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GEJ 1.105

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 105 von 161

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GEJ 1.105.1

(Matthäus 9,1.) Wir fuhren nun geradewegs in Richtung Nazareth; denn Ich habe Mir vorgenommen, Nazareth wieder einmal zu besuchen, zu Hause ein wenig auszuruhen und bei dieser Gelegenheit auch den sehr unbeständigen Nazaräern das Licht der echten Wahrheit anzuzünden.

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Die Rückfahrt dauerte etwas länger als die Hinfahrt, und viele wurden hungrig. Ich aber stärkte sie, und sie verspürten in ihnen eine wunderbare Sättigung. Einige sagten: »Wahrlich, ein Atemzug gibt Brot, und ein zweiter schmeckt wie Wein!« So erreichten wir am nächsten Morgen früh das Ufer. Vom Seeufer bis ganz nach Nazareth waren es noch zwanzig Feldwege — ein Feldweg entsprach nach heutigem Mass einer Strecke von fünfzig bis siebzig Klaftern —, und wir setzten unsere Reise ungehindert fort und erreichten die Stadt Nazareth in kurzer Zeit. Währenddessen versorgten die Knechte des Petrus selbstverständlich das Schiff und fuhren nach Hause.

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Dort, wo wir gelandet haben, befand sich ein allgemeiner Landungsplatz. Viele Menschen waren dort versammelt: einige, die wegen ihrer Geschäfte über das Meer in alle Richtungen fahren mussten, und viele, die aus allen Gegenden, sogar von Jerusalem herab, zum Markt nach Nazareth kamen; denn zu dieser Zeit fand gerade ein grosser Markt in der Stadt statt.

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Als es am Landungsplatz hiess, Ich sei mit dem Schiff des Petrus angekommen, blieben auch diejenigen zurück, die wegen ihrer Geschäfte über das Meer reisen wollten. So zog eine grosse Volksmenge mit Mir nach Nazareth.

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Ich und Meine Jünger begaben uns in Mein Haus, das heisst in das nun der Mutter Maria gehörende Haus. Sie war mit den drei ältesten Söhnen und vier Mägden daheim. Diese waren schon früher, zur Zeit Josephs, als Ich noch ein Kind war, an Kindes statt ins Haus aufgenommen und dort erzogen worden.

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Maria und die ganze Hausgemeinschaft machten sich ans Werk und bereiteten uns ein reichliches Morgenmahl, das wir schon dringend brauchten, besonders die Jünger, die einen ganzen Tag und eine ganze Nacht fast nichts zu sich genommen hatten. Das Mahl war bald zubereitet, und wir setzten uns und gingen darauf in die Stadt, um dem Tun und Treiben der Menschen ein wenig zuzusehen. Wegen der grossen Volksmenge kamen wir jedoch kaum aus dem Haus. Sie hatte sich grösstenteils aus Neugier, zum Teil aus schändlicher Spionage und nur zu einem sehr geringen Teil aus Not und Bedürftigkeit um das Haus gelagert.

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Als wir vor das Haus traten, fragten einige dort anwesende Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem, ob Ich hier keine Wunder und Zeichen vollbringen werde. Ich sagte ihnen sehr ernst und entschieden: »Nein! Wegen eures Unglaubens keine!« Nach diesem entschiedenen Nein begannen sie sich zu zerstreuen. Einige murmelten und flüsterten einander ins Ohr: »Er hat Angst vor den Herren aus Jerusalem und wagt es nicht!« Andere sagten: »Wahrscheinlich hat Er Seine Zaubermittel nicht bei Sich!« Wieder andere sagten: »Hier tut Er wegen Seiner Landsleute nichts; denn Er wird wohl wissen, dass Er bei ihnen keinen besonderen Ruf geniesst!« Mit solchen und ähnlichen Äusserungen zerstreuten sie sich. Nach wenigen Augenblicken war kein Mensch mehr bei Marias Haus, dem Haus der Gebärerin Meines Leibes, und wir hatten sofort genügend Platz, unseren Weg in die Stadt anzutreten.

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Wir besuchten dort eine Synagoge. In ihr durfte jeder Jude, der etwas wusste, vor drei Schriftgelehrten sprechen, die obenan sassen. Er durfte auch die eine oder andere Beschwerde vorbringen, die er oder mit ihm eine ganze Gemeinde gegen die irgendwo von Jerusalem eingesetzten Priester und Schriftgelehrten für begründet hielt.

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Als wir in die Synagoge kamen, sagte Simon von Kana heimlich zu Mir: »Herr, da könnten doch auch wir etwas vorbringen! An allerlei Beschwerden würde es uns nicht fehlen.«

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Ich sage: »Mein Freund! Zur rechten Zeit der Wahrheit gemäss zu reden ist recht und gut; aber zur rechten Zeit zu schweigen ist noch besser. Du kannst tun, was du willst: Aus Eisen wirst du dennoch niemals Gold und aus Lehm kein Silber machen. Diese Art von Menschen, die hier zu Rat und Anhörung sitzt, ist innerlich bei weitem anders, als sie sich nach aussen zeigt: Äusserlich ist sie ein Lamm und innerlich ein reissender Wolf.

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Meinst du, sie sässen hier zur Anhörung, um dem Volk nach den vorgebrachten Beschwerden die erbetenen Erleichterungen zu verschaffen? Oh, da befändest du dich in einem grossen Irrtum!

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Diese Art hört dem Volk nur deshalb mit freundlichen Gesichtern zu, um auszuforschen, wie es gegenüber der Priesterschaft eingestellt ist. Glaube es Mir! Heute wirst du überaus freundlich angehört, und morgen steckt man dich ins Zuchtgefängnis und züchtigt dich ein volles Jahr lang mit Strafruten. Denn diese Priester gleichen alle den Raben und Krähen: Eine hackt der anderen niemals mit der scharfen Spitze ihres Schnabels die Augen aus.

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Darum hören wir hier nur zu und achten darauf, ob, inwieweit und in welcher Weise wir erwähnt werden. Man bemerkt uns nicht; und selbst wenn man uns bemerkte, würde man uns doch nicht so schnell erkennen. So können wir hier gut zuhören und uns nach dem Gehörten richten.« Simon von Kana war mit dieser Antwort vollkommen zufrieden. Wir nahmen in einem etwas dunklen Winkel der Synagoge Platz und lauschten, was dort alles vorgebracht wurde.

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Einzelne Menschen wie auch Abgeordnete ganzer Gemeinden brachten eine Menge himmelschreiender Beschwerden gegen die Priester vor und wurden überaus freundlich angehört.

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Als das Volk mit seinen Beschwerden fertig war und die drei Schriftgelehrten und Pharisäer, die von Jerusalem herabgekommen sind, ihm zuverlässig versicherten, sie würden alles dagegen Mögliche tun, die angeklagten Priester einer strengen Untersuchung unterziehen und sie nach gerechtem Befund zu bestrafen wissen, fragt ein Schriftgelehrter das Volk mit äusserst freundlicher Miene, ob und was es allenfalls von Mir wisse, das heisst von dem berüchtigten Volksaufwiegler Jesus. Sie hätten nämlich bis hinauf nach Jerusalem vernommen, dass Er in Galiläa Sein Wesen treibe und grosse Zeichen vollbringe, wie sie vor Ihm noch niemals jemand vollbracht habe. Ob dies noch wahr sei und was sie und die anderen Menschen davon hielten.

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