Als die Zwölf nach einigen Stunden in den oben erwähnten Markt kamen, fanden sie dessen Bewohner gruppenweise vor den Toren stehen: Sie heulten und weinten, und einige klagten über alle Massen. Denn die herodianischen Steuereintreiber trieben in dem Markt ihr Unwesen; sie plünderten die Häuser, nahmen zahlungsunfähigen Eltern ihre liebsten, besten und schönsten Kinder weg, banden diese wie Kälber mit Stricken zusammen und warfen sie auf ihre von Ochsen gezogenen Steuerwagen. Als die Jünger dieses Gräuels gewahr wurden, wandten sie sich in ihrem Herzen an Mich; —
und sie vernahmen in ihrem Herzen deutlich die Worte: »Was ihr dort wollt, soll auch sofort geschehen!« Als sie das hörten, sagten sie zu den überaus traurigen Bewohnern des Marktes: »Der Friede sei mit euch! Zu euch komme das Reich Gottes, das wir im Namen des Herrn ausbreiten! Geht mit uns in euren Markt, und wir werden die Sache mit den ungerechten und völlig herzlosen Steuereintreibern für euch regeln und zu Ende bringen!«
Die Einwohner sagen: »Oh, dort werdet ihr kein Gehör finden! Denn diejenigen, die diese höchst ungerechten Steuern erpressen, sind keine Menschen, sondern geradezu die wildesten Raubtiere; sie werden euch übel angreifen.«
Petrus sagt: »Liebe Brüder, nehmt an, was wir euch bringen; das Übrige wird der Herr durch uns ausrichten! Gold und Silber dürft ihr von uns nicht erhoffen, aber was wir haben, sollt ihr von uns erhalten. Nun eilen wir jedoch in den Markt hinein, damit die Kinder nicht zu lange leiden!«
Als die Jünger nun mit den Bewohnern den Ort betreten, sehen sie mehrere Wagen voller verschiedenster Habseligkeiten, einige mit Kindern und andere mit Schafen und Kälbern beladen. Die Steuereintreiber geben bereits das Zeichen zur Abfahrt und achten nicht auf das Schreien und Jammern der gefesselten Kinder.
Da tritt Petrus zum Obersten der Steuereintreiber und sagt in sehr ernstem Ton: »Elender! Mit welchem Recht begehst du solche Gräuel? Weisst du denn nicht, dass über dir ein allmächtiger Gott lebt, Der dich mitsamt deinen Helfershelfern in einem Augenblick vernichten kann? Lass von deinen Gräueln ab und gib alles zurück; sonst wirst du an dieser Stelle die ganze Schärfe des Zornes Gottes über dich kommen sehen!« Der Oberste der Steuereintreiber entgegnet Petrus: »Wer bist du, dass du es wagst, in einem solchen Ton mit mir zu reden? Weisst du etwa nicht, mit welcher Macht Herodes mich ausgestattet hat, der sie vom Kaiser in Rom gepachtet hat? Weisst du auch nicht, dass ich jeden, der mir in den Weg tritt, augenblicklich und ohne jedes vorherige Gericht töten lassen kann? Weiche jetzt zurück! Noch ein Wort, und die Schärfe des Schwertes wird dich treffen!«
Petrus sagt: »Nun denn: Da du, obwohl du ein Sohn Jakobs bist, kein Mensch mehr, sondern ein wildes Raubtier bist, treffe dich und deine Helfershelfer das Gericht Gottes! Denn ich, der dir dies verkündet hat, bin ein Gesandter Gottes, und auch meine Begleiter sind es. Was du mir antun wolltest, weil ich dich im Namen Gottes von Gräueltaten abhielt, das wolltest du Gott antun. Darum treffe dich auch das Gericht Gottes! Amen!«
Als Petrus dies mit grossem Eifer aussprach, fuhr Feuer aus der Erde, ergriff den Obersten und verzehrte ihn in einem Augenblick. Als dessen Helfershelfer das sahen, erschraken sie so gewaltig, dass sie vor Petrus niederfielen und gelobten, alles zu tun, was er ihnen gebieten würde, wenn er sie nur nicht ebenso schrecklich bestrafte.
Petrus sagt: »Dann gebt alles frei und zieht anschliessend in Frieden ab! Lasst euch aber ja nicht mehr danach verlangen, einem Herodes jemals wieder einen solchen Dienst zu leisten; denn beim nächsten Schritt in diese Richtung wird euch das geschehen, was soeben eurem Obersten vor euren Augen widerfahren ist!«
Auf diese Worte hin binden die Steuereintreiber sofort die Kinder los und geben sie frei, ebenso alle Tiere — Schafe und Kälber — und überhaupt alles, was sie in diesem Ort erpresst hatten, wozu weder sie noch Herodes irgendein Recht besassen. Denn dieser Markt hatte sich bereits ein Jahr zuvor bei den Römern von Herodes losgekauft, wie es wegen der grenzenlosen Unterdrückung durch Herodes auch mehrere andere Orte getan hatten. Herodes unternahm jedoch heimliche Raubzüge, liess die Ablösungsurkunde verleugnen und erteilte seinen Steuereintreibern mit einer neuen Urkunde volle Gewalt, wobei er erklärte, sich dafür vor dem Kaiser verantworten zu wollen.
Petrus erklärte den Steuereintreibern nun, welches Unrecht sie an ihren Brüdern begingen. Darauf begannen diese, Herodes zu verfluchen und sich selbst dafür zu verwünschen, dass sie so blind gewesen waren, einem solchen Tyrannen ihre Hände zu leihen.
Petrus aber begann, vom Reich Gottes zu lehren, und siehe: Alle Steuereintreiber bekehrten sich und folgten ihm nun, ungefähr hundert an der Zahl. Das war ein guter Fang; denn gerade diese Steuereintreiber wurden später aus eigenem Antrieb überaus tätig und trugen viel zur schnelleren Ausbreitung Meiner Lehre bei.
Die Bewohner dieses Marktes behielten die Apostel drei Tage bei sich und liessen sich sogar auf Meinen Namen taufen. Denn die Apostel tauften jeden mit Wasser auf Meinen Namen, der die Taufe verlangte.
Sie hatten von Mir zwar noch kein Gebot dazu erhalten, wussten aber, dass dies nicht gegen Meinen Willen verstösst.
Die Einwohner boten alles auf, um die Jünger bestmöglich zu bewirten, und boten ihnen schliesslich Geld an, weil die Jünger ihre Kranken gesund gemacht hatten. Doch die Jünger nahmen weder davon noch sonst etwas an. Darüber wunderten sich die früheren Steuereintreiber sehr und sagten: »Mehr als eure Wundertaten beweist eure nie dagewesene Uneigennützigkeit, dass ihr wahrhaftige Gesandte Gottes seid; denn die Menschen dieser Welt sind vom schwärzesten Eigennutz erfüllt!«
Judas machte allerdings ganz verblüffte Augen, als er das viele Geld sah, das man ihm anbot. Doch Thomas blieb stets an seiner Seite, und so wagte der geldgierige Jünger diesmal nicht, etwas anzunehmen, was er insgeheim sehr bedauerte.
Nach drei Tagen teilten sich die Jünger von hier aus zu je zwei auf. Mit jedem Zweierpaar gingen auch zehn bis fünfzehn der bekehrten Steuereintreiber und leisteten den Jüngern gute Dienste; denn sie hatten viel Mut und kannten keine Furcht vor Menschen.
Die Zwölf taten nun, was Ich ihnen aufgetragen hatte, und verrichteten überall gute Arbeit.
Was aber tat Ich nun, nachdem Ich die zwölf Jünger mit den erteilten Anweisungen ausgesandt hatte?