Joh. 3,6. Was vom Fleisch geboren wird, ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, ist Geist.
Ich antwortete ihm, wie es im vorstehenden sechsten Vers geschrieben steht: «Wundere dich nicht darüber, dass Ich so zu dir rede. Denn sieh: Was aus dem Fleisch kommt, ist wiederum Fleisch, also tote Materie oder die äusserste Umhüllung des Lebens. Was aber aus dem Geist kommt, ist Geist, also das ewige Leben und die Wahrheit in sich selbst.»
Nikodemus versteht die Sache aber noch immer nicht. Er zuckt mit den Schultern und wundert sich zunehmend – weniger über die Sache selbst als darüber, dass er als einer der weisesten Pharisäer, der doch in der ganzen Schrift bewandert ist, den Sinn solcher Worte nicht erfassen kann. Denn er hielt viel von seiner Weisheit und war gerade wegen dieser grossen Weisheit zum Obersten der Juden erhoben worden.
Umso mehr erstaunte es ihn, dass er in Mir völlig unerwartet einen Meister gefunden hatte, der ihm höchst sonderbare Weisheitsnüsse zum Knacken bot. Da er sich überhaupt nicht zurechtfinden konnte, fragte er Mich erneut: «Wie soll das nun wieder verstanden werden? Kann denn auch ein Geist schwanger werden und dann seinesgleichen gebären?»
Joh. 3,7. Wundere dich nicht darüber, dass Ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden.
Ich sage zu ihm: «Ich habe dir bereits gesagt, dass du dich nicht so sehr darüber wundern sollst, wenn Ich dir sage: Ihr müsst alle von Neuem geboren werden.»
Joh. 3,8. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weisst nicht, woher er kommt und wohin er zieht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.
«Sieh, der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weisst aber trotzdem nicht, woher er ursprünglich kommt. Genauso verhält es sich mit jedem, der aus dem Geist kommt und zu dir spricht. Du siehst und hörst ihn zwar, doch weil er auf geistige Weise zu dir spricht, erfasst und verstehst du nicht, woher er seine Erkenntnis hat und was er damit sagt und bezeichnet. Da du aber ein redlicher Weiser bist, wird dir zur rechten Zeit gegeben werden, solche Dinge zu erfassen und zu verstehen.»
Joh. 3,9. Nikodemus antwortete Ihm: «Meister, wie kann so etwas geschehen – oder wie kann es an mir geschehen?»
Nikodemus schüttelt nachdenklich den Kopf und sagt nach einer Weile: «Von Dir möchte ich gern erfahren, wie so etwas geschehen soll. Denn was ich weiss und verstehe, weiss und verstehe ich in meinem Fleisch. Wird mir das Fleisch genommen, werde ich wohl kaum noch etwas erfassen und verstehen. Wie werde ich als Fleisch zu einem Geist, und wie soll dann ein anderer Geist meinen Geist in sich aufnehmen und von Neuem gebären? Wie kann das möglich sein?»
Joh. 3,10. Jesus antwortete ihm: «Du bist doch ein Meister in Israel und weisst das nicht?»
Ich sage zu ihm: «Du bist einer der weisesten Meister in Israel und kannst das nicht erfassen und begreifen? Wenn du es als ein Meister der Schrift nicht verstehen kannst, was soll dann erst aus den vielen anderen werden, die von der Schrift kaum mehr wissen, als dass es einst Abraham, Isaak und Jakob gab?»
Joh. 3,11. Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir: Wir Geistigen reden ganz natürlich von dem, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; doch ihr wollt unser Zeugnis nicht verstehen und annehmen.
«Wahrlich, wahrlich, glaube Mir! Wir – das heisst Ich und Meine Jünger, die wir aus dem Geist gekommen sind – sprechen hier mit dir nicht rein geistig, sondern ganz natürlich. In Naturbildern der Erde geben wir dir kund, was wir im Geist wissen und gesehen haben; doch ihr könnt es nicht erfassen und annehmen.
Joh. 3,12. Wenn ihr schon nicht glauben und verstehen könnt, wenn Ich mit euch von irdischen Dingen rede, wie würdet ihr dann glauben, wenn Ich mit euch über rein himmlische Dinge sprechen wollte?
«Wenn ihr schon etwas so Leichtes in verständlicher Rede nicht erfassen und begreifen könnt, obwohl Ich ganz irdisch mit euch über geistige Dinge spreche, die dadurch geradezu zu irdischen Dingen werden, dann möchte Ich wissen, wie sich euer Glaube verhalten würde, wenn Ich rein himmlisch zu euch über himmlische Dinge sprechen wollte.
Ich sage dir: Der Geist, der in und aus sich selbst Geist ist, weiss allein, was im Geist ist und worin dessen Leben besteht. Das Fleisch dagegen ist nur die äusserste Rinde und weiss nichts vom Geist, es sei denn, der Geist offenbart es der Hülle, der Rinde. Dein Geist wird jedoch noch zu sehr von deinem Fleisch beherrscht und verdeckt und weiss daher nichts von sich selbst. Doch die Zeit wird kommen, in der dein Geist, wie Ich dir bereits sagte, frei wird; dann wirst du unser Zeugnis verstehen und annehmen.»
Nikodemus sagte: «Lieber Meister, Du Weisester der Weisen! Sage mir doch verständlich, wann diese so sehnlich erwartete Zeit kommen wird.»
Darauf antwortete Ich: «Mein Freund, du bist noch nicht reif genug, dass Ich dir Zeit, Tag und Stunde nennen könnte. Sieh, solange der neue Wein nicht genügend vergoren ist, bleibt er trübe. Wenn du ihn in einen Kristallbecher füllst und diesen gegen die Sonne hältst, kann selbst ihr mächtigstes Licht die Trübung des jungen Weines nicht durchdringen. Ebenso verhält es sich mit dem Menschen. Bevor er nicht gehörig durchgegoren ist und durch den Gärungsprozess alles Unreine aus sich entfernt hat, kann das Licht der Himmel sein Wesen nicht durchdringen. Ich werde dir nun etwas sagen: Wenn du es verstehst, wirst du über die Zeit im Klaren sein. Höre Mich also an!»