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GEJ 1.45

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 45 von 161

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GEJ 1.45.1

Nathanael sagte: «Bis hierher hatte ich mit dir zu reden; von nun an liegt alles in der Hand des Herrn. Was Er will, das wollen und tun auch wir. Denn wir alle sind geistig noch sehr arm; darum müssen wir bei Ihm bleiben, damit das Himmelreich unser werde. Mit dem Herrn wollen wir auch jedes Leid und jede Verfolgung tragen, damit wir an Ihm und in Ihm den rechten Trost haben. In Seinem Namen wollen wir in allen unseren Gedanken, Urteilen, Wünschen und Begierden sowie in allem, was wir tun und lassen, sanftmütig sein, damit wir zu rechten Besitzern des wahren Bodens werden, der die reine Liebe zu Gott in unseren Herzen ist.

GEJ 1.45.2

Wir wollen auch kein Land scheuen, in dem es hart und ungerecht zugeht. Uns soll nach der rechten Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn wir haben Den bei uns, der uns darin wahrhaft für ewig sättigen kann.

GEJ 1.45.3

Wir selbst aber wollen gegenüber jedem Menschen voller Barmherzigkeit sein, ob er gerecht oder ungerecht an uns handelt, damit wir in den Augen des Herrn der grossen Barmherzigkeit Gottes würdiger erachtet werden.

GEJ 1.45.4

Ebenso wollen wir überall, soweit es nur möglich ist, unsere Herzen vor jeder Unreinheit bewahren, so wie hier vor euch, damit der Herr nicht von uns fortzieht, wenn wir Ihn anschauen. Denn mit einem unreinen Herzen kann man sich Gott nicht nahen und im Geist und in aller Wahrheit Sein Angesicht und die Fülle der Wunder Seiner Werke schauen.

GEJ 1.45.5

Sind wir aber reinen Herzens, müssen wir friedlich, geduldig und sanft zu jedem Menschen sein. Denn ein zorniges Herz kann niemals rein sein, weil der Zorn stets dem Boden des Hochmuts entspringt. Sind wir dagegen friedlichen Herzens, können wir uns ganz zuversichtlich als Kinder Dem nahen, der uns die Kindschaft Gottes brachte und uns lehrte, zu Gott selbst als unserem Vater zu beten.

GEJ 1.45.6

Wenn wir nach eurer Meinung auch in anderen Ländern und Orten wegen unserer gewiss allerrechtmässigsten Sache verfolgt werden, so macht das, mein Freund, nichts. Denn wir haben dafür Ihn und durch Ihn den Himmel der Himmel. So sind wir schon hier selig, ja überselig, ob die Menschen uns Seinetwegen lieben, verachten oder verfolgen; denn Er ist Herr über alle und über alles. Dem, dem alle Himmel gehorchen und stets zum Dienst bereitstehen, wie wir uns gestern und schon früher überzeugt haben, dienen auch wir als Allernächste. Das allein ist uns schon der höchste Lohn und die höchste Ehre. Darum sorge dich nicht um uns, denn wir wissen und erkennen, woran wir sind.»

GEJ 1.45.7

Über diese entschlossene Rede staunte der Oberpriester sehr und sagte: «Wahrlich, wenn ich hier nicht notwendig wäre und weder Frau und Kinder noch manches andere hätte, würde ich selbst mit euch ziehen!»

GEJ 1.45.8

Nathanael sagte: «Wir aber haben Frauen, Kinder und Besitz verlassen und sind Ihm gefolgt, und unsere Frauen und Kinder leben dennoch. Nach meinem Dafürhalten sage ich dir: Wer in dieser Welt aus Liebe zu Ihm nicht alles verlassen kann, was es auch sei, ist Seiner Gnade nicht wert. Ob dich das beleidigt oder nicht, es ist nun einmal so. Mein Herz sagt es mir, und im Herzen ist alles Wahrheit, wenn in ihm der Geist einmal im lebendigen Denken in Gott erwacht ist. Er braucht uns nicht, aber wir brauchen Ihn.

GEJ 1.45.9

Hast du Ihm jemals geholfen, die grosse Sonne über den weiten Horizont emporzuheben und ihr Himmelslicht über die weite Erde auszubreiten? Oder hast du je die Fesseln gesehen, geschweige denn geschmiedet, die der Herr den Winden anlegt? Hast du gesehen, wie Er die Blitze, den gewaltigen Donner und das Meer in seinen Tiefen festhält? Wer kann sagen, er habe dem Herrn jemals bei irgendetwas geholfen? Wenn es aber so ist, wie kann dann jemand, zu dem der Herr sagt, er solle Ihm folgen, noch an seine Frau, seine Kinder und seinen Besitz denken und Ihm nicht ganz bedingungslos folgen — Ihm, dem Herrn allen Lebens, aller Himmel und aller Welten, auf den wir so lange gehofft haben, dass Er kommen würde, und der nun genauso gekommen ist, wie alle Propheten und Erzväter von Ihm geweissagt haben?»

GEJ 1.45.10

Nun sagte der Oberpriester: «Wenn ich nur nicht Oberpriester wäre, wahrlich, dann würde ich tun, was ihr alle getan habt. Aber ich bin Oberpriester. Da ihr, wie ich erfahren habe, nur noch einen Tag bei uns bleiben werdet, bin ich diesen noch Glaubensschwachen hier so nötig wie das Auge zum Sehen. Du wirst daher einsehen, dass ich nicht so sehr wegen meiner Frau, meiner Kinder und meines Besitzes hierbleiben muss, sondern vielmehr wegen dieser Glaubensschwachen. Sie werden sich noch lange nicht vollständig von der tief eingepflanzten Vorstellung über das Wesen des Messias und den Zweck Seines Auftretens lösen können. Die Mühe wird mir schwerfallen, aber was kann ich tun?

GEJ 1.45.11

Ich glaube nun fest, dass euer Meister der verheissene Messias ist; aber was ist mit meiner Gemeinde? Du hast gesehen, wie schon während der Predigt eine ganze Menge fortging. Sie sind von verärgertem Unglauben erfüllt und werden ihn nun eifrig verbreiten. Viele, die noch hiergeblieben und gestern voller Glauben waren, sind jetzt ebenfalls voller Zweifel und wissen nicht, was sie glauben sollen.

GEJ 1.45.12

Denke nun aber an mich, der ich für alle diese Menschen ein Orakel bin: Was für eine Arbeit werde ich haben! Wenn ich sie nicht bekehre, bleiben sie bis ans Ende der Welt alles Mögliche, nur nicht das, was sie sein sollen. Darin liegt der Hauptgrund, weshalb ich vor allem hierbleiben muss. Ich glaube, der Herr wird mir deshalb nicht ungnädig sein. Denn auch wenn ich nicht leiblich in Seiner Gesellschaft bin, werde ich doch immer geistlich in ihr bleiben und mich bemühen, Ihm als treuer Knecht und Hirte Seiner Herde aufs Treueste zu dienen, vollkommen nach Seiner Lehre, die ich hier vernommen habe. Ich meine, dass Ihm dies ebenfalls recht sein wird.»

GEJ 1.45.13

Ich sagte: «Ja, so ist es Mir völlig recht und lieb. Denn du sollst Mir in dieser Gemeinde ein tüchtiges Werkzeug sein, und dein Lohn im Himmel soll einst gross sein. Nun ist es aber Abend geworden; darum lasst uns wieder nach Hause gehen. So sei es.»

GEJ 1.45.14

Nach diesen Worten machten wir uns vom Berg hinab auf den Heimweg. Es war aber noch viel Volk da, obwohl viele schon zuvor voller Unglauben und Ärger fortgegangen waren, als Ich die Predigt beendet hatte.

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