Prophetentum und Gottes Wort

Samuel Surazal Ein Crash mit Höchstgeschwindigkeit gegen eine Wand aus Licht und Liebe

Über diese Ausgabe
Autor / Quelle
Samuel Surazal

“Und nach diesem will Ich Meinen Geist

ausgießen über alles Fleisch,
und eure Söhne und Töchter sollen weissagen,

eure Ältesten sollen Träume haben,
und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.”

Zeiten der Einsamkeit und der Askese dienen der Verinnerlichung in und der Vereinigung mit Gott. Doch allein durch Zurückgezogenheit und Gebet kann die Seele nicht dauerhaft erstarken. Abseits der alltäglichen Herausforderungen ist geistiges Wachstum nur bedingt möglich. Erst im Ringen mit den irdischen Gegenkräften öffnen sich der Seele Himmelsgaben – wenn sie dies an der Hand des Vaters tut. Stete Kämpfe sind Notwendigkeit, um mit dem Herzensgeist in Verband zu kommen, der nicht nur die Kraft der Überwindung verleiht, sondern göttliche Lebensinhalte eröffnet und diese gemäß der Wahrhaftigkeit des Glaubens entschlüsselt.

Ein Diener Gottes muss also kein Eremit oder Asket sein. Ein Prophet heutiger Zeit kann durchaus im beruflichen und familiären Dasein seinen Mann oder seine Frau stehen und ist somit legitimer Bewohner dieser Erdenwelt. Er darf sich nur nicht an seinen Besitz binden und seine irdischen Freuden über die Liebe zu Gott stellen.

Doch einst kommt der Tag, ab dem der Arbeiter im Weinberg des Herrn aus dem weltlichen Geschehen tritt und, seiner Hingabe gemäß vollendet, nur noch seinem göttlichen Auftrag nachkommt. Dann gehört sein Dasein ganz seiner Berufung. Dann kümmert sich der Vater selbst um alle Belange seines Kindes und wird Ordner und Führer bis ins kleinste Detail dessen Lebens.


Ein Prophet hat keinen Verdienst vor Gott. Auch nicht ein angesehener Prediger, ein Heiler, ein Medium, ein Religionsführer oder spiritueller Meister. Diese Personen haben Gaben mitbekommen, um der Menschheit zu dienen. Ihnen eröffnen sich bei gutwilliger Lebensweise die geistigen Talente zu gegebener Zeit, auf dass sie ihrer Berufung gerecht werden können. Ein Verdienst ist das nicht und erst recht nicht eine Regentschaft.

Propheten und Apostel sind, genauso wie jeder andere Mensch, mit Schwächen und Fehlern behaftet. Auch sie müssen sich das durch sie geoffenbarte Geistesgut im täglichen Lebenskampf zu eigen machen. Einzig die praktisch gelebte Liebe im Alltag ist Richtschnur gottgeistiger Realität. Nur sie ist gültiger Maßstab tatsächlicher Gottesgegenwart – und nicht das geäußerte Wort.

Kommt es zur Erhöhung eines Propheten oder Gottesdieners durch Personenkult oder eigenmächtiger Heiligsprechung, vermischen sich niedere Bedürfnisse mit gottgegebenen Talenten. Dann gehen die Gnadengaben schleichend verloren, der Geist zieht sich zurück, Gottesdienst wird zum Selbstzweck.

Letztendlich wird der Gottesdiener zum Satansdiener und benützt seinen früheren Status, um seine Selbstherrlichkeit und die seines neuen Meisters aufrecht zu erhalten. Viele Irrlehren und falsche Voraussagen sind durch solche Auswüchse entstanden und haben mit dazu beigetragen, dass Wahrheit und Lüge nicht mehr unterschieden werden können.


Ein Traum der Menschheit ist es, durch die Zeit zu reisen. Dieses Thema taucht immer wieder in Science Fiction Romanen und Spielfilmen auf. Aber auch anerkannte Wissenschaft beschäftigt sich ernsthaft und ausführlich mit dieser Thematik und beleuchtet alle denkbaren Möglichkeiten auf dem Gebiet theoretischer Raum- und Zeitforschung.

Doch wie es niemals gelingen kann, kreatürlichen Körpern mit wissenschaftlichen Methoden Unsterblichkeit zu verleihen, so sind auch Zeitreisen mithilfe technischer Mittel nicht möglich. Gott hat es so eingerichtet, dass der verkörperte Mensch an seine Zeitlinie gebunden bleibt – diese kann weder verlassen noch außer Kraft gesetzt werden. Und selbst in den niederen Bereichen der jenseitigen Welt kann eine Seele nur in ihrer zeitgebundenen Sphäre verweilen, der Zugang zur freien Ewigkeit ist ihr verwehrt.

Ist jemand prophetisch erwählt und/oder in Gott wiedergeboren, kann er im Geiste zeitliche und räumliche Schranken überwinden, da er sich zuweilen nicht mehr nur in seiner eigenen Lebenssphäre befindet, sondern in der allumfassenden Sphäre Gottes. Darin offenbart ihm der Vater eine Zukunft, die dem gegenwärtigen Entwicklungsstand eines Menschen, eines Volkes oder der Welt insgesamt zugrunde liegt. Visionen und prophetisches Schauen sind somit eigentlich Reisen durch Zeit und Raum. Propheten sind gewissermaßen Zeitreisende, deren Ziel von Gott vorgegeben ist.

Wie andere übersinnliche Gegebenheiten kann auch diese geistige `Fortbewegungsart´ von visionärer Kreativität erahnt werden, aufgrund der materiellen Verhaftung werden solche Vorgänge jedoch auf die Ebene der Feststofflichkeit transportiert. So kommen die irrige Vorstellung beziehungsweise der Wunsch zustande, Zeitreisen mittels technischen Fortschritts bewältigen zu können.


Wie das im Herzen gesprochene Wort Gottes muss auch jede schaubare Offenbarung durch die seelische Struktur und weltliche Färbung eines Menschen hindurch, um in dessen Bewusstsein zu gelangen. Eine jungfräuliche Vision muss also erst das konditionierte Glaubensland respektive geistige Verständnis des Sehers durchwandern, bevor sie sich der Welt kundtut.

Die Intensität des Glaubens oder einer Glaubensverirrung ist verantwortlich für den Grad von Wahrhaftigkeit oder Verfälschung sowohl der Einsicht in jenseitige Verhältnisse als auch für den Blick in zukünftige Vorkommnisse im irdischen und universellen Kosmos. Je tiefer jemand in einer weltlichen Prägung verankert ist, umso entstellter wird die ursprünglich wahrheitsgetreue Offenbarung.

In den Visionen katholisch geprägter Seelen fließen religiöse Dogmen mit ein, so kommt es zu teilweise absurden Jenseitsvorstellungen und verkehrten Darstellungen des Jüngsten Gerichts sowie der `römisch-katholischen´ Zeit danach. Auch der Marienkult spielt bei solchen Prophetien eine gewichtige Rolle. Die göttliche Liebe wird nicht selten in Person der Gottesmutter Maria dargestellt, die so zur Heilsbringerin und Erlöserin wird. Doch nur Jesus ist Heilsbringer und Erlöser. Er allein ist Gott, wir alle sind Geschwister in und aus ihm.

Beim Durchwandern einer Seelenlandschaft, die von sogenannten New-Age-Lehren oder fernöstlichen Glaubensauffassungen geprägt ist, wird Gottesgut oft derart entstellt, dass es den spirituellen Irrgarten dieser Welt vergrößert, anstatt Licht ins Dunkel zu bringen.

Nicht selten vermischen sich in einer latenten medialen Veranlagung bei Autoren reale jenseitige Gegebenheiten mit materiellem Vorstellungsvermögen, woraus kommerzielle Fantasy- und Science Fiction-Literatur und Filmproduktionen entstehen, die das Bewusstsein vieler an irreale Welten binden – mit dem Ergebnis, dass alles übersinnliche Geschehen nicht ernst genommen und ins Land der Phantasie gestellt wird.

Und so findet man noch allerlei Kuriositäten in den Darlegungen hellhöriger und hellsichtiger Personen jeglicher Welt- und Glaubens-Anschauung.

Je losgelöster und freier eine Seele von irdischen Vorstellungen und Konditionierungen ist, je unverbildeter ihr Geistesleben, umso klarer und reiner kommen jenseitige beziehungsweise göttliche Botschaften und Bilder in ihr Bewusstsein.

Um Wahrheit zu erfahren ist es also notwendig, einen Großteil der angeeigneten philosophischen und spirituellen Betrachtungsweisen fallen zu lassen sowie anerzogene Glaubensdogmen abzulegen. Allein die Liebe zum himmlischen Vater soll das Anliegen eines Gottesdieners sein, sie wäscht alle Verirrungen hinfort. In ihr hört und sieht der Prophet die Gnadengaben unverfälscht und kann diese wahrheitsgetreu offenbaren.


Eine prophetische Schau ist immer eine Dreieinheit: Sie enthält den geistigen Kern, der das beabsichtigte Ergebnis des Ereignisses in sich trägt, sie beinhaltet die seelische Veranlassung des Geschehens, und offenbart den äußeren Vorgang als materiellen Ausdruck und Instrument zum konsequenten Erreichen des gottgeistigen Zieles.

Es gibt `schlafende´ Propheten, die lediglich äußere Abfolgen sehen, geistige Hintergründe sind ihnen nicht oder nur andeutungsweise bekannt. Solche Vorhersagen liegen einer natürlichen oder traumatischen Hellsichtigkeit zugrunde, müssen jedoch nicht zwingend einer göttlichen Berufung folgen.

Mitunter vermischen sich hier eigene Ansichten mit dem Geschauten, das in der persönlichen Interpretation mehr oder weniger verfälscht werden kann. So kommen auch falsche Zeitangaben zustande -wobei zeitliche Voraussagen immer den Verhaltensweisen betroffener Personen und Völkern unterliegen. Eine exakte Terminierung kann es erst kurz vor einem Ereignis geben, und auch nur dann, wenn eine Veränderung zum Guten nicht mehr möglich ist.

Der von Gott erwählte Prophet ist größtenteils frei von weltlich konditioniertem Gedankengut, deshalb kann er eine Vision oder Gottes Wort getreu wiedergeben. Er sieht in der Hauptsache die seelisch-geistigen Ursachen des Ereignisses, er kennt Hintergründe und Zusammenhänge und weiß um Zweck und Ziel des Geschehens, sprich das göttliche Ergebnis. In seinem prophetischen Dienst findet er gänzliche Erfüllung, denn dieser ist Teil seiner Bestimmung von Ewigkeit.


Das hör- und/oder sichtbare Wort Gottes im Herzen gibt Anweisungen zur Unterstützung in allen Lebenslagen sowie Grundsätzliches zum Leben aus dem Geist und zur Lage der Welt. Dieses persönliche Wort vom Vater ist bereits in einem frühen Stadium auf dem Geistesweg erfahrbar, auch wenn die Räume der Seele noch nicht gänzlich von Altlasten befreit sind. Die göttlichen Botschaften dienen ja den noch vorhandenen Problematiken und wirken heilend auf das erwachende Gotteskind.

In einer Kundgabe für eine andere Person muss der Seelen-Kanal bereits freier sein, da die Worte sonst von den persönlichen Ansichten und Unzulänglichkeiten des Mittlers verfälscht werden. Ist dies der Fall, fließen sowohl Sympathie und Antipathie als auch Vorurteile aller Art mit ein, die die Mitteilung positiv oder negativ verändern und so dem beschenkten Kind ein trügerisches Selbstbild vermitteln.

Heutzutage können viele Verkünder des Vaterwortes `nur´ allgemeine Botschaften mit oft ähnlichem Wortlaut überbringen. Manchem Christen ist das zu wenig, er sehnt sich nach innigerem Austausch – den findet er jedoch in erster Linie im eigenen Herzen. Man darf nicht außer Acht lassen, dass es korrespondierende Kundgaben für jede Entwicklungsstufe geben muss, um angemessene Nahrung in den jeweiligen Glaubenslandschaften darzureichen.

Ist das Medium überwiegend frei von irdischen Einflüssen und Verhaftungen, schenkt der Vater konkrete Anweisungen für eine Person oder für die Allgemeinheit, allerdings niemals zwingend. Nur speziell vorbereitete und ausgebildete Gottesdiener dürfen Übermittler solch inhaltsschwerer Offenbarungen sein. Diese entsprechen zwar der seelisch-geistigen Struktur des Mediums – die ist jedoch für genau diesen Dienst gestaltet. Eigentümlich sind nur der anerzogene und erlernte Wortschatz sowie der regionale Sprachstil.


In der mosaischen Schöpfungsgeschichte, den Prophezeiungen des Alten Testaments und der Offenbarung des Johannes werden sowohl individuelle und universelle Entwicklungsstufen als auch erdgeschichtliche und endzeitliche Vorgänge in Gleichnissen und Bildern dargestellt. So kommt eine Entsprechungs-Sprache zustande, die nur entschlüsselt werden kann, wenn man mit dem göttlichen Geist im Verbund steht. Mit dem für geistige Vorgänge blinden Weltverstand ist es nicht möglich, das Geoffenbarte sinnvoll nachzuvollziehen.

Es liegt jedoch in der Natur des Menschen, alles verstehen zu wollen. Dies hat zu den absurdesten Auslegungen der Bibel und etlichen prophetischen Missverständnissen geführt und dazu beigetragen, dass man das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet hat, indem man nicht verständliche Offenbarungen für erfundene Dichtungen irrsinniger Geschichtsschreiber hält. Oder man ist der Meinung, dass absichtlich inhaltsschwere Verfälschungen vorgenommen wurden – dies ist jedoch in den tragenden biblischen Überlieferungen nicht der Fall. Allein falsche Übersetzungen verursachten vereinzelt Missverständnisse.

Die Prophetenseelen der Bibel sind durch ihre innige Liebe zu Gott frei und unbefangen von religiösen Dogmen. Ihr Innenleben war und ist erfüllt von Liebe und Wahrhaftigkeit. Sie sahen irdische und kosmische Ereignisse zuvorderst in ihrer geistigen Realität und dementsprechend berichteten sie. Sie konnten diese aber nicht in jetztzeitliche Formulierungen übersetzen, denn die Begriffe dafür gab es damals noch nicht; auch sind geistige Vorgänge oft nicht in Worte zu fassen und daher nur in treffenden Bildern darzulegen.

Die Erkenntnisse und Visionen dieser Propheten beinhalten und offenbaren tief greifende Geschehnisse, die maßgebend sind für viele Zeitschichten und Entwicklungs-Perioden, die die irdische sowie die kosmische Menschheit noch durchschreiten werden. Vor allem die Schriften des Moses und des Johannes sind von fundamentaler Bedeutung und haben weit in die Ewigkeit hinein Bestand.

Erst wenn die Erde mitsamt ihrer Bewohner geistig wiedergeboren sein wird, werden sich die prophetischen Bücher schließen, wie sich in der Vollendung des Kosmos einst auch die Zeit schließen wird. Und dereinst wird eine neue Schöpfungsperiode wieder eine Ewigkeit mit nie dagewesenem Leben begründen. Doch die unsäglichen Abgründe von Zeit und Vergänglichkeit mit ihren höllischen Auswüchsen wie wir sie kennen wird es Gott sei Dank nicht wieder geben.


Diese Seite teilen
WhatsApp Telegram E-Mail
Öffnet in einem neuen Tab.