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GEJ 1.144

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 144 von 161

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GEJ 1.144.1

Da wussten die beiden Jünger nicht, was sie Mir entgegnen sollten. Erst nach einer Weile fragte Mich der Ältere von ihnen: »Warum muss Johannes nun im Gefängnis schmachten, obwohl er doch vor Gott und allen Menschen nie gesündigt hat?«

GEJ 1.144.2

Ich antworte: »Wenn er es wollte, könnte auch er frei sein! Der Mond leistet in der Nacht gute Dienste; will er aber neben der Sonne um den Rang streiten, als wäre sein Licht auch am Tag an der Seite der Sonne so wichtig wie das Sonnenlicht, dann befindet er sich in einem grossen Irrtum. Denn sobald die Sonne da ist, kann die Erde den Schimmer des Mondes sehr wohl entbehren. Versteht ihr das?

GEJ 1.144.3

Wenn Johannes Mich klarer erkannte, als Ich am Jordan zu ihm kam: Wer gebot ihm denn, Mir nicht zu folgen? Er blieb in seiner Wüste, führte ständig das strengste Büsserleben und hatte doch nie gesündigt. Warum tat er das? Er hat sich selbst Herodes ausgeliefert; nun soll er sehen, wie er mit diesem Fuchs fertig wird.

GEJ 1.144.4

Sagt ihm aber auch, dass Ich nicht gekommen bin, den Grossen ihre irdische Macht zu nehmen, sondern sie auf ihren Herrscherstühlen zu bestätigen. Wer aber mit Mir rechten will, wird einen harten Kampf zu bestehen haben!«

GEJ 1.144.5

Nachdem die beiden Jünger diese Worte von Mir erhalten und vernommen hatten, erwiderten sie nichts mehr, sondern verabschiedeten sich, machten sich sofort auf den Rückweg zu Johannes in Jerusalem und berichteten ihm alles sogleich.

GEJ 1.144.6

Johannes aber schlug sich an die Brust und sprach: »Ja, ja, Er ist es, Er hat recht. Er muss wachsen, und ich muss abnehmen und von dieser Welt sterben.«

GEJ 1.144.7

In Seba, einem Fischerdorf am Galiläischen Meer, staunten die vielen Menschen dort sowie diejenigen, die Mir aus anderen Orten dorthin gefolgt waren, sehr über Johannes den Täufer und sagten: »Wie konnte er eine Sünde begehen? Dass er Dir, o Herr, nicht gefolgt ist, obwohl er Dich erkannt hatte, war doch wohl eine Hauptsünde, für die er nun büssen muss! Herr, urteilen wir falsch, wenn wir so denken?«

GEJ 1.144.8

Ich entgegnete ihnen: »Wenn der Mond nachts im Volllicht leuchtet, gehen alle hinaus, bewundern sein Licht und freuen sich daran. Kommt aber die Sonne, während der Mond noch mit überaus blassem und mattem Schein am Himmel steht, wenden sich alle vom Mond ab, weiden ihre Augen am mächtigen Sonnenlicht und preisen es in jedem Licht spendenden Tautropfen; denn unter der Sonne leuchtet ein Tropfen Wasser stärker als zehn Monde in der Nacht.

GEJ 1.144.9

Begeht der Mond deshalb etwa eine Sünde, weil er am Tag von der Sonne verdunkelt wird und sogar ein Tautropfen dem Auge des Betrachters mehr Licht spendet als der ganze Mond?

GEJ 1.144.10

Ich sage es euch allen: Wer Ohren hat, der höre! Auch der Menschensohn ist eine Sonne, und Johannes ist ihr Mond. Der Mond leuchtete in der Nacht eures Geistes und zeugte im Voraus von dem Licht, das nun zu euch gekommen ist und das ihr in eurer Finsternis noch immer nicht erkennt. Wenn aber der Schein dieses Mondes nun matt wird, weil die Sonne des Tages unter euch leuchtet, wie könnt ihr ihm eine Sünde anrechnen?

GEJ 1.144.11

Wahrlich, Ich sage euch: Seit Menschen von Adam bis heute auf dieser Erde bestehen, hat niemals eine reinere Seele einen Leib bewohnt und belebt.

GEJ 1.144.12

Ich frage nun euch alle, da niemand unter euch ist, der nicht in die Wüste hinausgegangen wäre, wo Johannes predigte und taufte. Ihr alle habt seine Predigt gehört, und die meisten von euch liessen sich auch taufen. Was seid ihr denn in der Wüste zu sehen hinausgegangen?

GEJ 1.144.13

Wolltet ihr etwa ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? Oder seid ihr hinausgegangen, um einen Menschen in weichen Kleidern zu sehen? Seht: Wer weiche Kleider trägt, wohnt in den Häusern der Könige, nicht aber in der rauen Wüste bei Bethabara. Oder seid ihr hinausgegangen, um einen Propheten zu sehen?

GEJ 1.144.14

Ja, Ich sage euch: Johannes ist mehr als ein Prophet! Denn er ist derjenige, von dem geschrieben steht: »Siehe, Ich sende Meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll!« Erkennt ihr nun, wer er ist?

GEJ 1.144.15

Wahrlich, Ich sage es noch deutlicher, als Ich es euch schon früher gesagt habe: Unter allen, die seit Anbeginn von Frauen geboren wurden, ist keiner aufgetreten, der grösser wäre als Johannes der Täufer. Doch Ich sage euch auch: Von nun an wird selbst der Kleinste im Reich Gottes grösser sein als er.

GEJ 1.144.16

Merkt euch aber auch dies gut: Von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher und weiterhin erleidet das Himmelreich Gewalt, und diejenigen, die ihm Gewalt antun, reissen es an sich.

GEJ 1.144.17

Alle Propheten wie auch das Gesetz des Mose haben bis zu Johannes geweissagt; er war vor Mir der letzte Prophet.

GEJ 1.144.18

Wenn ihr es annehmen wollt, dann ist dieser Johannes eben der Elia, der künftig — das heisst vor dem Messias — noch einmal kommen sollte. Er ist auch gekommen, hat vor Mir geweissagt und Meine Wege vorbereitet, wie ihr selbst erfahren habt. Sagt nun: Wisst ihr, wer Johannes ist?«

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