Joh. 4,17. Die Frau antwortete Ihm: «Ich habe keinen Mann.» Jesus sagte zu ihr: «Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.»
Die Frau erwiderte darauf ziemlich schnippisch: «Ich habe keinen Mann!» Mit einem leichten Lächeln sagte Ich zu ihr: «Kurz, gut und richtig; damit hast du nun vollkommen wahr gesprochen.»
Joh. 4,18. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Darin hast du wahr gesprochen, wie es um dich steht.
«Sieh, Meine Liebe, fünf Männer hast du bereits gehabt. Weil deine Natur mit der ihren nicht übereinstimmte, wurden sie bald krank und starben; keiner hielt es länger als ein Jahr mit dir aus. In deinem Leib ist ein schlimmes Gewürm, und jeder, der mit dir zu tun bekommt, wird bald davon getötet. Der Mann aber, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann, sondern nur dein Geliebter – zu seinem und deinem Verderben. Ja, damit hast du vor Mir tatsächlich die Wahrheit gesagt.»
Joh. 4,19. Die Frau sagte zu Ihm: «Herr, nun sehe ich, dass Du ein Prophet bist.»
Die Frau erschrak innerlich, wollte sich jedoch nichts anmerken lassen und sagte nach einer Weile trotzdem: «Herr, ich sehe, dass Du ein Prophet bist! Da Du so viel weisst, weisst Du vielleicht auch, was mir helfen könnte?»
Joh. 4,20. Unsere Väter haben Gott auf diesem Berg Garizim angebetet; ihr aber sagt, Jerusalem sei der Ort, an dem man Gott anbeten solle. Was davon gilt vor Gott?
«Ich weiss wohl, dass in solchen Dingen nur Gott helfen kann. Aber wie und wo soll man Ihn darum anbeten? Unsere Väter sagen, man müsse Gott auf dem Berg Garizim anbeten, wo schon die ersten Erzväter Ihn angebetet haben. Ihr aber sagt, Jerusalem sei der richtige Ort. Da Du offensichtlich ein Prophet Gottes bist, sage mir, wo man Gott wirklich wirksam anbeten soll. Ich bin noch jung, und die Menschen nennen mich eine wunderschöne Frau. Es wäre entsetzlich, wenn meine Würmer mich bei lebendigem Leib auffressen würden. O ich arme, elende Frau!»
Joh. 4,21. Jesus sagt zu ihr: «Frau, glaube Mir! Die Zeit kommt und ist schon da, in der ihr den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet.»
Ich sagte: «Frau, Ich kenne deine Armut, deine Not und deinen kranken Leib. Ich kenne aber auch dein Herz, das zwar nicht das beste, jedoch auch nicht schlecht ist; deshalb rede Ich mit dir. Wo das Herz noch einigermassen gut ist, kann auch noch jede Hilfe möglich sein. Du irrst aber völlig, wenn du darüber zweifelst, wo man Gott würdig und wirksam anbeten soll.
«Ich sage dir: Glaube Mir! Die Zeit kommt und ist schon da, in der ihr den Vater weder auf dem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet.»
Die Frau erschrak und sagte: «Wehe mir und dem ganzen Volk! Was wird aus uns werden? Dann müssen auch wir ebenso schrecklich gesündigt haben wie die Juden. Warum sandte Jehova uns diesmal keinen Propheten zur Ermahnung? Du bist zwar als wahrer Prophet zu uns gekommen; aber was nützt uns das, wenn Du sagst, Gott werde künftig weder auf dem Berg noch in Jerusalem angebetet? Bedeutet dies nicht – wie ich aus Deinem plötzlich sehr ernsten Gesicht las –, dass Gott Sein altes Volk völlig verlassen und Seine Wohnstätte bei einem anderen Volk nehmen wird? Wo auf der Erde wird das sein? Sage es mir, damit ich dorthin ziehe und als wahre Büsserin den Vater anbete, damit Er mir Elenden hilft und mein Volk nicht ganz verlässt.»
Darauf sagte Ich: «Hör Mir genau zu und verstehe, was Ich dir sage! Warum zweifelst und zitterst du? Meinst du, Gott sei in der Erfüllung Seiner Verheissungen ebenso untreu wie die Menschen untereinander?»
Joh. 4,22. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir aber wissen, was wir anbeten, denn das Heil kommt dennoch von den Juden.
«Ihr besteigt zwar den Berg und betet dort, aber ihr wisst weder, was ihr betet, noch wen ihr anbetet. Ebenso ist es bei denen, die in Jerusalem anbeten: Sie laufen in den Tempel und veranstalten dort ein schreckliches Geschrei, wissen jedoch ebenfalls nicht, was sie tun und was sie anbeten.
Dennoch kommt das Heil, wie Gott durch den Mund des Propheten gesprochen hat, nicht von euch, sondern von den Juden. Lies nur den dritten Vers im zweiten Kapitel des Propheten Jesaja; dort wirst du es finden.»
Die Frau sagte: «Ja, ich weiss, dass dort geschrieben steht, das Gesetz gehe von Zion aus, da es auch dort in der Lade verwahrt wird. Aber warum sagst Du dann: Weder auf dem Berg noch in Jerusalem?»
Joh. 4,23. Die Zeit kommt und ist schon jetzt vor deinen Augen da, in der die wahren Anbeter Gott den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater Selbst will, dass die Menschen Ihn so anbeten.
«Du hast Mich noch immer nicht richtig verstanden. Gott, der Vater von Ewigkeit, ist weder ein Berg noch ein Tempel und wohnt ebenso wenig in der Lade. Darum sagte Ich dir: Die Zeit kommt und ist nun schon vor deinen Augen da, in der die wahren Anbeter – wie du sie hier in grosser Zahl unter den Bäumen ruhen siehst und einige von ihnen bereits in der Stadt beim Einkauf von Speise getroffen hast – den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Denn von nun an will der Vater Selbst, dass die Menschen Ihn so anbeten.»
Joh. 4,24. Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
«Denn Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Dazu braucht es weder einen Berg noch irgendeinen Tempel, sondern nur ein möglichst reines, liebevolles und demütiges Herz. Ist das Herz so, wie es sein soll – ein Gefäss der Liebe zu Gott, erfüllt von Sanftmut und Demut –, dann ist volle Wahrheit darin. Wo Wahrheit ist, dort sind Licht und Freiheit, denn das Licht der Wahrheit macht jedes Herz frei. Ist das Herz frei, so ist auch der ganze Mensch frei.
Wer Gott mit einem solchen Herzen liebt, ist ein wahrer Anbeter Gottes des Vaters. Der Vater wird sein Gebet stets erhören und nicht auf den bedeutungslosen Ort achten – ob Berg oder Jerusalem, denn die Erde gehört überall gleichermassen Gott –, sondern allein auf das Herz jedes Menschen. Ich meine, dass du Mich nun verstanden hast.»