesindel, solchen Erzsündern und Zöllnern gibt Er sich ab; Er isst und trinkt mit ihnen in Freundschaft, berauscht sich regelrecht, spaziert dann wie ein vornehmer Mann mit den sündhaftesten Töchtern der Erzsünder, umwirbt sie und predigt solchen Erzhuren schliesslich mit süssen, zarten Worten das Evangelium Gottes, anstatt uns zu befehlen, diese Scheusale zu ergreifen und zu verbrennen! Das wäre uns ein schöner Messias! Nun, da die fünf üppigen Huren Ihn für sich eingenommen haben, will Er gar Gott weiss wie lange hierbleiben.

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Gehen wir weiter! Was sollen wir noch länger bei Ihm? Wir wissen jetzt vollständig, woran wir mit Ihm sind. Wir sind schon geraume Zeit um Ihn; hat einer von uns Ihn jemals beten gesehen? Wer sah Ihn je fasten? Den Sabbat achtet Er nicht. Die grössten Erzketzer und Heiden, Griechen und Römer, Zöllner, Erzsünder und üppige, gefällige Huren sind Seine Freunde und Seine Freude — dazu gutes Essen und viele Becher des besten Weins!

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Mit einem Wort: Er ist nichts anderes als erstens ein durchtriebener Magier aus der Schule des Pythagoras und verstehe so zu wirken. Dazu ist Er ein guter Redner, wie es jeder Mann sein muss, um seine Kunst leichter an den Mann zu bringen. Zwar nimmt Er kein Geld dafür an; doch ist das etwa so lobenswert? Oh, das tun alle Magier im ersten Jahr, damit sie umso schneller berühmt werden. Haben sie erst Berühmtheit erlangt, besitzen oft selbst Könige nicht genug Schätze, um solche Künstler zufriedenzustellen.

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Wozu sollte Dieser auch Geld benötigen? Essen und Trinken erhält Er umsonst, so viel Er nur will, und sonst braucht Er nichts. Zweitens ist Er ein Fresser, Vollsäufer und Sündergenosse und führt so ein Leben ganz nach Wunsch. Drittens braucht Er weder Gott noch Dessen Gesetz; denn Er bildet sich ein, Selbst ein Gott zu sein oder wenigstens ein Sohn Desselben, den unser Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit der uns nur zu gut bekannten Maria von Nazareth gezeugt haben soll. Wer von uns wäre so dumm, diesen neu erfundenen, wahrhaft heidnischen Magierstreich nicht auf den ersten Blick zu durchschauen?

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Kurz: Wir wissen nun genug, und es ist höchste Zeit, uns von Ihm zu entfernen; sonst tut Er uns noch etwas an, und wir gehören ohne Rettung dem Teufel. Seht nur, wie Er den fünf Töchtern dieses verhassten Zöllners schöntut und wie sie Ihn regelrecht anbeten! Ich wette tausend Pfund gegen einen Stater, dass dieser Prophet und Heiland, wenn Er heute nach Jerusalem kommt, nur zu bald mit der Königin aller Huren, der weltberühmten Maria von Magdala, die engste Bekanntschaft machen und die süsseste Freundschaft schliessen wird — vielleicht auch mit Maria und Martha von Bethanien, die nach Maria von Magdala von den Grossen Jerusalems die meisten Besuche erhalten sollen!«

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Ein anderer, der etwas bessere Augen hat, sagt zum ersten Redner, einem Pharisäer: »Du hast zwar nicht völlig unrecht; aber wenn du an die beinahe gleiche Szene im Haus des Zöllners Matthäus denkst: Dort urteilten wir ebenso, wurden dann jedoch von Seiner Weisheit gewaltig überwältigt und konnten Ihm auf tausend Einwände nicht einen erwidern. Was wäre, wenn Er hier wieder laut gegen uns spräche? Würdest du die Verantwortung für uns alle übernehmen?«

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Der Erste sagt: »Was du weisst, weiss auch ich; denn ich habe alles ebenso wie du erlebt. Er wird Ausflüchte in grösster Menge finden; dazu ist Er ein Redner und Hauptmagier. Aber unser Verstand muss uns hier zurechtweisen, und er sagt uns jetzt: Geht, bevor ihr ganz dem Teufel verfallt! Diesem Rat des Verstandes wollen wir doch hoffentlich folgen. Oder wollen wir im Ernst dem Teufel verfallen? Nein, bei Gott! Das sei uns allen ewig fern; denn wir haben Abraham zum Vater, und dessen Vater ist Gott. Wir wollen uns nicht wie die Heiden von diesem Magier überlisten lassen!«

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Der Zweite sagt wieder: »Aber Seine Lehre ist rein und der Natur des Menschen völlig angemessen, und nirgends schaut etwas Teuflisches daraus hervor. Ich bin hier nicht ganz deiner Meinung, denn Mose selbst lehrte uns im Grunde doch dasselbe wie dieser Nazaräer.

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Gott über alles lieben und den nächsten Bruder wie sich selbst, Böses nicht mit Bösem vergelten, sogar den Feinden Gutes tun und diejenigen segnen, die uns fluchen, dabei demütig und voller Sanftmut sein — daraus schaut wahrlich nichts Teuflisches hervor!«

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Der Erste sagt: »Für dich natürlich nicht, weil du schon dem Teufel gehörst. Weisst du denn nicht, dass der Teufel gerade dann am gefährlichsten ist, wenn er im Lichtgewand eines Engels auftritt?«

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Der Zweite sagt: »Wenn du solche Altweibergeschichten zum Massstab deines Lebens nimmst, dann lässt sich mit dir kein Wort mehr reden. Wo ist denn der Ochse oder Esel, der jemals einen Satan im Gewand eines Gottesengels gesehen und gesprochen hätte? Wahrlich, du und alle deine Kopfhänger tun diesem Mann hier unrecht.

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Wir wissen nichts Böses von Ihm, wohl aber viel Gutes und unerhört Wunderbares. Warum sollten wir Ihn sofort verurteilen, wenn wir doch sehen, dass Er mit Sündern ebenso wie mit Gerechten umgeht und ihnen gegenüber viel Geduld und grosse, liebevolle Nachsicht zeigt?«

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