Simon Petrus sagte: «Herr! Wer wird Dich verlassen, wer wird Dir nicht dienen wollen? Du allein hast Worte des Lebens, wie sie vor Dir noch nie aus dem Mund eines Menschen gekommen sind. Verlange alles von uns, und wir werden es tun; verlange nur niemals, dass wir Dich verlassen sollen. Habe Geduld mit unserer grossen Schwäche und stärke uns durch die Gnade des Vaters im Himmel. Sie hat auch Dich wunderbar gestärkt, sodass Du nun völlig eins mit Deinem Vater im Himmel dastehst, lehrst und wirkst.
So wollen wir auch, wie Du uns auf dem Berg gelehrt hast, in Deinem Namen allezeit bitten und sagen: Vater im Himmel, Dein Reich komme und Dein heiliger Wille geschehe! Und wie wir denen vergeben, die uns Böses getan haben, so vergib auch Du uns unsere Schwächen und Sünden.»
Ich sagte: «Simon, diese Sprache gefällt Mir besser als deine frühere Verteidigung des Gesetzes und seiner Sanktion. Was nützen einem Land oder Reich Ruhe und Ordnung, wenn sie durch den härtesten Zwang erzielt wurden? Eine Zeit lang mag es gutgehen. Wenn es aber den allzu sehr unterdrückten Teufeln unerträglich wird, werden sie sich erheben und mit schrecklichem Hohn die Gesetze und Gesetzgeber zertreten. Denn wer noch mit Gewalt gehalten und geleitet werden muss, ist noch ein Teufel. Nur wer sich von Liebe, Sanftmut und Geduld leiten lässt, gleicht einem Engel Gottes und ist würdig, ein Kind des Allerhöchsten zu sein.
Mit Liebe erreicht ihr alles; durch Gewalt wird der Teufel jedoch nur aus seinem Schlaf geweckt. Was für Gutes kann dann wohl vom Menschen über die Erde kommen?
Es ist also unendlich viel besser, dass unter den Menschen Liebe und Sanftmut wachsen und zu allen Zeiten wach bleiben. Dadurch werden die Teufel zum Schlaf und zur Ruhe genötigt, sodass sie der Erde nicht schaden. Das ist besser, als die Teufel mit dem dröhnenden Lärm der Gewalt zu wecken, damit sie dann die Erde und alles auf ihr verderben. Sage Mir, was kannst und willst du dagegen einwenden?»
Simon Petrus sagte: «Herr, hier gibt es nichts mehr einzuwenden, denn da ist alles klar und gut verständlich. Aber wie viele Menschen auf der Erde wissen etwas von dieser heiligen Wahrheit? Herr, sieh, hier gibt es Legionen von Engeln aus den Himmeln. Sende sie zu allen Menschen auf der ganzen Erde und lass ihnen eine solche Wahrheit verkünden. Wenn dies geschähe, meine ich, würde es auf dem sündigen Boden der Erde einmal heller und besser werden.»
Ich sagte: «Du meinst es so, wie du es verstehst; Ich muss jedoch anderer Meinung sein. Sieh, tausendmal so viele Engel, wie du hier erblickst, sind ständig bei den Menschen und wirken auf deren innere Gefühle und Sinne ein. Dies geschieht so, dass der Mensch dadurch nicht wissentlich unter Zwang gerät und solche Gedanken, Wünsche und Triebe daher ohne Beeinträchtigung seiner Freiheit ganz als seine eigenen annehmen und befolgen könnte. Was geschieht aber?
Im Verborgenen denken die Menschen zwar gut, haben gute Wünsche und fassen lobenswerte Vorsätze. Wenn sie aber danach handeln sollen, blicken sie auf die Welt, auf ihre Güter und auf die trügerischen Bedürfnisse ihres Fleisches und handeln danach böse und voller Selbstsucht.
Ich will dir viele Tausende vorführen, die reine Übeltäter sind, und sie fragen, ob sie nicht wissen, dass sie Böses tun. Sie werden dir alle sagen, dass sie es wissen. Fragst du sie aber, warum sie Böses tun, werden viele sagen: «Weil es uns Vergnügen bereitet.» Andere werden sagen: «Wir würden zwar gern Gutes tun; weil andere jedoch Böses tun, tun wir es ihnen gleich.» Wieder andere werden sagen: «Wir kennen das Gute wohl, sind aber nicht imstande, es auszuüben. Unsere Natur sträubt sich dagegen, und wir müssen denjenigen hassen, der uns beleidigt hat.»
Sieh, noch mehr solcher Antworten werden dir begegnen, und daraus wirst du gewiss nur zu bald erkennen, dass selbst die als allerschlimmste ausgezeichneten Übeltäter nicht ohne Kenntnis des Guten und Wahren sind, dennoch aber das Böse tun.
Wenn die Menschen aber entgegen ihrer innersten Erkenntnis Böses tun, was ist dann von einer Erkenntnis zu erwarten, die von aussen in sie gelangt? Von nun an werden den Menschen auch von aussen Erkenntnisse des Guten und Wahren aus den Himmeln gegeben werden; dafür werden sie Mich, euch und viele andere töten, die sie lehren werden, das Gute zu tun und das Böse zu unterlassen und zu meiden.»
Simon sagte: «Herr, wenn es so ist, dann sollte lieber die ganze Welt ganz dem Teufel gehören. Was liegt an einer solchen Menschenwelt, die das Gute niemals erkennen und annehmen will?»
Ich sagte: «Wer wie du in grosser Erregung redet, ist noch fern von Meinem Reich. Wenn Ich aber aufgefahren sein werde, wirst du anders reden. Nun ist es Abend geworden; lasst uns ins Haus gehen und dort unseren ermüdeten Gliedern eine Stärkung geben.»