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GEJ 1.50

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 50 von 161

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GEJ 1.50.1

Die vorzüglichste Heiligung des Sabbats besteht darin, dass ihr an diesem Tag in allem Guten tätiger sein sollt als an einem anderen Tag.

GEJ 1.50.2

Nur Knechtsarbeit, also Arbeit um Lohn und weltliche Vergütung, sollt ihr künftig weder an einem gewöhnlichen Wochentag noch an einem Sabbat verrichten. Denn von nun an soll für euch jeder Tag ein Sabbat und jeder Sabbat ein voller Werktag sein. Damit hast du, Mein Freund, die vollständige Regel dafür, wie ihr Gott künftig dienen sollt. Dabei soll es bleiben.»

GEJ 1.50.3

Der Oberpriester sagte: «Ich erkenne nun ganz klar die heilige Wahrheit dieser Regel und nehme sie gern als Gesetz an. Bei den fest verwurzelten Juden wird es jedoch viel brauchen, bis ihnen diese aus dem rein göttlichen Willen hervorgehende Regel klar und in ihrer vollen Wahrheit verständlich wird. Ich meine, dass sehr viele sie bis ans Ende der Welt nicht annehmen werden. Denn die Menschen sind seit Urzeiten zu sehr an den Sabbat gewöhnt und werden ihn sich nicht nehmen lassen. Das wird erst recht grosse Mühe und Arbeit verursachen.»

GEJ 1.50.4

Ich sagte: «Es ist überhaupt nicht nötig, den Sabbat vollständig aufzuheben, sondern nur das Törichte daran. Gott der Herr braucht weder euren Dienst noch eure Ehrerbietung. Denn Er hat die Welt und den Menschen ohne jede fremde Hilfe erschaffen und verlangt von den Menschen nur, dass sie Ihn erkennen und mit all ihren Kräften lieben, und zwar nicht allein am Sabbat, sondern an jedem Tag ohne Unterlass.

GEJ 1.50.5

Was ist das für ein Gottesdienst, wenn ihr nur am Sabbat an Gott denkt, während der Woche aber nie? Ist Gott nicht an jedem Tag derselbe unveränderliche Gott? Lässt Er nicht an jedem Tag, ob Sabbat oder Werktag, Seine Sonne aufgehen und ihr Licht über Gerechte und Ungerechte scheinen, von denen es stets weit mehr gibt als Gerechte?

GEJ 1.50.6

Arbeitet Gott nicht selbst an jedem Tag? Wenn der Herr Sich keinen Feiertag nimmt, warum sollten sich dann die Menschen Feiertage allein um des Müssiggangs willen einrichten? Denn an einem Sabbat beachten sie nichts so genau wie den Müssiggang. Damit erweisen sie Gott gewiss den schlechtesten Dienst.

GEJ 1.50.7

Denn Gott will, dass sich die Menschen fortwährend und immer mehr an die Tätigkeit der Liebe gewöhnen, damit sie einst im anderen Leben zu jeder Arbeit und Mühe fähig sind und allein in einer solchen Tätigkeit die wahre und höchste Seligkeit suchen und finden. Könnten die Menschen dies jemals durch Müssiggang in sich bewirken? Ich sage dir: niemals.

GEJ 1.50.8

Am Werktag übt sich der Mensch trotz seiner Arbeit nur in Selbstsucht. Denn er arbeitet für sein Fleisch und nennt das sein Eigentum, was er sich erarbeitet hat. Wer etwas davon haben will, muss es ihm durch Arbeit oder Geld abkaufen; sonst dürfte er von niemandem etwas von Bedeutung erhalten. Wenn nun die Menschen an den Werktagen nur ihre Selbstsucht pflegen und am Sabbat, dem einzigen Tag, an dem sie sich in der Tätigkeit der Liebe üben sollen, dem hartnäckigsten Müssiggang nachgehen, stellt sich ganz ernsthaft die Frage: Wann sollen oder können sie sich dann im einzig wahren Gottesdienst üben, der allein im liebevollen Dienst am Nächsten besteht?

GEJ 1.50.9

Gott selbst ruht keinen Augenblick, sondern ist fortwährend für die Menschen tätig und niemals für Sich. Denn Er braucht für Sich weder eine Erde noch eine Sonne, den Mond oder alle Sterne und all das, was in ihnen ist und aus ihnen hervorgeht. Gott braucht nichts davon. Aber alle erschaffenen Geister und Menschen brauchen dies alles, und der Herr ist daher allein ihretwegen fortwährend und ohne Unterbrechung tätig.

GEJ 1.50.10

Wenn der Herr, für Dessen Wirken jeder Tag wie der andere ist, fortwährend für die Menschen tätig ist und will, dass die Menschen Ihm als Seine Kinder in allem gleichen, wie könnte Er dann jemals gewollt haben, dass sie nach sechs Tagen der Selbstsucht Gott am siebten Tag durch hartnäckigen Müssiggang einen wohlgefälligen Dienst erweisen und Ihn, der ewig tätig ist, durch Trägheit ehren?

GEJ 1.50.11

Ich sage dir als Oberpriester dies nun in greifbarer Klarheit, damit du künftig — im vollen Wissen darum, wer Derjenige ist, Der dies zu dir gesprochen hat — deiner Gemeinde den Sabbat in einem besseren Licht zeigst, als es von Mose bis zu dieser Stunde geschehen ist. Denn genau so, wie Ich dir den Sabbat nun enthüllt habe, wurde er auch Mose gegeben. Das Volk hatte ihn jedoch schon sehr bald in einen heidnischen Tag des Müssiggangs verwandelt und meinte, Gott durch Nichtstun und durch die Bestrafung jener, die es gewagt hatten, am Sabbat eine kleine Arbeit zu verrichten oder einem Kranken hilfreiche Unterstützung zu leisten, einen angenehmen Dienst zu erweisen. O diese grosse Blindheit, o diese gröbste Torheit.»

GEJ 1.50.12

Der Oberpriester war von dieser Wahrheit tief ergriffen und sagte: «O heiligste und reinste Wahrheit aus Deinem Mund! Jetzt ist mir alles klar. Erst jetzt hast Du, o Herr, die dreifache Decke des Mose vollständig von meinen Augen genommen. Nun braucht es wohl keine Zeichen mehr, denn hier genügt allein Dein heiliges und wahres Wort. Ich behaupte jetzt mit vollster Überzeugung: Alle, die jetzt und künftig wegen der Zeichen an Dich glauben und nicht wegen des überaus wahren Wortes, werden keinen wahren, lebendigen Glauben haben, sondern nur träge und maschinenhafte Befolger Deiner Lehre und Deines heiligen Willens sein. Bei uns aber soll es anders sein. Nicht die Zeichen, die uns Deine Gegenwart gab, sondern allein Dein heiligstes und wahrstes Wort soll in unseren Herzen den wahren, lebendigen Glauben hervorbringen und die vollkommenste Liebe zu Dir erwecken, und aus Dir und allein um Deinetwillen auch die Liebe zu allen Menschen im rechten Mass. Von nun an geschehe allein Dein heiliger Wille, den Du uns, o Herr, so überaus klar und für ewig wahr verkündet hast.»

GEJ 1.50.13

Ich sagte: «Amen. Ja, lieber Freund und Bruder, so ist es recht und gut. Denn nur so könnt ihr vollkommen werden, wie der Vater im Himmel vollkommen ist. Wenn ihr so vollkommen seid, dann seid ihr auch wahrhaftige Kinder und könnt Ihn jederzeit anrufen: ‹Abba, lieber Vater!› Was ihr Ihn als Seine wahren Kinder bitten werdet, wird Er euch geben. Denn der Vater ist überaus gut und gibt Seinen Kindern alles, was Er hat. Nun aber esst und trinkt. Denn die Speise hier stammt nicht von dieser Erde, sondern der Vater sendet sie euch aus den Himmeln und ist nun selbst unter euch.»

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