Gedichte aus dem Buch

Samuel Surazal Das große Sterben und das große Erwachen

Über diese Ausgabe
Autor / Quelle
Samuel Surazal
Verwendete Ausgabe
1. Auflage Juli 2022
Originalsprache
Deutsch
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Deutsche Originalausgabe

1. Auflage Juli 2022 ▪ Samuel E. Surazal

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ISBN 978-3-946467-94-6

„Es hatte die Nacht ihre Wunden schon verschlossen –

Zukunftsweisende Gedichte“

Unruhig ist die sprechende Hand

im Labyrinth der verlorenen Worte.

Unruhig das Herz, wenn es Bitternis trinkt

aus dem Krug der zu durchwandernden Nacht.

Noch küssen dich sinnliche Träume,

dir Zeit zu erhalten mit betörenden Schatten,

die dich betasten und nach dir greifen

mit kahlem Geäst auf dem Weg in die Lichtung,

die Schweres in Leichtes verwandelt.

Geh nur voran!

Es soll deiner Seele nicht schaden,

so dich verletzen die reißenden Arme

des finstern Gehölzes.

Sieh nur voraus!

Schon taucht in die Bäume das Licht,

um zu erlösen dein Gemüt

von Leid und Wunde und Schmerz.

Hab nur Mut und Vertrauen,

auf dass dich trage die alleinige Wahrheit

ins ruhende Innerste des aus dem Herzen

deines ewig erbarmungsvollen Vaters

gesprochenen Wortes Liebe.

* * *

Deiner Liebe Atem

Nicht die Träne ist es, die dein Aug verliert,

wenn des Wortes nackter Leib nach Leben frägt

in den unfruchtbaren Versen, darin sich deine Hand verirrt,

wenn der Tod dein Liebesatmen trägt.

Fern jeder Hoffnung sind die Geburten dieser Nächte,

gezeichnet mit den Sternen deiner falschen Euphorie –

hier bekämpfen dich Dämonen und die finsteren Mächte,

tauchen deiner Sehnsucht Blick in ihren blinden Hass

und ihre Agonie.

Hier, wo deiner Seele Schatten deine Scham bedecken

und der Todesengel deiner ird´nen Taten

Wahn und Sünde wägt, bist du Gefangener der Leiber,

die nach diesen Sünden lecken,

weil hier die Finsternis den Atem deiner Liebe trägt.

Nur das Himmelsschwert

kann dich von dieser Fessel trennen

mit der Not, die deine totgeborenen Worte hinterfrägt –

dieser Kinder Leid wird dir die lichte Antwort nennen,

wenn Gottes Liebe wieder deinen Atem trägt.

* * *

Lied von der Liebe

Lied von der Liebe, die ich kenne

und die ich nicht kenne,

die mich trägt in ihrem Schoß,

mich Ungenannten der Gnade,

die mich trägt in diesen Himmel,

diesen geschenkten Himmel,

der meine Nacht öffnete,

der meine Sterne entzündete,

der mein verlorenes Herz tränkte

und es wusch mit dem Licht

unvergänglicher Morgenröte und der Wärme

eines nie mehr endenden Tages der Liebe.

Lied von der Liebe, das ich schreibe, das sie schreibt

mit der Umarmung eines besten Freundes,

mit den gütigen Augen eines Vaterherzens,

mit dem Blut einer ihr Kind beschützenden Mutter,

mit den Gedanken eines erschaffenden Gottes.

So wurde dies Lied komponiert,

mit ruhiger, klarer, friedlicher, liebevoller Hand,

überwältigend die peitschenden Wogen

und Wellen aller Ozeane dieser Erde,

spielend mit den wütenden Orkanen

und Stürmen dieser unbändigen Welt,

durchdringend und lichtend die Nebel

der nach dem Himmel drängenden Wasser,

blendend die Blitze und verstummen machend

die Donner der zornentbrannten Geister der Lüfte.

So entstand dies Lied der Liebe,

so leise, so friedvoll, so zärtlich.

Gleich der Demut eines Flötenspiels,

gleich dem Hauch eines warmherzigen Wortes,

das die Herzen in ihrer Tiefe berührt,

das ihre verschütteten Gluten entfacht

und leuchtend macht die Augen,

die leeren und ungewissen, verlorenen

Träumen und Hoffnungen hinterherlaufend,

stolpernd, stürzend, erblindend.

Dies Brot und dieser Wein aus den Himmeln,

dieser fast unhörbare Ton, der sich niemandem aufdrängt

und doch immer und für jedermann

singt die Melodie des Lebens.

Diese göttliche Daseinsfreude,

die sich offenbart in den erhabensten

Farben und Düften der unzähligen Blumen und Blüten

der lieblichsten Auen des Herzens Gottes.

Dies ewige Wort, das scheint

als zartwärmende Sonne eines erweckenden Frühlings

über alle Häupter dieser gefallenen Erde.

So singt die Liebe ihr Lied,

so sang sie einst das Lied der Schöpfung

und singt es jetzt in allen Räumen

der Zeit und der Vergänglichkeit.

Und so wird sie es singen in alle Ewigkeit,

bis sie alle ihre Kinder trägt in ihrem Schoß

und sie beschenkt mit ihrem Himmel,

der ihre Nächte öffnen,

der ihre Sterne entzünden,

der ihre verlorenen Herzen tränken wird

und waschen mit dem Licht

unvergänglicher Morgenröte und der Wärme

eines nie mehr endenden Tages der Liebe.

* * *

Der Chor der Nacht im Lichterglanz

tritt aus der Dunkelheit hervor,

besingend Liebe mit gold´nem Schweigen.

Am Himmel lodert Feuertanz;

Wahrheit wird sich offen zeigen,

verkündend das Ende der Weltenpracht.

* * *

Wenn Jesus Christus wiederkommt

und sein Geist die Erde durchdringt, die rastlose,

erfährst du die Wahrheit deines Seins.

Lebe so, dass du bereit dafür bist.

Denn der Tod erfährt das Leben als Gericht,

allein die Liebe erblüht im Angesicht der Ewigkeit.

* * *

Wie ein Blitz kam das Schwert

und hieb entzwei das kraftlose Zentrum

von Schatten und Nacht.

Der schwarzwehende Vorhang

des Gewölbes zerriss und fiel

ins All hinab und Licht flutete

und tauchte das Auge des Herzens

in die weiten Räume der Unendlichkeit.

Sie waren Liebe.

* * *

Es ist ein Licht im Herzen

und das Licht gibt das Wort

und das Wort ist das Licht.

Doch das Herz ward Fleisch

und das Fleisch verbarg das Licht

und um das Wort wurde Finsternis.

Und es kam das Wort

und öffnete das Herz

und die Finsternis wurde Licht.

* * *

Mondgesang

O trauriger Pfad durch wehrlose Zeit,

geschlagen mit Hass und Bosheit und Neid.

Grausam sich quälend, das Schwert in der Hand,

stolpert der Mensch durch vertrocknetes Land,

die Stufen des Lebens haltlos erklimmend

in tödlichem Gewand!

So schrieb ich dichtend um Wahrheit und Sinn

dem Gott, dessen Abbild ich bin.

Voller Gnade gebot Er mir,

meines Schicksals Schuld zu schauen.

Die stürzte mich vom höchsten Punkt des Übermuts

in tiefen Schmerz, und Demut und Geduld

gebaren mir Vertrauen, das mich auf fließend Tränen

still und leis nach innen führte.

Dort spürte ich, was Liebe sei

und Licht berührt´ mein Herz mit hellem Strahl

und ließ mich Ewigkeit erahnen …

… aller Vergänglichkeit bar,

der Reinheit Erfüllung so nah,

sann ich dem Sein und Nichtsein

in des nächtlichen Mondes Schein.

Der Propheten und Dichter Namen nicht nennend,

doch der weisesten Worte Klänge erkennend,

gewahrt´ ich von fern gar lieblichen Gesang,

die Herzen belebend, den Drang,

den Tönen zu folgen in finsterer Nacht.

So beugt´ ich mich nieder

und stimmte mit ein in die himmlischen Lieder,

zu singen mit all meiner Kraft,

zu singen die Lieder der göttlichen Macht.

Längst regiert auf Erden schon der Tod,

seit Anbeginn der Zeit

bringt er der Menschheit große Not.

Wer könnt´ ihm wohl sein arges Tun verwehren,

da er mit teuflischem Geschick über diese Erde schreitet,

als ob der Herr der Finsternis, von Unterwelt begleitet,

auf dem fahlen Rosse uns zuschanden reitet?!

Und nicht gewähren lässt des Tages Helligkeit,

den Blick ins unverdorb´ne Licht der Liebe,

o unser eigentlich Begehren.

So atmet der Klang des Lichtes ins Leere,

fällt doch die Welt im Taumel der Schwere

und schwingt ihren Kreis umhüllt

von Zerstörung und Untergang,

der Gottverlassenheit sicherer Preis.

Beharrlich leugnen die Toten den Tag,

betört von vergänglichem Glanz und Schein,

die Sinne berauscht von modrigem Wein

verführt sie die Nacht zu verderblichem Tanz!

Sie martern die heiligen Worte

mit Spott und mit Hohn und frönen

dem tödlichen Lohn der Verzweiflung!

O Gott, was ist hier getan!?

Sieh doch die Rohen und Kalten,

die Tyrannen und Herrscher, die walten,

nichtsahnend sich bahnend das Los der Verdammnis

der kommenden seligen Jahre!

Du sagst, Dein Erbarmen ist groß,

doch kannst Du und wirst Du

die fliehenden Wasser noch halten?!

Satan! Herr über Falschheit und Schand!

Wie lange noch wirst gebärdend dich winden,

umhüllend das Licht mit der Lüge Gestalt,

indes du zerrst die irrenden Seelen

mit brachialer Höllengewalt

in deine ewiglich finstern Höhlen!?

Besinn dich der Zeiten hinfort,

denn wenn erfüllt ist die Zahl

der erkorenen Knechte, bleibt keine Wahl!

So singen wir hier unsere Lieder,

zu erhellen das Dunkel der Nacht,

wir singen es wieder und wieder,

das Lied deiner endenden Macht.

Zwischenlied

Der Klage Schrift ist kundgetan

– droht doch die Flut, die Ufer zu ertränken –

und scheucht zu Herden die Gezeiten,

die Worte weiser Münder nun ins Freie lenken.

Ich tröste mich derweil mit des Grübelns bittrer Pein,

bedenke Anmaßung und kämpfe gegen Furcht,

doch drängt ´s mich wundvermählten Tor

mit Sinnlichkeit mir weiter Freude zu bereiten.

So bitt ich, leuchte mir, o Stern des Lebens,

mein eigen Mühen scheint vergebens!

Tauch den Mond in deiner Liebe hellste Klänge,

es braucht die Welt die klaren Nachtgesänge.

Der Gedanken Trübsal schärft das Licht,

doch Grabesstille, steinern tönend Zwang,

verhüllt der Unschuld Weise, lieb Gedicht,

und drängt, noch Not zu weinen sanft und leise.

Indessen brennen Gottes Worte im Gewissen,

in Seiner Gnad werd ich der Sterblichkeit entrissen,

noch vor dem Ruf der eingetrag´nen Namen!

So naht die Zeit, Gericht zu halten.

Geöffnet ist des Himmels Tor,

der Wahrheit Bote schaut hervor

und wird bald schamlos seines Amtes walten.

Des Glaubens Ströme hallen Sternesruf ins Reine,

Offenbarungsschmerz, von Lichtgestalt gehalten,

berührt Erinnerung im Sehnsuchtsscheine.

O lebet auf ihr Geister, treibend Kräfte,

entblößt der Welten ungeahnte Sphären!

O lebet auf, ihr Himmelsboten Engel,

bewegt den Tod, sich endlich zu erklären!

Denn bald der Tag sich trennt vom Blut,

und Nacht, mit Licht gewaschen,

entfacht des Herzens heil´ge Glut.

Der Toten Zeit gewährt dem Himmel

nicht die irdische Lebendigkeit,

die das unbedarfte Leben sorgsam

in die gottgewollte Weisheit lenkt.

Das ew´ge Licht ist ´s,

das den Menschen Frieden schenkt,

das Worte nährt mit liebend Stimmen,

die Gottes Herrlichkeit auf immerdar besingen.

So schreib ich die nieder

und singe der Welt deine Lieder,

o Gesang in der Nacht!

Mondgesang wieder und wieder,

bald ist ´s vollbracht!

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