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GEJ 1.119

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 119 von 161

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GEJ 1.119.1

Ein Schriftgelehrter sagte: »Freund, du wagst viel, indem du uns Dinge sagst, auf deren Verrat der Tempel die Todesstrafe gesetzt hat. Dein Glück ist, dass du unserem Obersten eine so grosse Wohltat erwiesen hast; sonst könnte es dir schlecht ergehen. Denn wir sind durch einen mächtigen Schwur an den Tempel gebunden!«

GEJ 1.119.2

Ich sagte: »Diesen Schwur könnt ihr brechen, wann immer ihr wollt; denn ihr habt ihn nicht Gott geleistet, sondern dem Tempel, der von Menschenhand gemacht ist und in dem Gott nicht mehr wohnt.

GEJ 1.119.3

Wo Gott aber nicht wohnt, dort wohnt der alte Fürst der Lüge und alles Bösen. Diesem Fürsten und jetzigen Herrn des Tempels könnt ihr den Schwur ohne Scheu brechen.

GEJ 1.119.4

Wenn ihr euren völlig nichtigen Schwur gegenüber dem Tempel brechen würdet, würdet ihr Gott dem Herrn wohlgefallen, und Er würde euch geben, was Er Mir seit dem Anfang der Welt gegeben hat. Ihr bestaunt es heute und begreift nicht, wie Ich Werke vollbringe, die nach eurer eigenen Aussage nur Gott allein möglich sind. Fürchtet ihr aber den Tempel mehr als Gott, den ihr nicht kennt, dann bleibt ihr weiterhin am Tempel hängen und seid deshalb vor Gott ein Gräuel.

GEJ 1.119.5

Wenn ihr Meinen schlichten Worten nicht glaubt, dann glaubt Mir doch um der Werke willen, die Ich vor euch zu eurem Wohl vollbringe und von denen ihr selbst sagt, dass sie nur Gott möglich seien!«

GEJ 1.119.6

Der Schriftgelehrte sagte: »Wie kannst du Gott besser kennen als wir, wenn du doch die Schrift nicht studiert hast?«

GEJ 1.119.7

Ich sagte: »Den toten Buchstaben kennt ihr wohl; doch Gott ist nicht darin, und deshalb könnt ihr Gott auch nicht aus der Schrift erkennen. Die Schrift zeigt euch lediglich den Weg zu Gott, und das auch nur, wenn ihr unbeirrbar auf diesem Weg wandelt.

GEJ 1.119.8

Was nützt es euch, wenn ihr zwar den Weg nach Rom kennt, ihn aber niemals betretet, um nach Rom zu gelangen und dort die grosse Stadt des Königs zu sehen? Welcher Kenner des Weges kann behaupten, er kenne Rom, nur weil ihm der Weg dorthin bekannt ist, wenn er diesen Weg noch nie auch nur eine Spanne weit betreten hat? Was nützt euch ebenso die Kenntnis der Schrift, die ein Weg zu Gott ist, wenn ihr noch nie einen Schritt auf ihr getan habt?

GEJ 1.119.9

Ich dagegen kenne ebenso wie ihr die ganze Schrift und habe stets nach den darin enthaltenen Gesetzen Gottes gehandelt. Dadurch bin Ich zur vollkommensten Bekanntschaft mit Gott gelangt und kann euch deshalb aus der ersten Urquelle sagen, dass von euch und euresgleichen noch nie jemand Gott erkannt hat und Ihn auf euren bösen Wegen auch niemals erkennen wird; denn ihr alle seid Gottesleugner.

GEJ 1.119.10

Ihr selbst wollt Gott nicht erkennen; denen aber, die noch den rechten Weg gehen möchten, versperrt ihr diesen Weg mit Tod und Verderben. Deshalb werdet ihr einst im anderen Leben umso mehr Verdammnis empfangen; denn alle, die ihr verfolgt habt und weiterhin unablässig verfolgt, werden eure ewigen Richter sein!«

GEJ 1.119.11

Nachdem Ich dies den Pharisäern und Schriftgelehrten verkündet hatte, erhob sich im Volk ein mächtiger Beifallsruf, und es wollte Hand an sie legen. Ich verhinderte das jedoch und begab Mich durch das kleine Seetor mit den Jüngern und all den Pharisäern und Schriftgelehrten ans Meer. Da dort mehrere Schiffe bereitstanden, bestiegen wir sie sofort und fuhren bei mässigem, günstigem Wind rasch vom Ufer fort, sodass uns die grosse Volksmenge nicht erreichen konnte.

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