Matthäus, Kapitel 8. Hier beginnt Matthäus, die Geschichte ab Vers 5 des achten Kapitels in gedrängter Form aufzuzeichnen, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem Ich wieder zu einem Fest nach Jerusalem ziehe.
Wir gehen nun ganz ruhig die wenigen hundert Schritte weiter. Als Ich das Stadtgebiet betrete, tritt sofort der Hauptmann zu Mir, bittet Mich und sagt: »Herr, mein Knecht liegt zu Hause, ist gelähmt, leidet grosse Qualen und kann nichts tun.«
Ich sage zum Hauptmann: »Ich will kommen und ihn gesund machen.«
Der Hauptmann aber erwidert: »Herr, ich bin es nicht wert, dass Du für mich unter mein Dach trittst. Sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund. Denn sieh, auch ich bin ein Mensch und wie viele andere einer höheren Obrigkeit unterstellt; dennoch habe ich viele Soldaten unter mir, die mir gehorchen. Wenn ich zu einem sage: ›Tu das‹, dann tut er es; heisse ich ihn zu gehen, dann geht er. Sage ich zu einem anderen: ›Komm‹, dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Knecht sage: ›Tu mir dies oder jenes‹, dann tut er es sofort.
Dir aber sind alle Geister untertan, und Du bist in aller Fülle Herr über alles, was im Himmel, auf der Erde und in der Erde ist. Du brauchst daher Deinen für uns Menschen unsichtbaren Mächten nur einen Wink zu geben, und sie werden Deinen Willen sofort ausführen.«
Dass dieser Hauptmann Mir das Anliegen wegen seines Knechtes so vertrauensvoll vorträgt, hat folgenden Grund: Durch die schnelle Genesung des Sohnes des königlichen Beamten und durch manche Erzählung des Obersten hatte er sich davon überzeugt, dass Ich auch in die Ferne allein durch das Wort auf wunderbare Weise heilen kann. Deshalb kam er, wie zuvor der königliche Beamte, zu Mir, als er hörte, dass Ich Mich der Stadt nähere.
Als Ich diese höchst vertrauensvolle Rede des Hauptmanns vernahm, verwunderte Ich Mich natürlich nicht Meinetwegen, sondern um der Jünger willen. Ich sagte weniger zum Hauptmann als vielmehr zu denen, die bei Mir waren: »Wahrlich, einen solchen Glauben habe Ich in ganz Israel nicht gefunden. Aber Ich sage euch auch: Viele werden vom Morgen und vom Abend kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen — das heisst, die Herrlichkeit des Vaters besitzen. Die Kinder des Reichs aber werden in die äusserste Finsternis hinausgestossen werden, wo es ein jämmerliches Zähneklappern geben wird.«
Bei diesen einleitenden Worten schlugen sich viele an die Brust und sagten: »Herr, wirst Du denn die Kinder verwerfen und an ihrer Stelle die Heiden annehmen?«
Und Ich sage: »Weder die Kinder noch die Heiden. Wer glaubt und die Liebe besitzt, der wird angenommen werden — ob Jude, Grieche oder Römer.«
Darauf wende Ich Mich dem Hauptmann zu und sage zu ihm: »Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.«
Der Hauptmann dankte Mir aus der Fülle seines Herzens, ging in sein Haus und fand dort alles erfüllt, worum er aus seinem Glauben gebeten hatte, in dem weder vorher noch nachher ein Zweifel war. Denn der Knecht war in derselben Stunde gesund geworden, in der Ich zum Hauptmann gesagt hatte: »Dir geschehe, wie du geglaubt hast.«
Dieses Zeichen in Kapernaum selbst und ebenso das frühere am Sohn des königlichen Beamten, der in Kapernaum Statthalter war, erregten in dieser Stadt ungeheures Aufsehen — besonders unter den Römern und Griechen, die sich dort aufhielten. Unter den Juden sowie den Priestern und Schriftgelehrten, die von Jerusalem aus in dieser Stadt stationiert und gewissermassen dauerhaft angestellt waren, erweckte es jedoch nur Ärger, Grimm und Wut.