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GEJ 1.124

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 124 von 161

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GEJ 1.124.1

Ich sagte: »Meine Lehre ist wie ein neues Gewand; eure Lehre dagegen ist das alte Gewand voller Risse und Schäden. Deshalb habt ihr heute, am Sabbat, trotz Mose und Johannes ohne Bedenken Fische fangen können. Meine Lehre ist also neu, und man kann kein Stück von ihr nehmen, um damit euer altes, zerrissenes Gewand auszubessern. Täte man es doch, entstünden dadurch noch grössere Risse als zuvor; denn der neue Flicken reisst wieder vom alten, morschen Kleid ab und vergrössert den Schaden.«

GEJ 1.124.2

»Ebenso ist Meine Lehre wie neuer Most, den man nicht in alte Schläuche füllt, damit sie nicht zerreissen und der Most verschüttet wird. Vielmehr füllt man den Most in neue, feste Schläuche; so bleiben beide erhalten, Most und Schlauch. Versteht ihr das?«

GEJ 1.124.3

Die Jünger des Johannes sagten: »Das klingt zwar einleuchtend, aber es ist nicht so leicht, vollständig zu verstehen, was Du damit sagen wolltest. Könntest Du Dich daher nicht etwas verständlicher ausdrücken?«

GEJ 1.124.4

Ich sagte: »Ob Ich Mich noch verständlicher ausdrücken könnte oder wollte? Ja, Ich könnte es, wenn Ich wollte. Hier will Ich aber nicht deutlicher sein und sage euch darüber nur noch, dass ihr alte, zerrissene Kleider und alte, morsche Schläuche seid, die für Meine Lehre nicht mehr taugen. Sie würde euch nämlich euer angenehmes Erdenleben kosten, das doch euer höchstes Gut ist. Für dessen Verbesserung setzt ihr alles ein und unternehmt sogar am Sabbat schwere Fischzüge, nur um eurem irdischen Leben eine bessere, sorgenfreiere Existenz und womöglich noch ein wenig Herrlichkeit zu verschaffen. Die Armen aber seht ihr nicht, ebenso wenig die Kranken und Gebrechlichen sowie die Hungrigen und Durstigen.«

GEJ 1.124.5

Es ist doch so: Wer mit vollem Bauch umhergeht, spürt nicht im Geringsten, wie den Armen vor Hunger der Magen schmerzt und brennt. Ebenso spürt ihr, warm gekleidet, im Winter nichts von der Kälte; denn ihr habt reichlich Mittel, euch den Winter angenehmer zu machen als den heissen Sommer. Wenn euch nun ein halb nackter Mensch begegnet, vor Frost zitternd und seine Not klagend, und euch um ein wärmendes Gewand bittet, ärgert euch das. Ihr gebt ihm gehässige Antworten und sagt: ›Geh weg, du fauler Mensch! Hättest du im Sommer gearbeitet, müsstest du im Winter keine Not leiden. Ausserdem ist es gar nicht so kalt, und als Bettler darf man nicht so verweichlicht und empfindlich sein!‹

GEJ 1.124.6

Der Bettler aber sagt: ›Herr, ich habe den ganzen Sommer und Herbst gearbeitet. Doch der Lohn für meine schwere Arbeit betrug nicht einmal den tausendsten Teil dessen, was mein Herr durch meine Arbeit gewann. Deshalb kann mein Arbeitgeber im Winter warm gekleidet umhergehen; wir, seine schlecht bezahlten Arbeiter, konnten den geringen Lohn schon im Sommer leicht aufbrauchen und leiden nun im Winter — nicht weil wir im Sommer nicht gearbeitet hätten, sondern weil unser Lohn zu gering war. Der Gewinn der Herren ist unsere Not!‹

GEJ 1.124.7

»Seht, das ist die Sprache des Bettlers — abgesehen davon, dass es unter den vielen Bettlern hier und da auch einige Sünder gibt, die ihre Armut verdient haben.«

GEJ 1.124.8

Die Jünger des Johannes sagten: »Ach, da gehst Du zu weit! So ist es nicht. Ein treuer und rechtschaffener Arbeiter hatte noch nie Anlass, sich über seine Arbeitgeber zu beklagen. Wer arbeiten will, findet im Winter wie im Sommer Arbeit, Verdienst, Nahrung und Kleidung. Dass man einem Faulen die Tür weist, finden wir alle völlig in Ordnung.«

GEJ 1.124.9

Ich sagte: »Ihr schon, das weiss Ich nur zu gut; Ich aber nicht, das sage Ich euch. Das Warum sollt ihr sogleich erfahren. Sagt Mir: Wer hat das Meer und die vielen guten Fische darin erschaffen?«

GEJ 1.124.10

Die Jünger des Johannes sagten: »Nun, was ist das für eine Frage! Wer sonst als Gott allein könnte das?« Ich sagte: »Gut, dann sagt Mir, ob ihr Urkunden von Gott besitzt, nach denen allein ihr das Recht habt, die guten und teuren Fische aus dem Meer zu fangen, sie für viel Geld zu verkaufen, den ganzen Gewinn in eure Taschen zu stecken und euren fleissigen Knechten kaum den tausendsten Teil zukommen zu lassen, obwohl sie allein die schwere Arbeit, oft unter grosser Lebensgefahr, verrichtet haben.«

GEJ 1.124.11

Die Jünger des Johannes sagten: »Das ist schon wieder eine lächerlich dumme Frage. Wo gibt es auf der Erde jemanden, der sich mit einer Besitzurkunde von Gott ausweisen könnte? Dafür hatte Gott die staatliche Obrigkeit eingesetzt, und diese stellt an Gottes Stelle die Besitzurkunden aus. Wen der Staat als Besitzer anerkennt, der ist es rechtmässig auch vor Gott. Ausserdem muss jeder rechtmässige Besitzer für sein teuer erworbenes Recht jährlich allerlei Zehnten und andere Steuern an den Staat entrichten und ist daher doppelt berechtigt, aus seinem Besitz den notwendigen Gewinn zu ziehen.«

GEJ 1.124.12

Ich sagte: »Ja, so ist es auf der Erde — aber nicht von Gott her, sondern durch selbstsüchtige und herrschsüchtige Menschen. Diese haben sich solche Gesetze und eine solche Ordnung geschaffen. Am Anfang der Welt war es nicht so; damals war die ganze Erde lange Zeit Gemeingut der Menschen.

GEJ 1.124.13

Als jedoch unter den Menschen die Kinder Kains einen Teil der Erde zu festem, vererbbarem Besitz genommen und dafür Gesetze sowie eine selbst- und herrschsüchtige Ordnung geschaffen hatten, dauerte es keine tausend Jahre mehr.

GEJ 1.124.14

Gott liess es zu, dass die Sintflut kam und sie alle ertränkte, bis auf wenige, die erhalten wurden. Und so wird es wieder geschehen.

GEJ 1.124.15

Gott ist zwar sehr langmütig und von grosser Geduld; doch Er wird eures Treibens bald müde werden. Dann gebt acht, wer nach euch Besitzer der Erde sein wird!

GEJ 1.124.16

»Dass ihr so redet, ist ein überdeutlicher Beweis dafür, dass euer Glaube und eure Rechtslehre einem alten, zerrissenen Kleid gleichen, das keinen neuen Flicken verträgt, und auch einem alten Schlauch, in den man keinen Most mehr füllen kann. Denn ihr seid allesamt böse und selbstsüchtige Menschen. Versteht ihr Mich nun?«

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