← Jakob Lorber

GEJ 1.111

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 111 von 161

Español English
GEJ 1.111.1

Als Petrus vernahm, dass Ich zum See gehen wollte, fragte er Mich, ob er vorausgehen und das grosse Schiff vorbereiten solle. Ich sagte zu ihm: »Sorge dich nicht darum. Wenn wir dort ankommen, wird bereits alles für uns vorbereitet sein.«

GEJ 1.111.2

Auch Maria fragte, ob sie für den Mittag oder für den Abend etwas zubereiten solle. Ich sagte zu ihr: »Weder für den Mittag noch für den Abend, denn wir werden erst spät in der Nacht zurückkommen.«

GEJ 1.111.3

Darauf sage Ich zu den Jüngern, sie sollten sich auf den Weg machen, wenn sie Lust hätten mitzugehen. Alle erheben sich rasch und begeben sich mit Mir an den See, der, wie bekannt, unweit von Nazareth begann.

GEJ 1.111.4

Als wir an den See kamen, war dort eine grosse Volksmenge versammelt. Mehrere Schiffe lagen bereit, darunter auch das Schiff des Petrus. Wir bestiegen es sogleich und stiessen vom Ufer ab auf den See hinaus.

GEJ 1.111.5

Als das Volk sah, dass Ich Mich auf den See begab, bestieg es zahlreiche Boote und ruderte Mir nach.

GEJ 1.111.6

In einem der Boote befand sich auch einer der drei Pharisäer. Er war Vorsteher einer Schule, besass in der Nähe Kapernaums einen schönen Landsitz und war an diesem Tag bei Mir im Haus in Nazareth gewesen. Als sein Boot Mein Schiff erreicht hatte, fiel er darin sogleich auf die Knie und bat Mich: »Herr, Meine Tochter liegt im Sterben! Wenn Du doch zu ihr kommen und ihr Deine Hände auflegen wolltest, damit sie wieder gesund wird.« Wir waren noch nicht weit vom Ufer entfernt, und Ich befahl Petrus, zurücksteuern zu lassen.

GEJ 1.111.7

Als wir wieder das Ufer betraten, war dort eine so grosse Volksmenge, dass wir kaum vorankamen. Wir brauchten ungefähr drei Stunden, um das Haus des Jairus zu erreichen, das ein einigermassen guter Fussgänger sonst leicht in einer Stunde erreicht hätte.

GEJ 1.111.8

Während wir, von Jairus geführt, im starken Gedränge gewissermassen mehr geschoben wurden als selbst vorwärtsgingen, drängte sich von hinten eine Frau zu Mir. Sie litt seit zwölf Jahren an Blutfluss und hatte bereits nahezu ihr gesamtes Vermögen den Ärzten übergeben, nur um gesund zu werden. Im Glauben, dadurch geheilt zu werden, berührte sie Mein Gewand; denn sie hatte viel von Mir gehört.

GEJ 1.111.9

Da sie eine Griechin und keine Jüdin war, wagte sie nicht, offen zu Mir zu kommen. Damals herrschte wegen des Handels und des Vorrangs in Rom eine starke Spannung zwischen Juden und Griechen; jedes der beiden Völker wollte den Vorrang besitzen.

GEJ 1.111.10

Die Griechen genossen bei den Römern als hochkultiviertes Heldenvolk ein weitaus grösseres Ansehen und erhielten von Rom viel grössere Vorteile als die Juden, die dort einen sehr schlechten Ruf hatten. Die Griechen bildeten in gewisser Weise auch die geheime Aufsicht über die Juden und wurden deshalb von ihnen noch weniger geduldet.

GEJ 1.111.11

Daher rührte auch die Furcht, besonders die Furcht der griechischen Frauen vor den Juden. Unter den Griechen war durch schlaue Juden die Behauptung stark verbreitet, die mit aller Zauberei vertrauten Juden könnten griechische Frauen unfruchtbar machen, wenn ein Jude eine Griechin nur starr und fest anblicke. Aus diesem Grund hatte sich auch diese Frau von hinten an Mich herangedrängt.

GEJ 1.111.12

Nachdem sie Mich berührt hatte, bemerkte sie, dass es ihr besser ging. Die Quelle ihres Blutes versiegte sogleich; im Hinblick auf ihr Leiden kehrte grosse Ruhe in ihr Gemüt ein, und sie nahm in ihrem ganzen Wesen wahr, dass es ihr vollständig besser ging.

GEJ 1.111.13

Ich sah Mich sogleich um und fragte die Mir am nächsten stehenden Jünger: »Wer hat Mich berührt?«

GEJ 1.111.14

Die Jünger werden über diese Frage beinahe ärgerlich und sagen: »Du siehst doch, wie das Volk Dich bedrängt, und kannst trotzdem fragen, wer Dich berührt habe?«

GEJ 1.111.15

Ich sagte zu den Jüngern: »So ist es nicht! Wer Mich hier berührt hat, tat es mit Glauben und mit einer bestimmten Absicht; denn Ich habe deutlich bemerkt, dass eine Kraft von Mir weggegangen ist.«

GEJ 1.111.16

Da erschrak die Frau, die Ich während der Frage fest ansah; denn Ich wusste wohl, dass gerade sie Mein Gewand berührt hatte und warum sie es getan hatte. Sie fiel vor Mir nieder, gestand Mir alles frei und offen und bat Mich um Vergebung. Ihre Furcht war so gross, dass sie am ganzen Körper zitterte und bebte, was leicht zu verstehen ist, wenn man die zuvor kurz angeführten Gründe richtig bedenkt.

GEJ 1.111.17

Ich sah sie freundlich an und sagte zu ihr: »Steh auf, Meine Tochter; dein Glaube hat dir geholfen! Zieh nun in Frieden in deine Heimat und sei gesund und frei von deiner Plage.«

GEJ 1.111.18

Bis dorthin hatte sie eine halbe Tagesreise. Sie war die unverheiratete Tochter eines Pächters hinter Zabulon. In ihrem dreizehnten Lebensjahr hatte sie sich einmal mit einem von den Sinnen beherrschten Mann vergangen, der ihr dafür zwei Pfund Gold gab. Danach musste sie zwölf Jahre leiden und die vollen zwei Pfund Gold aufbrauchen. Das war damals mehr wert als in der heutigen Zeit 30.000 Gulden in Papiergeld; denn für einen Silbergroschen erhielt man damals mehr als heute für volle zehn Gulden in klingender Münze. Durch dieses Geschenk ist sie also sehr reich geworden; dennoch musste sie zuerst ihren ganzen Reichtum hergeben, bevor sie gesund werden konnte.

Diese Seite teilen
WhatsApp Telegram E-Mail
Öffnet in einem neuen Tab.