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GEJ 1.93

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 93 von 161

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GEJ 1.93.1

Nun machen wir uns auf den Weg. Der junge Wirt kommt jedoch nochmals zu Mir und bittet Mich, den Abend bei ihm zu verbringen.

GEJ 1.93.2

Ich aber sage: »Ich komme bald wieder. Denn bevor Ich zum nächsten Fest nach Jerusalem ziehe, muss Ich Nazareth besuchen; auf dem Hin- und Rückweg werde Ich wieder bei dir einkehren.«

GEJ 1.93.3

Der Wirt sagt: »Herr, das wird meine grösste Seligkeit sein. Wenn Du heute aber durchaus nicht länger hierbleiben willst, dann erlaube mir wenigstens gütigst, Dich nochmals begleiten zu dürfen!«

GEJ 1.93.4

Ich sage: »Das steht dir völlig frei; denn von Mir aus soll niemals jemand zu irgendetwas gezwungen werden. Wer Mich annehmen will, der nehme Mich an; und wer Mir und Meiner Lehre folgen will, der folge. Denn Ich und Mein Reich sind frei und wollen deshalb auch in völliger Freiheit errungen werden.

GEJ 1.93.5

Vor Mir gilt nur die vollkommen freie Selbstbestimmung. Alles, was darüber oder darunter liegt, hat vor Mir und Meinem Vater — der in Mir ist, wie Ich in Ihm — keinen Wert.

GEJ 1.93.6

Denn jeder Zwang, der von irgendwo anders als aus dem innersten eigenen Herzen kommt, ist fremd und kann für das ebenfalls nicht fremde, sondern einzig und allein ganz eigene Leben jedes Menschen unmöglich irgendeine Geltung in Meiner ewigen und vollkommen freien Ordnung haben.

GEJ 1.93.7

Was würde es dir im Grunde nützen, wenn du von einem Kunstwerk, das eine fremde Hand geschaffen hatte, behaupten würdest, es sei das Werk deiner eigenen Hände? Wenn dann jemand käme und von dir gegen hohen Lohn verlangte, ein gleiches Werk herzustellen, würdest du beschämt dastehen. Du müsstest dir gefallen lassen, dass der Auftraggeber dich vor aller Welt einen Lügner, Betrüger und einen Prahler mit fremdem Ruhm nennt.

GEJ 1.93.8

Ebenso ist die vollständige Ausbildung des eigenen Lebens jedem Menschen in seine ganz eigenen Hände gelegt.

GEJ 1.93.9

Was bei der einstigen grossen Lebensprüfung jedes einzelnen Menschen vor den Augen Gottes als etwas Fremdes an ihm erkannt wird, wird ihm genommen werden. Dann wird es heissen: ›Wer hat, dem wird das Seine belassen und noch vieles hinzugegeben werden. Wer aber nichts Eigenes hat, dem wird genommen werden, was er hat, weil es nicht sein Eigenes, sondern nur etwas Fremdes ist.‹

GEJ 1.93.10

Ich sage dir, dass es nicht einmal notwendig ist, dass du mitziehst. Wenn du es aber rein aus dir selbst, aus Liebe zu Mir, tun musst, wirst du dadurch nicht nur nichts verlieren, sondern in allem das Zehnfache gewinnen. Denn wer aus wahrer Liebe zu Mir etwas tut, dem wird es hier zehnfach und einst in Meinem Reich hundertfach, ja tausendfach und endlos vergolten werden.«

GEJ 1.93.11

Der Wirt sagt: »Herr, wenn es so ist, werde ich ganz bestimmt mit Dir gehen. Mein eigenes Herz drängt mich dazu, und deshalb will ich ihm aufs Genaueste folgen.«

GEJ 1.93.12

Ich sage: »Gut, dann tu es. So wirst du aus deinem Herzen leben, und allein das ist das richtige Leben. Denn jedes andere Leben, das nicht aus dem Herzen kommt, ist kein Leben, sondern der Tod des eigenen Lebens im Menschen. Ich allein sage dir das als Herr allen Lebens.«

GEJ 1.93.13

Darüber ist der Wirt überglücklich. Er nimmt sofort sein kleines Bündel und etwas Geld und macht sich reisefertig.

GEJ 1.93.14

Ich aber sage zu ihm: »Mach dich von allem frei, dann wirst du viel leichter gehen. Denn Diebe überfallen nur diejenigen, von denen sie wissen, dass sie etwas bei sich tragen. Wenn du aber nichts hast, können sie dir auch nichts wegnehmen.«

GEJ 1.93.15

Darauf übergibt der Wirt seiner Frau das Geld und sein kleines Bündel und folgt Mir ohne beides.

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