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GEJ 1.151

Quelle: Jakob Lorber

Kapitel 151 von 161

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Die Vorgesetzten in Kapernaum beriefen andere Männer und sandten sie Mir nach. Doch auch diese hatten heftig mit dem Sturm zu kämpfen, denn die Herbstzeit — eigentlich der Vorherbst, die sogenannten Hundstage — war schon nahe. Zu dieser Zeit gab es in Galiläa stets Stürme, besonders am Meer dieses Landes. Erst am fünften Tag kamen sie an dem Ort an, an dem Ich Mich noch aufhielt, und verlangten, mit Mir zu reden. Ich liess sie jedoch nicht vor, denn Ich wusste, was sie wollten. Stattdessen liess Ich ihnen ausrichten, dass Ich noch länger hierbleiben und von hier aus die benachbarten Orte besuchen werde. Sie sollten sich ruhig verhalten, sonst könne es ihnen sehr übel ergehen.

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Es war gerade der Tag nach dem Sabbat, also der heutige Sonntag, und dazu ein äusserst klarer und schöner Tag. Kisjonah kam zu Mir und schlug Mir und allen Anwesenden vor, den nächstgelegenen sehr hohen Berg zu besteigen.

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Dieser Berg hatte noch keinen Namen, denn die Erdkunde steckte damals noch sehr in den Kinderschuhen. Daher hatten die meisten Berge, Täler, Ebenen, Seen, Bäche und kleineren Flüsse keine allgemein gebräuchlichen Eigennamen, sondern wurden nur gelegentlich von den Menschen benannt, die in ihrer Nachbarschaft wohnten. Am schwierigsten war es stets mit den Namen der Berge.

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Berge, die nicht einzeln dastanden wie ein Tabor, ein Libanon, ein Ararat oder ein Sinai, sondern zu einer grossen, weit ausgedehnten Gebirgskette gehörten, hatten gewöhnlich keinen eigenen Namen. Teilweise trugen sie lediglich eine örtliche und vorübergehende Bezeichnung, nicht selten nach einem reichen Gebirgsbesitzer, der dort seine Herden hielt. Kam mit der Zeit ein anderer Besitzer, erhielt ein solcher Berg auch einen anderen Namen. So war auch dieser Berg, weil er dem Zöllner gehörte und eigentlich bereits zu Griechenland zählte, nach seinem Besitzer benannt.

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Weil dieser Ort an der Grenze zwischen Galiläa und Griechenland lag, war er ein Hauptzollpunkt. Von dort führte ein ziemlich gut angelegter Saumpfad aus Galiläa über das Gebirge nach Griechenland. Viele Tausend Händler aller Art zogen darüber und beförderten ihre vielfältigen Waren auf Kamelen, Packpferden und Eseln.

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Als die neu angekommenen Pharisäer hörten, dass wir den hohen Berg besteigen wollten, baten sie Kisjonah, sich der Gesellschaft anschliessen zu dürfen. Kisjonah sagte: »Wenn ihr guten Willens sein wollt oder könnt, ist der Berg, der von hier in Richtung Griechenland etwa zwanzig Wegstunden lang und fünf Wegstunden breit ist und vollständig mir gehört, gross genug, auch euch aufzunehmen. Als böswillige Spione der Priesterschaft von Kapernaum und Jerusalem könnte ich euch jedoch keinesfalls brauchen. Ich bin Grieche und nun der glühendste Anhänger der heiligen und nach meiner Überzeugung einzig wahren Lehre dieses göttlichsten Meisters aller Meister; daher müsste ich mich mit jedem mir verfügbaren Mittel vor eurer Gesellschaft schützen. Fragt euer Herz: Ist es rein, habt ihr freien Durchgang; ist es unrein, dann zieht sofort dorthin zurück, woher ihr gekommen seid!«

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Die Pharisäer sagen: »Wir sind rein und haben keine Falschheit in unseren Herzen. Wir bekennen uns zu Mose und sind Juden, ebenso wie Jesus ein Jude ist und das Gesetz Moses niemals verderben kann. Von allen Seiten verbreitet sich jedoch ein gewaltiger Ruf über Seine Taten und Lehren. Deshalb muss uns sehr daran gelegen sein, zu prüfen, ob Seine Lehren und Taten Mose nicht auflösen. Bestätigen sie Mose und die Propheten, werden auch wir sie annehmen; tun sie das Gegenteil, versteht es sich von selbst, dass wir dagegen sein müssen!«

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Der Zöllner sagt: »So wie ihr eben hier geredet habt, sprachen auch alle eure Vorfahren zu den Propheten. Später steinigten sie diese als Gottesleugner, und mir sind nur sehr wenige bekannt, die nicht gesteinigt worden wären. Dennoch beruft ihr euch bei jeder Gelegenheit auf die Propheten und rühmt euch ihrer! Eure Vorfahren waren genau das, was ihr seid, und ihr seid kein Haar besser als eure Vorfahren, die die Propheten steinigten. Darum traue ich euch auch gegenüber diesem heiligen Propheten aller Propheten nicht.

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Ihr nennt euch zwar Bekenner Moses; in eurem Tun aber seid ihr Mose ferner als diese Erde dem Himmel! Prüft euch daher, ob ihr würdig seid, mit uns diesen meinen Berg zu besteigen!«

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Ich sage zu Kisjonah: »Lass sie mitgehen! Wenn es ihnen zu viel wird, werden sie wohl umkehren. Denn von ihnen hat noch nie einer einen Berg bestiegen. Vielleicht reinigt die reine Luft dieses hohen Berges ihre Herzen ein wenig.«

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Kisjonah gab sich damit zufrieden, und wir traten, mit allem Nötigen versehen, den Weg nach oben an.

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Seine fünf Töchter waren ebenfalls dabei und umgaben Mich wie Küken. Sie befragten Mich über sehr verschiedene Dinge der Urschöpfung und über die Entstehung solcher Berge, und Ich erklärte ihnen alles entsprechend ihrer Auffassungskraft. Auch die vielen Jünger und eine Volksmenge, die uns begleitete, hörten Meinen Erklärungen zu, wo immer sie konnten, und erfreuten sich sehr daran.

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Nathanael, der am tiefsten von Meiner Göttlichkeit durchdrungen war, sprach von Zeit zu Zeit mit dem Berg und sagte: »O Berg, fühlst du, Wer Der ist, Der nun Seine Füsse auf dich setzt?« Und sooft Nathanael dem Berg eine solche grosse Frage stellte, erbebte dieser so stark, dass alle es wahrnahmen.

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Die Pharisäer gerieten darüber in grosse Furcht und begannen das Volk zu überreden, nicht weiter hinaufzugehen. Dies könne von alters her ein heiliger Berg sein, den kein Unwürdiger betreten dürfe; sonst beginne der Berg zu beben und zu toben und verderbe wegen des einen Unwürdigen alle.

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Das Volk aber sagte: »Dann kehrt nur ihr allein um; denn unseretwegen hat der Berg, den wir schon oft bestiegen haben, noch nie gebebt!«

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Da begannen die Pharisäer über das Volk zu murren, und während ihres Murrens erbebte der Berg erneut. Darauf kehrten sie schnell um und liefen, so schnell sie konnten, vom Berg wieder in die Ebene hinab. Auf diese Weise waren wir die lästigen Begleiter mit einem Mal los.

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Wir setzten unsere Reise ruhig fort und erreichten gegen Abend die weitläufigen Alpenwirtschaften Kisjonahs, wo wir übernachteten. Erst am zweiten Tag begannen wir wegen der Müdigkeit der Frauen mit der Besteigung des höchsten Gipfels dieses Berges. Von dort aus hatte man eine ausserordentlich schöne und weite Aussicht über ganz Judäa, Samaria, Galiläa und einen grossen Teil Griechenlands.

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