← Jakob Lorber

GEJ 1.98

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 98 von 161

Español English
GEJ 1.98.1

Das einfache Volk hatte die Zeichen gesehen, fürchtete sich jedoch zu sehr vor den Priestern und Schriftgelehrten, um sich zu Meiner Lehre zu bekennen und Mir nachzufolgen. Daher ersann es eine gute List. Es brachte sogleich mehrere Kranke zu den Priestern und sagte: »Hört uns an, ihr hohen Priester und Schriftgelehrten, die ihr nach eurer eigenen Aussage in alle Geheimnisse Gottes eingeweiht seid. Der Mensch Jesus aus Nazareth vollbringt so grosse Wundertaten, wie sie vor ihm noch niemand vollbracht hat. Seine Rede und Lehre gleichen einem Feuerstrom, der alles, was sich ihm entgegenstellt, mit überwältigender Macht verzehrt oder unaufhaltsam mit sich fortreisst. Ohne Arznei, allein durch das Wort, heilt er wie ein Gott jede Krankheit und soll sogar Tote allein durch das blosse Wort wieder lebendig machen.

GEJ 1.98.2

Als wir uns von der Wahrheit all dessen überzeugt hatten, kam uns ein guter Gedanke in den Sinn. Wir erinnerten uns an euch und sagten untereinander: ›Warum wundern wir uns darüber so sehr? Wir haben doch ebenfalls Priester und Schriftgelehrte, die in alle Geheimnisse Gottes eingeweiht sind und gewiss ebenso gut wie dieser Jesus allein durch das Wort einen Kranken heilen können, wenn sie es nur wollen.‹ Wir waren schon unterwegs, um unsere Kranken zu dem Nazarener zu bringen; doch dann dachten wir an die Beschneidung und an den Bund, dem wir nicht abtrünnig werden wollen, solange er uns in Wahrheit geben kann, was wir leiblich und geistig benötigen. Da dieser Jesus nun aber so ungeheure Zeichen vollbringt, droht uns Gefahr, wenn wir ihm nicht mit derselben Kraft zu Zeichen entgegentreten.

GEJ 1.98.3

Darum haben wir mehrere Kranke hierher mitgebracht und bitten euch um eures und unseres Heiles willen, diese Kranken, die nicht gerade zu den Schwerkranken gehören, allein durch das Wort zu heilen — durch eure geistige Macht, die ihr nach eurer Aussage unmittelbar von Gott besitzt.

GEJ 1.98.4

Mit diesen von euch auf wunderbare Weise geheilten Kranken werden wir durch die ganze Stadt ziehen und vor jedem Haus mit kräftiger Stimme Gottes Ehre und euren grossen Ruhm verkünden. Der Nazarener wird dann hier wenig Anklang finden und am Ende, wie man zu sagen pflegt, gezwungen sein, unter Schande, Spott und aller Schmach das Weite zu suchen.«

GEJ 1.98.5

Die Priester und Schriftgelehrten sind sich ihrer völligen Ohnmacht nur zu sehr bewusst und sagen mit gewichtiger Miene, um diese zu verbergen: »Ihr Toren! Was verlangt ihr von uns, das Gott allein zusteht? Wann hätte je ein Priester oder Schriftgelehrter Wunder gewirkt? Das kann allein Gott und der eine Hohepriester im Tempel zu Jerusalem, wenn er das Allerheiligste betritt. Führt also eure Kranken nach Jerusalem. Dort wird ihnen — sofern ihr euch auf ein angemessenes Opfer versteht (?!) — Heilung zuteilwerden, wenn Gott es natürlich will. Will Gott es aber nicht, dann werdet ihr euch wohl damit abfinden müssen, eure Kranken weiterhin krank mit nach Hause zu nehmen.

GEJ 1.98.6

Wir sind zwar in die verschiedensten Geheimnisse Gottes eingeweiht, aber nicht in die Macht Gottes. Diese ist heilig, und Er lässt sie keinem Sterblichen zukommen.

GEJ 1.98.7

Wer aber dennoch wie dieser Jesus, von dem auch wir bereits gehört haben, solche Taten verrichtet — sei es durch Zauberei oder mithilfe des Beelzebub —, der ist ein Scheusal der Hölle, die auf ewig die fluchwürdigste Wohnung des Feindes Gottes ist. Und wer sich seiner Lehre und seinen Zeichen zuwendet, ist Gott und seinen Dienern gegenüber dasselbe wie ein solcher Diener des Teufels selbst. Das ist die volle Wahrheit. Wehe euch, wenn ihr zu Jesus geht und von ihm Lehre und Hilfe annehmt!«

GEJ 1.98.8

Diejenigen, die Kranke zu den Priestern und Schriftgelehrten gebracht haben, sagen: »Ihr seid allesamt Lügner, wenn ihr so redet. Wie kann derjenige vom Teufel und ein Diener des Beelzebub sein, der den Menschen ausserordentlich Gutes tut, den Jüngern, die mit ihm ziehen, nichts als Liebe, Sanftmut und Geduld lehrt und alles, was er lehrt, selbst in vollstem Mass ausübt?

GEJ 1.98.9

Ihr seid vielmehr des Teufels, wenn ihr ihm ein solches Zeugnis ausstellt. Er aber ist Gottes, denn er tut den Willen Gottes so, wie er ihn lehrt.

GEJ 1.98.10

Zuvor habt ihr uns Toren genannt, weil wir zu eurem eigenen Wohl von euch verlangten, was ihr selbst doch tausendmal behauptet habt: dass ihr all dies durch das Gebet und das göttliche Wort vermögt. Nun aber, da es wie nie zuvor darum geht, eure alte, stets gleiche Lehre in die Tat umzusetzen, nennt ihr uns Toren, wenn wir euch beim Wort nehmen. O ihr argen Diener Beelzebubs! Wir werden euch ein Licht anzünden, an dessen Glanz ihr alle sterben sollt!«

Diese Seite teilen
WhatsApp Telegram E-Mail
Öffnet in einem neuen Tab.