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GEJ 1.94

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 94 von 161

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GEJ 1.94.1

Doch der danebenstehende Judas Iskariot sagt: »Ich meine, dass etwas Geld einem Menschen auf einer Reise niemals schaden kann.«

GEJ 1.94.2

Ich aber sage: »Wer Mich kennt wie dieser Wirt, der auch in Sichar bei Mir war, weiss, dass man bei Mir auch ohne Geld sehr gut auskommen kann. Sieh, Ich habe weder eine Tasche in Meinem Gewand noch sonst irgendwelches Geld; und doch führte Ich viele Hunderte durch Judäa und Samaria bis hierher. Frage sie, wie viel diese Reise jeden von ihnen gekostet hat.

GEJ 1.94.3

Darüber hinaus sage Ich dir, dass es schon in nächster Zeit geschehen wird, dass Ich viele Tausende speise, ohne mehr Geld bei Mir zu haben als jetzt.

GEJ 1.94.4

Ich sage dir: Ein rechtes und vollkommenes Vertrauen auf Gott ist mehr wert als alle Schätze der Erde. Mit ihnen kannst du zwar deinem Leib für kurze Zeit helfen, deiner Seele aber niemals. Wenn du deine Seele verdorben und dadurch verloren hast, was kannst du danach als Lösegeld für sie geben?«

GEJ 1.94.5

Judas sagt: »Ja, ja, Du hast wohl recht; aber für gewisse Dinge muss der Mensch dennoch Geld haben.«

GEJ 1.94.6

Ich sage: »Wie viel Geld hatte denn Mose, als er die Israeliten hinausführte?« Judas sagt: »Er hatte Gold, Silber und Edelsteine in grosser Menge!«

GEJ 1.94.7

Ich sage: »Das hatte er zwar; doch gerade dies hielt ihn auch davon zurück, in das verheissene Gelobte Land zu gelangen. Kannst du das wohl begreifen?«

GEJ 1.94.8

Judas sagt: »Da würde ich doch meinen, dass bei Mose, dem Propheten aller Propheten Jehovas, nicht das Gold und Silber schuld war, das er auf Gottes Geheiss aus Ägypten mitnehmen musste. Vielmehr lag es daran, dass er in einer schwachen Stunde zu wenig auf die Treue Jehovas vertraute.«

GEJ 1.94.9

Ich sage: »Und was war der Grund dafür, dass er eines Tages so wurde? Derjenige, der Mose damals gerade wegen des Gedankens an Gold und Silber schwach werden liess, steht hier und sagt es dir. Es steht zwar bildlich geschrieben; doch so, wie Ich es dir verkündet habe, ist und war es in Wirklichkeit.«

GEJ 1.94.10

Judas sagt: »Gut, ich glaube Dir, dass es damals so war. Nun ist das Geld jedoch vonseiten des Königs von Rom und der halben Erde als gesetzliches Tauschmittel eingeführt worden, um den notwendigen Verkehr unter den Menschen zu erleichtern, und wir sind verpflichtet, es zu benutzen. Wenn es keine Sünde ist, Geld in den Gotteskasten zu opfern, dann wird es auch keine Sünde sein, einem Armen dasselbe Geld zu geben, damit er sich einige Tage lang versorgen kann. Gerade um der Armen willen ist es daher gut, auf einer Reise Geld mitzunehmen, nachdem es nun einmal vom Staat gesetzlich eingeführt worden ist. So hätte der Wirt Coban seine wenigen Silbergroschen wohl bei sich behalten können.«

GEJ 1.94.11

Ich sage: »Du führst zwar eine reichlich gefüllte Börse bei dir, gabst gestern aber dennoch den drei Armen nichts, die dich um ein Almosen angefleht hatten. Daher meine Ich, dass du selbst von dem Geld nicht den löblichen Gebrauch machst, um dessentwillen du es Mir angepriesen hast.

GEJ 1.94.12

Was aber das Geld im Gotteskasten betrifft, sage Ich dir ganz offen: Es ist ein Gräuel der Verwüstung — wenn auch nicht so sehr für einige wenige geistig Arme, die meinen, sich damit den Himmel zu sichern, so doch umso mehr für diejenigen, die das Geld aus dem Kasten nehmen und es nachts mit käuflichen Dirnen vergeuden. Solange es kein Geld gab, gab es auch keine öffentlichen Dirnen wie jetzt. Seit man aber Geld und allerlei Scheidemünzen hat, gibt es in Jerusalem wie beinahe in allen anderen Städten käufliche Dirnen in sehr grosser Zahl, und die Männer sündigen mit ihnen Tag und Nacht. Wenn denjenigen, die viel Geld besitzen, die Einheimischen nicht mehr gefallen, lassen sie Mägde aus den höher gelegenen Ländern kommen, kaufen sie in Griechenland und treiben danach in Judäa mit ihnen die schändlichste Hurerei. Sieh, all dies und noch tausendmal mehr ist der Segen deines so hoch gepriesenen Geldes.

GEJ 1.94.13

Doch dies ist erst der Anfang des Fluches, der auf dem Geld liegt.

GEJ 1.94.14

Es werden Zeiten kommen, die schlimmer sein werden als jene, in denen Noah die Arche baute. Ihr Elend werden sie dem Gold und Silber zu verdanken haben, und nichts als ein Feuer aus den Himmeln, das allen Unrat der Hölle verzehren wird, wird die Menschen aus dem Elend aller Elende erlösen.«

GEJ 1.94.15

Judas sagt: »Ja, ja, Du bist ein Prophet ohnegleichen und kannst dies wissen. Wenn man das Geld aber gut anwendet, kann es doch nicht verfehlt sein?«

GEJ 1.94.16

Ich sage: »Ja, wenn man es gut anwenden wollte, wäre es ebenso gut wie alles andere auf der Erde, das man ebenfalls gut oder schlecht benutzen kann. Der grosse Unterschied besteht jedoch darin: Wenn du in eine Stadt gehst, musst du allerlei Dinge auf deinen Schultern hineintragen — Geräte oder Lebensmittel — und erhältst dafür etwas anderes, das du benötigst, sowie zubereitete Speise und Trank. Das ist zwar unbequem; aber dadurch ist es ebenfalls schwieriger, zur Sünde verleitet zu werden. Denn wenn du mit Hab und Gut kommst oder einen Karren voller Geräte ziehst, damit zu einer Dirne gehst und für einige Töpfe oder Schüsseln mit ihr sündigen willst, wird sie dich verspotten und auslachen, und du bleibst von der Sünde verschont. Kommst du aber mit Gold- und Silberstücken zu ihr, wird sie dich nicht verspotten und auslachen, sondern dich in ihr Lottergemach führen und dich mit allen möglichen Reizen zur Sünde verleiten, um dir dadurch umso mehr Gold und Silber zu entlocken. So ist das Geld zwar eine bequeme Sache, aber zugleich überaus verlockend und bequem zur Sünde.

GEJ 1.94.17

Darum hat Satan das Geld in diese Welt gebracht, damit dadurch leichter und mehr gesündigt werden sollte. Begreifst du noch immer nicht, dass eine gute Gelegenheit das beste Mittel ist, Diebe anzuziehen?«

GEJ 1.94.18

Judas sagt: »Ja, ja, das ist richtig. Wollte man aber alle Diebe dadurch fernhalten, dass sie bei den Menschen nichts finden, wonach sie verlangen könnten, müsste unter den Menschen ungeheuer viel verändert werden. Erstens müssten alle Menschen an sämtlichen irdischen Gütern gleich arm sein; zweitens müssten sie einander gleichen wie Sperlingsmännchen und -weibchen; und drittens dürfte niemand weiser sein als die anderen. Solange dies aber nicht der Fall ist, sind alles Reden, Lehren und Zeichenwirken umsonst. Viele werden sich zwar danach richten; zehnmal so viele aber werden trotz aller Lehre und aller Zeichen bleiben, wie sie sind, wenn sie nicht ebenso leicht oder sogar noch leichter zehnmal schlimmer werden als zuvor. Jeder Mensch besitzt doch etwas Eigenliebe und möchte eine mässige Versorgung haben. Deshalb denkt jeder ganz natürlich zuerst an sich und erst danach an die anderen, und das kann man ihm unmöglich verübeln. Nicht jeder kann Haus und Grund besitzen; denn dann müsste für jedes Neugeborene von Gott aus sofort ein Grundstück samt Haus mit in die Welt geboren werden und mit ihm wachsen. Da dies nicht geschieht und die früher Geborenen sich längst jeden Fleck der Erde angeeignet haben, sodass die meisten Neugeborenen nicht einmal einen Fussbreit Boden besitzen können, bleibt ihnen am Ende nichts anderes übrig, als sich entweder durch allerlei Kenntnisse für die trägen Besitzer unentbehrlich zu machen und auf die eine oder andere Weise bei den reichen Besitzern der Erde in Dienst zu treten oder sich dem Diebstahl zuzuwenden, um nicht zum schweren Bettelstab greifen zu müssen. Wenn nun der bessere Teil derjenigen, die weder Grund noch Haus besitzen, für seine Dienste nur Geld erhält und dieses möglichst spart, damit er im Alter etwas hat, finde ich daran überhaupt nichts Schlechtes. Im Geld sehe ich eine neue Schöpfung von Grund und Boden für alle, die durch Zeugung und Geburt ohne jeden auch nur jemals zu erhoffenden Besitz auf diese armselige Erde gekommen sind. Ich muss offen bekennen, dass Gott Selbst, der nicht für jedes Neugeborene auch ein neues Stück Land erschaffen mag oder will, den Herrschern den guten Gedanken eingegeben hat, Geld zu schaffen. Dadurch können auch die Kinder der Besitzlosen zu einer notwendigen Versorgung gelangen, die oft besser ist als eine Versorgung durch Grund und Boden. Gott kann doch nicht wollen, dass die Kinder der Besitzlosen zugrunde gehen. Sie können schliesslich nichts dafür, dass sie mit denselben Lebensbedürfnissen wie die Kinder der Besitzenden zur Welt geboren wurden.

GEJ 1.94.19

Auch wenn ich Dir, der Du vielleicht der grösste Prophet bist, der je diese Erde betreten hat, alles zugestehe, was Du schon gelehrt hast, lasse ich Deine Erklärung über die Schädlichkeit des Geldes dennoch nicht gelten. Denn so, wie das Geld nach Deiner Auffassung schädlich werden kann, kann auch alles andere schädlich werden. Hätte ich alle Schafe, Ochsen, Kühe, Kälber, Esel, Hühner und Tauben, alle Früchte und alles Brot, die in unserem Land allein seit der Zeit Davids gestohlen worden sind, wäre ich der reichste Mensch in ganz Israel. Und die Hurerei wurde früher, als es noch kein Geld gab — etwa in Sodom und Gomorra und in Babylon — ebenso und noch umfassender betrieben als heute.

GEJ 1.94.20

Ich will keineswegs behaupten, dass Du mit dem, was Du über das Geld sagst, unrecht hast. Doch wo gibt es auf dieser armseligen Erde etwas, mit dem nicht schon tausendfach Böses verübt worden wäre? Wenn Gott solche Dinge wegen ihres schlechten Gebrauchs nicht gleich über alle Massen verflucht, wie sollte Er dann gerade auf das Geld so zornig sein und Selbst des Fluches würdig werden?«

GEJ 1.94.21

Ich sage: »Was jemand liebt, dafür hat er auch genug Verstand, um es zu loben. Du aber liebst das Geld übermässig und verstehst dich deshalb sehr gut darauf, es zu preisen. Darum will Ich dir darüber nichts weiter sagen; denn was man liebt, das weiss man auch zu loben. Du wirst jedoch in einer nicht allzu fernen Zeit den Fluch des Geldes noch kennenlernen. Nun aber nichts mehr davon. Der Weg nach Kapernaum ist gut begehbar, und wir müssen vor Sonnenuntergang dorthin gelangen und uns dort eine Herberge suchen.«

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