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GEJ 1.37

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 37 von 161

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GEJ 1.37.1

Am frühen Morgen, als die Sonne kaum eine Spanne über dem Horizont stand, kamen bereits zahlreiche Priester vor Irhaels Haus. Wegen der Nähe des heiligen Berges Garizim wohnten sie in Sichar. Sie begannen sofort laut zu lärmen und riefen: «Hosianna über Hosianna und Heil Dem, Der im Namen der Herrlichkeit Gottes gekommen ist! Verweile, Sonne, und stehe still, du Mond, bis der Herr aller Herrlichkeit mit Seiner gewaltigen Rechten alle Seine Feinde, die auch unsere Feinde sind, schlägt und vernichtet. Verschone nur die Römer, o Herr, denn sie sind unsere Freunde, weil sie uns vor den Juden schützen. Diese sind keine Kinder Gottes mehr, sondern Kinder Beelzebubs und opfern diesem ihrem Vater in dem Tempel, den Salomo Dir, o Herr, erbaut hatte. Du hast wohlgetan, o Herr, dass Du zu Deinen rechten Kindern gekommen bist, die Deinen Verheissungen glaubten und Dich bis zu dieser Stunde sehnsüchtig erwarteten. Zwar kommst Du von den Juden, denn es heisst, dass das Heil von den Juden komme; aber wir haben gehört, dass Du in Jerusalem und im Tempel warst, die Juden mit Stricken schlugst und ihre Stühle umwarfst. O Herr, daran hast Du sehr wohlgetan, und alle Himmel sollen Dich deshalb mit Psalmen, Harfen und Posaunen loben. Wir sagten es immer: Wenn Du kommst, wirst Du nicht an der heiligen Stätte vorübergehen, auf der Daniel, Dein Prophet, den Gräuel der Verwüstung Jerusalems verkündete. Von dieser Stätte aus wirst Du, o Herr, Deinen Völkern das Heil verkünden. Gepriesen sei Dein Name, Hosianna Dir in der Höhe und Heil allen Kindern guten Willens!»

GEJ 1.37.2

Dieses teilweise sinnvolle, teilweise aber auch sehr unsinnige Geschrei zog natürlich viele Menschen herbei, ganz gewiss auch alle, die am Vortag am Brunnen bei Mir gewesen waren und Mich nun wiedersehen und hören wollten. Der Lärm und die Menschenmenge nahmen von Sekunde zu Sekunde zu, und alle im Haus mussten aufstehen und nachsehen, was dort los war. Die Jünger erhoben sich zuerst und fragten Mich, was dies für ein Tumult sei und ob es ratsam wäre zu bleiben oder vielleicht doch besser, davor zu fliehen.

GEJ 1.37.3

Ich sagte: «O ihr Kleinmütigen! Hört doch, wie sie Hosianna rufen. Wo man Hosianna ruft, ist es gar nicht so gefährlich zu bleiben.»

GEJ 1.37.4

Damit waren die Jünger beruhigt, und Ich sagte weiter zu ihnen: «Geht nun hinab und sagt ihnen, sie sollen schweigen und sich auf den Berg begeben. Denn nach der sechsten Stunde, also nach zwölf Uhr mittags, werde Ich mit euch allen hinauskommen und euch und ihnen vom Berg herab das Heil verkünden. Sie sollen auch Schreiber mitnehmen, die aufzeichnen, was Ich dort vom Berg aus lehren werde.

GEJ 1.37.5

Du, Johannes, brauchst dies jedoch nicht aufzuschreiben, denn diese Meine Lehre wird ohnehin mehrfach aufgezeichnet werden. Hier befindet sich ein Schreiber, ebenfalls ein Galiläer, namens Matthäus. Er hat schon manches aus Meiner Jugend aufgezeichnet, und weil er eine schnelle Feder führt, wird er gewiss alles niederschreiben, was er hören und sehen wird. Bringt ihn herauf, ruft ihn bei seinem Namen, und er wird euch sogleich folgen. Sagt auch den führenden Priestern, dass sie heraufkommen dürfen, ebenso einigen der Ersten, die ihr gestern am Brunnen gesehen habt. Ruft Mir aber zuerst Matthäus, denn Ich will, dass auch er uns folgt.»

GEJ 1.37.6

Die Jünger gingen nun schnell hinab und taten, was Ich ihnen geboten hatte.

GEJ 1.37.7

Während die Jünger unten auf der Gasse ihren Auftrag ausführten, kamen alle anderen Gäste zusammen mit Maria zu Mir in den Speisesaal. Sie begrüssten Mich überaus freundlich, dankten und erzählten Mir kurz von wunderbaren Träumen, die sie in dieser Nacht gehabt hatten. Dann fragten sie Mich, ob man solchen Träumen Bedeutung beimessen solle.

GEJ 1.37.8

Ich sagte: «Was die Seele im Traum schaut, entspricht ganz ihrer eigenen Art. Befindet sich die Seele durch das, was Ich euch zu glauben und zu tun lehre, im Wahren und Guten, so sieht sie auch im Traum Wahres und kann sich daraus Gutes für das Leben schaffen. Befindet sich die Seele aber im Falschen und daraus im Bösen, so wird sie im Traum Falsches sehen und daraus Böses bilden.

GEJ 1.37.9

Da ihr nun durch Meine Lehre im Wahren seid und Mir deshalb gefolgt seid, kann eure Seele auch im Traum nur Wahres geschaut haben, woraus sie viel Gutes hervorbringen kann.

GEJ 1.37.10

Ob die Seele aber auch erfasst, was sie im Traum schaut, ist freilich eine ganz andere Frage. Denn ebenso wie ihr nicht alles erfasst und begreift, was ihr in der Aussenwelt seht, in der ihr am Tag lebt, erfasst auch die Seele nicht, was sie in ihrer eigenen Welt schaut.

GEJ 1.37.11

Wenn jedoch der Geist in euch wiedergeboren wird, wie Ich es Nikodemus in Jerusalem verkündet habe, als er in der Nacht zu Mir kam, dann werdet ihr alles erfassen, begreifen und vollständig einsehen.» Damit waren alle zufrieden und traten zurück.

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