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GEJ 1.66

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 66 von 161

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GEJ 1.66.1

Wir ziehen weiter nach Osten und kommen bald zu einem kleinen Dorf, das ungefähr zwanzig Feldwege vom Schloss entfernt liegt. Die gesamte Einwohnerschaft eilt uns freudig entgegen und fragt uns freundlich, womit sie uns dienen könne. Ich sage zu ihnen: «Gibt es unter euch niemanden, der krank ist?» Sie bejahen es und sagen: «Ja, wir haben einen, der durch die Gicht völlig gelähmt ist.»

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Ich sagte: «Dann bringt ihn her, damit er seine Gesundheit wiedererlangt.» Einer sagte: «Herr, das wird schwierig sein. Dieser Gichtkranke ist so stark zusammengezogen, dass er seit vollen drei Jahren das Bett nicht mehr verlassen kann. Auch lässt sich das Bett, in dem er liegt, nur schwer forttragen, weil es am Boden befestigt ist. Möchtest Du Dich nicht selbst zu dem Kranken bemühen?» Ich sagte: «Wenn sich das Bett nur schwer fortbewegen lässt, dann hüllt den Kranken in eine Matte und bringt ihn hierher.» Auf diese Anweisung eilen einige schnell in das Haus, in dem der Gichtkranke liegt, wickeln ihn in eine Matte, tragen ihn zu Mir auf die Strasse hinaus und sagen: «Herr, hier ist der arme Kranke.»

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Ich frage den Kranken, ob er geglaubt habe, dass Ich ihn heilen könnte. Der Kranke betrachtet Mich und sagt: «Lieber Freund, Du siehst durchaus danach aus; Du scheinst ein wahrer Heiland zu sein. Ja, ich glaube es.»

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Darauf sagte Ich: «Nun denn, steh auf und geh umher. Dein Glaube kam dir zu Hilfe. Hüte dich aber künftig vor deinen bestimmten Sünden, damit du nicht wieder der Gicht verfällst, die beim zweiten Mal schlimmer wäre als jetzt.»

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Sogleich erhebt sich der Kranke, hebt die Matte auf und beginnt zu gehen. Als er dadurch erkennt, dass er vollkommen geheilt ist, fällt er vor Mir nieder, dankt und sagt schliesslich: «Herr, in Dir ist mehr als menschliche Kraft. Gepriesen sei die Kraft Gottes in Dir. O selig ist der Leib, der Dich getragen hat, und überselig die Brust, an der Du getrunken hast.»

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Ich sagte zu ihm: «Und selig sind alle, die Meine Worte hören, sie in ihrem Herzen bewahren und danach leben.» Der Kranke fragte: «Herr, wo kann man Dich sprechen hören?»

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Ich sagte: «Du kennst doch den Oberpriester Jonael aus Sichar, der auf dem Garizim Opfer darbrachte. Sieh, er besitzt Mein Wort. Geh zu ihm und lerne es von ihm.» Der Geheilte fragte: «Herr, wann kann man ihn zu Hause antreffen?» Ich sagte: «Er steht hier neben Mir. Frage ihn selbst; er wird es dir sagen.»

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Darauf wendet sich der Geheilte an Jonael und sagt: «Würdiger Oberpriester Jehovas auf dem Garizim, zu welcher Zeit dürfte ich dein Haus betreten?»

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Jonael sagte: «Bis jetzt bestand deine Arbeit darin, zu liegen und dein Leiden geduldig zu ertragen. Deshalb hast du zu Hause nicht viel zu versäumen. Geh den heutigen Tag mit uns und höre zu; es wird noch manches geschehen, und morgen sollst du alles Weitere erfahren.»

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Der Geheilte sagte: «Wenn ich für würdig erachtet werde, in einer solchen Gesellschaft mitzugehen, folge ich euch mit aller Freude. Denn, lieber Freund, wenn man drei volle Jahre lang unter oft unsäglichen Schmerzen in einem harten Bett dahinschmachten musste und nun durch ein reines Wunder Gottes plötzlich von dem bösen Übel geheilt wird, erkennt man erst den wahren Wert der Gesundheit. Und welche Freude ist es, mit geraden Beinen gehen zu können. Deshalb möchte ich nun wie David tanzend und springend vor euch hergehen und mit grossem Jubel die grosse Güte des Herrn loben.»

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Jonael sagte: «Geh und tue das, damit sich vor unseren Augen erfüllt, was vom Herrn geschrieben steht: ‹Und der Lahme wird springen wie ein Hirsch!›»

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Da wirft der Geheilte die Matte von sich, begibt sich schnell an die Spitze der Gesellschaft, beginnt zu springen und zu jubeln und lässt sich in seiner Freude nicht stören. Ihm kommen die römischen Söldner und Schergen samt ihren Anführern entgegen, welche die beiden Jünglinge zwei bis drei Feldwege vom Schloss Jairuths entfernt auf einen Seitenweg versprengt hatten. Sie stören ihn in seiner Freude und fragen ihn, was er da tue. Er lässt sich jedoch nicht beirren und sagt, während er noch hüpft und springt, als beachte er die Frage des Oberführers nicht: «Wenn die Menschen lustig werden, wird das Vieh traurig; denn die Freude der Menschen bringt dem Vieh den Tod. Darum nur Jurahel! Jurahel! Die Menschen voll Freude, das Vieh traurig auf der Heide! Jurahel, Jurahel!» Der Geheilte fährt damit fort. Das ärgert den Oberanführer, und er verbietet ihm diesen Lärm.

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Der Genesene sagte jedoch: «Warum verbietest du mir meine Freude? Ich lag drei volle Jahre als Gichtkranker im Bett. Wärst du zu mir gekommen und hättest gesagt: ‹Steh auf und geh!›, und wäre ich durch einen solchen Ausspruch ebenso gesund geworden, wie ich es jetzt bin, dann hätte ich dich und jedes Wort aus deinem Mund göttlich hoch verehrt. Da du aber kein solcher bist und deine Macht gegenüber der meines neuen Herrn ein völliges Nichts ist, gehorche ich dem mächtigen Herrn. Darum wieder: Jurahel, Jurahel, Jurahel!»

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Der Oberanführer verbietet ihm nun mit vollem Ernst, weiter solches Spektakel zu machen, und droht ihm Strafe an. In diesem Augenblick kommen jedoch zwei der Jünglinge zu dem fröhlichen Mann und sagen zu ihm: «Lass dich in deiner Freude nicht stören.»

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Als der Anführer die ihm bereits bekannten Jünglinge sieht, ruft er seiner völlig waffenlosen Truppe sofort zu: «Flieht! Seht, schon wieder zwei Diener Plutos!»

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Als der Oberanführer diesen Fluchtbefehl ausruft, ergreift die gesamte römische Fanglegion so überstürzt die Flucht, wie man es zuvor noch nie gesehen hatte. Der Genesene springt und jubelt nun noch mehr und ruft den Flüchtenden nach: «Jurahel, Jurahel! Wenn die Menschen fröhlich sind, ist das Vieh traurig!» Danach wird er ruhiger, kehrt zu Jonael zurück und sagt: «Freund, wenn dir das Reden während des Gehens nicht lästig ist, könntest du mir etwas von dem mitteilen, was du als neues Wort von diesem Herrn empfangen hast, der mir die Gesundheit gegeben hat. Denn wenn ich ein solches Wort zu meinem Gesetz machen soll, muss ich es vorher kennen.»

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Jonael sagte: «Sieh, wir nähern uns wieder einem Dorf, das nach der neuen römischen Verfassung nun als Flecken gilt. Dort wird der Herr gewiss wieder etwas unternehmen. Du folgst uns ohnehin in die Stadt. In meinem Haus oder in dem Irhaels findest du Unterkunft, solange es dir gefällt. Dort sollst du mit allem bekannt gemacht werden. Wir haben es auch nicht mehr weit bis zur Stadt. Der Ort, dem wir uns nähern, gehört nach einer neuen Ordnung der Römer eigentlich bereits zur Stadt. Weil er den Römern aber vor allem als Festung dient, haben sie ihn von Sichar getrennt, mit einem Wall umgeben und zu einem Flecken mit eigenem Namen erhoben. Dieser Ort ist nicht gross; nach tausend Schritten haben wir ihn hinter uns. Danach wenden wir uns nach links und haben kaum noch sieben Feldwege bis zu den ersten Häusern Sichars. Gedulde dich deshalb noch ein wenig, dann wird dein Wunsch sogleich erfüllt werden.»

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Der Genesene sagte: «O bei Abraham, Isaak und Jakob! Wenn dieser Flecken ein römischer Besatzungsposten ist, wird es uns schlimm ergehen. Denn der römische Feldherr wird uns übel empfangen, nachdem er erst vor wenigen Augenblicken vor uns auf höchst schimpfliche Weise die Flucht ergriffen hat.»

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Jonael sagte: «Das alles überlassen wir dem Herrn, der nun bei uns ist. Er wird alles gut und richtig lenken. Ich sehe bereits eine Schar Krieger mit einer weissen Fahne aus dem Flecken auf uns zukommen; das scheint mir ein gutes Vorzeichen zu sein.»

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Der Genesene sagte: «O ja, wenn es nur keine gewöhnliche Kriegslist der Römer ist. Denn in solchen Dingen sind die Kriegsscharen der Römer und Griechen ganz besonders geschickt.»

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