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GEJ 1.143

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 143 von 161

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Als die Jünger, wie nun hinreichend bekannt gegeben wurde, den Ort verliessen, an dem Ich ihnen die Anweisungen erteilt hatte, blieb Ich noch bis zum Sonnenuntergang, segnete dieses arme Völkchen und seine Kinder und zog dann mit den noch vielen Jüngern, die Mich umgaben, weiter am Galiläischen Meer entlang in die Städte. Aus diesen stammten einige der bei Mir gebliebenen Jünger und waren dort zu Hause. Dort lehrte und predigte Ich, was zu lehren und zu predigen Ich den Zwölf aufgetragen hatte, und machte überall die Kranken gesund.

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Zu dieser Zeit war Johannes, der am Jordan getauft hatte, bereits von Herodes ins Gefängnis geworfen worden, und zwar auf Betreiben der Priester von Jerusalem, die sich bei Herodes mit aller Kraft dafür eingesetzt hatten. Denn sie konnten Johannes niemals vergeben, dass er sie Schlangenbrut und Natterngezücht genannt hatte. Sie selbst wagten es jedoch nicht, den Prediger in der Wüste anzugreifen, weil sie sehr wohl wussten, dass das Volk ihn für einen grossen Propheten hielt. Darum hatten sie Herodes vorgeschoben — natürlich durch Geld und allerlei Befugnisse zur Unterdrückung des Volkes —, und Herodes nahm ihn gefangen unter dem Vorwand, er sei ein Verrückter, der das Volk aufwiegle, seine Köpfe mit allerlei staatsgefährlichen Ideen fülle und die Menschen auf vielfache Weise verrückt mache.

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Im Grunde kümmerte es Herodes wenig, was Johannes lehrte; ihm ging es nur darum, dabei eine gute Beute zu machen. Deshalb hielt Herodes Johannes nicht in sehr strenger Haft und liess gegen einen mässigen Preis jedermann zu ihm ins Gefängnis. Anerkannte Jünger des Täufers zahlten für eine ganze Woche nur einen Stater, während andere für einen einzigen Tagesbesuch einen Silberling bezahlen mussten.

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Herodes hatte Johannes keineswegs verboten, in einem grossen Saal, den man nun in ein grosses Bürgergefängnis verwandelt hatte, zu predigen und so viel Aufsehen zu erregen, wie er nur konnte und wollte; denn das brachte Herodes umso mehr Geld ein.

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Herodes ging öfter selbst zu Johannes und ermunterte ihn sogar, gerade jetzt im Gefängnis, wo er vor den Priestern und Pharisäern sicher sei, noch mehr Lärm zu machen als zuvor in der Wüste bei Bethabara. Dabei nannte er sich Freund und Beschützer des Johannes.

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Johannes wusste im Geist sehr wohl, mit wem er es in Herodes zu tun hatte. Dennoch nutzte er diese Gelegenheit, predigte in seinem Gefängnis weiter, und seine Jünger hatten freien Zutritt zu ihm — natürlich gegen die geringe Zahlung von einem Stater pro Woche. Priester vom Tempel mussten ein Pfund bezahlen, wenn sie zu Johannes gelangen wollten. Fragten sie Herodes, warum er Johannes im Gefängnis weiterpredigen lasse, antwortete dieser schlaue Fuchs: »Das tue ich aus geheimer Staatsklugheit, um dadurch alle Anhänger dieses überaus staatsgefährlichen Menschen kennenzulernen!« Nach einer solchen Antwort lobten die Priester Herodes über alle Massen und beschenkten ihn mit viel Gold, Silber und Edelsteinen; denn sie dachten bei sich: »Dies ist der richtige Mann. Wir müssen ihn nach Kräften unterstützen; er ist dazu berufen, das ganze Prophetengesindel aus dem Weg zu räumen!«

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Herodes aber, von Geburt Grieche, war nur auf Geld aus und kümmerte sich nicht im Geringsten um alles andere. Neben dem Geld hatten nur sehr schöne Nebenfrauen einen gewissen Wert für ihn. Ihnen zuliebe konnte er sogar grausam werden, wenn sie es wünschten; sonst aber erreichte bei ihm niemand ohne Geld irgendetwas. Allein für Geld war er zu wirklich allem bereit.

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Aus dieser getreuen Schilderung des Herodes wird sicher jedem leicht verständlich, wie Johannes im Gefängnis seine Jünger um sich haben konnte und wie er durch sie sowie durch andere Menschen, die ihn häufig besuchten, über Mein Wirken in Galiläa unterrichtet werden konnte.

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Als Johannes nun im Gefängnis erfuhr, wie Ich lehrte und wirkte, sandte er sogleich zwei seiner berühmtesten Jünger zu Mir und liess Mich durch sie fragen: »Bist Du es, Der kommen soll, oder sollen wir noch auf einen anderen warten?«

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Man wird hier fragen: Wie konnte Johannes, der Mir zuerst das grösste und glänzendste Zeugnis gab, überhaupt zu einer solchen Frage kommen? Der Grund ist für jeden, der auch nur eine Spanne über das Materielle hinauszudenken vermag, sehr einfach und sogar ganz natürlich.

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Nachdem Johannes Mich kennengelernt hatte, meinte er und sah damals auch vollkommen ein, dass Ich unfehlbar der verheissene Messias sei, dass allein durch Mein Erscheinen das ganze jüdische Volk schon so gut wie vollständig erlöst sei und alle Macht der Grossen dieser Welt für immer aufgehört habe. Als er jedoch ins Gefängnis kam und sich von Tag zu Tag mehr davon überzeugte, dass mit Meinem Erscheinen die Macht der Grossen dieser Welt nicht nur nicht aufgehört, sondern sogar zugenommen hatte, begann Johannes ganz leicht und still bei sich an Meiner Echtheit zu zweifeln.

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Denn er dachte bei sich: »Wenn dieser Jesus aus Nazareth wirklich der Verheissene, der Sohn des lebendigen Gottes, ist, wie kann Er mich jetzt im Stich lassen und nicht aus dem Gefängnis befreien? Und wie konnte Er zulassen, dass ich überhaupt hineinkam?«

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Andererseits hörte er von seinen Besuchern erneut, welche unerhörten Taten Ich vollbrachte. So sandte er zwei seiner bewährtesten Jünger zu Mir, um Mir die oben genannte Frage zu stellen.

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Da Ich den Grund gut erkannte, aus dem Johannes Mich so fragen liess, antwortete Ich den Jüngern ganz kurz: »Geht hin und berichtet Johannes, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist und wird aber derjenige, der sich nicht an Mir ärgert!«

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