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GEJ 1.64

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 64 von 161

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GEJ 1.64.1

Jairuth sagte: «Herr, wenn es sich so verhält, wie ich mich schon einige Male ganz ernsthaft selbst überzeugt habe, werde ich am Ende im tiefsten Grunde sogar den gesamten Weinbau aufgeben und den Weingenuss in meinem Haus vollständig abschaffen. Denn nach Deiner Aussage, die ich für sehr wahr und gut halte, kann die rechte Liebe auch durch rechte Worte dauerhaft belebt werden, während das Böse im tiefen Hintergrund bleiben muss. Wenn es so ist, lasse ich den gesamten Weinbau sogleich beiseite und verpflichte mich, nach diesem Himmelswein nie wieder einen irdischen Wein zu trinken. Was sagst Du zu diesem meinem Vorsatz?»

GEJ 1.64.2

Ich sagte: «Ich kann ihn weder loben noch tadeln. Tue, was dir am besten erscheint. Wenn es deiner Seele guttut, handle in allem nach deiner besseren Einsicht. Im Übrigen kannst du alles Gute von Mir erhalten, wenn es dir darum zu tun ist, denn du bist im Guten ein sehr strenger und rechtschaffener Mann, und Ich habe es dir zugesagt.»

GEJ 1.64.3

Jairuth sagte: «Herr, dann bleibe mit Deiner Gefolgschaft bei mir oder lass mir wenigstens einen oder zwei dieser Jünglinge zurück, damit sie mich in der rechten Liebe und Weisheit unterweisen.»

GEJ 1.64.4

Ich sagte: «Vorläufig kann Ich deinem guten Wunsch nicht entsprechen und mit Meiner Gefolgschaft bei dir bleiben, denn Ich habe in dieser Welt noch sehr viel zu tun. Zwei dieser Jünglinge, die du dir auswählen kannst, will Ich dir jedoch zurücklassen. Achte aber sorgfältig darauf, dass weder du noch jemand aus deiner Familie in irgendeine Sünde fällt; sonst würden sie euch zu furchtbaren Zuchtmeistern werden und dein Haus schon bald verlassen. Denn wisse: Diese Jünglinge sind Engel Gottes und können jederzeit Sein Angesicht schauen.»

GEJ 1.64.5

Jairuth sagte: «O Herr, das ist schon wieder etwas Bitteres. Denn wer kann dafür einstehen, dass er nicht wenigstens einmal im Jahr durch Gedanken, Worte oder Taten sündigt? Dazu noch ein Paar Zuchtmeister, vor denen nichts verborgen bleiben kann: Das wäre keine besonders erfreuliche Gabe. Deshalb möchte ich meine Bitte lieber zurücknehmen, und es soll alles bleiben, wie es ist und wie es war.»

GEJ 1.64.6

Ich sagte: «Alles ist gut. Wie du es willst, so soll es für dich geschehen. Du bist frei, und nirgends soll dir ein Zwang auferlegt werden; dessen kannst du sicher sein.»

GEJ 1.64.7

Jairuth sagte: «Nein, die Jünglinge, also diese echten Engel Gottes, sehen doch allzu anmutig und liebenswert aus. In ihrer Gegenwart eine Sünde zu begehen, erscheint mir unmöglich. Darum mag es kommen, wie es will: Zwei behalte ich auf jeden Fall.»

GEJ 1.64.8

Ich sagte: «Nun gut, dann sollen zwei bei dir bleiben und sichtbar in deinem Haus verweilen, solange sie sich dort wohl befinden. Mein Freund Jonael wird dich später Meine Wege mit grösster Treue kennenlernen lassen. Solange du mit deinem Haus auf diesen Wegen wandelst, werden sie bei dir bleiben, dir in allem dienen und dein Haus vor jedem Übel schützen. Wenn du jedoch Meine Wege verlässt, werden auch sie dich und dein Haus verlassen.»

GEJ 1.64.9

Jairuth sagte: «Gut, dann soll es dabei bleiben. In meinem Haus wird kein Wein mehr getrunken werden, und mit dem vorhandenen Vorrat will ich den Römern den zugesagten zehnjährigen Zins für die Armen dieser Gegend bezahlen. Die Trauben, die in meinen Gärten wachsen, werde ich trocknen, sie als liebliche süsse Frucht verzehren und den Überschuss verkaufen. Ist es so recht?»

GEJ 1.64.10

Ich sagte: «Vollkommen. Was immer du aus Liebe zu Mir und zu deinen Mitmenschen, die deine Brüder sind, tun wirst, wird gut und richtig getan sein.»

GEJ 1.64.11

Danach rief Ich sogleich zwei der Jünglinge zu Mir, stellte sie Jairuth vor und sagte: «Sind dir diese beiden recht?» Jairuth war bei ihrem Anblick bis in alle Himmel entzückt und sagte: «Herr, wenn Du mich dieser Gnade für würdig hältst, bin ich damit bis in die tiefste Tiefe meines Herzens über alle Massen zufrieden. Doch ich empfinde meine Unwürdigkeit für den Besitz einer solchen Gnade aus den Himmeln nur allzu sehr. Von nun an werde ich mich jedoch überaus eifrig bemühen, einer solchen Gnade nach und nach würdiger zu werden. So geschehe Dein Wille, der mir immer heiliger wird.»

GEJ 1.64.12

Die beiden Jünglinge sagten: «Der Wille des Herrn ist unser Sein und Leben. Wo dieser in allem tätig verwirklicht wird, sind wir die tätigsten Mitarbeiter und besitzen dafür Kraft und Stärke im Überfluss. Denn unsere Macht reicht über die gesamte sichtbare Schöpfung hinaus: Die Erde ist für uns ein Sandkorn und die Sonne wie eine Erbse in der Hand eines Riesen. Das gesamte Wasser der Erde reicht nicht aus, um ein Haar unseres Hauptes feucht zu machen, und vor dem Hauch unseres Mundes erzittert das Heer der Sterne. Doch wir besitzen diese Kraft nicht, um uns vor der Schwäche der Menschen damit zu rühmen, sondern um ihnen nach dem Willen des Herrn zu dienen. Deshalb können und wollen wir auch dir genau nach dem Willen des Herrn dienen, solange du ihn in all deinem Tun erkennen, annehmen und achten wirst. Hast du ihn aber verlassen, hast du auch uns verlassen, denn wir sind nichts anderes als der personifizierte Wille Gottes, des Herrn. Wer uns verlässt, den verlassen auch wir. Das sagen wir dir hier in der vollen Gegenwart des Herrn, dessen Angesicht wir jederzeit schauen und auf dessen leise Winke wir hören, die uns zu einer neuen Tat rufen und mit grösster Kraft hinziehen.»

GEJ 1.64.13

Darauf sagte Jairuth: «Ihr anmutigsten Jünglinge, ich begreife und verstehe sehr wohl und klar, dass euch eine für uns Sterbliche unermessliche Kraft zu eigen ist. Aber auch ich vermag etwas, was ihr vielleicht selbst nicht vermögt: Ich kann mich vor euch meiner Schwäche rühmen, in der weder Macht noch irgendeine Kraft zu Hause ist. Doch in dieser meiner grossen Schwäche vor euch liegt ebenfalls eine Kraft, durch die ich den Willen des Herrn erkennen, annehmen und erfüllen kann.

GEJ 1.64.14

Gewiss nicht in demselben Mass wie ihr. Doch der Herr wird mir sicherlich nicht mehr aufbürden, als ich zu tragen vermag. Unter diesem Gesichtspunkt ist mir meine Schwäche sehr ehrenwert. Denn es verdient besondere Beachtung, dass die Schwäche der Menschen am Ende dennoch denselben Willen des Herrn erfüllt wie eure unermessliche Kraft und Macht.

GEJ 1.64.15

Wenn ich den Herrn bisher richtig verstanden habe, könnte es sich am Ende sogar zeigen, dass dem Herrn die Tat der schwachen Kinder lieber sein wird und dass sich die Kraft und die Taten der grossen und mächtigen Geister der Himmel von der Schwäche der kleinen Kinder dieser Erde werden leiten lassen müssen, um zum Tisch der Kinder zu gelangen. Denn wenn der Herr selbst zu den Schwachen kommt, scheint es mir zumindest, dass Er die Schwachen stark machen wird.»

GEJ 1.64.16

Die Jünglinge sagten: «Ja, gewiss, so ist es sicher und richtig. Erkenne also den Willen des Herrn und handle danach; dann hast du bereits unsere Kraft und Macht in dir, die nichts anderes als der reine Wille Gottes, des Herrn, ist. Wir selbst besitzen weder eigene Kraft noch irgendeine Macht, sondern all unsere Kraft und Macht ist nichts anderes als der in uns und durch uns erfüllte Wille Gottes.»

GEJ 1.64.17

Ich sagte: «Nun ist von jeder Seite alles gut. Wir haben uns gestärkt; daher wollen wir uns nun, ihr Lieben alle, von den Tischen erheben und uns auf einen Weg begeben, der uns weiterführt.» Auf dieses Wort hin erhoben sich alle, dankten und gingen mit Mir ins Freie.

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