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GEJ 1.109

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 109 von 161

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GEJ 1.109.1

Petrus schüttelt den Kopf und zuckt mit den Achseln. Simon von Kana fragt ihn deshalb: »Was denkst du denn? Wenn der Herr es uns so vorausgesagt hat, dann wird es gewiss auch so kommen. Wir wissen nun doch, wie wir diese Sache zu verstehen und wie wir uns dabei zu verhalten haben. Weshalb sollten wir da mit unseren Köpfen zweifelnde Bewegungen machen und mit den Achseln zucken?«

GEJ 1.109.2

Petrus sagt: »Lieber Bruder, mein Kopfschütteln und mein Achselzucken bedeuten etwas ganz anderes als das, was du darin bei mir zu erkennen meinst.«

GEJ 1.109.3

Simon fragt: »Was denn, lieber Bruder?«

GEJ 1.109.4

Petrus sagt: »Sieh, das Wort und die Tat des Herrn sind heilig. Wie glücklich könnten alle Menschen auf der Erde sein, wenn sie diese Lehre bereits hätten und danach lebten! Aber wenn dies, das und jenes so geschieht (?) – ach, wann wird diese Lehre zum heiligen Gemeingut aller Menschen der Erde werden? Und wenn der Herr daneben noch dies und jenes geschehen lassen wird (?), wie wird diese Lehre dann schon nach kurzer Zeit aussehen? Wahrlich, es wird so weit kommen, dass aus dieser köstlichsten Seelenspeise am Ende Futter für Hunde und Schweine wird! Sieh, Bruder, das ist es, was mich den Kopf schütteln und die Achseln zucken lässt.«

GEJ 1.109.5

Ich sage: »Petrus, lass das! Du wirst tun, was dir zu tun auferlegt wird; um die Wirkung brauchst du dich nicht weiter zu kümmern. Was kommen wird und in aller Tiefe der Weisheit und Liebe auf die eine oder andere Weise kommen muss, davon weiss allein der Vater – und auch derjenige, dem der Vater offenbaren will, wie, wann und warum dies alles geschehen darf.

GEJ 1.109.6

Wenn du in die grosse Werkstatt eines Künstlers kommst und dort viele verschiedenartige Werkzeuge siehst, weisst du dann, wie der Künstler sie zur Herstellung eines Werkes gebraucht? Du wirst vielleicht ebenfalls den Kopf schütteln und mit den Achseln zucken; aber dadurch wirst du nicht erkennen, wie der Künstler seine zahlreichen und mannigfaltigen Werkzeuge benutzt und wie mit ihnen ein kunstvolles Werk zustande gebracht wird. Wenn der Künstler es dir jedoch erklären will, wirst du es so verstehen, wie er es dir erklärt hat.

GEJ 1.109.7

Ich sage es dir aber: Über allen Künstlern steht Gott, und die grösste Kunst besteht darin, aus sich selbst ein eigenständiges, vollkommen freies Leben in zahllosen Einzelwesen zu gestalten. Dazu sind auch unendlich vielfältige geistige Werkzeuge erforderlich. Du, Maria und alle Menschen sind für diesen einen Zweck ebenfalls verschiedene Werke und Werkzeuge, die allein der Vater im Himmel in höchster Weisheit zu gebrauchen versteht.

GEJ 1.109.8

Kümmere dich deshalb um nichts weiter als um das, wozu du berufen bist. Dann wirst du als ein rechtes Werkzeug in der Hand des Vaters die rechten Dienste leisten.

GEJ 1.109.9

Oder steht die Wurfschaufel etwa über demjenigen, der sie als Reinigungswerkzeug gebraucht? Wenn sie brauchbar ist, werden mit ihr Weizen, Gerste und Korn gereinigt. Taugt sie aber nicht, wird sie brauchbar gemacht oder ins Feuer geworfen. Wenn der Vater dich zur Wurfschaufel gemacht hat, dann bleibe, was du bist, und verlange nicht, auch ein Topf zu sein. Verstehst du das?«

GEJ 1.109.10

Petrus sagt: »Herr, das ist etwas dunkel. Mir kommt es zwar so vor, als verstünde ich es; doch wenn ich weiter darüber nachdenke und nach dem Grund suche, verstehe ich dieses geheimnisvoll klingende Bild nicht mehr. Wie kann man zugleich Werk und Werkzeug sein, und inwiefern bin ich eine Wurfschaufel?«

GEJ 1.109.11

Ich sage: »Ist nicht jedes Werkzeug bereits für sich ein vollendetes Werk seiner Art, bevor der Künstler es gebraucht, damit er es zur Herstellung eines anderen Werkes oder zur zweckmässigen Ausführung irgendeiner Arbeit verwenden kann?

GEJ 1.109.12

Ich sagte, dass du in der Hand des himmlischen Vaters eine Wurfschaufel bist, weil du und die anderen Jünger nun von Mir unterwiesen werdet, die Menschen zur wahren Erkenntnis Gottes zu erheben.

GEJ 1.109.13

Die Menschen der Welt gleichen Weizen, Gerste und Korn. Damit aber dieses lebendige Getreide, das heisst diese Weltmenschen, von seiner Spreu und seiner Unreinheit gesäubert und danach als völlig reines Getreide in die ewigen Scheunen des Vaters gebracht werden kann, werdet ihr nun zu rechten und lebendigen Wurfschaufeln umgestaltet, durch die der Vater im Himmel Sein Getreide reinigen wird. Versteht ihr dies nun?«

GEJ 1.109.14

Petrus sagt: »Ja, Herr, nun ist uns die Sache vollkommen klar. Wir möchten nur noch wissen, wer Du eigentlich bist, denn Du sprichst immer vom Vater im Himmel wie von einer zweiten Person, während wir Dich seit Sichar insgeheim stets auch für den Vater gehalten haben. Bist vielleicht auch Du in der Hand des Vaters eine Wurfschaufel oder irgendein anderes Werkzeug?«

GEJ 1.109.15

Ich sage: »Ich bin zuerst Der, Der Ich bin; dann aber bin Ich auch Der, Der Ich nicht zu sein scheine, obwohl Ich Der bin, Der Ich bin. Ich säe und ernte, wie der Vater sät und erntet; und wer Mir als Wurfschaufel dient, dient zugleich auch dem Vater. Denn wo der Vater ist, da ist auch der Sohn, und wo der Sohn ist, da ist auch der Vater. Der Vater ist dennoch über dem Sohn, und der Sohn geht aus dem Vater hervor. Den Vater aber kennt niemand ausser dem Sohn und demjenigen, dem der Sohn Ihn offenbaren will. Versteht ihr das?«

GEJ 1.109.16

Petrus sagt: »Herr, das versteht kein Engel, geschweige denn wir! Wenn Du aber wolltest, könntest Du uns doch einmal den Vater zeigen.«

GEJ 1.109.17

Ich sage: »Jetzt seid ihr dafür noch nicht reif. Doch in Kürze wird die Zeit kommen, in der ihr reif sein werdet; dann werdet ihr alle auch den Vater sehen.«

GEJ 1.109.18

Bei diesen Worten kommen Maria und ihre Helferinnen und teilen uns mit, dass das Morgenmahl bereit sei. Sogleich werden die Tische gedeckt und das Mahl hereingetragen.

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