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GEJ 1.159

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 159 von 161

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GEJ 1.159.1

Wenn also die Erkenntnisse des Menschen die Liebe von allen Seiten umgeben und durch die Flamme des Liebesfeuers, der sie immer mehr Nahrung geben, heller und heller erleuchtet und erwärmt werden, dann wird der Mensch in allem in gleichem Mass tatkräftiger und handlungsfähiger.

GEJ 1.159.2

In diesem Zustand kommt Gott wieder zum Menschen — natürlich, wie sich von selbst versteht, im Geist — und spricht als die ewige Liebe zur Liebe des Menschen in seinem Herzen: «Die Erde lasse nun auf vielfältige Weise Gras und Kraut aufgehen, damit sie sich selbst aussäen, sowie fruchtbare Bäume und Sträucher aller Art; jedes von ihnen trage Frucht nach seiner Art und habe seinen eigenen Samen bei sich auf Erden.»

GEJ 1.159.3

Nach einem solchen Gebot Gottes im Herzen erhält der Mensch einen festen Willen, Kraft und Mut und legt nun Hand ans Werk.

GEJ 1.159.4

Und seht! Seine richtigen Erkenntnisse erheben sich wie regenschwere Wolken über das geordnete Meer, um über die trockene Erde zu ziehen; sie befeuchten und befruchten sie. Dann beginnt die Erde zu grünen und bringt allerlei Gras und samenhaltiges Kraut sowie Fruchtbäume und Sträucher mit Samen hervor. Das heisst: Was der richtige, von himmlischer Weisheit durchleuchtete Verstand nun als vollkommen gut und wahr erkennt, das will und begehrt sogleich auch die Liebe im Herzen des Menschen.

GEJ 1.159.5

Denn gleich wie der Same, wenn er in die Erde gelegt wird, bald aufgeht und vielfältige Frucht bringt, so wirken auch die richtigen Erkenntnisse, wenn sie in das lebensfrohe Erdreich des Herzens gelegt werden.

GEJ 1.159.6

Der Same wirkt so, dass er die Lebenskraft erweckt, die sonst in der Erde schlummert. Diese sammelt sich dann immer mehr um das Samenkorn und bewirkt, dass es sich entfaltet und zu einem fruchtreichen Gewächs wird. Kurz: Die richtige Erkenntnis wird erst im Herzen zur Tat, und aus der Tat gehen allerlei Werke hervor. Diese sind das, was Mose in tiefer Weisheit in seiner Genesis sagt, und zwar im bereits zuvor wörtlich besprochenen ersten Kapitel, in den Versen 11 und 12.

GEJ 1.159.7

Der frühere ursprüngliche Abend des Menschen, der durch das Licht aus den Himmeln zur richtigen Erkenntnis erhoben wurde, wird so zur Tat, der die Werke folgen müssen. Das ist der dritte Tag in der Bildung des Herzens und des ganzen Menschen im Menschen, der der geistige Mensch ist. Um ihn allein handelt es sich; seinetwegen sind Mose und alle anderen Propheten von Gott in diese Welt gekommen, so wie nun auch Ich Selbst! Ich meine, diese Sache müsste euch nun doch einleuchtend genug sein.»

GEJ 1.159.8

Einer der Pharisäer sagt: «Erhabener, weisester Freund und Meister! Ich persönlich unterschreibe jedes Wort, das Du uns allen gegeben hast, denn sie sind völlig wahr und müssen wahr sein. Geh aber nach Jerusalem und erkläre die Genesis so im Tempel, und Du wirst zusammen mit Deinem ganzen Anhang gesteinigt werden, wenn Du Dich nicht durch Deine ganz offenkundige göttliche Macht schützt. Trittst Du den Templern jedoch mit dieser Macht entgegen, dann sind auch sie gerichtet; und es dürfte kaum einen Unterschied machen, wenn Du sie sogleich durch Blitz und Feuer vom Himmel vollkommen zugrunde richten lässt!

GEJ 1.159.9

Wie gesagt, ist das ohnehin eine höchst gewagte Sache! Bei einer solchen, wahrlich allerweisesten und scharfsinnigsten Erklärung der ersten drei in der Genesis beschriebenen Schöpfungstage geht alles noch sehr gut, und man kann darin kein einziges Wörtchen finden, dem man widersprechen könnte. Nun kommt aber der vierte Tag, an dem Gott der Beschreibung nach ganz offensichtlich Sonne, Mond und alle Sterne erschuf. Wie kannst Du das anders erklären? Sonne, Mond und Sterne sind nun einmal da, und kein Mensch kennt einen anderen Ursprung, aus dem alle diese grossen und kleinen Lichter am Firmament entstanden sein könnten, als den, von dem man in der Genesis liest.

GEJ 1.159.10

Meine Frage lautet nun: Wo ist hier der Schlüssel, wo die Entsprechung, durch die sich auch der vierte Tag allein auf den Menschen beziehen soll?»

GEJ 1.159.11

Ich sage: «Mein Freund, du hast doch schon öfter gehört und sogar selbst erfahren, dass es hinsichtlich der körperlichen Sicht weitsichtige, kurzsichtige und schliesslich halbblinde, ganz blinde und völlig erblindete Menschen gibt. Die Weitsichtigen sehen in der Ferne alles gut, in der Nähe aber schlecht. Die Kurzsichtigen sehen dagegen in der Nähe gut, in der Ferne jedoch schlecht. Für die Halbblinden ist es zur Hälfte Nacht und zur Hälfte Tag: Mit einem Auge sehen sie die Gegenstände noch recht gut; weil aber das andere Auge blind ist, versteht es sich von selbst, dass solche Menschen alles nur im halben Licht sehen können. Die ganz Blinden sehen weder bei Tag noch bei Nacht einen Gegenstand; am Tag haben sie jedoch noch einen schwachen Schimmer, sodass sie Tag und Nacht voneinander unterscheiden können. Die völlig Erblindeten dagegen haben keinen Schimmer und können Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden.

GEJ 1.159.12

Und sieh: Wie die Menschen in ihrer körperlichen Sicht so unterschiedlich beschaffen sind, ebenso — und oft noch viel unterschiedlicher — sind sie es in ihrer geistigen Sicht. Auch du hast einen starken Sehfehler, und zwar in deiner Seele bei Weitem stärker als in deiner körperlichen Sicht. Ich sage dir: Du bist in deiner Seele ausserordentlich kurzsichtig!»

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