Jairuth möchte zwar, dass Ich den ganzen Tag bei ihm verbringe. Ich zeige ihm jedoch, dass es in dieser Gegend noch mehrere Kranke gibt, die Ich unterwegs besuchen will. Darauf bittet Mich Jairuth, ob er Mich nicht wenigstens bis zur Stadt zurückbegleiten dürfe, und Ich erlaube es ihm. Er macht sich sogleich auf den Weg und bittet zugleich auch die beiden Jünglinge, ihn zu begleiten.
Die Jünglinge sagten jedoch: «Es ist besser für dich, wenn wir hierbleiben. Denn die Gäste im Gartensaal haben dich bei den Römern als Aufrührer angezeigt, und ohne uns würde es deinem Haus schlecht ergehen. Verstehst du das?»
Über eine solche Nachricht verliert Jairuth beinahe den Verstand und fragt überaus aufgeregt: «Welcher Satan in Menschengestalt hat das den Römern hinterbracht, und was mag ihn dazu bewogen haben?»
Ein Jüngling sagte: «Sieh, in Sichar leben Kaufleute, die nicht so glücklich sind wie du. Sie können sich keine Schlösser bauen und noch viel weniger ein ganzes grosses Land käuflich erwerben, wie du es dir in Arabien gekauft hast: ein stattliches Land am Roten Meer. Daher beneiden dich solche Kaufleute um dein irdisches Glück und sehnen sich sehr danach, dich zu verderben. Diesmal würde es ihnen auch gelingen, wenn wir nicht bei dir wären. Da wir dich aber im Namen des Herrn beschützen, wird dir bei dieser Gelegenheit kein Haar gekrümmt werden. Sorge jedoch dafür, dass du wenigstens drei Tage lang von deinem Haus abwesend bleibst.»
Das beruhigt Jairuth, und er macht sich schnell auf, um mit Mir aus dem Schloss weiterzuziehen.
Als wir gerade den Schlosshof überqueren, kommt uns eine geordnet marschierende Schar römischer Söldner und Schergen entgegen. Sie macht vor uns halt und droht uns, nicht weiterzugehen. Ich selbst trete jedoch vor und zeige ihnen das Zeugnis des Nikodemus. Der Anführer sagt aber: «Das nützt nichts, wenn ein begründeter Verdacht auf einen Aufruhr gegen Rom besteht.»
Ich sagte: «Was willst du denn von uns? Eine freche und unverschämte Lüge, die von einer Schar neidischer Menschen stammt, hat dich zu diesem Schritt genötigt. Ich sage dir aber, dass kein wahres Wort daran ist. Wenn du der Lüge dein Ohr so bereitwillig geliehen hast, dann leihe es nun umso bereitwilliger auch der offenkundigsten Wahrheit. Für sie findest du hier mehr Zeugen als in der Stadt für die schamlose Lüge einiger böser Neider.»
Der Anführer sagte: «Das sind leere Ausflüchte und gelten bei mir nichts. Erst vor Gericht lässt sich die Wahrheit durch eine unmittelbare Gegenüberstellung ermitteln. Begebt euch deshalb jetzt sofort und ganz freiwillig mit uns vor Gericht, sonst wenden wir Gewalt an.»
Ich sagte: «Dort ist das Schloss. Allein der Hausherr ist euch als Aufrührer angezeigt worden. Geht dorthin und untersucht, ob ihr etwas von einer Meuterei entdecken könnt. Wenn ihr uns aber mit Gewalt zwingen wollt, euch vor euer höchst ungerechtes Gericht zu folgen, werden auch wir imstande sein, euch eine wirkliche Gewalt entgegenzusetzen. Dann wird sich zeigen, wer dabei den Kürzeren zieht. Tut also, was ihr wollt. Meine Zeit ist noch nicht gekommen. Ich habe gesagt, dass hier keine Schuld vorliegt. Wer jedoch im Recht ist, soll das Recht auch durch jede Art von Kampf mit Wort und Tat schützen.»
Der Anführer überblickt Meine zahlreiche Gesellschaft und befiehlt, uns alle sofort zu fangen und zu binden. Zuerst stürzen sich seine Söldner und Schergen auf die Jünglinge und versuchen, sie festzunehmen. Die Jünglinge entkommen ihnen jedoch jedes Mal so geschickt, dass sie keinen einzigen fangen können. Während sich die Söldner und Schergen beim Versuch, die Jünglinge zu fangen, abmühen und bereits weit zerstreut haben, weil die Jünglinge zum Schein in alle Richtungen fliehen, sage Ich zum Anführer: «Mir scheint, es fällt dir schwer, uns zu fangen.» Der Anführer will mit seinem Schwert nach Mir schlagen. In diesem Augenblick entreisst ihm jedoch ein Jüngling das Schwert, schleudert es für alle sichtbar weit in die Höhe und vernichtet es auf diese Weise.
Ich sagte zum Anführer: «Nun, womit willst du jetzt nach Mir schlagen oder stechen?» Der Anführer sprach, völlig ausser sich vor Zorn: «So wird hier also Roms Macht geachtet? Gut, ich werde dafür sorgen, dass dies nach Rom berichtet wird. Seht euch diese Gegend nach kurzer Zeit wieder an und sagt dann, ob sie noch dieselbe sein wird. Kein Stein soll auf dem anderen bleiben.»
Ich zeige ihm jedoch, wie die Jünglinge gerade sämtliche Söldner und Schergen mit Stricken gefesselt vor sich hertreiben. Als der Anführer das sieht, beginnt er, Zeus, Mars und sogar die Furien anzurufen, damit sie ihn vor einer solchen Schmach beschützen.
Ich sage den Jünglingen jedoch, sie sollen die Söldner und Schergen wieder freilassen, und sie tun es sogleich. Danach sage Ich zum Anführer: «Nun, hast du noch Lust, deine Gewalt weiter an uns zu erproben?» Der Anführer sagte: «Diese Jünglinge müssen Götter sein; sonst wäre es nicht möglich, meine hervorragendsten Krieger auf diese Weise vollständig mit blossen Händen zu besiegen.»
Ich sagte: «Ja, für dich und deinesgleichen mögen sie durchaus Götter sein. Lass uns deshalb nun weiterziehen und führe deine Untersuchung im Schloss durch, sonst wird dir noch Schlimmeres widerfahren.»
Der Anführer sagte: «Demnach erkenne ich euch als unschuldig an und gestatte euch, euren Weg fortzusetzen. Ihr, meine Truppen, begebt euch ins Schloss, untersucht alles und lasst niemanden aus dem Schloss entweichen, bevor ihr nicht alles untersucht habt. Ich werde hier auf euch warten.» Ein Unteranführer fragte: «Warum willst du die Untersuchung im Schloss nicht selbst leiten?» Der Anführer antwortete: «Du siehst doch, dass ich mein Schwert verloren habe. Ohne Schwert ist eine solche Untersuchung aber ungültig.» Der Unteranführer sagte: «Uns geht es kein bisschen besser. Wie wird es danach wohl um die Gültigkeit unserer schwertlosen Untersuchung stehen?» Der Oberanführer sagte: «Was, auch ihr seid also ohne Waffen? Das ist schlimm. Ohne Waffen können wir nichts tun. Hm, was tun wir jetzt?»
Ich sagte: «Dort im Süden liegen eure Waffen unter der hohen Zeder. Geht hin und holt sie, denn wir fürchten euch mit Waffen ebenso wenig wie ohne sie.» Nach diesen Worten gehen sie dorthin, wo ihre Waffen liegen.